Landessynode beginnt heute in Bonn: Finanzstrategie macht die rheinische Kirche handlungsfähig für die Zukunft

Die Landessynode, das oberste Leitungsgremium der gut zwei Millionen Mitglieder zählenden Evangelischen Kirche im Rheinland, tagt vom heutigen Freitag, 16. Januar, bis Dienstag, 20. Januar, in Bonn.

Torsten Krall, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Köln-Dünnwald und Superintendent des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, sagt: „Ich erhoffe mir und wünsche mir, dass die kontroverse Frage, wo und wie am besten Kosten reduziert werden, synodal fair und transparent diskutiert werden kann. Mir liegt dabei als Superintendent in Köln besonders die ESG am Herzen. Außerdem wünsche und hoffe ich, dass wir weiter kommen, in unserer Kirche mehr Freiheit zur Gestaltung zu ermöglichen.“

Die Landessynode wurde mit einem Gottesdienst in der Bonner Kreuzkirche eröffnet. Die dreigeteilte Predigt richtete einen hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft der Kirche – wohlwissend um die Schwierigkeiten und Hürden. Die Predigt während des Gottesdienstes teilten sich drei nebenamtliche Kirchenleitungsmitglieder der rheinischen Kirche: Pfarrerin Annette Vetter, Sammy Wintersohl und Prof. Dr. Lorenz Narku Laing.

Wie kann es Kirche gelingen, ihre neuen Wege zu gestalten? Und was braucht es, um Menschen abzuholen? Diese Punkte griff Sammy Wintersohl, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, in seiner Predigt auf. „Neulich wurde mir die Frage gestellt: Was ist eigentlich unsere Kernbotschaft als Kirche?“, berichtete er von einem persönlichen Erlebnis. Das sei eine einfache, wenn auch unbequeme Frage aus dem Marketingbereich. „Denn sie zwingt uns, uns auf das zu konzentrieren, was uns wirklich trägt und ausmacht.“ Die Kirche werde kleiner, müsse sparen. „Aus diesem Grund werden wir uns als Synode damit beschäftigen, wie wir uns für die Zukunft aufstellen müssen. Das ist schmerzvoll und bringt uns an unsere Grenzen.“ Auch die Jünger*innen von Jesus hätten sich in einem solchen Grenzbereich befunden: Jesus war tot und das Grab leer. Die Welt war aus den Fugen geraten. „In diesen Moment hinein spricht Jesus sein Vermächtnis, seinen Auftrag – den Taufbefehl: ,Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.‘“ Diese Sätze hätten Kraft, „denn aus dieser kleinen Schar von damals ist eine große Schar geworden und wir sind heute immer noch Teil davon“. Hier liege der Auftrag und vielleicht auch der Markenkern der Kirche. Der Taufbefehl verdeutliche zudem: „Gott geht mit uns. In diesen Change-Prozessen gibt er uns Sicherheit und befähigt uns, neue Wege, Innovationen zu finden.“

Einsparungspläne bei der Landessynode

Im Februar 2025 hatte die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland beschlossen, im landeskirchlichen Haushalt bis 2030 strukturell mindestens 33 Millionen Euro einzusparen. Ein knappes Jahr später legt die Kirchenleitung der Landessynode eine Finanzstrategie zur Beratung und Beschlussfassung vor, die Maßnahmen mit einer Nettoeinsparsumme von 31,8 Millionen Euro umfasst. Das sind rund 20 Prozent des Kirchensteueraufkommens für den Haushalt. Darüber hinaus besteht Potenzial für weitere Einsparungen und Mehreinnahmen durch Prüfaufträge und die Einführung freiwilliger Elternbeiträge in den Schulen.

Insgesamt haben die Maßnahmenvorschläge in der Beschlussvorlage zwar einen Umfang von 35,2 Millionen Euro. Einige Maßnahmen erfordern aber wiederum direkte Investitionen in Höhe von 3,4 Millionen Euro. So ergibt sich die Nettoeinsparsumme. Sie umfasst neben dem strukturellen Haushaltsdefizit auch einen Risikopuffer sowie ein Budget für künftige, noch nicht festgelegte Innovationen. Die Vorlage war von mehr als 60 Personen in einem breit angelegten Prozess erarbeitet und in den synodalen Ausschüssen eingehend beraten worden. Diese Beratungen werden auf der Landessynode in Bonn fortgesetzt, bevor dort voraussichtlich am Montag, 19. Januar, in öffentlicher Plenarsitzung entschieden wird.

Auch als kleinere Kirche weiter für andere da sein

Notwendig wurde der Finanzprozess wegen sinkender Einnahmen und steigender Kosten. So hat die rheinische Kirche im vergangenen Jahr rund 68.500 Mitglieder verloren, etwa je zur Hälfte durch Demografie und Austritte. Ziel ist es, vorausschauend zu handeln, bevor finanzielle Engpässe entstehen. Die kirchliche Arbeit soll unabhängiger von der Kirchensteuer werden. Die Evangelische Kirche im Rheinland will so auch als kleinere Kirche mit weniger Ressourcen weiter für andere da sein. Die Leitkriterien der Finanzstrategie für die Kirche der Zukunft sind zusammengefasst: unmittelbar an der Sache Christi orientiert; nahe bei den Menschen; flexibel in den Formen; effizient im Einsatz der verbleibenden Ressourcen. Darauf basiert das ausgewogene Paket von mehr als 60 Maßnahmenvorschlägen, die sich alle nur auf den landeskirchlichen Haushalt beziehen. Ein Überblick über die wichtigsten Bereiche:

