Stadtsuperintendent Bernhard Seiger im Amt bestätigt – Nachrichten von der Verbandsvertretung: Wahlen und Haushaltsberatungen

Auch die Verbandsvertretung des Kirchenverbandes Köln und Region (EKV) tagte als Zoom-Konferenz. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger eröffnete die Sitzung mit einer Andacht und „Gedanken zum Corona-Jahr und zur Freiheit“, wie er zu Beginn anmerkte. Abstand sei in diesen Zeiten die neue Form von Nähe. Auch wenn es schwerfalle, auf Begegnungen zu verzichten. „Und wir blicken mit gemischten Gefühlen auf Weihnachten. Wie können wir verantwortungsvoll und trotzdem nah bei den Menschen sein?“, laute die Frage, die es zu beantworten gelte. Es gebe, so der Stadtsuperintendent, zunehmenden politischen Streit darüber, wie weit der Staat die Freiheit des Einzelnen einschränken dürfe. Und wie weit staatliche Stellen über die Lebensumstände der Menschen bestimmen dürften. „Wie stehen Freiheit und Gemeinwohl zueinander?“, fragte Seiger und erinnert an die drei Freiheitsschriften von Martin Luther von 1520 vor exakt 500 Jahren. Insbesondere an „Die Freiheit eines Christenmenschen“.

Sie sei entstanden in einer Zeit der Krise. Manchmal laufe die Theologie in Krisenzeiten zur Hochform auf. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“, heiße es dort zu Beginn. In der Theologie gehe es um die Befreiung von Angst vor einem strafenden Gott. Freiheit sei für Luther ein theologischer Begriff gewesen. Der Kern des Evangeliums sei die Befreiung von Angst. Freiheit sei gebunden an die Beziehung zu Gott. Dank dieser Bindung sei man gegenüber allen anderen frei. „Wenn Menschen heute von Freiheit sprechen, geht es fast immer um die individuelle Freiheit.“ Natürlich könne man Glück als individuelle Freiheit genießen. Aber Freiheit müsse sich immer auch auf den Nächsten beziehen. „Freiheit muss zur Verantwortung führen. Sonst wird alles lieblos und kalt.“ Der Stadtsuperintendent zitierte aus dem Timotheus-Brief: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht.“ Und schloss: „Das ist unser Auftrag in diesen Zeiten im Wissen um den langen Bogen Zuversicht zu vermitteln.“

Oberkirchenrat Bernd Baucks überbrachte die Grüße der Kirchenleitung aus Düsseldorf

Oberkirchenrat Bernd Baucks überbrachte die Grüße der Kirchenleitung und erinnerte an deren Visite im ablaufenden Jahr in den Kölner Kirchenkreisen. „Wir waren beeindruckt von der kulturellen Vielfalt in Köln.“ Er berichtete von einer Weihnachtsbeilage in den Kölner Zeitungen, die die Landeskirche in Auftrag gegeben habe. „Weihnachten ist mehr als ausfallende Weihnachtsmärkte. Lassen Sie uns den Advent als Zeit der Einkehr erleben.“

 

Rückblick:
Seiger berichtete im Anschluss über die Arbeit des Verbandsvorstandes von Oktober 2019 bis Oktober 2020. Der Verband hat sich, so der Stadtsuperintendent, an der Anschaffung eines Notfall-Containers für die Rettung von havariertem Kulturgut durch den Notfallverbund der Kölner Archive und Bibliotheken beteiligt. Bernhard Seiger verwies auf das neue Corporate Design des EKV, das seit Ende August in vielen Medien und im Schriftverkehr verwendet wird. Im August hat die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EkiR) die vier Kölner Kirchenkreise visitiert. Der Stadtsuperintendent nannte als Beispiel für die Zusammenarbeit das Amt für Presse und Kommunikation, das die Kirchenleitung besucht hat. „Dieses Amt mit seinen Impulsen kann als Beispiel für andere Kirchenkreise gesehen werden. Die Qualität dieser Arbeit wird ermöglicht durch die Bündelung der Kräfte in der Organisation des Verbands.“ Während einer Sitzung des Verbandsvorstandes und der Kirchenleitung wurden Themen „Zukünftige Kirchenkreis-Formation“, „Verwaltungsstrukturreform“ und „Statusbericht zur Umsetzung des Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt im Bereich des EKV“ angesprochen.

Das Diakonische Werk Köln und Region ist laut Beschlüssen der Verbandsvertretungen im vergangenen Jahr in die Diakonisches Werk Köln und Region gGmbH überführt worden. Ein Einbringungsvertrag, ein Personalüberleitungsvertrag, ein Zuschussvertrag und ein Dienstleistungsvertrag wurden geschlossen. Jörg Zeyßig ist seit dem 1. Juli 2020 Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Köln und Region gGmbH. „Das Diakonische Werk kann in dieser Form und mit der neuen Führungsstruktur viel schneller reagieren“, erklärte Seiger.

Er bedauerte, dass die Katholische Hochschulgemeinde Probleme mit der Bistumsleitung wegen der Verbreitung eines kritischen Papiers auf der Internet-Seite hat. Die Seite sei zeitweise abgeschaltet worden. Daraufhin habe die Evangelische Studierendengemeinde den Text auf ihrer Internet-Seite veröffentlicht. „Das lässt uns nicht kalt. Wir leiden, wenn ein notwendiger Diskurs nicht geführt wird. Wir als Kirche der Freiheit stehen auf Seiten derer, die nach Antworten suchen.“ Seiger zitierte ein Paulus-Wort: „Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder.“ Weiter sagte er: „Wir bedauern die Vorgänge in unserer Schwesterkirche, weil wir mitleiden. Manche tiefe Enttäuschung über kirchliches Handeln der Schwesterkirche hat auch Auswirkungen auf unsere evangelische Kirche, weil viele bei den immer neuen irritierenden Schlagzeilen nicht mehr zwischen den Kirchen differenzieren und nicht erkennen, wie die Kirche Jesu Christi im 21. Jahrhundert – evangelisch und katholisch – glaubwürdig, nahe bei den Menschen, wach, offen und ehrlich gelebt werden kann.“

Der Stadtsuperintendent dankte allen, die in Corona-Zeiten für die Menschen da waren und auch noch sind. Die Kontaktbeschränkungen seien ein großes Problem. Aber: „Die schwierigen Zeiten kommen noch nach Weihnachten. Dann müssen wir uns um die Menschen seelsorglich kümmern.“

Finanzen:
Der Jahresabschluss 2019 des EKV wurde mit einer Bilanzsumme von 120.320.337 Euro festgestellt. Es wurde ein Haushaltsergebnis in Höhe von 1.890.378 Euro erzielt. Diese Summe wird als Ergebnisvortrag zur Stärkung des Haushaltsjahres 2020 verwendet, da für das laufende Jahr aufgrund der Pandemie mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen gerechnet wird. Stadtsuperintendent Seiger nannte dieses Vorgehen sehr sensibel: „Wir schaffen es damit, das Jahr 2020 stabil abzuschließen.“

Lothar Ebert erläuterte die Lage der Finanzen im EKV

Für das Jahr 2021 rechnet Lothar Ebert, der im Verbandsvorstand für die Finanzen zuständig ist, mit Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 100.943.116 Euro. Die Landeskirche schätzt, dass im kommenden Jahr sechs Prozent weniger Kirchensteuern zur Verfügung stehen. Dem trägt der EKV mit seiner Finanzplanung Rechnung. Nach Abzug aller landeskirchlichen und sonstigen Umlagen werden nach dieser Prognose 53.458.653 Euro im Verband zur Verteilung verbleiben. 10.691.731 Euro werden für die Aufgaben des EKV aufgewendet. Das entspricht einem Anteil von 20 Prozent. 41.689.398 Euro gehen nach Anzahl der Gemeindeglieder an die Gemeinden. Das sind im Durchschnitt pro Kopf 155 Euro.

