Die Kirche im Dorf lassen – Wie sieht die Zukunft unserer Gemeinde aus? – Ein Vortrag

Viele Gemeinden in der Rheinischen Landeskirche und insbesondere in unserem Kirchenkreis beschäftigen sich angesichts demographischer Entwicklung und Säkularisierung mit veränderten Gemeindestrukturen, angepassten Nutzungskonzepten von Kirchen und Gemeinderäumen und auch mit Fragen der energetischen Gebäudesanierung. Das tun wir als Friedenskirchengemeinde auch in Liblar. Parallel zu diesen Projekten steht die Frage im Raum, wie Gemeinden sich in einer zunehmend säkularen Umgebung künftig positionieren wollen. Wie viel Gebäude brauchen wir? Was geschieht mit Kirchen? Wie finanzieren wir Gemeindeprojekte? Welche Position nehmen wir als Kirche künftig in der Gesellschaft ein?

Ein Blick in den Osten – Erfahrungen aus der Anhaltinischen Landeskirche

Die Kirchen in den neuen Bundesländern leben diese künftige Struktur bereits seit vielen Jahren und haben sich dementsprechend aufgestellt. Wir freuen uns daher außerordentlich, dass es gelungen ist, den ehemaligen Kirchenpräsidenten der Anhaltinischen Landeskirche, Herrn Joachim Liebig aus Dessau, für einen Vortrag in unserer Gemeinde zu gewinnen. In den etwa 15 Jahren seiner Amtszeit (2009–2024) konnte er viele wertvolle Erfahrungen sammeln, mit denen wir uns als Gemeinden in den alten Bundesländern auseinandersetzen sollten.

Zehn Thesen zur Zukunft der Kirche

Herr Liebig hat für seinen Vortrag seine Erfahrungen in zehn Thesen formuliert, die er in seinem Vortrag erläutern wird:

  1. Die mit der Weimarer Reichsverfassung eingeführte Staatskongruenz verfasster Kirche wird keine Zukunft haben.
  2. Öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse werden schrittweise durch privatrechtliche ersetzt.
  3. Die Basisfinanzierung durch „Kirchensteuern“ wird durch ein anderes System ersetzt werden müssen, da die Plausibilität in einer hochindividualisierten Gesellschaft massiv schwindet.
  4. Der systemische Dreischritt Bewegung (Leben Jesu bis Pfingsten und frühe Kirche) – Organisation (Nachwahl eines Apostels, Wahl von Diakonen) – Institution („Konstantinische Wende“) wird zugunsten von Elementen der Bewegung umgestaltet werden.
  5. Die durchweg sehr professionell (teilweise unter Übernahme von Elementen aus der Unternehmensführung) gestalteten missionarischen Impulse der jüngeren Geschichte sind weitgehend gescheitert. Versuch und Irrtum scheinen den notwendigen Prozessen angemessener zu sein.
  6. Kirchengebäude sind eine steingewordene Präsenz des Glaubens. Umnutzungen sind nach Kräften zu vermeiden. Eine Sicherung der Bausubstanz und Schließung des Gebäudes zur Nutzung durch zukünftige Generationen ist eine Alternative.
  7. Zu den Kernberufsgruppen der Verkündigung gehören neben dem Pfarrdienst die Kirchenmusik, die Gemeindepädagogik, die Gemeindediakonie (nicht zu verwechseln mit der Diakoniestation, deren Arbeit nicht überschätzt werden kann) und die Gemeindeverwaltung. Die jeweilige Rollenverteilung ist eine Aufgabe eigenen Gewichts.
  8. Die Einzelparochie mit eigener Geschichte hat ihre fortdauernde Existenzberechtigung. Die Aufgaben für die unter 7. aufgeführten Berufsgruppen müssen jedoch mehrere sinnvoll zusammenarbeitende Parochien umfassen. Das numerische Kriterium nach Gemeindegliederzahlen ist dabei nur ein Kriterium.
  9. Gemeindevorstände sind primär geistlich mitverantwortlich. Nach entsprechender Ausbildung bereichern sie die Angebote in den Parochien um kleinteilige Formen wie Hauskreise, Andachten etc. Der vermutete Rollenkonflikt mit den Mitarbeitenden unter 7. ist denkbar, aber nicht unauflöslich.
  10. Veränderungen unter fiskalischem Druck sind vermutlich zum Scheitern verurteilt. Ohne Leidensdruck jedoch bleibt das Beharrungsvermögen dominant.

Kommen Sie und diskutieren Sie mit!

Wir laden Sie herzlich ein, diesen spannenden Abend mitzuerleben und gemeinsam über die Zukunft unserer Gemeinde nachzudenken. Wir freuen uns auf Sie!

 22. April 2026  19:00 Uhr  Ev. Gemeindehaus Liblar, Schlunkweg 52

Text: APK
Foto(s): APK

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KonfiCup in Köln-Mülheim – Evangelisches Jugendreferat Köln und Umgebung feiert Fußball, Fairness und Glauben

Ein Finale, das keine Wünsche offen ließ. Mit 8:4 setzte sich das Team II der Evangelischen Kirchengemeinde Hürth gegen die „Konfi Kicker“ aus der Evangelischen Gemeinde Köln, Bezirk Nord, durch – und krönte damit einen Tag voller Spannung, Teamgeist und gelebtem Glauben. Organisiert und ausgerichtet hatte das Turnier auch dieses Jahr das Evangelische Jugendreferat Köln und Region.
Das zweitplatzierte Team „Konfi Kicker“ der Evangelischen Gemeinde Köln, Köln-Nord, mit
Jugendleiterin Edda Roederer und Pfarrer Christoph Rollbühler.

