Unsere Wochentipps: Orgelklang, Stadtgeschichte und Literatur in Köln und Umgebung

Musik, die Grenzen verschiebt – zwischen Jahrhunderten, zwischen akustisch und elektronisch, zwischen Komposition und spontanem Spiel. Stadtteile, die mehr Geschichte bergen, als man ihnen ansieht. Und Abende, die mit Literatur, Erinnerung und der Farbe Rot ins Gespräch einladen. Wer in dieser Woche aufmerksam durch Köln und die Region streift, wird reich belohnt – von der Improvisation im Altenberger Dom bis zu einem intimen Bühnenprogramm voller Poesie und Witz.

Orgelklang im Altenberger Dom – zwei Abende, zwei Welten

Der Altenberger Dom wird in dieser Woche gleich zweimal zum Klangraum: Am Donnerstag, 13. August, 20 Uhr, gestalten die Teilnehmenden der Internationalen Orgelakademie für Improvisation einen gemeinsamen Improvisationsabend – offen, lebendig und unvorhersehbar. Am Sonntag, 16. August, 14.30 Uhr, ist dann die Organistin Gabriele Studer aus Alba zu erleben, die mit Bachs „Passacaglia“, Sätzen aus Prokofjews „Romeo und Julia“, Cocheraus „Scherzo symphonique“ und dem Finale aus Viernes VI. Symphonie ein vielseitiges Programm aus vier Jahrhunderten präsentiert. Der Eintritt ist an beiden Abenden frei.

„Deutz, die Sonnenseite der Domstadt“

Neue Veedelführung durch das rechtsrheinische Köln
Was die Kölner liebevoll als „schääl Sick“ bezeichnen, entpuppt sich bei einer Veedelführung mit Dr. Thomas van Nies am Samstag, 15. August, 13 Uhr, als Stadtteil mit großer Geschichte: Deutz war in römischer Zeit Barbarenland, wurde aber im Laufe der Jahrhunderte von existenzieller Bedeutung für die Metropole am Rhein. Wer dabei sein möchte, trifft sich am Brunnen am Düxer-Bock-Platz, Ecke Gotenring/Lorenzstraße. Die Teilnahme kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Eine Anmeldung unter antonitercitytours.de/kalender/ oder an allen Vorverkaufsstellen von Eventim und Koelnticket wird empfohlen.
www.antonitercitytours.de

Matinee „Schattenwald“ in der Martin-Luther-Kirche

Orgel und Elektronik mit Sarah Proske in Köln-Wahn-Heide
Bei einem Konzert am Sonntag, 16. August, 11.30 Uhr, in der Martin-Luther-Kirche, Sportplatzstraße 63, ist zu erleben, wie akustischer und elektronischer Klang ineinandergreifen und die Grenzen zwischen beiden zu verschwimmen beginnen. Unter dem Titel „Schattenwald“ präsentiert Sarah Proske Werke für Orgel und Tonband, bei denen die Elektronik als idealer Spielpartner der Orgel deren reiches Klangspektrum auf faszinierende Weise erweitert. Die vorgestellten Kompositionen nutzen synthetisch erzeugte Klänge ebenso wie poetische Naturaufnahmen, menschliche Sprache und Geräusche, die einst von der Orgel selbst hervorgebracht wurden. Die Matinee ist eine Veranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Porz-Wahn-Heide. Der Eintritt ist frei.
www.kirche-porz-wahnheide.de

Literatur, Erinnerung und die Farbe Rot – zwei Abende in der Christuskirche Brühl

Die Christuskirche Brühl, Mayersweg 10, lädt in dieser Woche zu zwei sehr persönlichen Literaturabenden ein: Am Sonntag, 16. August, 17 Uhr, erinnert Anna Hüsch mit Gedichten, Texten, Liedern und eigenen Erinnerungen an ihren Vater, den Kabarettisten und Dichter Hanns Dieter Hüsch – begleitet am Klavier von Nicolas Evertsbusch. Am Montag, 17. August, 20 Uhr, lädt Pfarrerin Renate Gerhard mit Texten von Rose Ausländer, Erich Kästner, Mascha Kaléko und Johann Wolfgang von Goethe zu einem Literaturabend über die Farbe Rot ein – vom Morgenrot bis zum Feuerrot, von der Rose bis zum roten Wein. Der Eintritt ist an beiden Abenden frei.

Text: APK
Foto(s): APK/AI

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Reli kann mehr: Das Schulreferat zeigt, wie Religionsunterricht heute gelingen kann und stellt sein neues Fortbildungsprogramm vor

Pünktlich zum neuen Schuljahr lädt das Schulreferat und Referat für Berufskollegs dazu ein, Religionsunterricht neu zu denken – mit einem Fortbildungsprogramm für das zweite Halbjahr 2026, das so vielfältig ist wie die Fragen, die Schülerinnen und Schüler heute mitbringen.

Gesellschaft im Blick – Glaube als Antwort

Das Programm greift auf, was Religionslehrerinnen und Religionslehrer heute bewegt: Wie spricht man über Gott in einer Welt, die sich schnell verändert? Wie begegnet man im Unterricht Rassismus und Ausgrenzung? Und wie bleibt man selbst gesund und resilient in einem anspruchsvollen Beruf? Ob interreligiöser Dialog, digitale Methoden für den Reli-Unterricht oder theologische Vertiefung – das Programm verbindet fachliche Substanz mit dem, was im Schulalltag wirklich trägt. Besonders das Lernen an außerschulischen Orten – in der Synagoge, der Moschee oder am Lern- und Gedenkort Jawne – macht deutlich: Religionsunterricht findet nicht nur im Klassenzimmer statt.

Fortbildung, die zu Ihnen kommt

Eine echte Stärke des Angebots ist die Flexibilität: Das Schulreferat kommt auf Wunsch auch direkt in die Schule. Im Rahmen schulinterner Fortbildungen (SchiLf) lassen sich Themen wie Trauer und Abschied, Achtsamkeit oder Erinnerungskultur gemeinsam mit dem ganzen Kollegium erarbeiten – zugeschnitten auf die eigene Schule und ihre Menschen. Das Programm richtet sich an alle Schulformen, von der Primarstufe über die Förderschule bis hin zu Sekundarstufe und Berufskolleg. Wer darüber hinaus auf der Suche nach Unterrichtsmaterialien ist, wird ebenfalls fündig: Die Bibliothek des Schulreferates umfasst rund 9.000 Medien – und lässt sich bequem online durchstöbern.