Auf einem guten Weg ist das Bauprojekt Campus Kartause. Das Kölner Studentenwerk hat die Absicht geäußert, die Vermietung der geplanten Studierendenwohnungen zu organisieren. Die für das Bebauungsplanverfahren notwendigen Gutachter und Sachverständigen wurden beauftragt, ebenso zahlreiche Planer. Der Neubauplanungsausschuss (NPA) des EKV steht in engem Kontakt mit den zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung. Bislang läuft alles nach Plan. Neuland betraten Stadtverwaltung und EKV bei der ersten Online-Live-Öffentlichkeitsbeteiligung in Köln. Danach erfolgten Umplanungen. Es wird deutlich mehr Grün auf dem Campus Kartause geben. Mehr Dächer werden begrünt, deutlich weniger Flächen versiegelt. Es wird einen Fuß- und Fahrradweg von der Kartäusergasse zum Kartäuserwall geben. Das verglaste Dach über dem Veranstaltungssaal wurde ersatzlos gestrichen, weil man gutes Einvernehmen mit den Nachbarn erzielen möchte. Stattdessen wird auch dieses Dach begrünt. Der Veranstaltungssaal wird dank Fenstern Tageslicht erhalten. Das ist möglich, weil die Gebäude drei Meter von der alten Mauer entfernt in Richtung Westen verschoben werden. Insgesamt hat der NPA entschieden, die Bauleistungen für einen Generalunternehmer auszuschreiben und nicht für 20 Einzel-Gewerke.

Wahlen:
Einstimmig bestätigten die Verbandsvertreter und -vertreterinnen Bernhard Seiger als Stadtsuperintendenten. Er amtiert gleichzeitig als Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd.  Erster Stellvertreter ist Pfarrer Markus Zimmermann, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord, zweite Stellvertreterin ist Pfarrerin Andrea Vogel, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, dritte Stellvertreterin ist Pfarrerin Susanne Beuth, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte.

In den Vorstand des Verbandes wurden die Gehörlosenseelsorgerin Pfarrerin Dagmar Schwirschke und Pfarrer Klaus Völkl aus der Gemeinde Dellbrück/Holweide gewählt. Danach wählten die Verbandsvertreter und -vertreterinnen folgende zwölf Älteste in den Vorstand des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region: Julia Danzeglocke aus Nippes, Heide Mantscheff aus der Gemeinde Köln und Silke Schmidt aus Lindenthal für den Kirchenkreis Köln-Mitte. Gabriele Orbach aus Pesch, Erwin Wittenberg aus der Gemeinde Neue Stadt und Dr. Alfred Paulick aus Pulheim für den Kirchenkreis Köln-Nord. Dr. Bernhard Hausberg aus Altenberg/Schildgen, Hartmut Melenk aus Höhenhaus und Christoph Stappert aus Bergisch Gladbach für den Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch. Lothar Ebert aus Hürth, Professor Dr. Udo Bühler aus Sindorf und Burchard von Spankeren aus Brühl für den Kirchenkreis Köln-Süd.

Stichwort Verbandsvertretung:
Die Verbandsvertretung ist das Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region mit seinen 56 Gemeinden im Rhein-Erft-Kreis, in Köln und im Rheinisch-Bergischen Kreis in den vier Kölner Kirchenkreisen. Zu den Aufgaben der Delegierten gehören beispielsweise der Beschluss des Haushalts und die Wahl des Stadtsuperintendenten. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und wird von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger geleitet.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK

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„Mach hoch die Tür, die Tor macht weit“ – Andacht zum Advent

„Mach hoch die Tür, die Tor macht weit“… Das ist der Beginn des ersten Liedes im Evangelischen Gesangbuch und wohl eines der populärsten Weihnachtslieder überhaupt. In vielen Gottesdiensten an Weihnachten ist es ein fester und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Singen in geschlossenen Räumen: Fehlanzeige. Und doch ist es genau dieses Lied, das wie fast kein anderes, eine Sehnsucht zu Weihnachten ausdrückt:

„Das Heilsame wahrzunehmen, das Heil und Leben bringt, diese Sehnsucht bei den Adventstürchen im Adventskalender kann ich auch bei diesem Lied empfinden“ so Superintendentin Vogel. Und diese Sehnsucht nach dem Normalen und dem Alltäglichen wird in diesem Jahr unser Weihnachtsfest prägen, wie kaum ein anderes zuvor.

Es bleibt aber die Hoffnung. Die Hoffnung  auf eine gute und friedliche Adventszeit: „Das wünsche ich Ihnen!“ Sagt Pfarrerin Vogel weiter. „Dass diese Kraft, die Stärke dieser Worte, Sie mitnehmen in die Adventszeit mit aller Hoffnung, die darin enthalten ist.“

Wir wünschen Ihnen allen einen hoffnungsvollen und friedlichen ersten Advent!

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Der vollständige Text zum Nachlesen:

Ich stehe im Vorraum der Friedenskirche in Köln-Mülheim. Die erste Tür haben wir hinter uns, nun sind wir in dem Turm und sind an der Kirchentür. Die Tür zum Kirchenraum sie ist zweigeteilt. Sie können also mit mir schon hineinschauen in den Kirchenraum. Sie ist halb geöffnet. Geöffnet – und diese Tür finde ich spannend gerade mit dem Blick auf die Adventszeit. In dem evangelischen Gesangbuch direkt das erste Lied heißt: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; der halben jauchzt, mit Freunden singt: gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

„Orgelspiel: Mach hoch die Tür“

Hier, in diesem Lied, ist Sehnsucht nach dem, der da kommt, der Heil und Leben mit sich bringt. Vielleicht haben wir genau dieses in der Zeit der Corona-Pandemie, in der so viel Heilloses geschieht, weil wir ja keine Begegnung mehr mit anderen Menschen haben dürfen, besonders nötig. Wir müssen immer wieder ausprobieren: Was ist möglich? Was kann ich mir nicht leisten? Und wir spüren heilloses und suchen heilsames. Diese beiden Gegenpole, die finde ich in diesem Lied, gerade zu Beginn der Adventszeit: „Mach hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, der Heil und Leben mit sich bringt.“ Das Heilsame wahrzunehmen: das Heil und Leben bringt, diese Sehnsucht bei den Adventstürchen im Adventskalender kann ich auch bei diesem Lied empfinden. Ich lese es, ich schaue, ich höre es eigentlich in meine Gedanken. Und vielleicht höre ich es sogar jemand draußen singen. Das wünsche ich Ihnen, dass diese Kraft, die Stärke dieser Worte, Sie mitnehmen in die Adventszeit mit aller Hoffnung, die darin enthalten ist. Bleiben Sie hoffnungsvoll!

Text: Andrea Vogel/APK
Foto(s): APK

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Kirche2go zum Thema „Nächstenliebe“

„Muss ich als Christ eigentlich jeden Menschen lieben? Selbst meinen blöden Nachbarn, der immer falsch parkt?”. Nico Ballmann spricht über dieses Thema und erklärt, dass die Aufforderung zur Nächstenliebe auch an Bedingungen geknüpft sind. Erst wenn wir Menschen im Reinen mit uns selbst und mit Gott sind, können wir anderen erst freundlich und gut begegnen. Schließlich lautet dieser prominente Satz aus der Bibel vollständig: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.”