Der KonfiCup ist das bundesweite jährliche Sport-Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für aktuelle Konfirmandinnen und Konfirmanden. Im März war Lukas Podolskis „Strassenkicker.Base“ in Köln-Mülheim der Schauplatz: Acht gemischt-geschlechtliche Teams aus fünf Kirchengemeinden beiderseits des Rheins traten gegeneinander an. Unter dem Namen „Pilgerweg“ liefen gleich drei Mannschaften aus der Evangelischen Hoffnungsgemeinde im Kölner Norden auf, die Hürther Kirchengemeinde schickte zwei Teams ins Rennen. Mit je einem Team dabei: die Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen, die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach und die Gemeinde Köln. Nach der Gruppenphase setzte sich im ersten Halbfinale „Konfi Kicker“ gegen Altenberg/Schildgen durch (3:0), im zweiten gewann Hürth II gegen „Pilgerweg II“ klar mit 10:3. Den dritten Platz sicherte sich Altenberg/Schildgen mit einem 6:2 gegen „Pilgerweg II“. Den begehrten Wanderpokal überreichte Organisationsleiter Arno Kühne schließlich den Hürther Konfis – strahlend und verdient.

Sportanlage mit besonderem Charme

Arno Kühne weiß, was er an der „Strassenkicker.Base“ hat. Seit über zwanzig Jahren organisierte der Jugendreferent den KonfiCup in Köln und Region – und den Austragungsort möchte er nicht mehr missen. „Die Anlage hat ihren ganz besonderen Charme und die Miete ist günstig“, sagte er. Für ihn ist der KonfiCup weit mehr als ein Turnier: ein übergreifendes, bereicherndes sportliches und soziales Angebot innerhalb der Konfi-Arbeit. Sein Dank galt an diesem Tag vielen: den Aktiven, Betreuenden und Unterstützenden, den Schiedsrichtern und Sanitätern – und seinem Orga-Team um Ute Verch, Julina Klutmann und Kilian Hagemann. Ermöglicht wurde das Turnier auch durch drei wesentliche Sponsoren: die Spendenplattform „Hier mit Herz“ der Sparkasse KölnBonn, das Jump House und den Glowing Room (3D Schwarzlicht Minigolf). Die vier erstplatzierten Teams freuten sich über Gutscheine für Gruppen-Events – unter anderem im Escape Room und Bowling-Center.

„Was hat Fußball mit Kirche und Gott zu tun?“

Das Orga-Team aus dem Jugendreferat unter anderem mit Organisationsleiter Arno Kühne (hintere Reihe, 2. v.r.), den Schiedsrichtern und Sanitätern.

Bevor der erste Ball rollte, stimmte Jugendreferentin Ute Verch alle Beteiligten auf dem Spielfeld mit einem geistlichen Impuls ein. Ihre Frage: Was hat Fußball eigentlich mit Kirche und Gott zu tun? Ihre Antwort war klar: mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Auf dem Spielfeld, am Rand, im Miteinander der Teams wurde Gemeinschaft erfahrbar. Glauben wurde gelebt – im fairen Umgang, im Anfeuern, im Zusammenhalten. Den KonfiCup nannte sie „mehr als ein Turnier: Er ist ein besonderes Erlebnis in der Konfi-Zeit, an das sich Jugendliche erinnern.“ Und er ist bewusst geschlechterübergreifend angelegt: Mädchen und Jungen spielten selbstverständlich zusammen. „Vielfalt gehört dazu und wird als Stärke erlebt – ganz praktisch und ohne große Worte.“

Für ihren Impuls hatte Verch ein Bibelwort gefunden, das besser nicht hätte passen können: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt“ – Paulus, 1. Korinther 9, 24. Fairness, Respekt und Teamgeist prägten den sportlichen Wettbewerb ebenso wie das gemeinsame Unterwegssein im Glauben. „Der KonfiCup schafft einen Raum, in dem genau das erfahrbar wird.“ Und das ist vielleicht das Schönste an diesem Tag: Nicht nur die Hürther Konfis gingen als Gewinner nach Hause. Wer dabei war – auf dem Platz, am Rand, hinter den Kulissen – erlebte, wie Gemeinschaft entsteht. Im Jubel, im Zweikampf, im gemeinsamen Laufen. Genau dafür ist der KonfiCup gemacht.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Tanzgala der ESG am Freitag: Standardtanz, Party und Begegnung

Ein eleganter Tanzball für junge Erwachsene steht am Freitag, 17. April, 19 bis 1 Uhr, bei der Evangelischen Studierendengemeinde Köln, Bachemer Straße 27, auf dem Programm. „Wir laden euch ganz herzlich ein, zur Tanzgala in die Evangelische Studierendengemeinde zu kommen“, weckt Lea Braun, Studienleiterin von der Melanchthon-Akademie, die Vorfreude: „Wir starten direkt rein mit einem kleinen Begrüßungsgeschenk und dann geht’s los. Erstmal wird ein bisschen klassisch Standard getanzt, aber keine Sorge, unter Anleitung.“

Nach dem Einlass mit Sektempfang um 19 Uhr und der Begrüßung um 19.30 Uhr stehen ab 19.45 Uhr Tanzrunden unter professioneller Anleitung auf dem Programm, bevor ab 22 Uhr freies Tanzen und Party den Abend ausklingen lassen. Die Tanzgala richtet sich an Anfängerinnen und Anfänger ebenso wie an Fortgeschrittene – alle Paar- und Tanzkonstellationen sind willkommen. Man kann auch ohne Begleitung kommen.

