Kirche auf Wunsch: 40 Jahre Petruskirche

„Die Einweihung einer Kirche ist nicht der Beginn, sondern der Höhepunkt in der Geschichte einer christlichen Gemeinde“, fasste Pfarrer Daniel Rösler als der „Neue“ in Merheim-Brück das Wichtigste zusammen, was es über die Entstehung seiner Gemeinde zu wissen gibt. Vor 40 Jahren wurde die Petruskirche in Merheim eingeweiht, gebaut auf den ausdrücklichen Wunsch ihrer Gemeinde hin, die schon lange vorher in Privaträumen ihre Gottesdienste feierte.

Gottesdienste in der Grundschule – Gruppentreffen im Pfarrhaus

Mit Sektempfang, tischeweise Gewinnen einer Überraschungstombola, Ständen mit Hand- und Bastelarbeiten, selbstgemachten Marmeladen, Trödel und Caféteria feierte die Petruskirchengemeinde auf zwei Etagen den 40. Geburtstag ihrer Kirche.

Die Gemeinde selbst gibt schon es um Einiges länger. „Hier ist ganz viel emotionale Verbundenheit: Vor dem Bau unserer Petruskirche brannte hier auf diesem Boden schon jedes Jahr das Martinsfeuer.“ Die wachsende Gemeinde organisierte ihr Leben in den 60er und 70er Jahren selbst – in einer Dachgeschosswohnung in der Ostmerheimer Straße und im Wohnhaus von Pastor Rolf Wagner. Die Gottesdienste fanden über Jahre hinweg in der Aula der Grundschule statt. „Erst als die Gemeinde schon lange da war, kam auch eine Kirche.“

„Niemand baut hier für sich selbst – jeder baut für das Ganze”

Ihr Bau war keine landeskirchliche Anordnung. Dass es sie gibt ist Wagners Engagement, dem damaligen Förderverein, dem Presbyterium und vielen begeisterungsfähigen Einzelnen zu verdanken. Sie sorgten dafür, dass Ende 1973 das Grundstück für den Bau des Gemeindezentrums von der Stadt Köln gekauft werden konnte. 1978 „stieg“ das Richtfest.

40 Jahre später kann Pfarrer Daniel Rösler klar sagen: „Unser Gemeindezentrum ist eine Baustelle geblieben. Wir sind nicht fertig geworden damit, an unserer Gemeinde zu bauen, sie immer wieder neu auszurichten und ihre Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Und das ist gut so: Niemand baut hier für sich selbst – jeder für baut für das Ganze.“

 Ökumenischer Glocken-Gleichklang

Die kölnischen Stadtteile Brück und Merheim haben aktuell rund 3.600 Gemeindeglieder und sind außerdem eng nachbarschaftlich-ökumenisch mit St. Gereon verbunden. „Sogar unsere Glocken sind im Klang aufeinander abgestimmt“, freut sich Rösler. Er selbst ist im Februar aus einer Gemeinde in Norddeutschland nach Merheim-Brück gekommen. Worauf er sich mit seinem Einsatz im Rheinland einlässt, wusste er, meint er leicht amüsiert. Er hat bereits viele Jahre in Bonn verbracht und auch wenn er sich noch einarbeitet, sagt Daniel Röser klar: „Es ist ein tolles Gefühl, hier zu sein!“

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller

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„Memento Mori – Ne kölsche Dudedanz“ – Rolly Brings

Wer den Namen Brings hört, denkt in der Regel zunächst einmal an die bekannte Mundart-Band, die 1990 von den Brüdern Peter und Stephan Brings sowie Harry Alfter und Matthias Gottschalk gegründet wurde. Doch es gibt noch ein musikalisches Ensemble mit dem Namen Brings, „Rolly & Benjamin Brings“. Auch diese beiden Brings sind vor allem mit kölschen Liedern unterwegs. Dabei spielen sie Gitarre und dies bemerkenswert gut. Rolly Brings, Musiker, mehrfacher Vater, Lehrer und vieles mehr kam nun mit Sohn Benjamin in die Dellbrücker Pauluskirche, um dort „einen kölschen Totentanz“, „ne kölsche Dudedanz“ zu präsentieren. Dabei ging es um Lieder, aber auch um Geschichten von dem, was bleibt, wenn man älter wird. Es ging ums Leben, aber eben auch ums Sterben. Es ging um Geschichten, die man zum Beispiel auf dem Friedhof erlebt.