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Hier der gesamte Beitrag zum Nachlesen:

Nächstenliebe – Ein wunderschönes Thema, bei dem aber gleichzeitig mitschwingt: Muss ich jetzt eigentlich als Christin/als Christ jeden Menschen lieben. Muss ich also auch diesen total blöden Nachbarn, der immer falsch parkt, irgendwie lieben? Ist das jetzt eine Verpflichtung?  Ich finde das immer ganz spannend, wenn man sich die Texte in der Bibel durchliest zur Nächstenliebe. Da gibt es einen ganz Prominenten, der mir sehr am Herzen liegt. Da steht: Liebe Gott von ganzem Herzen mit aller Kraft und all deinem Verstand und deinen Nächsten, wie dich selbst. Und ein kleiner Satz wird da immer total gerne überlesen. Das ist der Satz „wie dich selbst”. Wir können eigentlich nur anderen Menschen freundlich und gut begegnen, wenn wir auch im Reinen mit uns selber sind, wenn wir im Reinen mit Gott sind und wenn wir im Reinen mit uns selber sind. Diese Perspektive braucht es, damit wir einander freundlich begegnen können und das heißt jetzt eben nicht, dass ich meinen Nachbarn, der immer falsch parkt lieben muss von ganzem Herzen, so wie ich meine Freundin liebe oder wie sich Partner lieben, sondern dass ich Menschen so wahrnehme, dass auch sie geliebte Kinder Gottes sind. Dass man sich im gegenseitigen Respekt begegnet und zwar in dem Wissen, dass jeder Mensch es verdient hat, so wahrgenommen zu werden. Von daher „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst” klingt erstmal schön – mag vielleicht auch eine Verpflichtung sein – geht aber nie ohne diese beiden Perspektiven: Ohne Gott und, dass ich mich auch selber lieben und annehmen kann.

Text: APK
Foto(s): APK

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Weihnachtliche Musik, Verabschiedungen und Online-Angebote

Weihnachtliche Musik, gleich drei Verabschiedungen von Pfarrern und Online-Angebote sind unsere Tipps für Ihre Woche. In diesen besonderen Zeiten, bitten wir Sie auch weiterhin, vor einer Teilnahme an einer Veranstaltung auf der jeweiligen Webseite der Veranstalterin/des Veranstalters, sich zu vergewissern, dass die Veranstaltung stattfindet.

 

Konzert mit „Loup & Hecker“
Hofadvent in der Lutherkirche

„Weihnachtlich jood drupp!“ sind „Loup & Hecker“ am Mittwoch, 2. Dezember, 19 Uhr, beim Hofadvent open-air in der Lutherkirche Südstadt, Martin-Luther-Platz 2-4. Die Musiker präsentieren alte und jüngere Kölsche Klassiker abseits vom Karneval, die eine Geschichte erzählen, Inhalt und Witz haben. Der Eintritt kostet 13 Euro im Vorverkauf unter https://lutherkirche.ticket.io. www.lutherkirche-suedstadt.de

(Be)sinnlicher Abend mit Andreas Opitz, Annette Fuchs und anderen
Hofadvent in der Lutherkirche

 “Jesses, Maria und Josef – sonderliche Weihnacht“ ist das Motto eines Konzertabends am Donnerstag, 3. Dezember, 19 Uhr, in der Lutherkirche Südstadt, Martin-Luther-Platz 2-4. Andreas Opitz, Annette Fuchs, Josef Loup, Tanja Krämer und Oliver Bahr versprechen beim open-air Hofadvent einen (be)sinnlichen Abend. Der Eintritt kostet 18 Euro im Vorverkauf unter https://lutherkirche.ticket.io. www.lutherkirche-suedstadt.de

Verabschiedungsgottesdienste für Pfarrer Dietrich Kamphenkel, Pfarrer Bernhard Ottinger-Kasper und Pfarrer Gerd Veit

Zwei Abschiedsgottesdienste für Pfarrer Dietrich Kamphenkel
Entpflichtung durch Superintendentin Andrea Vogel

In zwei Gottesdiensten am Sonntag, 29. November, wird Pfarrer Dietrich Kamphenkel in den Ruhestand verabschiedet. Pfarrerin Andrea Vogel, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, entpflichtet ihn von seinem Dienst als Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Kalk-Humboldt. Im Gustav-Adolf-Haus Humboldt, Hachenburger Straße 3-5, beginnt der Gottesdienst um 11 Uhr. In der Jesus-Christus-Kirche Kalk, Buchforststraße 14-18, können sich die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher ab 14 Uhr von Pfarrer Dietrich Kamphenkel verabschieden. Aufgrund der beschränkten Anzahl von Plätzen ist eine Anmeldung zu den Verabschiedungsgottesdiensten erforderlich.www.kalk.ekir.de

Verabschiedung Pfarrer Bernhard Ottinger-Kasper
Gottesdienst mit Superintendent Markus Zimmermann

Im Gottesdienst am Sonntag, 29. November, 17 Uhr, in der Stadtkirche Chorweiler, Pariser Platz 32, wird Pfarrer Bernhard Ottinger-Kasper in den Ruhestand verabschiedet. Die Entpflichtung erfolgt durch Pfarrer Markus Zimmermann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord. Pfarrer Bernhard Ottinger-Kasper war 33 Jahre in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Neue Stadt und zuletzt in der neugegründeten Evangelischen Hoffnungsgemeinde im Kölner Norden für die Stadtteile Chorweiler, Blumenberg, Fühlingen, Seeberg-Nord zuständig. Eine verbindliche Anmeldung zum Gottesdienst unter https://termine.ekir.de/rueckmeldeformular420-458613 ist bis Mittwoch, 25. November, möglich. www.hoffnungsgemeinde-koeln.de

Verabschiedungsgottesdienst für Pfarrer Gerd Veit
Online-Anmeldung erwünscht

Pfarrer Gerd Veit wird am Sonntag, 29. November, 10 Uhr, in der Kreuzkirche Wesseling, Kronenweg 67, von Superintendent Dr. Bernhard Seiger in einem Festgottesdienst von seinem Amt als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wesseling entpflichtet. Gerd Veit war 36 Jahre in der Gemeinde tätig. Er geht zum 1. Januar 2021 in den Ruhestand. Für 100 Menschen gibt es Plätze in der Kreuzkirche. Wer dabei sein möchte, kann sich online unter https://termine.ekir.de/veranstaltung_detail462373.html zum Verabschiedungsgottesdienst anmelden. www.evangelisch-wesseling.de

Online-Vortrag: „Mein verwundetes Herz“ ONLINE
Das Leben der deutsch-jüdischen Ärztin Lilli Jahn aus Köln in Briefen und Fotos

Am Donnerstag, 26. November, 19 Uhr bis 21.15 Uhr, liest Gisela B. Adam bei einer Online-Veranstaltung der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24 b, aus den Briefen der deutsch-jüdischen Ärztin Lili Jahn vor. Lilli Jahn entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie, wurde Ärztin, heiratete einen nicht-jüdischen Studienkollegen, gründete mit ihm eine erfolgreiche Arztpraxis und bekam fünf Kinder. Doch dem zunehmenden Druck der Nazis auf die „Mischehe“ hielt Lillis Mann nicht stand und ließ sich 1942 scheiden. Damit war das Schicksal der Familie besiegelt: Lilli Jahn wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ein eindringliches und ergreifendes Zeitzeugnis stellt der umfangreiche Briefwechsel dar, der den verzweifelten Kampf der Mutter und ihrer Kinder um den Zusammenhalt der Familie veranschaulicht. Die Teilnahme an dem Online-Seminar kostet 10 Euro. Eine Anmeldung unter anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.

Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de


„Das Netz trägt auch durch schwere Zeiten“ ONLINE
Möglichkeiten und Formen von Online-Seelsorge und -Beratung

Das Spektrum digitaler Seelsorge und Beratung nimmt die Online-Tagung „Das Netz trägt auch durch schwere Zeiten“ in den Blick. Zum neunten Teil aus der Reihe „Mehr digitale Souveränität gewinnen“ laden die Evangelische Akademie im Rheinland, das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie die Melanchthon-Akademie ein. Vorträge und Workshops finden an zwei unterschiedlichen Tagen statt. Im Anschluss an die Begrüßung und eine Einführung in die Tagung am Freitag, 27. November, 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr, spricht Professorin Dr. Kristin Merle, Institut für Praktische Theologie an der Universität Hamburg, zum Thema „Online durch die Krise? – Was die Digitalisierung für die Seelsorge bedeutet“.
Am Nachmittag steht das Thema „Ressourcen und Methoden für Seelsorge und Selbstfürsorge im digitalen Raum“ mit Pastor Achim Blackstein, dem Beauftragten für digitale Seelsorge und Beratung am Zentrum für Seelsorge der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, auf dem Programm. Für die Teilnehmenden gibt es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und eigene Initiativen vorzustellen. Während der Mittagspause besteht die Möglichkeit, sich in „Breakout-Rooms“ auszutauschen. Im zweiten Teil der Tagung am Mittwoch, 2. Dezember, 17 Uhr bis 19.30 Uhr, werden verschiedene Workshops angeboten: „Ich bin #ansprechbar – Seelsorge auf Instagram“, „Einander im Blick behalten Begegnung und Beratung per Videotelefonat“ sowie „Mit Apps und Schwung durch schwere Zeiten – ein Praxisbericht“.
Alle Teilnehmenden können zwei unterschiedliche Workshops besuchen. Interessierte können sich zu beiden Blöcken der Tagung anmelden, aber auch nur die Vorträge oder nur die Workshops besuchen. Beide Teile der Tagung finden als Videokonferenz per Zoom statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung unter anmeldung@melanchthon-akademie.de ist bis Donnerstag, 26. November, möglich. Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de, www.melanchthon-akademie.de

Text: APK
Foto(s): Annika Bocks

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„´Niemals wieder!´ – Christlich-Jüdischer Dialog und Antisemitismus 75 Jahre nach Auschwitz“

Online-Veranstaltung mit Vorträgen und Podiumsgespräch

„Ein Dialog auf Augenhöhe“ sei elementar, lautete die einhellige Meinung der Teilnehmenden des gut 140-minütigen Vortrags- und Gesprächsabends „´Niemals wieder!´ – Christlich-Jüdischer Dialog und Antisemitismus 75 Jahre nach Auschwitz“. So hob der orthodoxe Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens hervor, dass wir uns jetzt „tatsächlich in einem echten historischen Moment“ befänden. „In 2000 Jahren christlich-jüdischer Geschichte sind wir eigentlich zum ersten Mal an dem Zeitpunkt angelangt, an dem wir wirklich auf Augenhöhe miteinander sprechen.“

Die Veranstaltung der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. in Kooperation mit der Karl Rahner-Akademie, dem Katholischen Bildungswerk, katholischen Stadtdekanat und der Melanchthon-Akademie war Pandemie-bedingt nur Online zu besuchen.

Teilnehmende

Der Theologe Norbert Bauer, Leiter der Karl Rahner-Akademie, nannte in seiner Begrüßung den Antisemitismus als unverändert greifbare Gefahr. Der Ruf „Niemals wieder!“ gelte auch für die beiden großen Kirchen. „Der Antisemitismus mit dem grausamen Tiefpunkt der Shoa hat auch Ursachen und Quellen in der christlichen Theologie und in dem Verhalten der Kirchen.“ Es habe lange gedauert, bis sie sich dieser Vergangenheit gestellt und deren Aufarbeitung versucht hätten. Neben diesen nach 1945 unternommenen Versuchen beschäftigten sich die Teilnehmenden insbesondere mit Erfordernissen von kirchlicher Seite, um „antijüdischen Tendenzen auch in den Kirchen“ sowie einem aktuellen, „offenen rassistischen Antisemitismus“ effektiv entgegentreten zu können.

Dr. Andreas Pangritz, bis 2019 zuletzt 15 Jahre Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Uni Bonn, unternahm aus christlicher, insbesondere protestantischer Perspektive einen komplexen, meinungsstarken und zitatenreichen Abriss zum christlich-jüdischen Dialog seit 1945. Dieser Dialog habe sich nach der Shoa zunächst primär im Rahmen des Kampfes gegen den Antisemitismus entwickelt. Jedoch habe dieser Kampf nicht im Zentrum theologischer Lehre oder kirchlicher Praxis gestanden. „Vielmehr sind Traditionen christlicher Judenfeindschaft in beiden großen christlichen Kirchen nach der Nazizeit bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts noch relativ ungebrochen weitergetragen worden.“

Antisemitismus

Zunächst hätten engagierte Einzelne und Gruppen innerhalb der Kirchen im christlich-jüdischen Verhältnis eine Umkehr und Erneuerung angestoßen. Zu diesen Pionierleistungen zählt Pangritz die 1947 auf einer internationalen Konferenz im schweizerischen Seeligsberg von Christen und Juden verabschiedeten zehn Thesen zur Antisemitismus-Bekämpfung. Ein unmissverständlicher, „neuer Ton“ findet sich laut Pangritz seitens einer offiziellen kirchlichen Instanz „immerhin im ´Wort zur Judenfrage´“ der EKD-Synode in Berlin-Weißensee im April 1950: „Wir bitten alle Christen, sich von jedem Antisemitismus loszusagen und ihm, wo er sich neu regt, mit Ernst zu widerstehen und den Juden und Judenchristen in brüderlichem Geist zu begegnen.“

In den 1960er Jahren sei eine Art ökumenischer Wettlauf über die Entwicklung eines Dialogs zwischen Juden und Christen in Gang gekommen, sagte Pangritz. Den Anstoß habe die Katholische Kirche mit der wichtigen Erklärung „Nostra aetate“ 1965 auf dem 2. Vatikanischen Konzil gegeben. Wegweisend sei auch der Synodalbeschluss zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden der Evangelischen Kirche im Rheinland 1980. Dieser Beschluss und das in ihm enthaltene Schuldbekenntnis, dem eine Absage an jeden Antisemitismus innewohne, habe eine Serie gleichlautender Beschlüsse weiterer evangelischer Landeskirchen initiiert. Bereits im Juli 1961 sei die Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Juden und Christen“ auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin erfolgt. Es sei das erste Gremium, dass sich kontinuierlich mit den Problemen des christlich-jüdischen Verhältnisses beschäftige und in dem Juden gleichberechtigt mitarbeiteten.

Reaktionen „auf die Umkehr in den christlichen Kirchen”

Pangritz widmete sich auch positiven Reaktionen von jüdischer Seite „auf die Umkehr in den christlichen Kirchen“. In den letzten Jahren habe insbesondere auch die orthodox-jüdische Seite dialogbereite Erklärungen publiziert, so der evangelische Theologe. Beispielsweise die am 3. Dezember 2015 veröffentlichte Erklärung einer Gruppe von mehr als fünfzig führenden orthodoxen Rabbinern, darunter Ahrens. Unter dem Titel „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun“ verstehe sie sich insbesondere als Erwiderung auf die Neubestimmung des christlichen Verhältnisses zu den Juden in der Konzilserklärung „Nostra aetate“ anlässlich deren fünfzigjährigem Jubiläum.

