Frühstücksidee mit Nachklang: Country-Gospel-Gottesdienst in Lindlar
Bei einem Frühstück mit Burritos im April wurde die Idee geboren: Pfarrerin Jennifer „Jenny“ Scheier saß bei ihrer Freundin Rita De Los Angeles in der Küche und fragte sie, ob die Musikerin sich vorstellen könnte, einen Country-Gospel-Gottesdienst in der Lindlarer Jubilate-Kirche zu gestalten. Rita De Los Angeles konnte es sich nicht nur vorstellen – sie war begeistert. Die Sängerin und Gitarristin aus Lindlar begann sofort, sich in die Lieder der Country-Gospelmusik einzuhören. „Tagelang habe ich nichts anderes gehört und mich dabei immer mehr in die Stücke verliebt. Ich komme aus der Countrymusik, aber die Songs, die im Sinne des Gospels vom Glauben erzählen, habe ich jetzt erst so richtig entdeckt“, erzählt sie.
Das Lied „Amazing Grace“ durfte in der Setlist natürlich nicht fehlen – ein besonderes Stück, das Herzen berührt. Für Rita De Los Angeles sorgte es schon vor dem eigentlichen Gottesdienst für einen unvergesslichen Moment. „Am Samstag saß ich allein in der Kirche und habe geprobt. Es war eigentlich ein trüber Tag, aber bei der dritten Strophe von ,Amazing Grace‘ kam die Sonne raus, schien durch die bunten Fenster – und alles war in Licht getaucht! Großartig.“ Ihre Beziehung zu Gott sei immer da, auch wenn sie nicht täglich in der Bibel lese. „Ich weiß: In meiner Musik ist Gott bei mir.“
Cowboyhüte, Tanz und Taufsegen
Auch die Besucherinnen und Besucher empfanden diesen besonderen Gottesdienst als großartig. Viele kamen stilecht in Hut und Stiefeln. Mit Bine Morawitz und Rosi Blume waren sogar zwei Line-Dancerinnen von „Biene’s Crazy Girls“ aus dem sauerländischen Hemer – gute anderthalb Stunden Fahrtzeit entfernt – angereist. Sie tanzten im Kirchenraum und erzählten, sie seien durch den Kontakt zu Rita De Los Angeles, die sie bei einem Line-Dance-Event in der Wipperfürther Drahtzieherei erlebt hatten, auf den Gottesdienst aufmerksam geworden. „Das war ein richtig schönes Erlebnis“, sagte Bine Morawitz.
Auch Pia (5), Pferdenärrin und Cowgirl mit Hut und Stiefeln, fand den Gottesdienst spannend. Sie saß mit anderen Kindern vor dem Altarraum auf dem Boden und verfolgte mit großen Augen das Geschehen. „Ich hätte auch Lust zu tanzen“, hatte sie vorab angekündigt – überließ das Tanzen dann aber doch lieber den Großen.
Taufmoment mit besonderem Klang
Für Sina und Marco Müller aus Frielingsdorf, die mit ihrem Sohn Lio gekommen waren, war der Vormittag ebenfalls sehr besonders. Der fünf Monate alte Lio wurde im Gottesdienst getauft. Vater Marco lachte, als er sich daran erinnerte, wie Pfarrerin „Jenny“ im Vorgespräch davon erzählte, wie anders dieser Gottesdienst sein würde. „Wir haben gleich zugestimmt, die Taufe in diesem Rahmen stattfinden zu lassen. So haben wir jetzt alle eine ganz besondere Erinnerung.“ Ein langgezogenes „Ah“ vor „Swing low, sweet Chariot“ und ein leises „Yee Haw“ nach „In the sweet By and By“ zeigten, wie sehr das Publikum diesen Gottesdienst genoss.
„Ich kann nicht mehr“ – und dann kommt Gott
Pfarrerin Scheier hatte das besondere Format gleich zu Beginn eingeordnet: „Die Kirche ist für uns da – und nicht wir für die Kirche. Ich glaube, wir sind hier und heute nah dran an dem, wie Jesus Gottesdienst gefeiert hätte.“ Country-Gospelthemen seien eng mit dem Leben verknüpft – mit Leid, Freude und Glauben. In der Predigt ging es um den Stoßseufzer: „Ich kann nicht mehr.“ Ein Satz, der sowohl zum Gospel als auch zur Countrymusik passt. Hilfe komme in solchen Momenten von Gott, der Pausen schenke – Zeiten, in denen man loslassen und sich etwas Schönes gönnen darf, etwa am Sonntag. „Was wir dann tun, kann ganz unterschiedlich sein. Wichtig ist, dass wir loslassen dürfen.“ Beten gehöre zu den Dingen, die guttun, erklärte Jennifer Scheier. „Gott hört zu und schenkt uns Glück.“
Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl
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