Das vollständige Programm – mit allen Terminen, Themen und dem Anmeldeformular – gibt es online unter

http://reli-koeln.de/programm.

Text: APK
Foto(s): APK

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Pfarrerin Claudia Posche nimmt Abschied vom Altenberger Dom

Nach drei Jahrzehnten als Pfarrerin am Altenberger Dom geht Claudia Posche im Herbst in den Ruhestand. Mit ihrem Abschied endet eine prägende Ära für die evangelische Gemeinde an einem der bekanntesten Kirchenorte Nordrhein-Westfalens. Besonders in Erinnerung bleibt ihr die einzigartige Atmosphäre des Altenberger Doms. Der Kirchenraum, das Licht und die Geschichte des Ortes haben sie über viele Jahre begleitet und tief berührt. Was sie besonders mitnehmen wird, beschreibt sie so: „Diesen unglaublichen Raum zu erleben und dann geht das Licht durch das Westfenster und dann irgendwie zu denken: Meine Güte, dieser wunderbare Ort, dieses wunderbare Gotteshaus und du kannst hier sein. Ich glaube, das ist das, was ich mitnehme im Herzen. Also dieser Ort, das Licht und die Tradition, die mit diesem Ort verbunden ist, und die Spiritualität.“

Ein besonderes Anliegen war Claudia Posche stets die enge Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Der Altenberger Dom, der dem Land Nordrhein-Westfalen gehört und von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird, sei dafür ein gelungenes Beispiel. „Seit Jahren haben wir hier ein sehr gutes Miteinander mit einem tollen katholischen Team, vor allem mit einem tollen katholischen Kollegen, Thomas Taxsacher. Wir haben gemeinsame Heiligabend-Gottesdienste, wir sprechen uns sehr eng ab und teilen uns die Kirche. Und das ist, glaube ich, was in Zukunft sehr viel öfter möglich sein sollte.“

Mit großer Dankbarkeit blickt die Pfarrerin auf ihre 30-jährige Tätigkeit zurück. Neben vielen Gottesdiensten und Veranstaltungen sei die Zeit am Altenberger Dom vor allem ein persönliches Geschenk gewesen. „Drei Jahrzehnte Pfarrerin am Altenberger Dom – ein Geschenk Gottes an mich. Das kann ich so sagen. Es war natürlich herausfordernd, es war oft auch anstrengend. Aber in drei Jahrzehnten hat Gott mich damit beschenkt, dass ich Pfarrerin hier im Altenberger Dom sein konnte.“

Im Herbst wird Claudia Posche offiziell verabschiedet. Weitere Informationen zu Gottesdiensten und zum evangelischen Leben am Altenberger Dom gibt es unter www.altenberg-dom.de.

Text: APK
Foto(s): Julia-Rebecca Riedel

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Wehrdienst und Musterung: Orientierung für junge Menschen und ihre Familien

Seit Anfang des Jahres gilt in Deutschland der neue Wehrdienst: Seitdem erhalten junge Männer rund um den 18. Geburtstag Post von der Bundeswehr und werden aufgefordert, einen Online-Fragebogen zur Wehrerfassung auszufüllen. „Junge Menschen werden angeschrieben und um Auskunft gebeten, ob sie bereit sind, Wehrdienst zu leisten. Damit rückt ein Thema in den Alltag zurück, das lange Zeit als erledigt galt. Die Debatte um Wehrdienst, Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit betrifft nicht nur politische Strategien, sondern sehr konkrete Lebensentscheidungen“, sagt  Daniel Drewes, Leiter des Evangelischen Jugendreferates Köln und Region. Der Wehrdienst selbst bleibt freiwillig. Dennoch hat die Reform viele Fragen aufgeworfen – bei Jugendlichen ebenso wie bei ihren Familien. Was bedeutet der Brief? Welche Möglichkeiten gibt es? Und wie gelingt eine Entscheidung, die mit den eigenen Überzeugungen vereinbar ist? Eine Ausgabe des Magazins „impuls“ des Evangelischen Jugendreferats Köln und Region möchte dabei Orientierung geben.

Das Magazin erklärt verständlich Begriffe wie Wehrdienst, Wehrpflicht, Friedensdienst und Kriegsdienstverweigerung, ordnet die aktuelle Debatte ein und lädt dazu ein, über Frieden, Verantwortung und Gewissensentscheidungen ins Gespräch zu kommen. Interviews, Diskussionsfragen, Praxisbeispiele und Informationen zu Freiwilligendiensten sollen Jugendlichen, Eltern sowie Haupt- und Ehrenamtlichen helfen, sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden.

Beratung und Anlaufstellen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Beratungsangeboten. Die Evangelische Kirche bietet durch die EAK Beratende für vom Wehrdienst betroffene junge Menschen an. Einer dieser Berater ist beispielsweise Jörn Ruchmann aus dem Jugendreferat (E-Mail: joern.ruchmann@ekir.de, Telefon: 01520 3384237). Daneben gibt es sowohl bundesweit als auch in Köln und Region weitere Anlaufstellen, die Jugendliche und ihre Familien bei Fragen rund um Wehrdienst, Gewissensentscheidungen und persönliche Zukunftsperspektiven begleiten. Auch die Evangelische Beratungsstelle Köln und Region bietet Lebens- und Orientierungsberatung an. Dort kann auch über Zukunftsperspektiven, Gewissensfragen und Fragen zur Lebensplanung gesprochen werden (Tunisstraße 3, 50667 Köln, Telefon: 0221 25 77 461, E-Mail: beratungsstelle@kirche-koeln.de).

Ergänzend bündelt das Portal friedensbildung.ekir.de Orientierung, Materialien und Beratungsangebote zu den Themen Frieden, Ethik und persönlicher Dienst. Die Plattform unterstützt junge Menschen bei der Gewissensentscheidung zum Wehrdienst, stellt Friedensdienste vor und bietet pädagogische Materialien für die Bildungsarbeit. Wer selbst junge Menschen im Kontext der Kriegsdienstverweigerung beraten möchte, findet dort außerdem Informationen zu einer entsprechenden Qualifizierung.

