„Ade, Du schöne Höviland-Zeit“ – Wenn ein Ferienzeltlager zur zweiten Heimat wird

Das aus Hövilandkindern bestehende Publikum macht bei den Aufführungen auf der Bühne begeistert mit.

Die Kinder auf der Bühne singen: „Ade, Du schöne Höviland-Zeit …“ Und wer im Publikum nicht gerade an seinem Eis knabbert, singt mit, zumeist mit einem pinken Shirt bekleidet. Die Farbe des T-Shirts, das es alljährlich für die dreiwöchige Jugendfreizeit auf der Grünfläche hinter dem Freibad Vingst gibt, wechselt. In diesem Jahr ist sie besonders leuchtend, passend zum diesjährigen Motto: „Was für ein Zirkus“. Und so stehen nach den jungen Sängerinnen und Sängern dann auch die „Akrobaten“ auf der Bühne: die Leiterinnen und Leiter der diversen Kinder- und Jugendgruppen. Sie führen ihren „Leitertanz“ auf, den sich natürlich auch alle Kinder und Jugendlichen, die im diesjährigen Höviland zu Gast waren, bei den Erwachsenen abgeschaut haben. Und so drehen und wiegen sich die Menschen auf der Bühne und im Publikum gemeinsam im Takt.

Eine Gemeinschaft, die über Jahrzehnte zusammenwächst

Jungen Besucherinnen des Hövilandes.

Die tanzende Höviland-Gesellschaft ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die nicht nur über drei Wochen, sondern zu einem großen Teil über Jahrzehnte zusammengewachsen ist. Bereits seit über 30 Jahren schlagen die Evangelische Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg und die Katholische Kirchengemeinde St. Theodor und Elisabeth auf der Grünfläche ein Ferienzeltlager auf – für Kinder und Jugendliche aus Höhenberg und Vingst, deren Eltern aus finanziellen Gründen nicht mit ihnen in den Urlaub fahren können. Im Höviland können sie drei Wochen lang ausspannen: bei gemeinsamen Ausflügen und Workshops, beim Spielen und Basteln. 500 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 14 Jahren werden hier drei Wochen lang von 150 bis 200 ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern in Gruppen betreut.

Jeweils um 9 Uhr morgens starten sie mit einem Bewegungsprogramm oder einem Tänzchen in den Tag. Danach gibt es Frühstück, und dann steht entweder ein Ausflug auf dem Programm – beispielsweise in den Zoo – oder ein Workshop. Mittags speisen die jungen Menschen zusammen und starten dann in den Nachmittag mit weiteren Programmpunkten. Wenn nichts fest im Stundenplan steht, lassen die Gruppenleiterinnen und -leiter sich etwas einfallen und laden zum Basteln oder gemeinsamen Spielen ein.

Vom Hövi-Kind zur Gruppenleitung – eine echte Karriere

Die Gruppenleiterinnen und -leiter tanzen passend kostümiert zum Motto auf der Bühne.

Die Strukturen und die Organisation sind über die Jahre gewachsen: „Die meisten Kinder, die erstmals in den Ferien dabei sind, kommen jedes Jahr wieder“, erzählt Andreas Helmer, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg. „Viele machen hier regelrecht Karriere als Hövi-Kind“, sagt er. Sie durchlaufen alle Stationen, bis sie schließlich selbst zum Leiter- oder sogar Orga-Team gehören.

Die Organisation des Hövilandes ist klar gegliedert, über die Jahre gewachsen und wird von ehrenamtlicher Mitarbeit getragen. Seit seiner Gründung weist es drei Kontinente auf: den kleinen Kontinent, bestehend aus fünf bis sechs Gruppen für die Sechs- bis Achtjährigen, den mittleren Kontinent, der die Gruppen der Neun- bis Elfjährigen umfasst, und den großen Kontinent der Gruppen für die Zwölf- bis 14-Jährigen. Wer dann noch bleiben möchte, kann für zwei Jahre „Schnupperleiter“ werden und danach eine Leiter- oder Leiterinnenposition übernehmen. Von dort kann man zum Kontinentleiter aufsteigen – und später ins „Mottoministerium“, einem Kreis von vier Menschen, von denen zwei für das Bühnenprogramm und zwei für das Mottofest zuständig sind, eine Feier während des Ferienprogramms. Die Oberhand hat das Orgateam, bestehend aus Mitgliedern der Gemeinden und einem Sozialraumkoordinator.

Zirkus, Clowns und Gänsehaut – das Höviland 2026

Beim „Leitertanz“ tanzt auch das Publikum mit.

15 bis 45 Euro bezahlen die Eltern pro Woche und Kind, je nachdem, wie viel sie sich leisten können. Finanziert wird das umfassende Ferienprogramm zu 80 Prozent aus Spenden, die bislang hauptsächlich von Pfarrer Franz Meurer von der Katholischen Kirchengemeinde akquiriert wurden.

Es haben schon viele verschiedene Hövi-Länder stattgefunden, beispielsweise unter den Mottos „Griechenland“, „Die Römer“, „Köln“ und „Weltraum“, jeweils mit passenden Angeboten. Dieses Jahr gab es beispielsweise einen Clown-, einen Trommel- und einen Kreativworkshop, Kostümbasteln, Akrobatik und Leinwandbemalen. Auch die Gruppennamen waren passend gewählt: „die Hulahoops“, „Zuckerwatte“, „die Lolligruppe“, „die Feuerspucker“, „die Seiltänzerinnen“. Für das Abschiedsfest hatten sich alle Gruppen einen eigenen Beitrag ausgedacht.

Derweil versammeln sich immer mehr abholbereite Eltern am Rand des Geschehens. „Man steht hier jeden Abend mit Gänsehaut“, sagt Annika Ibhaze, Mutter eines teilnehmenden Jungen. „Das ist so schön hier für die Kinder, mit Herzblut organisiert und mit einer Engelsgeduld.“ Dann wird noch das traditionelle Abschiedslied gesungen, denn im Höviland ist es schließlich besonders wahr: „Niemals geht man so ganz.“

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag „Ade, Du schöne Höviland-Zeit“ – Wenn ein Ferienzeltlager zur zweiten Heimat wird erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.