Der Dresscode lautet schick bis festlich. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Tickets sind erhältlich unter kurzlinks.de/tanzgala2026.

www.esgkoeln.de

Text: APK
Foto(s): APK/hier+weiter

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Unsere Wochentipps: ESG-Tanzgala, Orgelmesse und Vortrag „Die Kirche im Dorf lassen“

Freuen Sie sich auf unsere Wochentipps: Am Freitag lädt die „Ma(r)tinée“ zum Abschied der EisHeiligen in Ehrenfeld um 18 Uhr ein, gefolgt von der festlichen Tanzgala der Studierendengemeinde ab 19 Uhr bis 1 Uhr. Am Samstag geht es weiter mit dem Einweihungsfest am Schnüsse-Tring-Brunnen von 16 bis 18 Uhr sowie dem Konzert der Lutherkantorei um 17 Uhr. Den Abschluss bilden die „Orgelmesse“ in Bayenthal am Sonntag um 18 Uhr und der Vortrag „Die Kirche im Dorf lassen“ in Erftstadt am kommenden Mittwoch um 19 Uhr – vielfältige Veranstaltungen, die zum Mitfeiern, Zuhören und Mitdenken einladen:

„Ma(r)tinée“ – Abschied mit Dank an die „EisHeiligen“

In einem besonderen Gottesdienst in der Reihe „Ma(r)tinée“ nimmt die Evangelische Kirchengemeinde Ehrenfeld am Freitag, 17. April, 18 Uhr, in der Versöhnungskirche, Eisheiligenstraße 32-42, Abschied von einem besonderen Projekt. Fünf Jahre lang war der Erprobungsraum „Die EisHeiligen – ein Urbanes Familienkloster“ ein prägender Teil des Gemeindelebens. In dieser Zeit wurde in der Eisheiligenstraße gemeinsam gelebt, geglaubt, gefeiert und mit neuen Formen von Kirche im Alltag experimentiert. An diesem Abend soll mit Dank an die „EisHeiligen“ auf diesen Weg zurückgeblickt und gewürdigt werden, was in der Gemeinschaft gewachsen ist. Zugleich geht es um die Frage, was von diesem Aufbruch bleibt und wie die Erfahrungen weiterwirken können.
www.kirche-ehrenfeld.de

Tanzgala der Evangelischen Studierendengemeinde Köln

Ein eleganter Tanzball für junge Erwachsene steht am Freitag, 17. April, 19 bis 1 Uhr, bei der Evangelischen Studierendengemeinde Köln, Bachemer Straße 27, auf dem Programm. Nach dem Einlass mit Sektempfang um 19 Uhr und der Begrüßung um 19.30 Uhr stehen ab 19.45 Uhr Tanzrunden unter professioneller Anleitung auf dem Programm, bevor ab 22 Uhr freies Tanzen und Party den Abend ausklingen lassen. Die Tanzgala richtet sich an Anfängerinnen und Anfänger ebenso wie an Fortgeschrittene – alle Paar- und Tanzkonstellationen sind willkommen. Der Dresscode lautet schick bis festlich. Der Eintritt kostet 10 Euro. Tickets sind erhältlich unter kurzlinks.de/tanzgala2026.
www.esgkoeln.de

Queere Kirche Köln beim c/o pop nonstop mit Pop-Ritual zwischen Konzert und Gebet
Ein nächtliches Pop-Ritual zwischen Konzert, Performance und Gebet präsentiert die Queere Kirche Köln am Freitag, 17. April, 22.15 bis 23 Uhr, im Bürgerzentrum Ehrenfeld, Venloer Straße 429, als Teil des c/o pop nonstop Programms. Die Queere Kirche Köln ist ein bundesweit einzigartiges Kirchenprojekt der Evangelischen Kirche in Köln von und für queere Menschen, das Glauben, Identität und Community zusammenbringt. Für die c/o pop entsteht daraus ein kollektiver Late-Night-Moment: Ein queerer Kirchenchor, Drag-Artist Ludi und Pfarrer Tim Lahr, bekannt auf Instagram als @amen_aber_sexy, verbinden Pop-Ästhetik, Spoken Word und gemeinsame Momente der Stille zu einem intimen, kraftvollen Set – nicht als Gottesdienst im klassischen Sinn, sondern als kirchliches Format jenseits gewohnter Grenzen.
https://c-o-pop.de/artists/it-s-queer-church-a-late-night-prayer

Einweihungsfest am Schnüsse-Tring-Brunnen

Ein neu gestalteter Platz im Herzen von Ossendorf wird am Samstag, 18. April, 16 bis 18 Uhr, offiziell eingeweiht: der Platz am Schnüsse-Tring-Brunnen neben der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche, Rochusstraße 216. Ein Kreis von Engagierten aus der Evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld, der Aikido-Schule und der Nachbarschaft hat den lange verwilderten Platz mit Unterstützung der Stadt Köln und der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln verschönert: Sitzbänke wurden aufgestellt, vier Schaltkästen vom Künstler Sebastian Räsch neu gestaltet, ein Beet bepflanzt und eine Informationstafel zur Geschichte der Dreifaltigkeitskirche angebracht. Zum Fest gibt es Kaffee und Kuchen, Aktionen für Kinder und Musik. Ein Grußwort spricht der stellvertretende Bezirksbürgermeister Udo Hanselmann. Die Einweihung ist Auftakt für regelmäßige Angebote auf dem Platz: Eine Erzählbank, Mitsingaktionen und „Segen to go“ sollen die Nachbarschaft beleben. Es laden ein Pfarrerin Kristina Tsoleridis (Evangelische Kirchengemeinde Ehrenfeld), Dirk Kropp (Aikido Dojo), der Karnevalsverein Schnüsse Tring und das CariLädchen der Caritas Behindertenwerkstätte Gut Fronhof. Der Eintritt ist frei.
www.evangelisch-ehrenfeld.de