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

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Kalkkennen: Wenn Kirche einfach zuhört und neu denkt. Ein Erprobungsraum der Evangelischen Kirche im Rheinland

Für den einen oder anderen durchschnittlich konservativen Kirchgänger mag die These gewagt klingen: „Gott braucht unsere Gottesdienste nicht, um Gott zu sein.“ Der, der das sagt, ist Tobias Diekmeyer, Jugendreferent in der Evangelischen Gemeinde in Kalk und im Konfirmandenunterricht tätig. Darüber hinaus ist er an einem ungewöhnlichen Projekt beteiligt. Gemeinsam mit Pfarrerin Christiane Averbeck und Sozialpädagoge Tsegay Hagos betreut er den sogenannten „Erprobungsraum Kalkkennen“. Dabei handelt es sich um einen von der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) finanzierten Versuch, Kirche in den Gemeinden neu zu denken. Das Projekt fragt, wie Kirche aussieht, wenn sie nicht zuerst an Gebäude, Termine und Rituale denkt. Immer mittwochs sitzen die drei auf dem autofreien Abschnitt der Albermannstraße in Kalk und suchen das Gespräch mit Passanten.

Die Evangelische Kirche im Rheinland experimentiert aus gutem Grund. Demografie, Digitalisierung, Mobilität und Diversität verändern den Alltag. Auch das Verhältnis vieler Menschen zur Kirche hat sich verändert. Mitgliedschaft bedeutet längst nicht mehr automatisch Teilnahme, schon gar nicht sonntags um zehn. In Kalk wird daraus kein großer Slogan gemacht. Das Team stellt sich hin und hört zu. Diekmeyer erzählt von einer Frau, die verzweifelt eine Wohnung sucht. Helfen konnte er ihr nicht. Eine Wohnung entsteht nicht durch Mitgefühl. Aber die Frau konnte erzählen, wie groß der Druck geworden ist. Auch ein Geflüchteter kommt immer wieder vorbei. Er lebt mit der Angst, abgeschoben zu werden. Solche Gespräche lösen keine Aktenlage, verändern aber den Moment. Jemand nimmt sich Zeit. Jemand fragt nach. Jemand hält aus, dass es keine Lösung gibt.

Für Diekmeyer hat das viel mit Glauben zu tun. Er wohnt selbst in Kalk und merkte irgendwann, wie wenig er über viele Menschen wusste, die mit ihm denselben Stadtteil teilen. Ihn habe interessiert, wer hier lebt, sagt er. Inzwischen habe er das Gefühl, in diesen Begegnungen sei viel von dem zu spüren, was Christen Reich Gottes nennen. Das klingt groß, meint aber oft etwas sehr Einfaches: Menschen sehen einander nicht nur im Vorübergehen.

Kirche im Einwanderungsland: Kalk als konkreter Alltag

Christiane Averbeck stellt zwei Fragen, die in Kalk besonders konkret sind: „Hat die Kirche verstanden, dass sie Kirche in einem Einwanderungsland ist? Und was folgt daraus?“ Kalk ist dafür kein Beispiel aus einem Seminar, sondern Alltag. Viele Biografien, viele Sprachen, viele Erwartungen. Dazu kommen wenig Platz, soziale Sorgen und ein Stadtteil, der oft mehr leisten muss, als ihm zugemutet werden sollte. Auch deshalb unterstützt die Gemeinde das Migrationsmuseum Selma. Dort geht es um gerechtes Zusammenleben und darum, welche Geschichten erzählt werden. Wer kommt vor? Wer bleibt unsichtbar?

In Kalk sind solche Fragen nicht theoretisch. Nach Angaben aus dem Projekt gibt es hier 6,3 Quadratmeter Grünfläche pro Kopf. Der Kölner Durchschnitt liegt bei 35 Quadratmetern. Trotzdem wird weiter nachverdichtet. Wenn viele Menschen eng leben, braucht es Respekt, Nachbarschaft und Orte, an denen man sich begegnet, bevor man übereinander redet.

Ein Straßenfest, Fufu und äthiopischer Kaffee: Stadtteilarbeit von unten

Straßenfest in der Albermannstraße, Kalk: Nachbarschaft, Musik und geteiltes Essen – organisiert vom Erprobungsraum „Kalkkennen“ der Evangelischen Gemeinde Kalk. Foto: Tobias Diekmeyer

Ein solcher Ort war das Straßenfest in der Albermannstraße. Sonja vom „Kurbad Kalk“ nennt sie liebevoll „Rue du Alber Mont“. Das ist ein Witz mit Haltung. Kalk ist kein Kurort, jedenfalls nicht, wenn man Luft und Grünflächen zählt. Aber Sonja hat aus Freundlichkeit und Schlagfertigkeit offenbar schon Taxifahrer überzeugt, die früher lieber nicht nach Kalk fuhren. So beginnt Stadtteilarbeit: nicht mit Formularen, sondern mit einem guten Satz.

Das Fest war ein Wunsch vieler Anwohner. Geplant wurde draußen, mit Nachbarn, nicht am Schreibtisch. Zaro aus Bulgarien sagte, er wolle sich für das Zusammenleben einsetzen. Einem Besucher kamen die Tränen, weil er Zusammenhalt und Solidarität erlebte. Giuseppe brachte Erdbeeren und Tomatenpflanzen. Die Tagespflege „Schwad de Schnüss“ spendete ein Hochbeet, Manuela holte Farbe. Kalker Künstler wie May Summer und Scum machten Musik und steckten andere an, spontan mitzusingen. Tsegay Hagos kochte äthiopischen Kaffee. Fidelis bereitete Fufu zu, eine nigerianische Spezialität, und teilte sie mit allen. Nebenbei wurde eine neue Infotafel an der Wand befestigt. Sie soll bleiben, wenn die Tische weggeräumt sind, und der Nachbarschaft weiter für Austausch und Hinweise dienen.

Vielleicht ist das „Kalkkennen“: Kirche kommt nicht mit fertigen Antworten ins Viertel. Sie bringt Zeit mit, Kaffee, offene Ohren und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Das ist unspektakulär. In einem dicht gedrängten Stadtteil wie Kalk ist genau das aber eine ganze Menge.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / Tobias Diekmeyer

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Hitze als stille Gefahr: Wie das Diakoniehaus Salierring wohnungslose Menschen durch den Sommer bringt

Das Diakoniehaus Salierring ist noch bis zu diesem September Empfänger der Diakoniespende des Kirchenverbandes Köln und Region und hat es sich zum Ziel gesetzt, wohnungslose oder obdachlose Menschen bestmöglich zu unterstützen. Das gilt natürlich auch und vor allem in den Kältephasen des Winters und den Hitzephasen des Sommers.

