Beim Kirchentag setzt Düsseldorf auf Köln – Nachrichten von der Verbandsvertretung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region
„Wir hätten gern ein paar Jugendliche dabeigehabt. Aber keine Chance, deshalb erfüllen wir hier unseren Auftrag, Jugendliche zu vertreten zu unchristlichen Zeiten.“ – Mit diesen Worten begrüßte Noël Braun zusammen mit Daniel Drewes, Claudia Klein-Adorf, Siggi Schneider, allesamt Mitarbeitende des Jugendreferates, die Delegierten und Besucherinnen und Besucher der Verbandsvertretung des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region in der Kartäuserkirche. Gemeinsam mit Stadtsuperintendent Bernhard Seiger feierten sie den Abendmahlsgottesdienst zum Auftakt der Verbandssynode. Zu Beginn und am Ende spielten sie Zitate von Jugendlichen ein, in denen diese Auskunft gaben, in welchen Situationen Kirche für sie mehr gewesen ist als nur ein Gebäude.
„Sie sind die Ultras des Kirchenverbandes“, sagte Jugendreferent Braun zu Beginn seiner Predigt und wertschätzte so die Delegierten, die trotz der hohen sommerlichen Temperaturen am frühen Samstagmorgen gekommen waren. Mit Blick auf die Zitate wies er darauf hin, dass Jugendgruppen Orte seien, an denen junge Menschen nicht einsam sind und authentisch sein könnten. Braun erinnerte an das Gleichnis vom „Sämann“. „Nicht alles in der Jugendarbeit trägt Früchte, manche Jugendliche ziehen weiter. Sie leben in schwierigen Zeiten. Sie haben Angst um den Frieden, befürchten, mit der Wehrpflicht Teil eines Krieges zu werden, und dass die AfD die Regierung übernimmt. Und sie sind enttäuscht, dass viele bei der Olympia-Bewerbung entscheiden durften, die bei der Austragung der Spiele wahrscheinlich nicht mehr leben“, fasste Braun die Probleme der Jugendlichen zusammen, mit denen evangelische Jugendarbeit konfrontiert sei. Daniel Drewes, Leiter des Jugendreferats, sagte, Jugendarbeit müsse diese Probleme angehen. „Wir müssen verlässliche Stütze sein. In Dankbarkeit, was da wächst und in der Gewissheit, dass Gottes Geist uns stets Neues weist.“
Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen ging auf der anschließenden Verbandsvertretung in ihrem Grußwort auf den Kirchentag in Düsseldorf im kommenden Jahr ein. „Wir aus Düsseldorf setzen auf Köln“, bemerkte die Leiterin der Abteilung Theologie der Landeskirche. Sie stehe noch ganz unter dem Eindruck des bundesweiten Projektes „Einfach heiraten“, bekannte Janssen, an dem auch das Kölner Segensbüro Hätzjeföhl teilnimmt. „So viel Zuwendung zu den Menschen und ihrer Liebe, so viel Freude an der eigenen Berufung. Das Einlösen dieses Formats ist natürlich nur möglich mit den Gemeinden vor Ort. So kann Kirche sein.“ Bei dem Besuch der Kirchenleitung im Ahrtal fünf Jahre nach der Flut habe sie erfahren, wie wichtig die Kirchen und Gemeindezentren als Orte der Ruhe gewesen seien und auch an die Angebote der Notfallseelsorge habe man sich dankbar erinnert. Von der Flutkatastrophe waren auch Köln und Teile der Region, wie zum Beispiel Erftstadt, betroffen. „Wie einfühlsam und solidarisch, so kann Kirche sein.“
Stadtsuperintendent Bernhard Seiger wies in den Mitteilungen die Mitglieder der Verbandsvertretung darauf hin, dass das neue Schutzkonzept für den gesamten Verband am 1. Juni 2026 in Kraft getreten ist. Es könne online eingesehen werden, Druckfassungen würden zeitnah an die Gemeinden versandt. Der Stadtsuperintendent freute sich, dass es gelungen ist, für das Gäste- und Tagungshaus „Haus Wiesengrund“ in Nümbrecht einen Käufer zu finden. Es werde weiterhin als Tagungshaus betrieben und könne als solches von den Gemeinden weiterhin genutzt werden.