Konzert der Lutherkantorei

Die Lutherkantorei gestaltet am Samstag, 18. April, 17 Uhr, ein Konzert in der Martin-Luther-Kirche, Sportplatzstraße 63–65. Auf dem Programm stehen das Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi, „Christ ist erstanden“ von Johann Sebastian Bach und das Gloria von Antonio Vivaldi. Als Solistinnen wirken Merle Marie Bader (Sopran) und Lara Morger (Mezzosopran) mit. Sarah Proske ist an der Orgel zu hören. Das Barockorchester Capella Confluentes begleitet die Lutherkantorei. Die musikalische Leitung hat Michael Bader. Eintrittskarten sind im Gemeindebüro Wahn-Heide, Sportplatzstraße 63–65, 51147 Köln, Telefon 02203/650 72, erhältlich.
www.kirche-porz-wahnheide.de

„Orgelmesse“ von Johann Sebastian Bach

Samuel Dobernecker, Kreiskantor des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch, spielt am Sonntag, 19. April, 18 Uhr, in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Bayenthal, in der Reformationskirche, Mehlemer Straße 29, die „Orgelmesse“ von Johann Sebastian Bach. Es ist der dritte Teil seiner „Clavierübungen“. Zur Erkennung der teils unvertrauten Choralmelodien intoniert eine Schola die Choräle jeweils vor den Orgelbearbeitungen. Der Eintritt ist frei, am Ausgang ist eine Spende für die Kirchenmusik willkommen.
www.kirche-bayenthal.de

Vortrag: „Die Kirche im Dorf lassen“

Wie Gemeinden auf demografischen Wandel, Säkularisierung und veränderte Nutzungsformen von Kirchen reagieren können, ist Thema des Vortrags „Die Kirche im Dorf lassen“, zu dem die Evangelische Friedenskirchengemeinde in Erftstadt am Mittwoch, 22. April, 19 Uhr, ins Evangelische Gemeindehaus Liblar, Schlunkweg 52, einlädt. Es spricht Joachim Liebig, ehemaliger Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach künftigen Gemeindestrukturen, der Nutzung kirchlicher Gebäude und der Rolle der Kirche in der Gesellschaft. Liebig bringt dabei Erfahrungen aus den neuen Bundesländern ein, wo Kirchen seit vielen Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen umgehen.
www.kirche-erftstadt.de

Text: APK
Foto(s): APK/AI

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Nie wieder volllaufen! Auf Stelzen gegen die Flut – Rösraths neue Kita als Vorzeigeprojekt

Hochwassersicher und brandgeschützt: die Rutsche auf der Gebäuderückseite hat eine Doppelfunktion.

„Volberg“ hieß der kleine Ort im sumpfigen Sülztal bei Rösrath schon im Mittelalter. Genauso alt sind die Pläne, das Schwemmland trockenzulegen, Deiche zu errichten und das Flüsschen Sülz zu zähmen. Vergeblich! „Bis unter das Dach des Kindergartens stand das Wasser!“, erinnert sich Monika Mattern-Klosson, die Presbyteriums-Vorsitzende der ev. Kirchengemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath, an die große Flut im Sommer 2021. Da war nichts mehr zu retten, das Kita-Gebäude musste abgerissen werden. An derselben Stelle neu bauen? Ja, das geht! Wenn man den Bau auf Stelzen stellt und die einzige Tür nach draußen so dicht hält wie eine U-Boot-Luke.

„Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein!“

Die Kinder aus der Sterne-Gruppe haben extra für die Einweihungsfeier ein Lied geprobt, das sie nun als Bauarbeiter verkleidet vortragen. „Wer will fleißige Handwerker sehen? Der muss zu uns Kindern gehen.“ Der große, helle Raum, den die Kinder sonst als Turnhalle nutzen, ist voller fremder Erwachsener, und alle halten Ansprachen. Aus Düsseldorf ist die Bauministerin gekommen, der Bürgermeister und lokale Politiker, Vertreter der Diakonie Michaelshoven, von der Kirche Superintendent und Pfarrer, Architekten, Bausteuerer, Spendeneintreibende, Fördermittelbeantragende, großzügige Spender – mehr als zwanzig Personen!(*) So viele Gruppen, Institutionen, Planer und Praktiker müssen an einem Strang ziehen, um solch ein Projekt auf die Beine zu stellen. Jetzt strahlen sie alle um die Wette, während sie sich draußen zum Gruppenfoto aufstellen. Wer schafft es schon, einen Neubau innerhalb der vorgegebenen Zeit und des Kostenrahmens fertig zu bekommen? 7,5 Millionen Euro hatte die Landesregierung bewilligt, lässt Ministerin Ina Scharrenbach in ihre Lobesrede einfließen. Aber selbstverständlich ist die Gemeinde protestantisch-sparsam mit den Steuergeldern aus dem Fonds für Wiederaufbau umgegangen, sodass man tatsächlich 80.000 € zurücküberweisen kann.