Michael Lampa, Fachdienstleiter im Diakoniehaus Salierring, sagt: „Dieser Sommer mit seinen extrem hohen Temperaturen hat in der Wahrnehmung der Menschen beinahe schon etwas Bedrohliches.“ Hitzephasen wie die in diesen Wochen würden zu einem wachsenden Problem werden – zusätzlich zu der ohnehin schon schwierigen Lebenssituation. Er hat beobachtet: „Menschen in Wohnungs- oder Obdachlosigkeit werden immer gnadenloser aus den öffentlichen Räumen vertrieben, verschwinden so aus der Wahrnehmung, obwohl natürlich auch sie stark unter Temperaturen jenseits der 30 Grad leiden.“

Wer auf der Straße lebt, findet schließlich kaum kühle Rückzugsmöglichkeiten, kann sich nicht in die eigenen vier Wände zurückziehen, eine angenehm kühle Dusche nehmen. Er kann nicht die Jalousien schließen oder den eigenen Garten für eine schattige Auszeit nutzen. Selbst mal eben die durchgeschwitzte Kleidung zu wechseln, wird in einer solchen Lebenssituation zum Problem.

Wasserflaschen, Ventilatoren, Sonnencreme – das Team des Diakoniehauses gibt alles

Der Tagestreff im Diakoniehaus Salierring bietet eine Möglichkeit, Schutz zu finden. Michael Lampa berichtet, dass die Mitarbeitenden Wasserflaschen verteilen und das Diakoniehaus auch eine Refill-Station für eigene Wasserflaschen hat. Ausgegeben werden außerdem Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und Sonnencreme. Das Team versorgt seine Klientinnen und Klienten mit Ventilatoren, Fächern und Wassersprühflaschen – und einer Pause im kühlen Innenraum.

Trotzdem schwingt Sorge mit, wenn Michael Lampa den Alltag im Diakoniehaus während der Sommerzeit schildert. „Menschen, die auf der Straße leben, haben eine deutlich geringere Lebenserwartung. Wir beobachten es ziemlich regelmäßig, dass Menschen nicht mehr zu uns kommen, und wissen dann oft nicht, ob sie Opfer der Hitze wurden.“ Manchmal erzählen andere Gäste des Diakoniehauses, dass jemand aufgrund der Hitze ins Krankenhaus musste. „Es gibt unter unseren Gästen eine große gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung.“

Wegschauen ist keine Option – ein Appell an die Stadtgesellschaft

Diese Haltung wünsche er sich auch gesamtgesellschaftlich, betont der Fachdienstleiter. Immerhin, so ist er überzeugt, müssten wir alle uns mehr und mehr auf außergewöhnliche Hitzephasen einstellen. Und da jeder darunter leide, sollte sich eine allgemeine Rücksichtnahme etablieren. „Wenn jemand sieht, dass es einem wohnungs- oder obdachlosen Menschen nicht gut geht, kann er ihm mit Wasser aushelfen, mit ihm einen Platz im Schatten aufsuchen und im schlimmsten Fall natürlich auch den Rettungsdienst rufen. Nur wegschauen ist überhaupt keine Option“, plädiert Michael Lampa für gegenseitige Fürsorge.

Infos: 16 öffentliche Trinkwasserbrunnen gibt es in Köln – ihre Standorte finden sich online. Dazu hat die Stadt Köln ein Hitzeportal eingerichtet. Auf der Website finden sich Verhaltenstipps und eine Karte der kühlen Orte, die von den Erfahrungen und Tipps der Kölnerinnen und Kölner lebt. Außerdem findet sich auf der Internetpräsenz von Köln Tourismus ein Verzeichnis von Sehenswürdigkeiten, darunter auch viele geöffnete Kirchen, die Schutz vor der Hitze bieten.

https://www.stadt-koeln.de/artikel/74500/index.html

https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzeportal-koeln

https://www.koelntourismus.de/kunst-kultur/kultur/cool-calmhttps://www.koelntourismus.de/kunst-kultur/kultur/cool-calm

Text: Katja Pohl
Foto(s): Katja Pohl

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Unsere Wochentipps: Stadtgeschichte, Chorgesang, queere Erinnerung und Begegnung über Grenzen hinweg

Diese Woche laden unsere Gemeinden und Partner zu Erlebnissen ein, die Köln von einer neuen Seite zeigen – und Menschen auf unerwartete Weise zusammenbringen. Wer die Stadt mit anderen Augen sehen möchte, folgt den Spuren Konrad Adenauers durch Lindenthal oder taucht mit einem leidenschaftlichen Stadtführer in die Südstadt ein. Geschichte begegnet einem auch im Café Unser in Deutz: Dort lädt ein Quizabend mit Dragqueen Biggi Musch dazu ein, queere Lebensgeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus spielerisch zu erkunden. Wer Musik sucht, findet sie in großer Bandbreite: von barockem Sopranglanz und englischer Orgelromantik im Altenberger Dom bis zu einem vergnüglichen Liederabend über Sonne, Mond und Sterne in Brühl. Und wer selbst die Stimme erheben möchte, ist herzlich willkommen – ob beim Sommerchor-Workshop in Merheim oder beim Projektchor in Bergisch Gladbach, Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht nötig. Den besonderen Akzent der Woche setzt ein Kochabend im AntoniterQuartier, bei dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten gemeinsam am Herd stehen und dabei entdecken, was sie verbindet.

