5000 Menschen demonstrierten für Vielfalt und Demokratie: Evangelische Kirche beteiligt am Internationalen Tag gegen Rassismus

In Köln sind am Internationalen Tag gegen Rassismus rund 5000 Leute auf die Straße gegangen. So viele haben die Veranstaltenden gezählt. Los ging es am Sudermannplatz, von wo aus sich der Zug über die Ringe bis zum Rudolfplatz bewegte. Organisiert hatten das Ganze „Köln stellt sich quer“ zusammen mit „Arsch huh“. Es ging um Vielfalt, Demokratie, Kunstfreiheit und soziale Gerechtigkeit.

Für die beiden großen christlichen Kirchen sprachen Pfarrerin Miriam Haseleu und Stadtdechant Robert Kleine. Haseleu räumte ein, dass es auch in evangelischen Gemeinden Rassismus gebe. „Aber es wächst das Bewusstsein, diesen zu bekämpfen. Die evangelische Kirche setzt sich ein für Demokratie und eine vielfältige Gesellschaft. Und wir kämpfen für die Würde jedes Menschen ohne Unterschied. Wir dürfen uns nicht spalten lassen.“ Haseleu forderte Gerechtigkeit in der Migrationspolitik und forderte dazu auf, Privilegien zu teilen.

Kleine zitierte aus einer Erklärung der katholischen Bischofskonferenz, wonach völkischer Nationalismus mit dem christlichen Menschenbild schlicht nicht zusammengehe und rechtsextreme Parteien für Christinnen und Christen nicht wählbar seien.

Zuvor hatte Patrick Gloe von „Köln stellt sich quer“ die Demonstrierenden auf dem  Hohenzollernring begrüßt: „Wir stehen heute hier, weil Schweigen keine Option ist. Die Demokratie wird frontal attackiert, und gegen die schleichende Normalisierung von Menschenfeindlichkeit müssen wir genauso kämpfen wie gegen den Abbau des Sozialstaats.“

Ein echter Hingucker war ein Karnevalswagen von Jacques Tilly, der beim Düsseldorfer Rosenmontagszug mitgefahren ist. Darauf war ein riesiger, kunterbunter Fisch zu sehen mit dem Spruch „Wir sind mehr“, der gerade einen kleineren AfD-Fisch mit der Sprechblase „Wir sind das Volk“ verspeist.

Auf der Bühne am Hohenzollernring wurde es dann auch literarisch. Ein Ensemblemitglied des Schauspiels Köln trug ein satirisches Gedicht von Kurt Tucholsky vor – geschrieben 1931, als Reaktion auf den Aufstieg der Nazis. „Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!“ heißt es da beißend und sarkastisch.

„Hätz statt Hetze“

Kleine Panne am Rande: Oberbürgermeister Torsten Burmester wollte eigentlich beim Auftakt auf dem Sudermannplatz reden, stand  aber wegen des FC-Heimspiels irgendwo in Bickendorf im Stau. Bürgermeisterin Brigitta von Bülow sprang ein und richtete seine Grüße aus. Er bedauere es sehr, den Termin verpasst zu haben.

Manuel Brinkmann vom Klubkomm fand deutliche Worte: Rassismus sei mittlerweile „lauter, sichtbarer und akzeptierter“. Es sei mehr denn je an der Zeit, sich klarer zu positionieren. Auf kölsche Art brachte es eine Demonstrantin in der ersten Reihe auf den Punkt: „Hätz statt Hetze.“

Georg Restle, der bald als „Monitor“-Moderator aufhört, warnte vor den dramatischen AfD-Ergebnissen im Osten – und auch in Baden-Württemberg, wo die Partei bei den letzten Landtagswahlen in manchen ländlichen Gegenden über 30 Prozent holte. Das Wohlstandsversprechen der alten Bundesrepublik werde schon seit längerem nicht mehr eingelöst. Und genau das treibe verunsicherte Menschen zur AfD. Dabei habe die Partei programmatisch nichts im Angebot außer Nostalgie. Und Wohlstand ohne Zuwanderung sei schlicht nicht machbar. Besonders scharf kritisierte er die extreme Vermögenskonzentration bei wenigen Superreichen, die er als „obszön“ und als einen der größten gesellschaftlichen Skandale bezeichnete.

Die Journalistin und Autorin Nada Assaad machte es persönlich: Rassismus begegne ihr, sobald sie morgens die Wohnungstür hinter sich zumache – und auch in ihrem Job in der Medienbranche. Vielen anderen mit Migrationshintergrund gehe es genauso. Rassistische Erzählungen erlebten gerade ein Comeback, in den Medien wie an den Stammtischen, und das sei längst kein Randphänomen mehr. Antirassismus fange am eigenen Küchentisch an, sagte sie – und bedeute auch, die eigenen Privilegien zu erkennen und die zu schützen, die weniger davon haben.

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Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK

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