Die Kita hat Platz für 62 Kinder in drei Gruppen. Das Gebäude ist offiziell an den Kita-Träger, die Diakonie Michaelshoven übergeben

Ein Vorzeigeprojekt

Von der Straßenseite fügt sich der schlichte Neubau gut ins historische Bild zwischen Kirchturm und Fachwerkhäusern. Genau hier stand das Gemeindehaus, das unbeschädigt geblieben war. Ja, es musste weichen, um Platz zu schaffen! Jetzt nutzt die Gemeinde abends den großen Mehrzweckraum, der tagsüber für die Kinder die Turnhalle ist. Klimaneutral und nachhaltig bauen bedeutet: Geheizt wird mit Erdwärme, die Bürgerenergiegenossenschaft hat eine Solaranlage aufs Dach gestellt, das eigentliche Haus ist in Holzbauweise errichtet. Aber der Kniff, der den Neubau resilient gegen Klimawandel, Starkregen und Flut macht, ist nur von der Hinterseite zu erkennen. Der größte Teil des Baus steht wie ein Tisch auf Beinen! 60 Pfähle wurden acht Meter tief in den Boden gebohrt, auf diesen Stützen ruht eine mehr als 500 qm große Betonplatte. Die drei Gruppenräume öffnen sich alle zur umlaufenden Veranda, und für die Kinder führt eine Rutsche nach unten. Die Stahltür ist eine Spezialanfertigung – sie hält auch große Wassermassen draußen. Bei Regen und auch bei extremer Hitze kann hier eine überdachte, schattige Außenspielfläche genutzt werden, die durch kleine Hügel und Täler interessanter wird. Die Tartanbeschichtung beugt aufgeschlagenen Knien vor. Besonders begeistert sind die Kinder von den grasgrünen, riesigen Beton-Buchstaben als Stützen. Manche können sie schon lesen: V – O – L – B – E – R – G steht da.

Die Kinder aus der Sterne-Gruppe mit Kita-Leiterin Sandra Faust vor dem „O“ von Volberg.

 

Text: Diana Zulfoghari
Foto(s): Diana Zulfoghari

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Zwischen zwei Welten – wie Dagmar und Dieter Schwirschke 30 Jahre die Gehörlosengemeinde Köln prägten

Wedelnde Hände verabschiedeten Pfarrerin Dagmar Schwirschke und Pfarrer Dieter Schwirschke in der Kartäuserkirche. Mit Gebärdensprache drückten etliche Menschen der Gehörlosengemeinde in Köln, aus Aachen und der Region ihre Anerkennung aus – für das Engagement des Paares als Pfarrer und Pfarrerin, Seelsorger und Seelsorgerin sowie als Ausbilder von anderen Seelsorgenden. Zu ihrer feierlichen Entpflichtung, die der Superintendent des Kirchenkreises Rechtsrheinisch, Torsten Krall, am Ende vornahm, waren viele gekommen, um sich noch einmal persönlich zu verabschieden, bevor sie nun in den Ruhestand gehen. Vor knapp 30 Jahren übernahm das Pfarrer-Paar die Gehörlosengemeinde in der Kölner Südstadt. Später kam die Gehörlosenseelsorge in Aachen und der Region dazu. Den Abschiedsgottesdienst hielten sie nun in der dabei bestens erlernten Gebärdensprache, während der jeweils andere für die hörenden Besucherinnen und Besucher dolmetschte.

„Er hat beides: Mut und Angst – und manchmal wechseln sich beide ab“

Zunächst erzählten sie sinnbildlich für ihr bewegtes Arbeitsleben eine ihrer Lieblings-Bibelgeschichten: von der Überfahrt der Jünger über den See Genezareth. Dabei zieht ein Sturm auf. Das Boot droht zu kentern. Als Jesus über das Wasser zu ihnen geht und sie beruhigt, möchte Petrus ihm auf dem gleichen Weg entgegenkommen. Jesus ermutigt ihn. Er traut sich – und es gelingt ihm, über das Wasser zu schreiten. Erst als er die Wellen und den Wind wahrnimmt, droht er unterzugehen und wird von Jesus gerettet. Die Geschichte erzähle vor allem von dem Mann, der beschließt, aus dem Boot auszusteigen und auf dem Wasser zu laufen, betonte Dieter Schwirschke. „Er hat beides: Mut und Angst. Ich kenne das auch in mir – und manchmal wechseln sich beide auch ab.“ Während ihres Berufslebens sei oft der Anfang schwierig gewesen. Dagmar Schwirschke erinnerte sich, wie es für sie gerade in einer ländlichen Gemeinde anfangs gar nicht so einfach war, als Pfarrerin ernst genommen zu werden. „Diese Anfangszeit hat für mich alles andere als festen Boden unter den Füßen bedeutet“, sagte sie.

Zwei Stunden isoliert – und doch verstanden

Pfarrer Dieter Schwirschke – der Mann, der einmal zwei Stunden sprachlos war und daraus eine Berufung machte.

Dieter Schwirschke erinnerte an seine erste Erfahrung als Hörender bei einer Veranstaltung für Gehörlose. Eigentlich sollte ein Gehörlosenseelsorger für ihn dolmetschen, aber der Mann musste überraschend weg – und Schwirschke saß dort zwei Stunden fest. Während die Anwesenden sich bestens in Gebärdensprache unterhielten, verstand er nichts, gänzlich isoliert. Am Ende habe ihm diese Erfahrung aber geholfen, Gehörlose besser zu verstehen, sagte er. Sie würden sich in Gruppen hörender Menschen oft ebenso ausgeschlossen fühlen. Dagmar Schwirschke ergänzte: „Wir beide hatten als hörende Menschen in der Gehörlosenwelt immer wieder das Gefühl, einige Erfahrungen unserer Gehörlosengemeinde zu teilen.“ Dazu gehöre, dass es nicht so ganz einfach war, zwischen den Welten zu vermitteln – deutlich zu machen, was sie in der Gehörlosengemeinde tun und was die gehörlosen Menschen brauchen. Das sei kein Vorwurf, sondern die Beschreibung einer nachvollziehbaren Situation. Aber sie hätten einiges gelernt.

