„Wo wir uns verbinden, entsteht Macht“ – Abschied von Pfarrer Christoph Nötzel in Brauweiler

Der Abschied von Pfarrer Christoph Nötzel in der Christusgemeinde an der Glessener Höhe war vor allem eines: ein Mutmach-Gottesdienst. „Steht auf und fürchtet Euch nicht!“ Diese Botschaft gab er der Besucherschar in der rappelvollen Gnadenkirche am Friedhofsweg in Brauweiler mit auf den Weg, bevor er später von Superintendent Markus Zimmermann entpflichtet wurde. Feierlich untermalt mit Kammermusik, Chorgesang und zahlreichen modernen Kirchenliedern, ganz passend: Die Botschaft aus dem Matthäusevangelium weise in die Zukunft, betonte Nötzel in seiner Predigt, nachdem sie noch einmal gelesen wurde. Jesus spricht sie zu seinen Jüngern auf einem hohen Berg, wo eine leuchtende Wolke sie überschattet. Aus ihr heraus erklingt Gottes Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, hört auf ihn.“ Zentral sei der anschließende Satz in der Bibelstelle, betonte Nötzel: „Jesus berührte sie und sagte: Steht auf und fürchtet Euch nicht!“ So ende Gottes Offenbarung nicht im Schrecken, sondern in der Zuwendung, der Aufrichtung und in der Ermutigung. Er selbst sprach demgemäß auch mehr als beruhigende Worte. Sie glichen eher einem Weckruf: „Macht entsteht dort, wo Menschen sich miteinander verbinden“, zitierte er die Philosophin Hannah Arendt.
Die Macht der Verbundenheit
Sie sei nicht institutionalisiert, sondern wachse aus Begegnung und Verbundenheit: „Wo sich Menschen zusammentun und sich gemeinsam auf einem Weg begegnen, erwächst daraus Macht und Mächtigkeit, die das Gesicht dieser Welt verwandeln kann“, so Nötzel, „zunächst im Kleinen, dann auch im Großen.“ Die Worte ‚Steht auf und fürchtet euch nicht‘ seien solche gegen alle Mächte und Mächtigen, die in ihrer Macht immer größer werden, weil sie den Menschen Angst machen, gegen alles, was Menschen klein macht und alles, was sie auseinanderdividiert, vereinzelt und gegeneinander aufbringt. „Wo wir uns miteinander verbinden, entsteht eine andere Macht, die Macht der Verbundenheit im Licht der Wahrheit“, sagte Nötzel, „weil wir nicht allein, sondern miteinander aufstehen. Wir tragen das Licht gemeinsam. Wir nehmen es mit, teilen es mit anderen, auch dort, wo es nicht mehr so hell und eindeutig zugeht.“
Ein mutiger Wegbereiter für die Zukunft der Kirche

Wie mutig der Gemeindepfarrer selbst vorangeschritten war bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage der Zukunft der Kirche, schilderte Superintendent Markus Zimmermann. Er zählte Christoph Nötzels zahlreiche Stationen in verschiedenen Etappen auf: Bereits während des Theologiestudiums beteiligte sich Nötzel beim Aufbau des Kirchenverbandes. Das Vikariat absolvierte er im Kirchenkreis Süd in Rondorf. Nach einer Zwischenstation in Erftstadt wurde er Pfarrer in Altenberg-Schildgen, im ehemaligen Kirchenkreis Köln rechtsrheinisch. Dort habe er die Gemeinde bereits auf seine Weise geprägt, sagte Zimmermann. „Klar wurde: Du bist nicht derjenige, der der Gemeinde etwas verkündet, sondern Deine Gemeinde verkündet sich selbst.“ Partizipation sei ihm schon immer sehr wichtig gewesen. Er habe sehr viele Ehrenamtliche gewonnen. „Wie können wir Menschen bewegen zum Glauben und zur Kirche?“ Mit dieser Frage habe Nötzel sich stark beschäftigt.
Vielfältiges Engagement auf allen Ebenen
Text: Susanne Esch/ APK
Foto(s): Susanne Esch
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