„Zusammenhalt in Vielfalt“: Schulpolitischer Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche in Köln

Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent bei der Begrüßung.
Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent bei der Begrüßung.

„Zusammenhalt in Vielfalt“ lautete das zentrale Thema des Schulpolitischen Aschermittwochs im Haus der Evangelischen Kirche. Zum traditionellen Termin begrüßte der stellvertretende Stadtsuperintendent Markus Zimmermann mit Olaf Zimmermann, seit 1997 Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, auch in diesem Jahr einen beredten Kenner des komplexen Stoffes. Ausgerichtet vom Evangelischen Schulreferat Köln und Referat für Berufskollegs, führte die sehr gut besuchte Veranstaltung insbesondere Vertretende von Schulleitungen und Schulaufsichtsbehörden sowie Religionslehrende zusammen.

Gibt es noch einen gesellschaftlichen Konsens?

Einführend stellte Markus Zimmermann fest, dass uns über Jahrzehnte vertraute gesellschaftliche Fundamente, wie die Volksparteien, die Kirchenmitgliedschaft, vor allem die Demokratie, „zu bröseln scheinen“. Er fragte, ob es überhaupt noch einen inneren gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens gebe, gerade auch angesichts der Bedrohungen von außen. Vor dem Hintergrund solcher Fragen und Szenarien sei man dankbar, mit seinem Namensvetter einen „ausgewiesenen Experten für Diskussionen rund um Fragen kulturellen Zusammenhalts“ gewonnen zu haben.

Der Titel des Vortrages „Zusammenhalt in Vielfalt“ sei schon Programm, stellte der Pfarrer fest. Dieser markiere auch, „wofür wir als Kirche stehen und arbeiten: für den inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft, für die Förderung des Zusammenlebens, für ein wertebasiertes Miteinander und nicht zuletzt für eine Kultur der Vielfalt“.

Zusammenhalt in Vielfalt ist eine dauerhafte Aufgabe

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Sprecher der Initiative kulturelle Intgration
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Sprecher der Initiative kulturelle Intgration

Olaf Zimmermann wählte mit seinem Hinweis auf die gerade abgelaufene Session, in der Menschen aus verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten zusammen Karneval gefeiert haben, einen treffenden Einstieg ins Thema. „Zusammenhalt in Vielfalt“ sei jedoch nichts, „was es nur in der 5. Jahreszeit geben sollte“, betonte er. Vielmehr handele es sich um eine dauerhafte Aufgabe. Diese solle nicht nur als Pflicht, sondern auch als eine Chance des Zusammenlebens gesehen werden, ermutigte der Köln-Kenner.

Der Geschäftsführer des Spitzenverbandes der 285 Bundeskulturverbände versteht sich als Cheflobbyist des Kulturbereichs bei der Bundesregierung. In dieser herausfordernden Tätigkeit spiele das Thema „Zusammenhalt in Vielfalt“ eine sehr große Rolle. Der Publizist erinnerte an die Flüchtlingssituation 2015 hierzulande, an die damals breite Unterstützung für Migranten. „Als Erstes stand die Hilfsbereitschaft und hier im Evangelischen Kirchenverband die Nächstenliebe.“ Bei den Flüchtlingsgipfeln im Kanzleramt habe über allen Diskussionen stets das strittige Thema „deutsche Leitkultur“ geschwebt. Damit verbunden die Frage, ob sich die nach Deutschland kommenden Menschen an diese anpassen müssten.

Sei das politisch föderal geordnete Deutschland überhaupt ein so einheitliches Land, dass es hier so etwas wie eine Leitkultur gebe könne, widersprachen damals Olaf Zimmermann und viele andere. „Oder ging es eher um Benimmregeln?“, merkte er nun kritisch an. Aus dieser alle Beteiligten nervenden Situation der permanenten Uneinigkeit über die Leitbild-Problematik heraus „haben wir 2016 die Initiative kulturelle Integration gegründet“. Seitdem fungiert Olaf Zimmermann parallel als Sprecher des aus vielen Partnern mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen bestehenden breiten Bündnisses. 2017 legte die Initiative der Öffentlichkeit erstmals 15 Thesen zum „Zusammenhalt in Vielfalt“ vor. Olaf Zimmermann ist überzeugt, dass gerade die Idee, sich bei unterschiedlichen Interessen für ein Thema zusammenzuschließen und zusammenzuarbeiten, „eigentlich das ist, was es ausmacht“. Das eröffne die Chance, „in einer Gesellschaft letztendlich eine breitere Unterstützung zu haben“.

Für Olaf Zimmermann bedeuten die 15 Thesen das „Kernelement der Initiative“ und „das, was uns als Menschen in diesem Land letztendlich zusammenhält“. Mit der Nennung aller Thesen verband der Sprecher mehr oder weniger kurze Erläuterungen. Die 1.These lautet: „Die Grundrechte und Werte des Grundgesetzes sind Grundlage für das Zusammenleben und den Zusammenhalt in Deutschland.“ In den folgenden Thesen finden sich weitere grundsätzliche Themen behandelt, beispielsweise Geschlechtergerechtigkeit, freie Meinungsbildung, Kunstfreiheit, der Wert der Bildung und Erwerbsarbeit. Ebenso die Feststellungen, dass Deutschland ein Einwanderungsland und kulturelle Vielfalt eine Stärke ist sowie Religion in den öffentlichen Raum gehört.

Auf Grundlage dieser Thesen forderte der Referent auf, dem bundesweiten Aufruf der Initiative zum Internationalen Tag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai zu folgen. Auch Schulen und Kirchengemeinden sollten sich mit dem Thema „Zusammenhalt in Vielfalt“ auseinandersetzen und am Aktionstag mit eigenen Beiträgen beteiligen.

Bildungseinrichtungen spielen besondere Rolle

„Diese Demokratie ist einfach verflucht anstrengend“, betonte Olaf Zimmermann. Wir müssten mit einem hohen Anteil von Rechtsextremen in vielen politischen Strukturen lernen zu leben, prognostizierte er. „Wir müssen uns diesen Debatten und der Auseinandersetzung stellen, so schwierig das auch ist.“ Rückzug hält er für einen Fehler. In Schulen und Kirchengemeinden könne man sich ebenso wenig zurückziehen. „Sie müssen dort stehen.“ Wir müssten uns bewusst machen, dass es eben keine Charakterschwäche sei, wenn man in diese Diskussionen hineingehe, „sondern die Notwendigkeit, wenn wir unsere Demokratie retten wollen“.

Entscheidende Orte seien diejenigen, wo Menschen aus allen unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zusammenkämen. Die Schule charakterisierte Olaf Zimmermann als den einen wirklich zentralen Ort. Dort lerne man nicht nur Mathe, Chemie und Deutsch. Dort lerne man Zusammenhalt in Vielfalt, also letztendlich Demokratie. „Darauf müssen wir uns viel mehr konzentrieren, als wir das bisher tun.“

 

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag „Zusammenhalt in Vielfalt“: Schulpolitischer Aschermittwoch im Haus der Evangelischen Kirche in Köln erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.