Jetzt anmelden: „Menschen mit Demenz begleiten“ – Qualifizierungskurs für Freiwillige
Ab Dienstag, 3. März, startet in Köln-Nippes der kostenlose Qualifizierungskurs „Menschen mit Demenz begleiten“, der engagierte Bürgerinnen und Bürger auf die ehrenamtliche Unterstützung von Menschen mit Demenz vorbereitet. Angeboten wird der Kurs von den Kölner Wohlfahrtsverbänden Diakonie Köln und Region, Deutsches Rotes Kreuz, Der Paritätische und Malteser Hilfsdienst, die gemeinsam Besuchsdienste für Menschen mit Demenz organisieren.
Ziel ist es, Menschen mit Demenz ein möglichst langes Leben in der eigenen häuslichen Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig pflegende Angehörige zu entlasten. Im Mittelpunkt des Engagements stehen regelmäßige Besuche, Gespräche, gemeinsames Spazierengehen, Spielen oder das Teilen von Erinnerungen, die den Alltag der Betroffenen bereichern. Der 40-stündige Qualifizierungskurs bereitet praxisnah auf diese Aufgabe vor und kann wahlweise vollständig in Präsenz oder mit anteilig digitalen Modulen absolviert werden.
Nach Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat und haben die Möglichkeit, sich beispielsweise im Besuchsdienst TANDEm der Diakonie Köln und Region zu engagieren. Begleitend werden Fortbildungen, regelmäßiger Erfahrungsaustausch und eine Aufwandsentschädigung angeboten. Die Teilnahme am Qualifizierungskurs ist kostenfrei.
Katharina Regenbrecht, Koordination TANDEm und DemenzNetz Köln-Nippes, erzählt im Interview:
Worauf wird bei der Qualifizierung besonders großen Wert gelegt?
Katharina Regenbrecht: Wir bereiten die Menschen, die sich bei uns engagieren möchten, gut vor. Dafür bieten wir eine 40-stündige Schulung rund um das Thema Demenz an. Das ist zwar eine formale Vorgabe, aber die meisten sagen hinterher, wie viel Sicherheit ihnen diese Vorbereitung gegeben hat. Am Anfang gibt es oft noch Berührungsängste – und genau da hilft die Schulung sehr. Viele Freiwillige berichten beim Schulungsabschluss, wie wertvoll es war, so viel Praktisches von Menschen zu hören, die bereits viel Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Demenz haben. Neben theoretischem Wissen ist es uns besonders wichtig, dass Teilnehmende selbst erleben können, wie sich Demenz anfühlen könnte. Denn echtes Verständnis entsteht nicht nur durch Wissen, sondern durch Nachempfinden. Wir werben bewusst um Verständnis für Verhaltensweisen, die uns im ersten Moment fremd oder unverständlich erscheinen. Deshalb nehmen Austausch, Diskussion und die Reflexion der eigenen Haltung einen großen Raum ein: Wie begegne ich Menschen mit Demenz? Wie stehe ich zur Erkrankung und zu den Angehörigen? Natürlich vermitteln wir auch Fachthemen wie Biografiearbeit, Aktivierung und Motivation. Doch im Zentrum steht für uns die Kommunikation und die Haltung, die sich darin ausdrückt. Wir möchten vermitteln, dass diese Arbeit trotz aller Herausforderungen auch Freude macht, Beziehung ermöglicht und von echter Begegnung lebt. Unsere Haltung ist geprägt von Respekt, Wertschätzung und Beziehungsgestaltung.
Wie tragen geschulte Ehrenamtliche konkret dazu bei, Menschen mit Demenz zu unterstützen?
Katharina Regenbrecht: Manche gehen zusammen in die Philharmonie, in den Biergarten, joggen miteinander oder gehen spazieren – Spaziergänge sind übrigens sehr beliebt. Freiwillige bringen viel mit: Neugierde auf den anderen Menschen, die Bereitschaft sich einzulassen, Interesse an der Biografie des Menschen, Zeit. Sie kommen regelmäßig jede Woche zu Besuch. Angehörige haben verlässliche Zeitfenster für eigenen Interessen, zur Entspannung oder um in Ruhe Erledigungen machen zu können. Das Bedürfnis des an Demenz erkrankten Menschen steht im Mittelpunkt. Hobbies nachgehen, Hand halten, im Sommer Eis essen, in der Natur sein, in der Stadt unterwegs sein, was alleine nicht mehr geht, zusammen Lachen, zusammensein.
Was bereichert und bewegt die Ehrenamtlichen oft persönlich in ihrem Engagement – welche Erfahrungen und Eindrücke nehmen sie aus der Begleitung von Menschen mit Demenz mit?
Katharina Regenbrecht: Uns ist wichtig, die Tandems so zu vermitteln, dass sie wirklich gut zueinander passen und sich beide jede Woche auf die Treffen freuen. Für die Freiwilligen soll es kein „Dienst“ sein, den sie aufopferungsvoll erfüllen, sondern eine bereichernde Zeit, auf die sie selbst Lust haben. Natürlich gibt es sehr gute Institutionen und professionelle Angebote für Menschen mit Demenz – und es ist wichtig, dass es diese Versorgung gibt. Aber genauso wichtig ist es, Demenz nicht ausschließlich dorthin auszulagern. Demenz betrifft uns alle. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
Freiwillige berichten:
- „In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass das, was ich eigentlich von älteren Menschen mitbekommen möchte, mir im Alltag oft fehlt. Man sieht sie kaum noch im öffentlichen Leben – sie verschwinden ein Stück weit aus dem Straßenbild. Durch mein Engagement habe ich den Kontakt zu älteren Menschen.“
- „Dazu gehört auch die Offenheit, dass manches einfach etwas langsamer geht. Dass Begegnungen ihr eigenes Tempo haben dürfen.
Und auch im Nachhinein merke ich immer wieder, wie bereichernd genau diese Haltung für beide Seiten ist.“ - „Ich fühle mich vorbereitet auf mein eigenes Leben.“
- „Dies Engagement ist für mich sinnstiftend.“
- „Ich fühle mich angebunden und gewertschätzt. Sowohl von den Lebensgemeinschaften als auch von den Koordinatorinnen. Das ist wunderbar.“
- „Gerade, wenn man selbst noch wenig Berührungspunkte hatte, ist das eine große Hilfe. Gleichzeitig ist es schön zu erfahren, dass Menschen nicht auf ihre Krankheit zu reduzieren sind. Da ist so viel mehr: ein ganzes Leben, viele Erfahrungen, Geschichten und Persönlichkeit.“
- „Wir spielen zum Beispiel auch zusammen Scrabble. Allerdings nach unseren eigenen Regeln. Nicht so kompliziert, wie es eigentlich gedacht ist – wir spielen einfach drauflos. Und das sogar dreisprachig.“
- „Die Familien lassen uns teilhaben – und berichten immer wieder, dass ihnen durch die Besuche der Freiwilligen geholfen wird.“
- „Genau das macht diese Arbeit so schön: zu merken, dass wir wirklich etwas im Leben der Menschen bewirken können.“
Weitere Informationen zum genauen Veranstaltungsort, zu den Uhrzeiten und zur Anmeldung unter Telefon 0221/97623773 oder per E-Mail an tandem@diakonie-koeln.de.
Text: APK
Foto(s): APK
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