Auf den Spuren von Konrad Adenauer durch Lindenthal

Historische Stadtführung der AntoniterCityTours
Eine historische Führung durch Lindenthal nimmt am Freitag, 7. August, 18 Uhr, die Spuren des langjährigen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer in den Blick. Stadtführer Armin Beuscher zeigt, wie Adenauer von 1917 bis 1933 das Gesicht Kölns und Lindenthals als Erfinder, Macher und Praktiker mitgeprägt hat – visionär, aber nicht unumstritten. Die Route führt vom Aachener Weiher über den Stadtwaldgürtel durch den Stadtwald bis zum ehemaligen Wohnhaus Adenauers in der Max-Bruch-Straße, wo er bis 1933 mit seiner Familie lebte. Letzte Station ist das St. Elisabeth-Krankenhaus, das Adenauer maßgeblich unterstützte und das ihm nach seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten Schutz bot. Interessierte treffen sich vor der Pfarrkirche Christi Auferstehung, Brucknerstraße 16. Die Teilnahme kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Eine Anmeldung unter antonitercitytours.de/kalender/ oder an allen Vorverkaufsstellen von Eventim und Koelnticket wird empfohlen.
www.antonitercitytours.de

Queer History Quiz mit Dragqueen Biggi Musch

Ein besonderer Abend im Café Unser in Deutz
Queere Geschichte kann am Samstag, 8. August, 18 Uhr, im Café Unser der St. Johannes-Kirche, Tempelstraße 31, spielerisch entdeckt werden. Der Quizabend mit Dragqueen Biggi Musch findet als Begleitprogramm zur Ausstellung „Gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945″ statt, die Lebensgeschichten queerer Menschen im Nationalsozialismus in Erinnerung ruft. Die Quizfragen bewegen sich zwischen überraschenden Fakten, historischen Persönlichkeiten und ziemlich viel unnützem Wissen. Wer sich die Ausstellung bereits angesehen hat, ist klar im Vorteil. Das Café Unser ist ein urbaner Kulturraum der Gemeinde im Eingangsbereich der St. Johannes-Kirche. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags, 12 bis 18 Uhr, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
www.evangelisch-deutzpoll.de

Veedeltour: Die Südstadt“

Mit Günter Leitner durch das beliebte Innenstadtviertel
Der Rundgang „Veedeltour: Die Südstadt“ der AntoniterCityTours führt am Sonntag, 9. August, 14 bis 16 Uhr, durch eines der beliebtesten Innenstadtviertel Kölns. Günter Leitner, im Severinsviertel geborener Stadtführer, zeigt seine Lieblingsplätze in einem Veedel, das für pulsierende Lebendigkeit, schöne Altbauten, vielfältige Kneipenkultur und die Nähe zum Rhein bekannt ist. Interessierte treffen sich an der Severinstorburg, Chlodwigplatz 19. Die Teilnahme kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Eine Anmeldung unter antonitercitytours.de/kalender/ oder an allen Vorverkaufsstellen von Eventim und Koelnticket wird empfohlen.
www.antonitercitytours.de

„Ach wie romantisch“ – Sopran und Orgel

Alte Meister und englische Orgelwerke im Altenberger Dom
Sopran und Orgel stehen am Sonntag, 9. August, 14.30 Uhr, im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, im Mittelpunkt. Marina Szudra (Sopran) und Thomas Engler (Truhenorgel und große Orgel) präsentieren Werke von Stefano Bernhardini, Alessandro Grandi, Claudio Monteverdi, George Thalben-Ball und Edward Elgar – ein Programm, das Alte Meister der italienischen Vokalmusik mit englischer Orgelromantik verbindet. Der Eintritt ist frei.
www.dommusik-aktuell.de

„Sonne, Mond und Sterne“ – Himmlisches Liedvergnügen

Lieder und Anekdoten mit dem Duo „con emozione“
Eine vergnügliche, nachdenkliche und melancholische Mischung aus Klassik, Operette, Filmmelodien der 1930er und 1940er Jahre, Musical und eigenen Kompositionen präsentiert das Duo „con emozione“ am Sonntag, 9. August, 17 Uhr, in der Christuskirche Brühl, Mayersweg 10. Liane Fietzke übernimmt Gesang, Moderation und Lesung, Norbert Fietzke begleitet am Piano. Unter dem Motto „Sonne, Mond und Sterne“ streifen bekannte Lieder und Intermezzi die Themen Nacht, Träume und Wünsche – darunter Klassiker wie „Mondlicht, schau hinauf in das Mondlicht“, „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“ und „Leise flehen meine Lieder“. Der Eintritt ist frei.
www.kirche-bruehl.de

Sommerchor Workshop in der Petruskirche Merheim

Singen ohne Vorkenntnisse – montags in den Sommerferien
Wer Lust hat zu singen und die eigene Stimme auszuprobieren, ist zum Sommerchor-Workshop in der Petruskirche Merheim, Kieskaulerweg 53, eingeladen. Der Workshop findet jeweils montags, 10., 17. und 24. August, jeweils von 19 Uhr bis 20.30 Uhr statt. Singerfahrung und Notenkenntnisse sind nicht erforderlich. Auf dem Programm stehen Kanons, Volkslieder, Gospels, Gesänge aus Taizé und vieles mehr. Die Generalprobe ist am Samstag, 29. August, 15 bis 18 Uhr. Vor Publikum tritt der Sommerchor dann am Sonntag, 30. August, im Gottesdienst in der Petruskirche auf sowie am Samstag, 12. September, beim Herbstfest an der Johanneskirche Brück, Am Schildchen 15. Weitere Informationen gibt Kantorin Susanne Rohland-Stahlke per E-Mail an surosta@posteo.de.
www.brueck-merheim.de

Kochabend mit „Start with a Friend e. V.“

Begegnung über Grenzen hinweg im AntoniterQuartier
Beim gemeinsamen Kochen entstehen Gespräche, die anderswo selten so leicht gelingen: Die Evangelische Gemeinde Köln veranstaltet am Dienstag, 11. August, 18 Uhr, in der Gemeindeküche im AntoniterQuartier, Antoniterstraße 14-16, einen Kochabend gemeinsam mit dem Verein „Start with a Friend“. Martin Weiler begleitet den Abend, bei dem Menschen mit Fluchterfahrung und Menschen, die schon länger in Deutschland leben oder hier geboren sind, zusammenkommen. Über das Kochen entstehen Begegnungen über kulturelle, religiöse, soziale und Altersgrenzen hinweg. Der Kochabend ist ausdrücklich offen für alle Interessierten und findet etwa alle zwei Monate statt. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung im Gemeindebüro unter Telefon 0221/9258460 erforderlich.
www.antonitercitykirche.de