400 Jecken, laute Musik – und das Gefühl, im schwankenden Boot zu sitzen

Eine Gemeinde, die Gebärden spricht – und zwei Menschen, die zuhören lernten.

Als schönes Beispiel dafür erzählte Dagmar Schwirschke von dem Besuch einer Karnevalsveranstaltung für Gehörlose in der Trinitatiskirche. 400 bis 500 gehörlose Jecken hätten das Gemeindehaus gestürmt, wunderbar verkleidet. Bei lauter Musik, die sie nicht hörten, sei viel gebärdet worden – und die Stimmung bestens gewesen. Doch dem Pfarrer-Paar sei es gar nicht wohl dabei gewesen. „Wir haben die ganze Zeit gehofft, dass nichts passiert, dass niemand verletzt wird. Wir haben uns gefühlt, als hätten wir die volle Verantwortung“, erzählte sie. Dann aber hätten sie gemerkt, dass jedes Mitglied des Gehörlosenvorstands bereits im Vorfeld eine bestimmte Aufgabe übernommen hatte. „Es war super organisiert und strukturiert“, so Schwirschke. „Das Gefühl, in einem schwankenden Boot zu sitzen, hat sich dadurch aufgelöst. Und wir haben gemerkt, wie viel Verantwortung die Gehörlosen übernehmen.“ Später sei es für sie herausfordernd gewesen, auch ehrenamtliche Seelsorger auszubilden. „Ich bin zwar gerne Seelsorgerin, aber keine Pädagogin“, sagte Schwirschke. Zudem hätten ihr Einzelgespräche mehr gelegen als Gruppen. Am Ende habe sie aber in allen Kursen wunderbare Menschen kennengelernt, die keine überhöhten Erwartungen an sie hatten, sondern offen waren – für ihre Art und für das, was sie zu geben hatte. Dagmar Schwirschke zog ein Fazit: „Wir haben uns unser Arbeitsleben nicht immer leicht gemacht. Wir haben alles sehr durchlebt und manchmal auch durchlitten. Wir haben aber eine Balance gefunden zwischen Bangen und Hoffen, Sorge und Zuversicht, Angst und Vertrauen – nun auch darin, dass es für die Gemeinde gut weitergehen wird.“

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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Osterfrühstück im Haus Salierring: Begegnung, die trägt

Mehr als 60 Gäste haben im Diakoniehaus Salierring gemeinsam ein Osterfrühstück gefeiert. Unterstützt von ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten wurde im Haus am Salierring ein Vormittag gestaltet, der vor allem eines spürbar machte: Gemeinschaft, Zuwendung und ein offenes Haus für Menschen, die Unterstützung brauchen. Bei Ostereiern, selbstgebackenem Kuchen und einem liebevoll vorbereiteten Frühstück entstand eine herzliche Atmosphäre. Das Osterfrühstück war damit weit mehr als ein saisonales Beisammensein. Es zeigte im Kleinen, wofür das Diakoniehaus Salierring im Alltag steht: für Begegnung, Verlässlichkeit und konkrete Hilfe.

Diakoniespende unterstützt konkrete Hilfen im Alltag

Gerade deshalb passt der Vormittag auch in einen größeren Zusammenhang. Das Diakoniehaus Salierring ist noch bis zum 30. September 2026 Empfänger der laufenden Diakoniespende des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Zur Halbzeit der Aktion sind bereits 216.000 Euro zusammengekommen, einschließlich der Verdopplung von Spenden bis zu 100.000 Euro durch den Kirchenverband. Mit dem Geld werden unter anderem der Tagestreff, Beratungsangebote, die Kleiderkammer und vor allem die Krankenwohnung für obdachlose und wohnungslose Menschen unterstützt. Die Krankenwohnung verfügt aktuell über sechs Plätze; geplant sind ihre Erweiterung um zwei weitere Plätze sowie die Sanierung der sanitären Anlagen.

Ein Ort, an dem Würde praktisch erfahrbar wird

Das Osterfrühstück hat auf besondere Weise sichtbar gemacht, dass dort, wo Menschen miteinander essen, reden und willkommen sind, Würde ganz praktisch entsteht. Für die Gäste war es ein fröhlicher Vormittag in österlicher Stimmung. Für das Diakoniehaus Salierring war es zugleich ein leises, aber starkes Zeichen dafür, wie wichtig solche Orte in einer Stadt wie Köln sind.

Text: APK
Foto(s): Maja Schumacher

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MAK-Frühjahrstagung: Warum Menschen rechtsradikal werden – Analyse einer gefährlichen Dynamik

Warum werden Menschen rechtsradikal? Dieser Frage ist die Frühjahrstagung der Melanchthonakademie und der C.G. Jung Gesellschaft im Haus der evangelischen Kirche nachgegangen. Susanne Gabriel, Vorstandsmitglied der C. G. Jung Gesellschaft, erläuterte den Grund für die Themenwahl. „Wir möchten einen Beitrag zur Depressionsbewältigung und gegen die Angst leisten“, sagte sie. Es ginge darum, sich den im Raum stehenden Problemen zu stellen und nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, fügte an: Eine klare Analyse der Situation sei wichtig, um Strategien dagegen auszumachen, und in eine Haltung des Widerstandes zu finden.