„Die Toten waren immer ganz intensiv anwesend“

Den Beginn des Konzertes machte ein Stück mit dem Namen „Engel“, der Originaltext stammt ursprünglich von Heinrich Böll. Schon kurze Zeit später ging es um persönliche Erlebnisse und Dinge, die Rolly Brings bewegen, ihn nachdenklich werden lassen, ihn berühren. Die Verbindungen zu seiner Familie sind ihm dabei wichtig: „Ich bin ein Kirch- und Friedhofsgänger. Ich brauche Orte, zu denen ich gehen kann, um dort mit meinen Vorfahren zu reden“, gab er unumwunden zu. „Die beiden Weltkriege haben die Friedhöfe gefüllt und die Familien arm gemacht“, erinnerte Rolly Brings. Vieles aus dieser Zeit sei in seiner Familie besprochen worden. „Die Toten waren immer ganz intensiv anwesend“, formulierte er einen Satz, der Raum zum Nachdenken, aber eben auch Raum zum Schmunzeln ließ. Später ging es um Europa, um eine Halbinsel in Alaska und um einen Mann, der innerlich vereist war – er hatte keine Tränen mehr. Auch der Tod eines Kindes und viele andere schwer zu ertragende Schicksalsschläge wurden thematisiert. Es ging um Zwangsarbeit und um den zehnten November – ja, dieser Auftritt war ein „Dudedanz“, doch es war kein trauriger Abend, sondern ein echtes Erlebnis.

Ein Konzert als Geschenk

„Dieses Konzert ist ein Geschenk, welches wir als Gemeinde von Claudia Zanolli, der Inhaberin der Buchhandlung Domstraße erhalten haben. Und wir haben dieses mit großer Freude angenommen“, berichtete Pfarrer Klaus Völkl. Zanolli habe lange in der Kantorei mitgesungen, daher kenne man sich. „Die Buchhandlung wiederum organisiert immer mal wieder Veranstaltungen und in diesem Zusammenhang kamen wir ins Gespräch“, so Völkl. Zanolli habe von den beiden Brings berichtet und auch über deren besonderen Umgang mit dem Thema Trauer. Diese Idee kam sichtbar gut an, der Zuspruch in der Pauluskirche war deutlich zu sehen, zu spüren und auch zu hören. Denn das Konzert war auch ein Mitsingkonzert, alle Gäste bekamen ein Text- und Programmheft samt Übersetzungen der kölschen Formulierungen zum Mitsingen oder zumindest auch zum Mitlesen.

Eine angenehme Art, Abschied zu nehmen

„Es war sehr schön, so viel zu den Hintergründen zu erfahren und dabei angenehm fromm. Die Religiosität war zu spüren und dabei war die Stimmung dennoch eine humorvolle. Auch die musikalische Qualität des Konzerts war wirklich gut“, beschrieb Völkl den Abend. Gut 20 Lieder präsentierten die beiden Musiker, zum Abschluss gab es den Klassiker Willi Ostermann „Heimweh noh Kölle“ – ein passendes Lied, um den Abend zu beenden. Mitnehmen konnten alle Besucher den Eindruck, dass der Abschied trotz aller Trauer am Ende zum Leben dazu gehört.

Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund

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„Viel Spaß in Eden!“ – Diptychon „Roxy“ von Künstler Mike Felten in der Friedenskirche Mülheim

Diptychon „Roxy“ heißt ein Kunstwerk von Mike Felten. Das zweiteilige Gemälde ziert den Altarbereich der altwürdigen evangelischen Kirche in Köln-Mülheim. Das Bild war Teil der Ausstellung „Eden“ im Spätherbst in der Kirche und hat inzwischen so seinen festen Platz gefunden. „Leider haben die Menschen es erst einmal vergeigt“, fasste Pfarrer Sebastian Baer-Henney das Ende des in der Bibel beschriebenen optimalen Urzustandes der Schöpfung bündig zusammen und eröffnete damit die Ausstellung mit Bildern des Malers Mike Felten. „Ein bisschen paradiesischer machen“ sollte die Ausstellung das Mülheimer Veedel. Ein Ort der Integration sollte es sein. „Eden ist eine ganz wunderbar gehaltene Mahnung an uns“, sagte Baer-Henney. „Viel Spaß in Eden!“