Die stellvertretende Stadtsuperintendentin Kerstin Herrenbrück fasste die geplanten Aktivitäten zusammen, die Köln für den Kirchentag in Düsseldorf plant. Sie erklärte, dass Düsseldorf mit viel Unterstützung aus Köln rechnen könne. Pfarrer Sebastian Baer-Henney vom Segensbüro „Hätzjeföhl“ berichtete zum Beispiel von seinen Vorbereitungen: „Die Segensbüros aus Essen und Köln werden zusammen mit Mitarbeitenden aus der evangelischen Kirche in Düsseldorf Popup-Taufen im Biergarten „Rheinstrand“ anbieten. Wir sind hier schon länger im Gespräch, und die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbringend.“ Oder genauer: „Die vom Rheinstrand haben auf uns gewartet. Die haben gesagt, endlich kommt mal jemand und fragt uns, ob er beim Kirchentag etwas bei uns machen kann. Die Segensbüros müssen keine Miete für die Strandfläche zahlen.“ Daniel Drewes warb für den Kölner Treff, den es auch beim Kirchentag in Düsseldorf geben wird. Der sei wie immer in zwei Bereiche aufgeteilt. „Im Café werden jeden Tag 1.000 faire und nachhaltige Essen zu bezahlbaren Preisen ausgegeben. Und dann gibt es den Bereich für die Mitmachaktionen für Jugendliche.“ Kerstin Herrenbrück empfahl den Anwesenden die Teilnahme am „Abend der Begegnung“ am 7. Mai des kommenden Jahres beim Kirchentag.
Dr. Rainer Lemaire und Thomas vom Scheidt stellten den mündlichen Bericht ihrer Einrichtung der Verbandsvertretung vor. Nach einem Vorstellungsvideo warteten sie in ihrem Bericht über die Arbeit des Schulreferats mit eindrucksvollen Zahlen auf. 473 Schulen stehen auf dem Gebiet des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. 265 davon sind Grundschulen. 990 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten hier evangelische Religionslehre. „Es gibt immer weniger Menschen, die dieses Fach an der Uni studieren“, berichtete vom Scheidt. Ihm liegen die Zertifikatskurse am Herzen, die Lehrerinnen und Lehrer belegen müssen, wenn sie Religionslehre als drittes Unterrichtsfach unterrichten möchten. Am Ende dieser Ausbildung steht die notwendige kirchliche Lehrerlaubnis. Pro Jahr bildet das Schulreferat 15 bis 25 neue Lehrkräfte aus. An den 128 Fortbildungen nahmen im vergangenen Jahr insgesamt 1.069 Lehrerinnen und Lehrer teil. Als zentrale Aufgaben des Schulreferats nannten Lemaire und vom Scheidt die Unterstützung der Lehrkräfte, die Weiterentwicklung von Unterrichtsinhalten und die Stärkung der Zusammenarbeit von Schulen und Gemeinden. Große Hoffnungen setzen die beiden auf den Campus Kartause, das Zusammenwachsen der Bildungseinrichtungen und die vielen Kooperationsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben sollen.
Der Campus Kartause war ein wichtiges Stichwort für Bernhard Seiger. „Wir liegen voll im Zeitplan. Und die Kosten liegen wohl unter dem Budget-Ansatz“, berichtete er der Verbandsvertretung. Eröffnet wird der Campus am 27. November 2026, im Januar ziehen die ersten Mieter ein, der Umzug der Bildungseinrichtungen soll im Februar und März 2027 erfolgen. Die christliche Wohngemeinschaft wird es nicht geben. Es hätten sich 20 Personen für ein Appartement interessiert, aber letztendlich seien bis auf zwei alle zu der Einsicht gelangt, dass es für sie nicht passe. „Als Studierender fällt es einem leichter, in eine WG zu ziehen als mit 55 oder 65″, stellte Bernhard Seiger fest. Nun suche man Seniorengemeinschaften, die in einer WG leben möchten. Da sei man in aussichtsreichen Gesprächen. In Kürze werde eine Arbeitsgruppe überlegen, wie man den großen Saal des Campus in das öffentliche Leben einbinde. Zu klären seien Fragen über die Höhe der Miete und ob kirchliche Einrichtungen Ermäßigungen bekommen könnten. Eine Erfolgsgeschichte ist die Spendenaktion für den Brunnen. „Wir haben tatsächlich Privatpersonen gefunden, die 240.000 Euro für den Brunnen gespendet haben“, freute sich Bernhard Seiger.
Superintendent Torsten Krall stellte das überarbeitete Konzept der Krankenhausseelsorge vor. Herausragend sei die Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft. Jederzeit stehe eine Pfarrerin oder ein Pfarrer bereit, Patienten und Angehörigen beizustehen. Dafür sollen in Zukunft auch Ehrenamtliche gewonnen werden. Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region arbeiten derzeit an der Uniklinik, den Städtischen Kliniken Köln, der LVR-Klinik und am Kinderkrankenhaus.
Als Nachfolger von Dr. Ulrich Gröschel wählte die Verbandsvertretung Pfarrer Michael Miehe, Mitglied des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch, in den Stiftungsrat der Gemeinschaftsstiftung Diakonie. Außerdem beschlossen die Delegierten, die 5. Verbandspfarrstelle für die Gefängnisseelsorge und die 8. Verbandspfarrstelle für die Gehörlosenseelsorge aufzuheben.
Die nächste Sitzung der Verbandsvertretung findet am Freitag, dem 27. November 2026, um 16:00 Uhr statt.
Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK
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