Hitze als stille Gefahr: Wie das Diakoniehaus Salierring wohnungslose Menschen durch den Sommer bringt

Das Diakoniehaus Salierring ist noch bis zu diesem September Empfänger der Diakoniespende des Kirchenverbandes Köln und Region und hat es sich zum Ziel gesetzt, wohnungslose oder obdachlose Menschen bestmöglich zu unterstützen. Das gilt natürlich auch und vor allem in den Kältephasen des Winters und den Hitzephasen des Sommers.

Michael Lampa, Fachdienstleiter im Diakoniehaus Salierring, sagt: „Dieser Sommer mit seinen extrem hohen Temperaturen hat in der Wahrnehmung der Menschen beinahe schon etwas Bedrohliches.“ Hitzephasen wie die in diesen Wochen würden zu einem wachsenden Problem werden – zusätzlich zu der ohnehin schon schwierigen Lebenssituation. Er hat beobachtet: „Menschen in Wohnungs- oder Obdachlosigkeit werden immer gnadenloser aus den öffentlichen Räumen vertrieben, verschwinden so aus der Wahrnehmung, obwohl natürlich auch sie stark unter Temperaturen jenseits der 30 Grad leiden.“

Wer auf der Straße lebt, findet schließlich kaum kühle Rückzugsmöglichkeiten, kann sich nicht in die eigenen vier Wände zurückziehen, eine angenehm kühle Dusche nehmen. Er kann nicht die Jalousien schließen oder den eigenen Garten für eine schattige Auszeit nutzen. Selbst mal eben die durchgeschwitzte Kleidung zu wechseln, wird in einer solchen Lebenssituation zum Problem.

Wasserflaschen, Ventilatoren, Sonnencreme – das Team des Diakoniehauses gibt alles

Der Tagestreff im Diakoniehaus Salierring bietet eine Möglichkeit, Schutz zu finden. Michael Lampa berichtet, dass die Mitarbeitenden Wasserflaschen verteilen und das Diakoniehaus auch eine Refill-Station für eigene Wasserflaschen hat. Ausgegeben werden außerdem Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und Sonnencreme. Das Team versorgt seine Klientinnen und Klienten mit Ventilatoren, Fächern und Wassersprühflaschen – und einer Pause im kühlen Innenraum.

Trotzdem schwingt Sorge mit, wenn Michael Lampa den Alltag im Diakoniehaus während der Sommerzeit schildert. „Menschen, die auf der Straße leben, haben eine deutlich geringere Lebenserwartung. Wir beobachten es ziemlich regelmäßig, dass Menschen nicht mehr zu uns kommen, und wissen dann oft nicht, ob sie Opfer der Hitze wurden.“ Manchmal erzählen andere Gäste des Diakoniehauses, dass jemand aufgrund der Hitze ins Krankenhaus musste. „Es gibt unter unseren Gästen eine große gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung.“

Wegschauen ist keine Option – ein Appell an die Stadtgesellschaft

Diese Haltung wünsche er sich auch gesamtgesellschaftlich, betont der Fachdienstleiter. Immerhin, so ist er überzeugt, müssten wir alle uns mehr und mehr auf außergewöhnliche Hitzephasen einstellen. Und da jeder darunter leide, sollte sich eine allgemeine Rücksichtnahme etablieren. „Wenn jemand sieht, dass es einem wohnungs- oder obdachlosen Menschen nicht gut geht, kann er ihm mit Wasser aushelfen, mit ihm einen Platz im Schatten aufsuchen und im schlimmsten Fall natürlich auch den Rettungsdienst rufen. Nur wegschauen ist überhaupt keine Option“, plädiert Michael Lampa für gegenseitige Fürsorge.

Infos: 16 öffentliche Trinkwasserbrunnen gibt es in Köln – ihre Standorte finden sich online. Dazu hat die Stadt Köln ein Hitzeportal eingerichtet. Auf der Website finden sich Verhaltenstipps und eine Karte der kühlen Orte, die von den Erfahrungen und Tipps der Kölnerinnen und Kölner lebt. Außerdem findet sich auf der Internetpräsenz von Köln Tourismus ein Verzeichnis von Sehenswürdigkeiten, darunter auch viele geöffnete Kirchen, die Schutz vor der Hitze bieten.

https://www.stadt-koeln.de/artikel/74500/index.html

https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzeportal-koeln

https://www.koelntourismus.de/kunst-kultur/kultur/cool-calmhttps://www.koelntourismus.de/kunst-kultur/kultur/cool-calm

Text: Katja Pohl
Foto(s): Katja Pohl

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