Sommerchor der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach

Projektchor mit vier Proben und zwei besonderen Auftritten
Nach einer Pause im Vorjahr startet der Sommerchor der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach am Dienstag, 11. August, 19 bis 21 Uhr, in die nächste Runde. Geprobt wird an drei Dienstagabenden im großen Gemeindesaal der Kirche Zum Frieden Gottes, Martin-Luther-Straße 11, am 11., 18. und 25. August, jeweils 19 bis 21 Uhr. Eine abschließende Probe findet am Samstag, 29. August, 10 bis 13 Uhr statt. Der Projektchor richtet sich an Chorsängerinnen und Chorsänger, die in der Ferienzeit das gemeinsame Singen vermissen, an Vielbeschäftigte ohne Zeit für regelmäßige Chorteilnahme sowie an alle, die das Singen in der Gruppe einmal ausprobieren möchten. Chorerfahrung ist nicht erforderlich. Auf dem Programm stehen sommerlich-leichte Musik, Taizélieder und mehr. Der Chor tritt am Sonntag, 30. August, 10 Uhr, in der Kirche zum Heilsbrunnen, Im Kleefeld 23, beim Entpflichtungsgottesdienst von Pfarrer Christoph Breer auf sowie am Samstag, 26. September, 16 Uhr, in der Gnadenkirche, Hauptstraße 256, beim Einführungsgottesdienst von Pfarrer Tim Herzog. Interessierte melden sich bei Kantorin Joanna Lenk per E-Mail an joanna.lenk@ekir.de oder unter Telefon 0157/54036068.
www.zumfriedengottes.de

Text: APK
Foto(s): APK/AI

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Vier Stunden Musik, vier Jubiläen, ein unvergesslicher Abend – die 3. Dellbrücker Chornacht

Susanne Schulze-Rhonhof führte das Publikum kurzweilig durch fast 200 Jahre gemeinsames Musizieren. Foto: Mielke

„Let us build a house where all are named,/ their songs and visions heard/ and loved and treasured, taught and claimed/ as words within the Word.“ – Besser als mit diesen Zeilen aus dem ersten gemeinsamen Lied „All are welcome“ könnte man wohl nicht ausdrücken, was Kirchenmusik vermag: Sie macht die Kirche zu einem einladenden Ort der Gemeinschaft und ist Teil der Verkündigung. Wie verschieden, klang- und farbenreich und überraschend das klingen kann, war im Rahmen der 3. Dellbrücker Chornacht – nach 2011 und 2016 – zu erleben. Sechs Ensembles gaben in der Christuskirche mit kurzen Konzerten ihre musikalischen Visitenkarten ab, und es wurden vier Chorjubiläen gefeiert. Insgesamt, so betonte Moderatorin Susanne Schulze-Rhonhof bei der Begrüßung, standen im Laufe des Abends „fast 200 Jahre gemeinsames Musizieren“ auf der Bühne.

Den Anfang machten die Kantorei Coro con Spirito, die in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen feiert, und ihr Partnerchor, die Kantorei der Stiftskirche Tübingen, mit einem eher selten aufgeführten Werk, der „Missa sacra“ (op. 147) von Robert Schumann. Ganz bewusst wurde die Fassung für gemischten Chor, Soli (Rebecca di Piazza (Sopran), Bernd Heyder (Bass)) und Orgel (KMD Johannes Quack) ausgewählt, damit auch die frisch restaurierte und erweiterte Orgel zum Einsatz und zur Geltung kommen konnte.

Blechbläser, Jubiläen und ein Evergreen der Chorliteratur

Ebenfalls auf 35 Jahre kann der Bläserchor Heilix Blechle unter der Leitung von Christian Vosseler zurückblicken – das einzige Nicht-Vokalensemble an diesem Abend. Nach einer hymnischen Bearbeitung von „Lobet den Herren, alle, die ihn ehren“ präsentierten die Bläserinnen das eher sentimental gestimmte „Looking back the years“ im Gedenken an ehemalige Mitmusikerinnen. Sentimental und nostalgisch blieb es aber nicht lange, denn mit einer Bläser-Version von „Viel Glück und viel Segen“ gratulierte „Heilix Blechle“ sich selbst und den anderen Jubiläums-Ensembles.

35 Jahre „Heilix Blechle“ wurden im Rahmen der Dellbrücker Chornacht ebenfalls gebührend gefeiert. Foto: Mielke

Ein Mitglied von „Heilix Blechle“ machte die Zuhörenden darauf aufmerksam, dass Josef Rheinberger erst 16 Jahre alt war, als er sein berühmtestes Stück – und einen „Evergreen“ der Chorliteratur – schrieb: sein „Abendlied“. Ziel des Bläserensembles sei es daher, „der menschlichen Stimme so nahe wie möglich zu kommen“. „Wenn wir das heute gut machen“, versprach er, „sehen Sie, wenn Sie die Augen schließen, einen Chor da vorne stehen.“ Mission erfüllt! In der „Halbzeitpause“ lud der nicht mehr ganz so heiße Sommerabend zu Gesprächen, Snacks und kühlen Getränken rund um die Kirche ein.

Vom Fliegen und vom Träumen – die Singaholics begeistern

Hätte es nach der Chornacht ein Publikumsvoting gegeben, wären die „Singaholics“, hervorgegangen aus der „Spatzenkantorei“, sicher ganz vorne dabei gewesen. Unter der Leitung von Mechthild Brand beeindruckten die Jugendlichen nicht nur dadurch, dass sie alle Stücke auswendig vortrugen, sondern auch durch den harmonischen Gesamtklang und die souveräne Choreografie. Bei der Zusammenstellung des Programms – von „Cerf-volant“ aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ über „California Dreaming“ bis „Närrische Träume“, komponiert von Peter Schindler – habe sich „wie von selbst“ ein roter Faden ergeben, erklärte eine Sängerin, und so stand der bejubelte Auftritt unter dem Motto „Vom Fliegen und vom Träumen“.

Sage und schreibe 60 Jahre Chorgeschichte liegen hinter der „Pauluskantorei“ (Leitung: Thomas Becker). Die Sängerinnen und Sänger präsentierten unter anderem den Schlusschor aus „Magnificat“ (2013), die Vertonung eines Gedichtes von Else Lasker-Schüler aus der Feder von Thomas Becker. Mit einem „Best of“ aus 25 Jahren Chorhistorie bereicherte der Gospelchor „Voice TABS“ (Leitung: Alexander Wahlen) die Chornacht. Neben zwei auf Bibeltexten basierenden Stücken brachte der Chor mit einer Hommage an Freddie Mercury („Bohemian Rhapsody“), dem Toto-Klassiker „Africa“ und dem Gospel-Segen „Blessing“ (Jeff Guillen) das Publikum auch zu vorgerückter Stunde noch in emotionale und körperliche Bewegung.