Das Diptychon „Roxy“

„Eden ist eine Ausstellung, die von ihren Gegensätzen lebt“, beschrieb Christiane von Scheven, Vorsitzende des Ausschusses Offene Friedenskirche, die zusammengetragenen Werke von Felten – „Eden“, “Roxy“ und die „Liebesgedichte“ – als Kunst, die viel Raum für eigene Betrachtungen und Interpretationen lässt: Emotionen treffen auf Purismus und schwarz-weißen Minimalismus. An „Roxy“ hatte sich die Mülheimer Gemeinde jedoch besonders „festgeliebt“. Nirgends könnten die beiden zusammengehörenden Gemälde besser hängen als auf beiden Seiten des Altars der Friedenskirche, waren sich Pfarrer Baer-Henney und Christiane von Scheven schnell einig. Auf speziellen Wunsch hin wurden die Werke in die Ausstellung aufgenommen, nachdem sie Pfingsten schon einmal vorrübergehend in der Friedenskirche zu sehen waren. „Wenn das Licht darauf fiel, sah das Diptychon aus, als würde es Flammen stehen“, schwärmte von Scheven. Um darauf nicht wieder verzichten zu müssen, hat die Gemeinde eine Häfte von „Roxy“ bereits erworben und das zweite Bild wird druch Spenden finanziert.

Eden als Sehnsuchtsort

Die Themenwahl stand dem Künstler frei, und „Eden“ als Sehnsuchtsort, der für jeden etwas anderes bedeutet, reizte Felten sehr. „Mit dem Garten Eden geht es für mich in meiner Ausstellung viel um die reine Liebe“, sagte er bei der Eröffnung. Eden als Paradies, das am Anfang und am Ende des Menschen steht, fesselte ihn als Ausstellunginhalt und ist in seinen Augen auch wichtiger für den Betrachter als eine exakte Beschreibung seiner Strichführung. „Die Menschen wollen Geschichten hören“ – davon ist auch Caroline Baum, ebenfalls Malerin und Mike Feltens Lebensgefährtin, überzeugt. Sie stellte ebenso wie Felten schon selbst und außerdem im Rahmen von Kinder-Kunstprojekten in der Mülheimer Kirche aus. Der Kontakt zu Felten entstand über sie.

„Eden ist auch für uns als Paar eine schöne Ausstellung“, erzählte sie lächelnd. „Die Reihe der Liebesgedichte ist zu Beginn unserer Beziehung vor 17 Jahren entstanden, als wir uns kennenlernten.“ In Vorgesprächen konzipierten sie die Ausstellung in einer Art Brainstorming, beschrieb Felten die Konzeptionsphase: „Vor allem mit Ruhe, Wärme und Licht sollte „Eden“ gefüllt werden – hervorragend, dass die paradiesischen Klänge von Hindol Deb unser Thema noch so passend abrundeten.“ Als individueller Sehnsuchtsort war Mike Feltens „Eden“ nicht nur etwas Religiöses oder Romantisches, sondern auch politisch. „Für viele der geflüchteten Menschen ist Europa zum Beispiel ihr Sehnsuchtsort“, erklärte Felten, und Caroline Baum ergänzte: „Sie stellen sich auf ihrem Weg ein annähernd paradiesisches Ziel vor, das sicher nicht immer hält, was man sich davon versprochen hat. Aber jeder Mensch braucht und wünscht sich tatsächlich etwas anderes, ganz eigenes.“

Mike Felten

Felten wurde 1948 in Köln geboren und war bis in die 80er Jahre hinein als Architekt tätig. Seit 1987 ist er – im Anschluss an seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf – als freischaffender Künstler tätig, ehemals in der Art Factory Köln arbeitet Mike Felten nun im Haus Haan an seinen Werken.

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller

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Heizungs-Check und andere Schätze Ein Rückblick auf das Jahr im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch: Energiespar-Projekt und sehr gut besuchter Jugendtag

Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch: Einige Höhepunkte des Jahres 2019

Um Nachhaltigkeit ging es 2019 im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch. Nachhaltig heizen war das Schwerpunkt-Thema und damit auch der Klimaschutz. „Es sind oft Kleinigkeiten, die einfach übersehen werden und dann aber dazu führen, dass der Energieverbrauch unnötig hoch ist”, weiß Timo Göhringer, Energieberater der Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) aus Erfahrung.

