Kölner Krippenweg: Ukrainische Krippe im Haus der Evangelischen Kirche zeigt Weihnachten im Krieg
Eine Krippe, gefertigt von Kindern und Jugendlichen aus Saporischschja in der Ukraine, ist in diesem Jahr im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, im Rahmen des Kölner Krippenwegs zu sehen. Die jungen Gestalterinnen und Gestalter der außerschulischen Bildungseinrichtung „City Palace of Children’s and Youth Creativity“ haben Figuren und Stall selbst entworfen, ausgeplottet und farbenfroh bemalt. Eine Foto-AG dokumentierte zerstörte Häuser ihrer Heimatstadt. Diese eindrücklichen Aufnahmen bilden den Hintergrund der Krippe. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger erläutert, wie die Krippe die Realität von Weihnachten im Krieg sichtbar macht und zugleich Hoffnung, Verbundenheit und die Botschaft des Friedens in einer bedrängenden weltpolitischen Lage vermittelt:
Der Krippenweg, den wir in diesem Jahr haben, zeigt bei uns im EKV eine ganz besondere Krippe mit einem politischen Hintergrund. Was für eine Krippe haben Sie ausgesucht?
Bernhard Seiger: Wir haben dieses Jahr die Möglichkeit, eine Krippe zu sehen, die in der Ukraine entstanden ist, und zwar von Kindern und Jugendlichen gefertigt, die in einer Werkklasse einerseits die Krippe selber mit den Figuren und dem Stall gestaltet haben, aber auch versehen haben mit Bildern des zerstörten Saporischschja. Das sind Fotos von Wohngebäuden von einem zerstörten Einkaufsladen, wo man durch die Kontrastierung unmittelbar spürt, Weihnachten wird in manchen Gegenden mittendrin im Krieg gefeiert.
Weihnachten mitten im Krieg ist ja auch ein Thema, was uns hier in Deutschland immer wieder umtreibt. Wo erleben Sie dies?
Bernhard Seiger: Ich merke eher eine gewisse Sorge bei vielen Menschen, die sich fragen: Wie viel Sicherheit erwarten wir für die nächsten Jahre? Das müssen wir auch sehr ernst nehmen. Ich glaube, dass dies auch ein Schatten über unserem diesjährigen Weihnachtsfest sein wird, dass wir durchaus merken, dass wir uns in einer bedrohlichen weltpolitischen Gesamtlage befinden. Umso wichtiger ist es, dass wir Orte schaffen, in denen Menschen Sicherheit und Geborgenheit erleben können. Und was kann man da sich besser denken als gemeinsame Gottesdienste mit gemeinsamen Singen und dem Gefühl, dass uns die Hoffnung gegeben wird, die stärker ist als alle Bedrohungen.
Welche Rolle spielt diese Krippe auf dem gesamten Krippenweg mit den vielen Stationen, die es hier in Köln gibt?
Bernhard Seiger: Es ist besonders, dass wir in diesem Jahr 30 Jahre Kölner Krippenweg feiern. Das ist eine ganz besondere Gelegenheit. Die meisten Krippen sind eher handwerklich anspruchsvoll gefertigt von Künstlerinnen und Künstlern, die mit den jeweiligen Materialien kunsthandwerklich wirklich Großartiges leisten. Das gilt jetzt hier für diese Krippe nicht, sondern das ist eine Krippe, die aus dem Alltagsleben heraus entstanden ist. Das ist vielleicht auch ihr besonderer Charme, dass sie eine Gegenwartskrippe ist, die die Weihnachtserfahrung auf dem Hintergrund einer echten bedrohlichen aktuellen Lebenssituation spüren lässt.
Gibt es für Sie eine Botschaft, die Sie gerne an uns in Bezug auf Frieden in Köln und in der Region, aber vielleicht auch in die Ukraine, senden möchten?
Bernhard Seiger: Als Jesus geboren worden ist, war auch in verschiedenen Teilen der Erde Krieg. Jesus wusste auch, wie es ist mit Gewalt unter Menschen. Die Botschaft von Weihnachten lautet: Lasst euch nicht in eurem Herzen zu Hass aufstacheln, sondern vertraut darauf, dass Liebe und Zuwendung zueinander das Leben für alle Menschen menschlicher und geborgener macht. Und das ist die Botschaft, die uns auch an Weihnachten erreicht. Setzt auf die Chancen der Verständigung und bleibt nicht in euren selbstgestalteten Vorurteilen oder Feindbildern hängen, sondern sucht nach Brücken, um euch zu verständigen mit den Menschen, mit denen ihr es schwierig habt. Und das kann man an einer solchen Krippe sehen, die die Konfliktlage nicht verschleiert.
Dank des Blau-Gelben Kreuz e. V. gelangte die Krippe nach Köln. Zu sehen ist die Krippe von Montag bis Montag, 1. bis 22. Dezember, montags bis donnerstags von 8 bis 17.30 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr.
Text: APK
Foto(s): APK
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