Ein Gänsehautmoment zum Abschluss

Zu Ende ging diese Dellbrücker Chornacht dann mit einem wahren „Gänsehautmoment“: „Der Mond ist aufgegangen“, gemeinsam gesungen von Chorsänger*innen und Publikum, setzte den stimmungsvollen Schlusspunkt hinter vier Stunden voller Musik, die man noch lange in sich nachklingen lassen konnte.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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„Low Tech“ statt komplexer Hightech-Lösungen – Erhard Maria Klein bei der Melanchthon-Akademie

Warum brauchen wir eigentlich immer mehr Technik? Erhard Maria Klein spricht über „Low tech“ als Gegenentwurf zu immer komplexeren Hightech-Lösungen – und darüber, warum Einfachheit, Reparierbarkeit und Angemessenheit entscheidend für eine nachhaltige Zukunft sein könnten. Er gibt eine Einführung in die „Low tech“-Prinzipien als Auftakt zu der neuen Serie „Low Tech Lessons“ bei der Melanchthon-Akademie.

Sie beschäftigen sich im Grunde schon Ihr Leben lang mit der Idee von „Low tech“. Was ist das denn eigentlich?

Erhard Maria Klein: „Low tech“ meint einfache, nachhaltige und reparaturfreundliche Technologien, die wenig Energie verbrauchen. Vieles kann man sogar selbst bauen – wenn man das denn will. „Low tech“ spielt natürlich sprachlich mit dem Gegensatz zu „Hightech“, aber es ist keineswegs technologiefeindlich. Es geht also um eine Technik, die gesellschaftlich verstehbar, aneignungsfähig und selbstbestimmter nutzbar bleibt.

Wasserfilter, Kochkisten, Solarladestationen, Warmwasseraufbereitung… all das kann „Low tech“ sein?

Erhard Maria Klein: Ja. Das sind alles gute Beispiele. Aber es gibt die Tendenz, den Begriff auf konkrete Produkte anzuwenden und als Label zu vermarkten, etwa bei „Low tech-Gebäuden“. Auch das „Low-tech-Lab“ rund um Corentin de Chatelperron, dessen Arbeit ich sehr schätze, verfolgt stärker einen konkreten, praxis- und technologiebezogenen Ansatz: Low tech erscheint dort oft als Sammlung nützlicher, zugänglicher und reproduzierbarer Lösungen.

Was ist es denn dann für Sie?

Erhard Maria Klein: Erstmal: „Low tech“ ist kein geschützter oder eindeutiger Begriff. Deshalb existieren unterschiedliche Deutungen: von konkreten technischen Lösungen über Designprinzipien bis hin zu umfassender Gesellschaftskritik. Ich vertrete ganz klar den Ansatz, den Kris De Decker mit dem „Low-Tech Magazine“ geprägt hat.

Er verwendet „Low tech“ nicht als Bastlerromantik oder Produktkategorie, sondern als Technik-, Energie- und Zivilisationskritik. Die Grundannahme ist: Nicht jedes gesellschaftliche oder ökologische Problem verlangt nach einer neuen Hightech-Lösung. Stattdessen geht es darum, welche einfacheren, sparsameren oder historisch verdrängten Systeme unter den Bedingungen ökologischer und materieller Grenzen tragfähiger sein könnten.

Die zentrale Frage ist: Welche Bedürfnisse haben wir und welche technische Komplexität ist dafür überhaupt nötig? Low tech ist hier also nicht „weniger fortschrittlich“, sondern die Suche nach einem angemessenen technischen Niveau innerhalb planetarer Grenzen.

Das heißt konkret: Man schaut auf den Energiebedarf, die erforderlichen Ressourcen und Lieferketten, die Reparierbarkeit, die Skalierung, und schließlich auch auf die Machtstrukturen und den gesellschaftlichen Kontext. Low tech ist damit weniger eine Eigenschaft von Dingen als eine Frage nach ihrer Angemessenheit.

Low tech ist dann eher ein Mindset? Kann man das so sagen?

Erhard Maria Klein: Genau. Eine Art Methode, technologische Selbstverständlichkeiten zu überprüfen, ob sie unter realen ökologischen, sozialen und energetischen Bedingungen dauerhaft sinnvoll sind.

Und wonach beurteilt man, ob etwas in diesem Sinne angemessen ist?

Erhard Maria Klein: Ein zentrales Prinzip wäre zum Beispiel: Energiebegrenzung statt Energieblindheit. Viele Hightech-Systeme setzen voraus, dass Energie billig und dauerhaft verfügbar ist. Low tech fragt dagegen: Welche Technologien bleiben auch dann tragfähig, wenn Energie knapp, lokal oder unzuverlässig ist? Daher das Interesse an Windkraft, Fahrradinfrastruktur, Solarthermie oder mechanischen Lösungen.

Solche Lösungen sind irgendwie „handhabbarer“ sind, oder?

Erhard Maria Klein: Ja, darum geht’s. Komplexitätsreduktion als Resilienzstrategie könnte man dieses Prinzip nennen. Bevorzugt wird alles, was reparierbar, lokal wartbar, transparent und weniger abhängig ist von globalen Lieferketten, Spezialwissen oder seltenen Rohstoffen. Ivan Illich hat dies mit seiner Idee der „Konvivialität“ bereits beschrieben: Technik soll menschliche Handlungsspielräume erweitern, gemeinschaftlich nutzbar bleiben und Menschen nicht durch übermäßige Systemkomplexität, Expertenabhängigkeit oder technokratische Kontrolle entmündigen.

Woher kommen die Ideen?

Erhard Maria Klein: Im Low tech-Denken gelten vergangene Techniken als Ideenarchiv für post-fossile Zukünfte. Aber alte Technologien gelten nicht automatisch als besser, sondern als verdrängtes Reservoir möglicher Lösungen. Historisches Lernen statt Fortschrittslinearität!