„Dabei, so haben wir festgestellt, macht es durchaus einen Unterschied, ob in einem Gebäude gewohnt wird oder ob es sich zum Beispiel um eine Kirche oder einen Kindergarten oder ein Verwaltungsgebäude handelt”, so der Experte. Gemeinsam mit seinem Team war hat er in einem Pilotprojekt innerhalb einer Woche 75 Kirchen, Gemeindehäuser und Gebäude in 15 Gemeinden des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch zu überprüft.

„Wir alle müssen viele kleine Schritte tun und diese in den Alltag integrieren”, betonte Pfarrerin Andrea Vogel, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, mit Blick auf die aktuelle Klimadiskussion. Mit der Optimierung der Heizungsanlagen wolle man einen solchen gar nicht ganz so kleinen Schritt gehen. Im März gab es zu dem innovativen Projekt eine Auftaktveranstaltung, in der die Energieberater erste Verbesserungsmöglichkeiten vorstellten.

„Oft geht man davon aus, dass zum Beispiel in einer neuen Heizungsanlage alle Einstellungen optimal sind. Dies ist aber nicht zwingend der Fall”, erklärte Göhringer. Beispielweise seien Kindergärten in der Regel wochentags von 7 bis 16 Uhr genutzt. Die Standardeinstellung einer Heizung gehe aber von einem Wohngebäude aus, in dem die Menschen von morgens 6 bis abends 22 Uhr Wärme benötigten. Neben den Einstellungen der Anlage würden aber auch einzelne Bestandteile wie die Pumpen und andere Details überprüft. „Wir dokumentieren dabei alle Veränderungen und geben diese Unterlagen den Teilnehmern mit, so dass nachvollziehbar wird, was wir optimieren”, erklärte der Energieberater.

„Das begrüßen wir sehr, denn am Ende muss jeder merken, dass er selber in der Verantwortung steht”, beschrieb Hanno Sparbier-Conradus, Synodalbeauftragter des Kirchenkreises für Umweltfragen, eine weitere Absicht des Projektes. Der Heizungs-Check kostete pro Gebäude 450 Euro. Der Kirchenkreis hat jeweils die Hälfte übernommen.

Konfi- und Jugendtag

Ein weiteres Highlight im Kirchenkreis war der Konfi- und Jugendtag im Oktober in der Gemeinde Brück. 120 Jugendliche im Alter von zwölf bis -16 Jahren folgten dem Aufruf, Kirche und Glauben mal ganz anders zu erleben.

Ein Team aus etwa 30 sowohl ehrenamtlich als auch hauptberuflich Mitarbeitenden begleitete die Jugendlichen durch den Tag, der unter dem Motto „Unsere Schätze“ stand. Alle Teilnehmenden konnten an dem Tag bei elf Angeboten auf ihre persönliche Schatzsuche gehen. Es ging um wertige Schätze, die sie selbst herstellen konnten, um ihre persönlichen Schätze, ihre Talente, die sie austesten konnten, sowie um ihre Schätze des Glaubens, die sie entdecken konnten.

Für alle Sinne war etwas im Programm dabei. Poetry Slam oder Singen, Backen von Cup Cakes, Malen mit unterschiedlichen Techniken, eine Steinwerkstatt, der Schatzkistenbau aus Holz oder ein Fotoworkshop bis hin zu den körperlichen Workshops wie „Zirkus“ und „fit4drums“ (Trommeln mit Bewegung). Ganz besondere Highlights waren die Arbeiten mit Metall: Am Plasmaschneider konnten Kunstwerke aus Metall mit sprühenden Funken ausgebrannt werden. Das Spiel mit dem Feuer ermöglichte Schmiedemeister Joachim Harbut. Hier konnten die Jugendlichen ihr Juwel in ein Kunstwerk schmieden. Für das leibliche Wohl war ebenfalls gut gesorgt.

Im Abschlussgottesdienst animierten die Teilnehmenden aus dem Workshop „Musikalische Schätze“ die Konfi- und Jugendtags-Gemeinde mit „Oh happy Day“ zum lauten Mitsingen und Klatschen. Ergebnisse aus allen Workshops wurden vorgestellt. Zum Abschluss dankten Jörg Schmidt und Ute Verch, die beiden Synodalbeauftragten des Kirchenkreises für die Konfirmandenarbeit, allen Beteiligten für das Gelingen dieses besonderen Tages.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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