„Neben Licht gibt es auch Schatten“, zeichnete Pangritz ein aktuell ambivalentes Bild. Doch gebe es auch ermutigende kirchenoffizielle Äußerungen. So hätten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am 27. Januar 2015 aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gemeinsam erklärt: „Wir wiederholen gerade an diesem Tag, die katholische und die evangelische Kirche treten in ökumenischer Gemeinschaft gegenwärtig und zukünftig entschieden jeder Form von Antijudaismus und Antisemitismus entgegen.“

Antisjudaismus

Dr. Jehoschua Ahrens, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, und derzeit Director Central Europe des Center for Jewish-Christian Understanding and Cooperation in Jerusalem, schilderte in einem längeren Impuls ebenso kenntnisreich die Entwicklung aus jüdischer Perspektive. Man müsse sich vor allem die Zeit vor 1945 anschauen, sagte er. Nämlich die Beziehungen zwischen Christen und den Juden als Minderheit in christlichen Gesellschaften seit fast 2000 Jahren. Aus jüdischer Perspektive sei es eine Geschichte der Ausgrenzung, der Verfolgung und natürlich immer wieder des Mordes, und mit der Shoa sogar der Vernichtung.

Diese lange Tradition, vom französischen Historiker Jules Isaac die „Lehre der Verachtung“ genannt, habe sich leider sehr früh in den Kirchen verankert. Dabei sei es nie nur um einen theologischen Antijudaismus gegangen. Schon im Mittelalter hätten sich rassistische Vorurteile, rassistischer Judenhass entwickelt. Natürlich hätten die Kirchen keine direkte Verantwortung für das, was später im Namen des rassistischen Antisemitismus geschehen sei, aber sie hätten mit ihrem Wirken einen Grundstein gelegt.

Verpasste Chancen

Es sei sicherlich auch eine Geschichte der verpassten Chancen, fasste Ahrens zusammen. Immer wieder wäre es möglich gewesen, dass Juden und Christen in einen Dialog miteinander hätten treten können. Jüdische Theologen hätten immer wieder Brücken gebaut, aber leider vergeblich gehofft. Bis heute seien Hass auf die Juden, ihre Verachtung und Ausgrenzung in Köpfen verankert. Das sei nicht verwunderlich ob der langen Zeit ihrer Kultivierung in den Kirchen und der Gesamtgesellschaft.

Der Kampf gegen den Antisemitismus und die Flüchtlingshilfe habe nach 1945 Juden und Christen in Europa zusammengebracht. Das Gespräch sei eigentlich erst mit der 1975 veröffentlichten evangelischen Studie „Christen und Juden I“ wiederaufgenommen worden. Es habe einzelne engagierte Personen und Kreise, es habe die Christlich-Jüdischen Gesellschaften gegeben, aber die Kirchen hätten sehr lange gebraucht, sprach Ahrens von der nächsten verpassten Chance. Was in „Nostra aetate“ und im rheinischen Synodalbeschluss ausgedrückt worden sei, hätte schon in den vierziger Jahren passieren müssen, so Ahrens. Das Unterbleiben habe auf jüdischer Seite natürlich für große Enttäuschung gesorgt. Später hätten die kirchlichen Erklärungen bei Juden Vertrauen für eine Zusammenarbeit aufgebaut.

Antisemitismus heute

Der Antisemitismus ist nicht verschwunden, betonte der Rabbiner. Im Gegenteil verstärke er sich im Augenblick. „Vielleicht nicht prozentual, aber wir sehen im Ausdruck wird er präsenter, wird vielleicht im negativen Sinn mutiger, lauter und vielleicht durch die Sozialen Medien befördert aggressiver und teilweise, wie man es merkt, leider auch physischer. Es bleibt nicht bei Worten, es folgen sozusagen auch die Taten.“ Dieser Aufgabe müssten wir uns also weiter stellen.

Dass von der Kölner Historikerin und Judaistin Dr. Ursula Reuter moderierte Podiumsgespräch eröffnete Thomas Frings. Der katholische Theologe, seit 2018 Referent für den interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln und beauftragt unter anderem mit dem Dialog mit jüdischen Gemeinden, erinnerte an eine Aussage von Papst Franziskus: „Ein Christ kann kein Antisemit sein. Unsere Wurzeln sind dieselben. Es wäre ein Widerspruch des Glaubens und des Lebens.“ Dieser Grundsatz müsse in weiten Teilen der Kirche, auch an der Gemeindebasis weiter verinnerlicht werden. Als eine Frucht der Dialogbemühungen nannte Frings die Fachtagung zwischen der orthodoxen Rabbinerkonferenz und der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin im November 2019. Die persönliche Begegnung, der Aufbau von Beziehungen seien ganz wesentlich für einen Dialog.

Dr. Marcus Meier, Geschäftsführer der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, betonte, es sei wichtig zu verstehen, woher die heute immer noch verwendeten zahlreichen überlieferten antijüdischen Darstellungen stammten. Er plädierte zudem für eine aktive Aufarbeitung und Kommentierung von antijüdischen Kunstwerke. Der Politikwissenschaftler sprach Untersuchungen an, nach denen Antisemitismus unter den Kirchgängern genauso verbreitet sei wie in der restlichen Bevölkerung. Laut Meier sei es zentral, dass die Kirchen das Thema in die Gemeinden trügen. Dass die Auseinandersetzung darüber mit Gemeindemitgliedern stattfinde, und nicht in Gremien und Leitungen stecken bleibe.

Die Bedeutung des Dialogs mit den Juden

Die Versuche der Juden, im Laufe der Geschichte immer wieder auf die Kirchen, auf die Gesamtgesellschaft zuzugehen, bezeichnete Ahrens für lange Zeit als eine fruchtlose Einbahnstraße. Glücklicherweise hätten die Kirchen in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung des Dialogs mit den Juden verstanden. Die Kirchen hätten die „Lehre der Verachtung“ umgedreht, sprach Ahrens von einer 180-Grad-Kehrtwende. Solche Erklärungen seien immer erst der Anfang einer Diskussion inklusive Widerstände. Es benötige verständlicherweise noch eine lange Zeit, bis das „heruntertriggert“.

Den Fortschritt verband Ahrens auch mit der „mehr oder weniger klaren Ablehnung der sogenannten Judenmission“. Ohne diesen Verzicht der Kirchen könne es keinen Dialog auf Augenhöhe geben. Wenn wir als Religionsgemeinschaften überhaupt noch eine Rolle spielen wollten im Leben der Gesellschaft, wenn wir unsere Botschaft, unsere Werte vermitteln wollten, sei es umso wichtiger, „dass wir das gemeinsam tun“, so der Rabbiner. „Wenn es schon so aussieht als wenn wir im Konflikt sind, wie sollen wir von der Gesamtgesellschaft ernst genommen werden?“ Religionen hätten etwas einzubringen. Sie würden, habe er auch in Corona-Zeiten erfahren, gebraucht als ethisch-moralische Instanzen.

Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Aus jüdischer Sicht bedeute theologischer Dialog, den anderen wahrzunehmen, theologisch zu verstehen, Unterschiede formulieren zu können auf einem gleichen Level, so Ahrens. „Wir haben mehr gemeinsam, als uns trennt“, betonte er. Das bedeutet aber nicht, dass man Unterschiede beiseiteschiebe. Wir seien nicht eins und müssten das auch nicht. „Wichtig ist, dass wir gemeinsam handeln können.“

Einig war sich das Podium, dass die Judaistik in der Ausbildung von Theologen und Religionslehrern verankert werden müsse. Es bestehe erheblicher Verbesserungsbedarf, mahnte Pangritz an. Denn Pfarrer und Pfarrerinnen erfüllten innerhalb der Kirchen eine ganz wichtige Funktion als Multiplikatoren. Ahrens sagte, es auch wichtig, wer unterrichte. Aufgrund der Konfessionsbindung werde in den theologischen Fakultäten Judaistik leider nur von christlichen Lehrstuhlinhabern vermittelt. Dabei sollten das, wie im angloamerikanischen Raum, jüdische Theologen übernehmen.