Evangelische Studierendengemeinden (ESGn) und Wohnheime

Die Evangelische Kirche im Rheinland ist Trägerin von ESGn an insgesamt neun Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Den Kirchenkreisen mit ESG-Standort wird angeboten, die ESGn zu Gemeinden junger Erwachsene in eigener Trägerschaft weiterzuentwickeln, in denen die Studierendenarbeit mitenthalten ist und weitere junge Menschen angesprochen werden. Ziel ist es, neue Räume für Beteiligung, Gemeinschaft und zeitgemäße Formen von Kirche zu eröffnen. Die Verantwortung vor Ort liegt dann bei den Kirchenkreisen, die Landeskirche unterstützt die Arbeit anteilig finanziell. Es sollen zusätzliche Drittmittel akquiriert werden. Der Betrieb der Wohnheime (sechs Wohnheime mit insgesamt 381 Plätzen) soll aufgegeben werden. Dabei wird geprüft, ob die Wohnheime vorrangig auf kirchliche Träger, Studierendenwerke oder andere geeignete Träger übertragen werden können, die den Betrieb und/oder die Gebäude übernehmen. Für Studierende und Uni-Angehörige wird es weiterhin hochschulorientierte Angebote geben.

Evangelische Schulen in landeskirchlicher Trägerschaft

Die Evangelische Kirche im Rheinland trägt zehn evangelische Schulen mit besonderem kirchlichen Bildungsauftrag. Aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen wird vorgeschlagen, die Finanzierung in substanziellem Umfang auf kontinuierliche, freiwillige Elternbeiträge umzustellen. Ziel ist es, die langfristige Stabilität und Handlungsfähigkeit der Schulen zu sichern und ihre Finanzierung nachhaltig und zukunftsfest aufzustellen. Gleichzeitig gilt auch weiterhin: Niemand wird ausgeschlossen, weil Familien keinen Beitrag leisten können. Die Umsetzung ist ab dem Schuljahr 2027/28 geplant. Zugleich sind Investitionen zur Stärkung des evangelischen Profils sowie in die Gebäude vorgesehen.

Haus der Stille in Rengsdorf

Für das Haus der Stille hat die Kirchenleitung den Vorschlag des Beirats aufgenommen, einer Konzeptgruppe für die Entwicklung eines Finanzplans Zeit bis 2028 zu geben. Ziel ist, dass die Immobilie ab 2029 unabhängig von Kirchensteuermitteln weiterbetrieben werden kann. Die Landeskirche stellt weiterhin Finanzmittel für Personal in der geistlichen Begleitung zur Verfügung.

Vereinte Evangelische Mission (VEM)

Der Zuschuss zur VEM mit ihren 39 Mitgliedern (15 Kirchen in Afrika, 17 in Asien, sechs in Deutschland und die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel) soll um 20 Prozent reduziert werden. Die Reduzierung erfolgt in Schritten von jährlich zwei Prozentpunkten bis 2036. Gemeinsame Projekte zum Aufbau regionaler ökologischer Landwirtschaft, zur Traumaheilung oder zum Schutz von Frauen vor Gewalt sollen dadurch nicht gefährdet werden. Die Kürzungen werden für die Landeskirche nur zur Hälfte wirksam, da mehr Geld an den Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED) fließen soll. Auf der Vollversammlung der VEM im September 2025 in Daressalam wurde bereits darüber gesprochen, wie alle Mitglieder in gemeinsamer Verantwortung mit der sich verändernden finanziellen Situation in den deutschen Kirchen umgehen können.

Härtefonds und Arbeitslosenfonds

Landeskirchliche Zuschüsse sollen zeitlich gestaffelt abgesenkt werden. Dazu zählen der landeskirchliche Härtefonds und der Arbeitslosenfonds. Hier hat sich die Landeskirche in der Vergangenheit engagiert, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen. Im Blick auf den Härtefonds soll für diesen Zweck eine landeskirchliche Kollekte in den Kollektenplan aufgenommen werden. Für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen stehen staatliche Programme und Förderinstrumente zur Verfügung. Daher wird vorgeschlagen, den Arbeitslosenfonds aufzugeben.

Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Der Maßnahmenvorschlag sieht Verhandlungen über eine schrittweise Reduzierung des Generalzuschusses an das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe vor. Verhandlungsziel ist eine Reduzierung des Zuschusses aus Kirchensteuermitteln im Umfang von 20 Prozent bis 2030. Für die Folgejahre ist eine kontinuierliche Anpassung an die Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen vorgesehen. Bei der Reduzierung des Zuschusses geht es um organisatorische und finanzielle Synergien durch vertiefte Zusammenarbeit und die Vermeidung von Doppelstrukturen. Das verlangt eine gemeinsame strategische Klärung der Aufgabenverteilung von Kirche und Diakonie.

Verwaltungskosten

Neben zahlreichen Kürzungen in der Verwaltung wird ein Prüfauftrag vorgeschlagen, um Aufgaben und Strukturen des Landeskirchenamts zu vereinfachen und zu reduzieren. Das beinhaltet eine umfassende Aufgabenkritik und Synergien durch Kooperationen mit anderen Landeskirchen.

Landessynode 2026

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist das oberste Leitungsgremium der mit gut zwei Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Die 80. Landessynode hat 184 stimmberechtigte Mitglieder (sowohl Theologinnen und Theologen als auch Nichttheologinnen und -theologen) aus den 34 Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland. Sie tagt vom 16. bis 20. Januar 2026 im Maritim Hotel Bonn.

Hier mehr über die Landessynode 2025 lesen:

Den Eröffnungsgottesdienst finden Sie hier:

Text: Ekkehard Rüger/ekir.de
Foto(s): APK/Archiv

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