Frischer Wind im Glaubenshaus – Suyin Scheid-Hennig wurde zur Prädikantin ordiniert

„Du fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ (Jesaja 43,1) – Diesen Zuspruch gab Superintendentin Kerstin Herrenbrück Suyin Scheid-Hennig mit auf den Weg. „Aus diesem Versprechen fällt niemand heraus“, erklärte sie. Suyin Scheid-Hennig habe „Ja“ gesagt zum Dienst an Gott und Gemeinde. Prädikant*in zu sein bedeute, „weiterzugeben, womit man von Gott beschenkt ist.“ Man stelle sich damit in eine „Bekenntnisgeschichte“, die bis zur Barmer Theologischen Erklärung von 1934 reicht.
Es war ein weiter Weg, der Suyin Scheid-Hennig in die zweijährige Ausbildung zur Prädikantin führte. Die Künstlerin, Kunsthistorikerin und Dozentin hatte für ihren Ordinationsgottesdienst keine klassische Predigt vorbereitet, sondern gab persönliche Einblicke in ihren Prozess – vom neugierigen Kind zur Frau, die ihre Gaben in den Dienst Gottes stellen möchte. Sie berichtete, dass sie nicht getauft wurde, da ihre konfessionslosen Eltern ihr die Möglichkeit geben wollten, „sich selbst ein Bild zu machen“. Und das tat sie: Im Religionsunterricht (ohne Benotung) war sie eifrig, begeistert, als sie das Vaterunser mitsprechen konnte. Die Lieder in der Adventszeit bedeuteten ihr viel. Sie erinnerte sich an einen Spaziergang mit ihrem Vater zum Klosterhof in Dünnwald. Der Geruch nach Weihrauch, die Kerzen, die Krippe – all das hatte etwas Heiliges. „Gott ist in meinem Leben“, wusste sie – doch ihr fehlte eine geistliche Heimat.
Vom Zweifel zur Berufung: Ein persönlicher Weg zum Prädikantinnenamt

Umso intensiver widmete sie sich Bildwerken, Kunst und Musik. Ihre erste Ausstellung hatte sie in der heutigen Kulturkirche Ost in Buchforst, später gestaltete sie den Abschiedsraum im Krankenhaus Porz am Rhein. Über einen Flötenkreis erlebte sie viele Gottesdienste mit und fand Anschluss in der Gemeinde. Besonders prägten sie die Predigten von Pfarrerin Andrea Stangenberg-Wingerning.
Mehr und mehr reifte in ihr der Wunsch, Teil einer gottesdienstlichen Gemeinschaft zu sein. Mit 37 Jahren ließ sie sich taufen. Ihre Mentorin Ingrid Kibilka riet: „Stell dir den Glauben vor wie ein Haus, in dem man sich langsam einrichtet.“ In diesem Haus gebe es dunkle Keller, ein Esszimmer, ein Studierzimmer, einen Wintergarten, einen Salon – und einen neuen Raum, den sie nun mit ihrer Ordination betrete.
Zwei Erlebnisse stärkten ihren Entschluss zur Prädikantinnen-Ausbildung: die acht Fastenandachten während der Corona-Zeit, die sie gestalten durfte und die vielen Menschen Halt boten, sowie der Tod ihrer Mutter 2021. Da keine kirchliche Trauerfeier möglich war, übernahm sie diese selbst – und fühlte sich getragen durch „unerwartete Unterstützung von oben“. Das sei der „Grundstock für ihre Bewerbung“ gewesen. Doch Zweifel blieben. „Ohne dich tue ich das nicht!“, betete sie damals – und hörte die Aufforderung Jesu an den geheilten Gelähmten: „Steh auf und geh!“
Zwischen Ankommen und Aufbruch: Eine neue Rolle mit offenem Fenster
Suyin Scheid-Hennig schwärmte von dem engagierten Team in der Gemeinde und der freundlichen Aufnahme. Für sie sei nun die „Zeit der Ernte“ gekommen. Der Gottesdienstraum in ihrem neuen „Glaubenshaus“ sei noch nicht fertig, aber dort wehe bei weit geöffneten Fenstern ein frischer Wind. Neben Altar und Kanzel stehe dort auch ihr Talar. Der sei keine Verkleidung, sondern ihr „liturgisches Ich“. Angekommen und doch unterwegs – für Suyin Scheid-Hennig passte an diesem Tag alles zusammen: „Das fühlt sich gerade so an, als müsse es genauso sein!“

Eigentlich hatte sie sich gewünscht, dass die Johanneskirche auch an ihrem Ordinationstag mit der Erntedank-Dekoration geschmückt wäre – diese hatte sich jedoch inzwischen in Kürbissuppe verwandelt und wurde beim anschließenden Empfang gemeinsam gegessen.
Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke
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