Die Analyse lieferte der Arzt für Innere Medizin, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut aus Troisdorf, Matthias Gabriel. Er klärte die Besuchenden über rechtsextreme Mythen und ihr Radikalisierungspotential auf:

Matthias Gabriel.
Matthias Gabriel.

Rechtsradikale Einstellungen seien vor allem stark durch Emotionen motiviert. Angst spiele eine große Rolle, Wut und Unzufriedenheit, Nostalgie und Ressentiments sowie eine heimliche, ständige Verbitterung. Sie würden wachsen, wenn Menschen sich bedroht fühlen, Verlust befürchten, Ungerechtigkeit erfahren.

Rechtsradikale Gruppen würden in mehrfacher Hinsicht eine (Schein-)Lösung liefern: Selbstunsicherheit würde dadurch gelindert, dass man die Gruppen-Identität übernimmt, sich also mit einer Gruppe identifiziert. Sie würden heute über Netzwerke in den sozialen Medien leicht zur Verfügung stehen und die passenden Narrative liefern. Diese Narrative würden auf Vorstellungen von Ungleichwertigkeit basieren, mit den damit einhergehenden Einstellungen wie Ultranationalismus, der Befürwortung einer rechtsgerichteten Diktatur, die Verharmlosung oder Befürwortung des Nationalsozialismus und des Sozialdarwinismus. Dazu gehörten dann Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Daraus ergäbe sich eine geschlossene rechtsradikale Weltanschauung. Dahinter verberge sich aber auch eine übergeordnete Ideologie, ein Master-Narrativ, und zwar in Gestalt eines politischen Mythos vom Volk und seiner Nation, von dessen Aufstieg, Niedergang und Wiedergeburt.

Zunächst erzähle das Narrativ von der „Geburt des Helden“, der Entstehung des Volkes und seiner Nation. Die Zugehörigkeit zum Volk sei natürlich und festgelegt durch kulturelle, ethnische bis hin zu versteckt rassistischen Merkmalen. Diese Identität des völkisch-nationalen Kollektivs erzwinge aber auch eine Homogenisierung, welche die Individuen unterwirft und sie letztlich im Volk auflöst. So ergäbe das Leben eines Individuums nur dann Sinn, wenn es zum Wohle des nationalen Ganzen beiträgt, was mit Forderungen nach unbedingter Hingabe und Opferbereitschaft verbunden sei. „Damit enthüllt sich aber auch der repressive und autoritäre Charakter der Ideologie“, betonte Gabriel. Denn wer ausschere, würde zum Störfaktor der Ordnung und zu einer Bedrohung für die völkische nationale Einheit. Und gegen Abweichler seien letzten Endes alle Mittel erlaubt.

Führer als Leitfigur

Zum Narrativ gehöre auch, dass von Natur aus Unterschiede zwischen den Menschen existierten. Daraus würde das Ideal einer hierarchisch und patriarchalisch aufgebauten Gesellschaft abgeleitet, in der jedes Volksglied seinen unterschiedlichen Platz und Rang hat. Die Unterordnung der Frau unter das männliche Familienoberhaupt sei natürlich. An der Spitze der Hierarchie, da stehe dann der Führer als Leitfigur. „Damit ist rechtsextremes Denken in seinen Grundzügen immer antidemokratisch, immer strukturell antiliberal, ist immer anti-individuell und immer antifeministisch“, so Gabriel.

Diese Auffassung von nationaler Identität beinhaltet stets auch die Diskriminierung und Ausgrenzung derjenigen, die diese Merkmale der Gruppe nicht besitzen. Nichts anderes stehe hinter dem Programm der „Remigration“, wie sie von der AfD gefordert wird. Es sei die Forderung nach einer ethnischen Säuberung.

Der weitere Teil des Mythos erzähle von der aktuellen Bedrohung des Helden-Volkes durch Dekadenz, Apokalypse und Untergang. So würde gegen die demokratischen und pluralistischen Grundlagen der Gesellschaft und vor allem gegen die liberalen, humanen und universalistischen Ideen der Aufklärung Stimmung gemacht. Es würde Angst vor dem sogenannten Bevölkerungsaustausch geschürt, vom Überlebenskampf des deutschen Volkes geredet. Es würde die Gefahr anrückender islamischer Invasionsfluten beschworen. Dahinter hätten die rechten Vordenker längst andere Drahtzieher ausgemacht: globalen Eliten, welche als heimatlose Finanzmagnaten bezeichnet werden. Damit würde eine altbekannte antisemitische Formulierung benutzt.

Als dritte Etappe im mythologischen Weltgeschehen folgt dann schließlich die Wiedergeburt des deutschen Volkes und die Errichtung einer neuen Ordnung, beziehungsweise die Erneuerung einer vergangenen Ära der Größe. Diese gehe von einer „heroischen Avantgarde“ aus, als welche sich die Flügelmänner der heutigen rechtsradikalen Gruppierungen schon seit Längerem verstehen. „Zur Erreichung dieser Ziele ist im rechten Denken die Zerschlagung des Gegners und die Zerstörung der Grundlagen des gegenwärtigen demokratischen Gesellschaftssystems unbedingt erforderlich“, betonte Gabriel.

Philine Lewek.
Philine Lewek.