„Low tech“ ist also nicht „Zurück in die Vergangenheit“, sondern eher Fortschritt durch Begrenzung, selektive Wiederentdeckung und technische Demut. Manchmal ist weniger Technik die intelligentere Technologie. Zugespitzt formuliert: Low tech ist nicht die Ablehnung von Fortschritt, sondern die Kritik an Fortschritt, wenn darunter immer mehr Komplexität, Energieverbrauch und Abhängigkeit verstanden wird.

Programmhinweise

einfach, nachhaltig, krisensicher

Mit „low tech“ zur Selbstermächtigung

Di, 29.09.2026, 19:30-21:00, online, 8€

Mit Erhard Maria Klein

Low Tech Lessons (1): Heizen

Menschen wärmen, nicht Räume

Di, 17.11.2026, 19:30-21:00, online, 8€

Mit Erhard Maria Klein

Text: Martin Horstmann/MAK
Foto(s): Privat/APK-Collage

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Fünf Jahre nach der Flut: Rösrath erinnert – und zieht Konsequenzen

Ingeborg Schmidt verliest in der Versöhnungskirche Rösrath ihren Bericht vom 14. und 15. Juli 2021: „Gegen 15 Uhr werden Einsatzkräfte angefordert. Weitere sind alarmiert. Es kommt der Befehl, dass die Turnhalle an der Scharrenbroicher Straße als Notunterkunft für Menschen hergerichtet werden soll. Wir bringen Betten, Bettwäsche, Decken, Getränke. Die Anweisungen des Gruppenführers kommen ruhig und präzise. Es ist fast unheimlich still.“

Die damalige Ortsvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes ruft bei der Gedenkveranstaltung an die Flutkatastrophe die Geschehnisse noch einmal genau vor Augen, als sich das kleine Flüsschen Sülz in einen reißenden Strom verwandelte. Sie schildert, wie die Feuerwehr durchnässte Menschen in die Turnhalle bringt – Eltern mit Kleinkindern und Säuglingen, verzweifelte Senioren. Für viele ist das Feldbettenlager in der Halle ungeeignet, sodass andere Unterkünfte gesucht werden müssen. „In Hoffnungsthal ist ein älterer Mann in seinem Keller ertrunken“, liest Schmidt. „Die Ehefrau und der Enkel werden uns gebracht. Wir alarmieren die Notfallseelsorge.“ Immer mehr Menschen werden gerettet, untergebracht, verpflegt, betreut und getröstet. „Unsere Einsatzkräfte sind nun 26 Stunden im Einsatz“, fährt Schmidt fort. In den nächsten zwei Wochen wird täglich warme Verpflegung und gebrauchte Kleidung für 500 Menschen benötigt. Über 50.000 Euro Spenden wurden gesammelt und direkt in den Flutgebieten verteilt – je nach Größe der Not.

„Da wird mir etwas geschenkt, das mich innerlich ruhig sein lässt“

Der Kinderchor der Evangelischen Kirchengemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath führt passende Szenen aus dem Musiktheaterstück „Nach uns die Sintflut“ von Johannes Matthias Michel auf: Ein kleiner Noah streitet sich mit einem Bürgermeister, der nicht an die große Flut glauben möchte.

Monika Ueberberg und Thomas Rusch schildern ihre Eindrücke von der Flutnacht und persönliche Einsichten. Foto: Susanne Esch

Die katholische Pastoralreferentin Monika Ueberberg greift die Szene auf: „Auch ich hätte bis vor fünf Jahren zum Kreis der Spötter gehört“, sagt sie. Als es damals regnete, habe sie an der Steuererklärung gesessen, dann das Auto aus einer Wasserlage weggefahren und mit ihrem Nachbarn die Waschmaschine im Keller hochgebockt. Die Flut habe sie nicht realisiert, bis das Wasser in den Keller strömte und drohte, ins Erdgeschoss zu fließen. Sie rief die Feuerwehr an – als 700ste Anruferin –, erhielt die Anweisung: „Geduld, keine Panik, gehen Sie in den ersten Stock.“ Das versprochene Boot kam nicht. Das Wasser sank. Geblieben sei das Herzklopfen, das sie bekommt, wenn es stark regnet, der Blick auf die Pegelstände im Internet und die Angst, dass die Flut wiederkommt. Doch die Regennacht habe ihr auch etwas gegeben: „Ich hatte das Gefühl, da wird mir etwas geschenkt, das mich innerlich ruhig sein lässt.“ Ihr Glaube an die Engel habe sich bestärkt. „Sobald ich aus meinem Haus trat, sah ich überall Menschen im Einsatz – Feuerwehr, Sanitäter, das Rote Kreuz, aber auch Menschen von überall, die einfach so zusammenstanden.“ Gott sei da, auf seine Weise.

„Baue ich ein Rettungsschiff – oder bin ich bei denen, die lachen?“

Pfarrer Thomas Rusch betont, die Katastrophe habe eine wichtige Frage verdeutlicht, die auch die Bibelgeschichte stellt: „Baue ich in der Flutkatastrophe ein Rettungsschiff oder bin ich bei denen, die lachen? Wir alle wissen, dass sich unser Klima verändert“, sagt er. „Unsere christliche Verantwortung ist es, zu überlegen, wie wir unseren Ort, unser Land, die Welt davor schützen können. Wie werden wir für andere auch Engel, die helfen und da sind?“

Politik zieht Konsequenzen: Retentionsflächen und neue Deichkonzepte

Bürgermeister Yannik Steinbach lobt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und verspricht, für eine mögliche erneute Flut vorzusorgen. Foto: Susanne Esch

Bürgermeister Yannick Steinbach fügt an, auch die Politik habe gelernt: „Damals gab es plötzlich keine unterschiedlichen Meinungen und Interessen mehr, sondern nur noch das Ziel, zu helfen“, schildert er. Die Politik müsse nun handeln. „Wir sind gerade dabei, tausende Quadratmeter zu erwerben – beispielsweise am Sülzbogen –, um Retentionsflächen zu schaffen und ein neues Pflegekonzept für Deiche zu erstellen.“

So endet auch das Musical mit einem passenden Satz: „Noah wartete mit seiner Familie über 370 Tage in der Arche, bis das Wasser wieder sank“, sagt ein Mädchen. „So lange kann ich nicht schwimmen. Da baue ich mir lieber ein Boot.“

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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