Blauköpp mit neuem Orden und viel jeckem Segen: Evangelisches Karnevalsnetzwerk startet in die Session.
Pfarrer, Karnevalist, Netzwerker – Oliver J. Kießig verbindet Kirche und Fastelovend auf besondere Weise. Im Interview spricht der Mitinitiator der „Blauköpp“ über das evangelische Karnevalsnetzwerk, neue Ideen und den ersten eigenen Sessionsorden.
Wer sin die Blauköpp?
Oliver Kießig: Die Blauköpp sind keine klassische Karnevalsgesellschaft mit eigener Uniform und Spielmannszug. Wir sind das evangelische Karnevalsnetzwerk in Köln und Umgebung. Wir vernetzen Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen, die evangelisch sind oder sich in der Kirche engagieren und mitten im kölschen Fastelovend mitmischen. Unser Netzwerk verbindet all die kirchlichen Akteur:innen, die feiern, lachen und Glauben mit Karneval verbinden wollen. Wir feiern Sitzungen, Gottesdienste op Kölsch und alles, was dazugehört – mit Augenzwinkern und offenem Herzen.
Woher kommt der Name?

Oliver Kießig: Der Name „Blauköpp“ ist typisch kölsch: ein bisschen Selbstironie, ein bisschen Geschichte und viel Augenzwinkern. Früher wurden evangelische Christen im Rheinland scherzhaft als „Blauköpp“ bezeichnet – angelehnt an die blauen Mützen preußischer Beamter. Preußisch, nüchtern, protestantisch – das passte aus kölscher Sicht wunderbar. Was als Seitenhieb begann, haben wir selbstbewusst übernommen. Heute steht „Blauköpp“ für evangelische Jecke, die wissen: Man kann den Glauben ernst nehmen, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Wir tragen den Namen mit Stolz – und einem Lächeln.
Was macht ihr?
Oliver Kießig: Wir vernetzen evangelische Karnevalsaktivitäten in Köln und Umgebung. Wir bringen Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen zusammen, teilen Termine, feiern gemeinsam und sorgen dafür, dass evangelische Präsenz im Fastelovend sichtbar bleibt. Ob Gottesdienste op Kölsch, „Prot’s Sitzungen“, Veedelsumzüge oder gemeinsames Feiern – Hauptsach bunt und jeck!
Session im vollen Gange: Was sind eure Highlights?
Oliver Kießig: Unsere Veedel! Die Session lebt davon, dass überall jeckes Leben pulsiert. In den evangelischen Gemeinden wird gesungen, geschunkelt, gebetet und gelacht – bei Gottesdiensten op Kölsch, kleinen Sitzungen oder Veedelsaktionen, meist liebevoll selbst gemacht. Ein Highlight ist auch das jährliche Treffen mit dem Dreigestirn im Haus der Kirche. Wenn sich Kirche, Stadt und Karneval auf Augenhöhe begegnen, merkt man: Der Fastelovend lebt in den Veedeln – und wir mittendrin.
Was ist diese Session neu?
Oliver Kießig: Wir haben zum ersten Mal einen eigenen Sessionsorden – und der stellt die Jecken in den Mittelpunkt: bunt, vielfältig und mit ganz viel Herz. Die Farben und Formen stehen für die Unterschiedlichkeit der Menschen, die Karneval feiern, glauben, zweifeln und lachen. Gemeinsam mit dem Segensbüro „Hätzjeföhl“ haben wir das Sessionsmotto 2026 kreativ abgewandelt: Aus „ALAAF – Mer dun et för Kölle!“ wurde „SÄJE – Mer dun et för Kölle!“. Unser Beitrag: Segen schenken, gute Worte, offene Herzen.
Neu ist auch unser Outfit: Wir haben ein eigenes „Krätzje“ entworfen – also eine klassische Karnevalsmütze, die wir künftig tragen wollen. Ein Logo bzw. Emblem ist gerade in Arbeit und soll das Krätzchen zieren. Dazu haben wir uns für blaue Fliegen entschieden – evangelisch, kölsch und jeck.
Fastelovend und Kirche: Wie passt das?
Oliver Kießig: Kirche und Karneval gehören zusammen wie Köln und Dom. Die Fastenzeit zeigt es: Ein Teil der christlichen Tradition führt direkt in die fünfte Jahreszeit. Für uns bedeutet Kirche auch Gemeinschaft, Freude und Lachen. In unseren Gottesdiensten trifft Lebensfreude auf Glauben. Humor ist manchmal die schönste Predigt. Wir zeigen: Christ:innen können lachen, feiern und Alaaf sagen – und trotzdem ernst im Leben stehen.
Weiter Infos zu den „Blauköpp“ unter: http://www.blaukoepp.de
Text: Oliver Kießig/ APK
Foto(s): Oliver Kießig/ APK
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