Auf YouTube ist die Online-Veranstaltung unter dem Link https://youtu.be/HIB5GAxD-74 aufzurufen.

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Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag „´Niemals wieder!´ – Christlich-Jüdischer Dialog und Antisemitismus 75 Jahre nach Auschwitz“ erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.

„Allah ist vor allem wütend auf die, die ihren Verstand nicht benutzen.“

Imanin Rabeya Müller, Michael Rubinstein und  Professor Dr. Norbert Lammert zu Gast beim Altenberger Forum

„Demokratie in Gefahr?“ lautete das Thema beim der Jubiläumsdiskussion im Altenberger Forum. Schon zum 25. Mal luden der  Ökumene-Ausschuss und der Rheinisch-Bergische Kreis zu einem Austausch über Kirche und Politik. Das Altenberger Forum wird traditionell stets am Vorabend des Buß- und Bettages veranstaltet und widmet sich aktuellen Themen der Gesellschaft.

Zu Gast waren diesmal Rabeya Müller, Islamwissenschaftlerin, muslimische Theologin und Religionspädagogin – die damalige Katholikin konvertierte Ende der 70er Jahre zum Islam, Professor Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, Präsident des Deutschen Bundestages von 2005 bis 2017, und Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Moderator des Forums war Wolfgang Meyer vom WDR. Die Veranstaltung war analog nicht zu verfolgen. Sie wurde im Internet übertragen.

Nur Superintendentin Andrea Vogel, die „Hausherrin“ und Pfarrerin Claudia Posche, Kreisdechant Norbert Hörter und Landrat Stephan Santelmann durften vor Ort sein. Andrea Vogel, auch Vorsitzende des Ökumene-Ausschusses im Rheinisch-Bergischen Kreis, erinnerte an die Anfänge des Forums vor 25 Jahren. „Damals begann man unter dem Thema ,Gemeinde von morgen – Gemeinde gemeinsam gestalten‘. Miteinander im Gespräch bleiben als fragende, als suchende und glaubende Menschen.“ Damals sei eine Kerze zum Symbol geworden: Das Altenberger Feuer. „Feuer hat Leidenschaft. Und genau das wünsche ich mir heute. Mit Leidenschaft unsere Argumente austauschen, miteinander im Gespäch sein und unseren Glauben miteinander leben.“ Dann entzündete die Superintendentin die Kerze.

Terrororismus

„Wir schauen nicht auf die USA und nicht auf Donald Trump und dessen Verhältnis zur Demokratie. Wir schauen, ob wir bei uns Hausaufgaben zu erledigen haben“, sagte  Moderator Meyer zu Beginn und erinnerte an das offensichtlich rechtsterroristische Attentat von Hanau. „Im vergangenen Jahr ging der Anschlag auf die Synagoge in Halle und die anschließende Ermordung zweier Passanten, die Ermordung von Walter Lübke und die Enttarnung verschiedener rechtsextremistischer Gruppen und Terrorzellen voran.“

Für Rabeya Müller waren die Anschläge gerade wieder „sehr präsent“. „Die Formen sind manchmal sehr publikumswirksam, macht stiller.“ Die Muslime fühlten sich, so die Imanin, sehr unbehaglich, weil extremistische Ideologien von vielen mit Muslimen in Zusammenhang gebracht würden. Es gelte, gemeinsam Extremismus entgegenzutreten und zur Demokratie zu stehen. Für Rabeya Müller ist es unverständlich, dass so viele Menschen bei den Demonstationen gegen Corona-Beschränkungen gemeinsam mit Extremisten aufträten. „Da lässt sich aus der Not keine Tugend machen.“ Menschen mit anderer Hautfarbe, muslimischen oder jüdischen Glaubens würden Opfer von Rassismus.

Demokratie in Gefahr

„Gesetze sollen uns schützen, und sie tun das auch. Aber was, wenn sie nicht greifen?“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe einmal vom „Herz der Demokratie“ gesprochen, „das für uns alle schlägt.“ „Aber dieses Herz schlägt nur in einem gesunden Körper mit starken Institutionen und den Bürgern als Zellen“, ergänzte Rabeya Müller. „Die Muslime sollen sich zur freiheitlich-rechtlichen Grundordnung bekennen. Und die meisten tun das auch.“ Es gebe leider keinen Impfstoff gegen Extremismus. „Aber wir dürfen nicht an den Grundrechten rütteln, um die Sache in den Griff zu bekommen.

Die  Gesetze sind ausreichend. Sie müssen nur allen vermittelt werden. Die Konflikte in der Gesellschaft werden niemals aufhören. Aber wenn eine respektvolle Auseinandersetzung nicht mehr möglich ist, dann ist die Demokratie in Gefahr. Wir müssen eine neue Diskussionskultur lernen, andere Meinungen hinnehmen und die Geduld aufbringen, anderen zuzuhören. Auch die Muslime müssen daran arbeiten.“ Am Ende ihres Eingangsstatements zitierte die Imanin den Propheten Mohammed: „Wenn du siehst, dass jemandem ein Unrecht geschieht, versuch es zu verhindern. Versuch es mit Worten. Und wenn das nicht gelingt, dann wehre dich mit deinem Herzen.“

Michael Rubinstein, ist nicht nur Geschäftsführer der drittgrößten jüdischen Gemeinde in Deutschland. Er ist auch 2012 als Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters von Duisburg angetreten. „Ich habe ein Bild im Kopf, das ich mit der gefährdeten Demokratie verbinde.  Es sind die vermummten Teilnehmer der Corona-Demo beim Sturm auf den Reichstag. Das hat mich zutiefst erschreckt und verdeutlicht, wie sehr sich die Demokratie immer mehr zu verteidigen hat  gegen psychische und physische Gewalt.“

Auflösung von Demokratien

Das Gesamtbild dieser Demonstrationen sei diffus. „Aber das Phänomen, anderen nicht mehr zuzuhören, ist Gift für den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Rubinstein nannte den Antisemitismus ein massives Problem der deutschen Gesellschaft. Antisemiten seien aggressiver und gewalttätiger geworden.  „Der Antisemitismus ist öffentlicher und radikaler geworden.“ Hass-Mails würden immer häufiger unter Klarnamen verschickt. Und Imfpgegner, die sich mit einem Judenstern unter die Demonstranten mischten, seien menschenverachtend.

Norbert Lammert erklärte, dass im Deutschen Bundestag das Herz der Demokratie schlage. „Ich lebe mit meinen gut 70 Lebensjahren in der ersten Generation, die in ihrer Biographie nur Demokratie erlebt hat. Wir halten das für selbstverständlich. Dabei ist es ein  Ausnahmezustand in der europäischen Geschichte.“ Bei der deutschen Wiedervereinigung vor 30 Jahren habe eine weit verbreitete Stimmung dergestalt geherrschaft, dass die Demokratie den endgültigen Durchbruch erzielt habe. Die Jahrhunderte alte Frage, wie eine Gesellschaft organisiert werden solle, könne gar nicht anders als demokratisch beantwortet werden.