Doch warum bedient sich die neue Rechte für die Verfolgung dieser Ziele mittlerweile des Christentums? Dazu lieferte die Theologin und Religionswissenschaftlerin Philine Lewek die Antwort. „Das christliche Europa ist ein gemeinsamer Fluchtpunkt der verschiedenen europäischen Nationalismen und hat gerade darum einen Mehrwert gegenüber dem früher favorisierten germanischen Neuheidentum und der Christentumfeindlichkeit“, sagte sie. Der Bezug auf das Christentum in Abgrenzung zum Generalfeind, dem Islam, sei der Grund für die theologischen Deutungen in den neurechten Netzwerken.“ Sie nannte ein prominentes Beispiel dafür: die Auslegung des Gleichnisses vom barmherzigen Samaritaner seitens der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch. Lewek zitierte ihr Vorwort zum Band „Bekenntnisse von Christen in der Alternative für Deutschland“: „Dieses Gleichnis verstehe ich als Argument dafür, dass man Kriegsflüchtlingen immer eher heimfahren sollte“, schreibt von Storch. „Als der Samariter das Unfallopfer an den Straßenrand versorgte, habe er das vor Ort getan. Er habe ihn aber nicht mit zu sich nach Hause mit nach Samaria genommen.“ Lewek erläuterte: „In den theologischen Deutungsangeboten der neuen Rechten wird immer wieder deutlich, dass sie sich auf sehr eindeutigen Auslegungen von biblischen oder historischen Texten festlegt.“ In der Theorie von Deutungsmacht könne man also von Deutungsgewalt sprechen, die die notwendige Offenheit der historischen oder biblischen Texte beschränke.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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Wenn eine Adresse alles verändert – die Wohnraumvermittlung Viadukt der Diakoniespende schafft neue Perspektiven

Eines der Angebote des Diakonischen Werks Köln und Region und im Speziellen des Fachdienstes Wohnungsnotfallhilfe ist die Wohnraumvermittlung „Viadukt“. Michael Lampa, Fachdienstleiter im Diakoniehaus Salierring, berichtet: „Im sozialen Wohnungsmarkt gibt es einen enormen Konkurrenzdruck.“ Er erläutert, das Ziel von Viadukt sei es, wohnungslose Menschen und Familien mit besonderen sozialen Schwierigkeiten langfristig in bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln.

Wohnraum für alle – eine Herausforderung in der Großstadt

Wie in vielen Großstädten stellt auch in Köln der Mangel an finanzierbarem Wohnraum ein Problem dar. „Viele Vermieter sind skeptisch bei Anfragen von wohnungslosen Menschen mit Problemen wie Schulden zum Beispiel“, betont Michael Lampa. Wie also können diese Menschen mit sozialen Problemen Wohnraum finden? „Gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW wurde Viadukt 2017 als Modellprojekt eingeführt, um diesen Menschen einen besseren Zugang zum Wohnungsmarkt zu ermöglichen“, erläutert Michael Lampa. „Das alles ist letztlich keine klassische Sozialarbeit mehr“, stellt der Fachdienstleiter klar.

Ein Team mit besonderem Ansatz

Das Team von Viadukt (von links): Tim Mengelkamp Sozialarbeiter, Yasemin Gökmen Immobilienkauffrau, Jill Nagel Sozialarbeiterin

Das Team von Viadukt besteht aus drei Sozialarbeiter:innen und einer Immobilienkauffrau, die in das Angebot eingebunden ist und sich um die Wohnungsakquise und den Kontakt zu Vermieter:innen kümmert. Die Mitarbeitenden bei Viadukt erstellen ein Mieter:innen-Profil, begleiten bei Besichtigungsterminen, helfen bei einer eventuellen Abstimmung mit dem Jobcenter zur Sicherung der Mietzahlung und unterstützen bei der Organisation des Umzugs. Auch nach einer Vermietung bleiben die Mitarbeitenden ansprechbar, um das Mietverhältnis langfristig zu sichern und flexibel Hilfen zu geben.

Über 700 Menschen geholfen – mit Unterstützung der Diakoniespende

Über 700 Menschen wurde inzwischen durch Viadukt mit mehr als 400 neu begründeten Mietverhältnissen geholfen. Das Diakoniehaus Salierring profitiert noch bis zum September dieses Jahres von der Diakoniespende des Kirchenverbandes Köln und Region.

Jede Spende hilft, die Arbeit dort fortzuführen, das Angebot für wohnungslose oder obdachlose Menschen mit den Krankenzimmern zu erhalten.

 

SPENDEN SIE AN

Ev. Kirchenverband Köln und Region
Stichwort: Diakoniehaus Salierring
Kreissparkasse Köln
IBAN DE10 3705 0299 0000 0044 04
BIC COKSDE33XXX

 

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

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Ostermontag in Köln: Zwischen Osterdeko, Hasen und der Hoffnung auf neues Leben

Zu Ostern gehören für viele Menschen kleine Traditionen und ein bisschen Deko. Draußen im Garten hängen manchmal bunte Eier in den Büschen oder an Zweigen – ein fröhliches Zeichen dafür, dass der Frühling da ist.

Drinnen steht oft ein Osterstrauß in der Vase. Zweige, an denen bunte Eier oder kleine Anhänger hängen. Wenn die Zweige langsam aufblühen, wirkt alles gleich ein bisschen heller und lebendiger.

Und natürlich taucht zu Ostern auch der Osterhase auf – als kleine Figur auf dem Tisch oder manchmal auch etwas größer und aufblasbar. Der Hase steht für Fruchtbarkeit und neues Leben – und passt damit eigentlich ganz gut zum Frühling und zur Osterzeit.

Diese kleinen Dinge sind mehr als nur Deko. Sie erinnern daran, dass Ostern ein Fest der Hoffnung ist: Nach dem Winter beginnt etwas Neues.

Text: APK/Frauke Komander
Foto(s): APK/Frauke Komander/Canva

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