Zuhören, da sein, aushalten: Queere Seelsorge startet in Köln

Ein neues Seelsorgeangebot stellt queeren Menschen in Krisen und schwierigen Lebenssituationen verlässliche Unterstützung zur Seite. Am heutigen 1. September startet die Queere Peer-to-Peer-Seelsorge: Qualifizierte Seelsorger*innen und Berater*innen, die selbst queer sind, bieten kostenlose und vertrauliche Gespräche an.

Das Angebot richtet sich an alle Menschen, die sich dem LGBTQIA+-Spektrum zugehörig fühlen – unabhängig von Alter, Herkunft, Wohnort sowie Kirchen- oder Religionszugehörigkeit. Im Mittelpunkt stehen die Anliegen der Menschen, die das Gespräch suchen. Themen können beispielsweise Identität und Coming-out, Beziehungen und Sexualität, Einsamkeit und Trauer, Krankheit, Spiritualität oder die Suche nach Sinn sein. Ebenso können ganz alltägliche oder persönliche Sorgen Raum bekommen.

„Queere Seelsorge heißt: gemeinsames Aushalten und miteinander da sein in Krisen und bei Problemen von Menschen, die queer sind“, sagt Dr. Dorothea Ugi, evangelische Pfarrerin und eine der Initiatorinnen des Angebots. „Wir wollen einen sicheren Raum schaffen, in dem alles besprechbar ist und in dem wir das Schwere miteinander da sein lassen.“

Ein sicherer Raum von queeren Menschen für queere Menschen

Die Idee einer queeren Peer-to-Peer-Seelsorge ist aus dem Wunsch entstanden, Menschen eine Begleitung anzubieten, bei der sie nicht erst erklären müssen, was es bedeutet, queer zu sein. Das Team besteht ausschließlich aus Menschen, die selbst queer sind und über eine qualifizierte Seelsorge- oder Beratungsausbildung verfügen.

„Gerade in einer Zeit, in der queere Menschen zunehmend zum Feindbild rechtsextremer Akteur*innen gemacht werden, erleben wir einen besonderen Bedarf nach Begleitung und Gesprächen“, so Ugi. Zahlreiche Anfragen bei der Queeren Kirche Köln hätten gezeigt, wie wichtig ein solches Angebot sei.

Die Gespräche finden in Räumen der St.-Johannes-Kirche in Köln-Deutz sowie in der Melanchthon-Akademie Köln statt. Auch Onlinegespräche sind möglich. Die Seelsorgegespräche sind kostenlos; nach einem ersten Gespräch können bei Bedarf weitere Termine vereinbart werden.

Seelsorge ohne Rezept und ohne Kosten

Mit dem Angebot möchte die Queere Kirche Köln eine niedrigschwellige Anlaufstelle schaffen. „Für Seelsorge braucht es kein Rezept, kein Geld und wir hoffen: keine Warteliste“, sagt Ugi. Gerade in Köln und der Region gebe es viele queere Menschen, für die es schwierig sei, passende Begleitung in Krisen und bei persönlichen Problemen zu finden.

Dabei versteht sich die Queere Seelsorge ausdrücklich nicht als Ersatz für Psychotherapie oder andere professionelle medizinische und therapeutische Angebote. Sie möchte vielmehr einen zusätzlichen Raum eröffnen: zum Zuhören, zum Sortieren, zum Aushalten und dafür, mit dem eigenen Anliegen nicht allein bleiben zu müssen.

 

Text: APK
Foto(s): APK/Canva

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