Die Bilanz nach den 30 Jahren sei ernüchternd. Es gebe rund zwei Dutzend Beispiele von Staaten in Asien, Lateinamerika und Afrika, in denen sich demokratische Strukturen zurückgebildet hätten. Früher, so Lammert, seien Demokratien gescheitert an Bürgerkriegen, Putschen und Interventionen Dritter. „Heute erodieren Demokratien. Sie lösen sich von innen her auf.“ Ein spektakuläres Beispiel sei die Weimarer Republik. Bei freien Wahlen seien sehr viele Stimmen auf extreme Parteien entfallen. „Politische Systeme haben keine Überlebensgarantie. Tröstlich: Das gilt auch für autoritäre Systeme. Aber Demokratien sind labiler. Autoritäre Strukturen stabilisieren sich selbst.“

Neue Interpretationsmöglichkeiten für den Koran

Rabeya Müller forderte neue Interpretationsmöglichkeiten für den Koran. „Das muss man den jungen Muslimen nahe bringen. Es darf nicht sein, dass jene Imane, die erstarrt sind, ihre Interpretation als einzig wahre darstellen dürfen.“ Man müsse das Befreiende des muslimischen Glaubens an Kinder und Jugendliche herantragen. Und damit Brücken bauen zum demokratischen Gedankengut. Gut wäre auch eine zusätzliche Stunde in Politik. Den Älteren bringt man diese Denkweise nicht mehr bei. Diskriminierung ihrer Religion treibt Jugendliche zu den Extremisten.“

Wolfgang Meyer fragte in die Runde, ob Religion immer Ursache sei für die Radikalisierung von Menschen. „Es sind immer noch Menschen, die sich radikalisieren und radikalisieren lassen. Die Zehn Gebote sind die Basis für eine Gesellschaft. Wo ist das was Radikales?“ Lammert kritisierte, dass sich der Blick bei der Suche nach den Gefährdern immer auf Dritte richte. Schuld sei niemals man selbst. „Die attische Demokratie vor Jahrtausenden würde unseren Mindestansprüchen nicht genügen.“

Demokratie bedeute auch die zentrale Einsicht, dass niemand über absolute Wahrheiten verfüge. „Wir wissen nicht, was wahr ist. Und da wir es nicht wissen, müssen wir uns wechselseitig zubilligen, dass jeder das vertritt, was er für wahr hält. Interessen zu vertreten, ist legitim. Niemand kann aber in Anspruch nehmen, er habe die einzig richtigen Antworten. Das verlangt Einsicht und das Mehrheitsprinzip da. Da wir nicht wissen, was wahr ist, soll gelten, worauf sich eine Mehrheit verständigt. Oft denken die, die gewählt wurden, sie wüssten, was wahr ist. Das stimmt nicht, denn wenn sie das wüssten, wären Wahlen nicht nötig gewesen.“

Corona-Demonstrationen und Fridays-for-Future Bewegung

Lammert nannte es abstrus, dass die, die gegen die Corona-Beschränkungen demonstrierten, behaupteten, ihre Meinungsfreiheit sei aufgehoben. „Die regen sich auf, weil sie zu ihrer Meinung keinen Widerspruch dulden. Nie waren sie so frei wie heute, ihre Meinung zu äußern.“ Der ehemalige Bundestagspräsident hat einen Übermut festgestellt angesichts einer trügerischen Gewissheit der Stabilität der Strukturen. „Auf unterstellter Sicherheit der Basis verfolge ich meine Interessen. Das führt zu einer immer stärkeren Segmentierung der Gesellschaft. Identität wird zum Maßstab der Demokratie. Individualismus geht vor Gemeinsinn.“

Eine Demokratie bleibe so lange stabil, wie die Bürger von deren Überlegenheit überzeugt seien. Gegen die Selbstaufgabe von Demokraten sei ein demokratisches System machtslos. Lammert lobte die Fridays-for-Future Bewegung. „Aber ein gewisser Hang zum Fundamentalismus lässt sich nicht ganz übersehen.“ Auf Meyers Frage, ob die Recht hätten, die sagten, dass man sich mit den Geflüchteten Antisemitismus in Land geholt habe, antwortete Rubinstein. „Das wäre schön, wenn es so gewesen wäre. Dann hätten wir die früheren Anschläge nicht gehabt. Antisemitismus hat in Europa eine 1000-jährige Geschichte.“

Die Frage einer Zuschauerin per Mail löste Kopfschütteln aus. Ob Gewalt gegen Christen und Deutsche durch Juden und Muslimen ausgeblendet würde, wollte sie wissen. Rabeya Müller und Rubinstein gleichzeitig: „Wir sind Deutsche.“ Und Müller zusätzlich: „Das tut weh.“ Beim Thema AfD reagierte Lammert: „Im Unterschied zu Weimar hat die AfD weniger als 15 Prozent im Bundestag. Die haushohe Mehrheit der Mitglieder des Bundestages ist sich einig in Verteidigung der Demokratie. In Weimar waren vielen Parlamentariern die eigenen Positionen wichtiger als die Zukunft des System.

Demokratie und Religion heute

Heute sind wir da viel stabiler. Heute ist fast allen die Aufrechterhaltung des Regelsystems wichtiger als eigene Interessen.“ Das Verhältnis von Religion und Kirche sei nicht frei von Spannungen. Institutionen würden ihren hohen Anforderungen nie gerecht, weil sie von Menschen gemacht seien. „Die Katholiken haben bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 2000 Jahre gebraucht, um ihren Frieden mit der Demokratie zu machen.“ Allerdings: Der Wahrheitsanspruch der Religion sei systemimmanent. Müller nannte „den Koran mit dem Grundgesetz vereinbar“. Für Rubinstein ist das Judentum eine demokratische Religion. „Gott hat uns die Freiheit gelassen, wie wir unsere Religion leben. Ich kann zum Beispiel entscheiden, ob ich einer orthodoxen Gemeinde oder einer  liberalen angehören möchte.“ Müller ergänzte zum Schluss: „Allah ist vor allem wütend auf die, die ihren Verstand nicht benutzen.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Kirche2go zum Ewigkeitssonntag: Ort der Hoffnung – Das Leben darf viel stärker mit dem Tod in Berührung kommen

Frühstücken auf dem Friedhof? Für Sebastian Baer-Henney ist das etwas, das man viel häufiger machen sollte. Denn: „Das Leben darf viel stärker mit dem Tod in Berührung kommen“, sagt der Pfarrer aus Mülheim. Wie das gelingt, erzählt er in einer neuen Folge von Kirche2go anlässlich des Ewigkeitssonntags.  Baer-Henney nimmt auf seinem Video-Rundgang die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf den Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein. Die Gemeinde beteiligt sich an der Initiative Evangelischer Friedhof – Ort der Hoffnung.

„Christen verbinden den Tod nicht nur mit Abschied, sondern auch mit der Hoffnung auf ein ewiges Leben“, sagt Sebastian Baer-Henney. Diese Hoffnung auf ein Wiedersehen zeige sich auf dem Friedhof an vielen Stellen: im Mausoleum für den zehnjährigen Otto, auf mit Bibelversen versehenen Bänken und an dem Baum der  Trauer, an dem Friedhofsbesucherinnen und -besucher die Möglichkeit haben, eine Notiz mit Ungesagtem loszuwerden. Der Friedhof als Ort der Hoffnung ist für den Mülheimer Pfarrer wichtig, „weil wir Menschen immer in Spannung leben zwischen einem ,Noch nicht‘ und einem ,Schon jetzt‘. Es ist der Ort, an den täglich Gemeindemitglieder kommen, um ihr Leben mit dem Tod in Einklang zu bringen.“

„Evangelischer Friedhof – Ort der Hoffnung“ ist eine Initiative der Evangelischen Kirche im Rheinland zusammen mit der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche. Die beteiligten Gemeinden, wie in Mülheim, legen Wert auf eine besondere Friedhofsgestaltung und einen sorgfältigen Umgang mit Beerdigungen. Ein spezielles Logo auf Schildern, in Schaukästen, auf Briefpapier und Postkarten macht den „Ort der Hoffnung“ sichtbar.

Text: ekir/APK
Foto(s): APK

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Warum feiern wir eigentlich den Buß- und Bettag?

 

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Hier der gesamte Beitrag zum Nachlesen:

Ab Mitte November überschlagen sich immer so ein bisschen die Ereignisse. Und zwar gibt es da einen Feiertag, der leider gar kein Feiertag mehr ist. Das ist der Buß- und Bettag. Ich glaube, dass der Buß- und Bettag ein Tag der Umkehr ist. Also der uns immer wieder daran erinnert, all das, was wir angehäuft haben, an Schuld also, wo wir uns persönlich schuldig fühlen. Da sind wir immer wieder in der Lage, diesen Weg zu verlassen und zurückzukehren. Das ist ein total schwieriges Bild, denn wenn man so ganz verstrickt ist in sich selber, dann sieht man manchmal auch überhaupt keinen Ausweg und denkt Umkehr, was soll das denn heißen. Das ist ein blöder biblischer Begriff, das hat überhaupt nichts mit meinem Leben zu tun. Also wenn ich darüber nachdenke, was Umkehr heißt, dann ist das nicht immer das große Ganze, sondern es fängt quasi im Kleinen an. Also mit einer Sache am Tag, die ich anders mache als sonst, oder mit einer Begegnung, die mich so geprägt hat, das ich sage, ich ziehe da ‚was raus für mein Leben. Und das verändert mich. Das ist für mich eine Form, auch der Umkehr, Unschuld zu haben oder schuldig zu werden. Das ist was nur menschliches und es ist gut und wichtig, dass wir an diesen Tag denken, auch wenn wir ihn gar nicht mehr feiern – leider nicht mehr feiern – aber es ist gut zu wissen, es gibt solche Tage, die uns daran erinnern: Du machst Fehler, aber du bist jederzeit in der Lage, diese Fehler hinter dir zu lassen, umzukehren, einen neuen Weg einzuschlagen, den Kurs nochmal auszurichten, sich noch mal ein bisschen selber anzuschauen, wie mache ich es eigentlich oder was kann ich ändern an mir. Und deshalb finde ich den Buß- und Bettag so wichtig.

Text: Kaldur/Ebels
Foto(s): APK

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„Niemals wieder!” – LIVESTREAM am 18.11. um 18 Uhr

Christlich-Jüdischer Dialog und Antisemitismus 75 Jahre nach Auschwitz

„Die Nichtachtung der bleibenden Erwählung Israels und seine Verurteilung zur Nichtexistenz haben immer wieder christliche Theologie, kirchliche Predigt und kirchliches Handeln bis heute gekennzeichnet. Dadurch haben wir uns auch an der physischen Auslöschung des jüdischen Volkes schuldig gemacht.”

Dieses zentrale Bekenntnis findet sich im Synodalbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland von 1980. Der Beschluss zählt neben Nostra Aetate, der Erklärung der römisch-katholischen Kirche aus dem Jahre 1965 zu den wichtigsten Zeugnissen der Neubestimmung der christlichen Kirchen zum Judentum.

Antisemitismus heute

Heute müssen wir uns wieder verstärkt mit antijüdischen Tendenzen auch in den Kirchen und einem offenen rassistischen Antisemitismus auseinandersetzen und uns fragen, wie dieser in Zukunft effektiv bekämpft werden kann. Welche theologischen Klärungen des Verhältnisses vom Christentum zum Judentum sind für den Kampf gegen den Antisemitismus notwendig und welchen Beitrag kann der christlich-jüdische Dialog leisten?

Eine Veranstaltung der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit der Karl Rahner-Akademie, dem Katholischen Bildungswerk, dem katholischen Stadtdekanat und der Melanchthon Akademie.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Melanchthon Akademie.

Livestream am 18.11.2020 ab 18 Uhr

Die Veranstaltung findet als Livestream statt.

Sie können am 18.11. ab 18 Uhr den Livestream über YouTube über folgenden Link verfolgen: https://youtu.be/HIB5GAxD-74

Text: MAK
Foto(s): APK

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„Demokratie in Gefahr?“ – Altenberger Forum am 17. November 2020

Unter diesem Titel findet zum 25. Mal das Altenberger Forum statt. Hierzu lädt der Ökumene-Ausschuss gemeinsam mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis am 17. November ein. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Veranstaltung erstmalig als Livestream übertragen. Dieser startet um 19 Uhr. Das Altenberger Forum findet ohne Publikum statt.

Wie können Kirche und Politik reagieren?

Wie immer hat das Thema einen aktuellen Bezug: Die Angriffe rechtspopulistischer Parteien auf die Religionsfreiheit bedrohen islamische Gemeinden, der Antisemitismus ist ein europäisches Phänomen – auch mitten in der Gesellschaft. Besorgniserregende Taten, wie der Anschlag auf eine Synagoge in Halle, das rechtsterroristischen Attentat von Hanau sowie die Ermordung von Walter Lübcke sind noch lange nach dem Verbrechen präsent. Die Podiumsmitglieder diskutieren unter der Fragestellung „Wie können Kirche und Politik auf diese Taten reagieren und agieren?“.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Das Gespräch startet um 19 Uhr. Die Podiumsgäste sind Rabeya Müller, Islamwissenschaftlerin, Muslimische Theologin und Religionspädagogin, Imamin der Liberalen Muslimischen Gemeinde Köln e.V., Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Deutschen Bundestages von 2005 bis 2017, Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Wolfgang Meyer vom WDR moderiert die Veranstaltung.

Livestream ab 19 Uhr

Der Livestream kann auf www.rbk-direkt.de angeklickt und auf dem YouTube-Kanal www.youtube.com des Rheinisch-Bergischen Kreises verfolgt werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit live schriftliche Fragen einzureichen, die dann von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beantwortet werden.


Ein 25-jähriges Jubiläum der besonderen Art

In diesem Jahr begehen der Ökumene-Ausschuss und der Rheinisch-Bergische Kreis gemeinsam das 25. Altenberger Forum Kirche und Politik. Das Altenberger Forum wird traditionell stets am Vorabend des Buß- und Bettages veranstaltet und widmet sich aktuellen Themen der Gesellschaft.

Die Jubiläumsveranstaltung mit Treffen vor Ort muss Corona-bedingt nun leider ausfallen. Dennoch haben der Ökumene-Ausschuss und der Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises einen Weg gefunden, die Versammlung als geschlossene Versammlung durchzuführen, und zwar im Altenberger Dom.

Mit Hygiene-Konzept und Abstand werden sich die Podiumsgäste mit dem Moderator im Dom versammeln und von Superintendentin Andrea Vogel, Kreisdechant Norbert Hörter und Landrat Norbert Santelmann begleitet. Für die Öffentlichkeit ist die Versammlung nicht zugänglich. Von einem professionellen Veranstaltungstechniker wird das 25. Altenberger Forum als Livestream über Internet allen Interessierten zugänglich gemacht. Durch diesen modernen Weg steigt Kirche und Politik im Rheinisch-Bergischen Kreis in digitale Übertragungstechnik ein.

Mit dem aktuellen Thema „Demokratie in Gefahr“ und den diesjährigen Podiumsgästen ist ein spannender Abend garantiert. Durch die Liveübertragung aus dem Altenberger Dom setzt das 25. Altenberger Forum Kirche und Politik neue Akzente.

Text: Rheinisch-Bergischer Kreis, Altenberger Forum/APK
Foto(s): Ebels

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