Susanne Beuth als ACK-Vorsitzende verabschiedet – Jubiläumsabend würdigte Frauen in der Ökumene
„Dies ist wahrscheinlich die letzte Verabschiedung aus einem deiner zahlreichen Ehrenämter“, wandte sich Dr. Martin Bock an Susanne Beuth. Die ehemalige Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte war seit 2019 die erste weibliche Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln und wurde an einem Abend im Haus der Evangelischen Kirche aus dem Amt verabschiedet. Der Abend stand im Zeichen eines Jubiläums. Vor ziemlich genau 100 Jahren – 1925 – trafen sich in Stockholm 600 Delegierte aus 37 Ländern zur ersten „Weltkonferenz für Praktisches Christentum“, die als Meilenstein für die ökumenische Bewegung gilt. Unter den Delegierten waren 70 Frauen, deren Namen eher unbekannt sind. Pfarrerin Ursula Thomé hat sich auf Spurensuche gemacht und stellte ihren Vortrag unter das Motto „Wer Frauen sucht, wird sie finden“. Martin Bock wies scherzhaft darauf hin, dass es dabei nicht um eine Partnerschaftsvermittlung handele.
Almuth Voss stellte die Referentin vor. „Wir kennen uns bereits seit dem Studium.“ Thomé war bis zu ihrem Ruhestand lange Jahre Ansprechpartnerin für Ökumene in sieben Kirchenkreisen im westlichen Ruhrgebiet. Internationale Begegnungen seien ihr immer sehr wichtig gewesen, sagte Voss. Leider habe das Konzil von Nicäa, das vor 1700 Jahren stattgefunden habe, im vergangenen Jahr die „Weltkonferenz für Praktisches Christentum“ sozusagen aus den Schlagzeilen verdrängt, so Voss.
70 Frauen unter 600 Delegierten
Ursula Thomé erinnerte daran, dass es 1925 in der damaligen Weimarer Republik eine kurze stabile Phase der Demokratie gegeben habe. In jenen Jahren habe eine weltweit agierende solidarische Frauenbewegung das Wahlrecht für Frauen erstritten. Viele Frauen, die an dem Kongress in Stockholm teilnahmen, hätten sich aus dem Wahlrechtsengagement gekannt. Ursula Thomé wies auf das große Engagement des Stockholmer Bischofs Nathan Söderblom für das Zustandekommen der Konferenz in Stockholm hin. „Er war international sehr gut vernetzt.“ Nicht zuletzt habe die Frage „Schaffen wir das Reich Gottes, oder bezeugen wir es nur?“ eine große Rolle gespielt. Weitere Themen waren Frieden, die soziale Frage, Kinderarbeit, die oft desolate Wohnsituation von Familien und Alkoholismus. Aus Deutschland nahmen fünf Frauen teil. Bekannte Teilnehmerinnen waren Elsa Brundström und Selma Lagerlöf. Sechs der 600 Delegierten kamen aus Ländern außerhalb von Europa.
Das Frauenbankett als Demonstration
Wichtig sei das Frauenbankett gewesen, berichtete Thomé. Daran hätten die weiblichen Delegierten teilgenommen, Frauen von männlichen Delegierten und deren Töchter. Gastgeberin sei Anna Söderblom gewesen, Gattin des schon erwähnten Bischofs. „Das Bankett war eine Demonstration des öffentlichen schwedischen Frauenlebens“, sagte Thomé. Eine der deutschen Delegiertinnen war Dr. Carola Barth, die 1907 in Jena promoviert worden war. Barth leitete ab 1921 das städtische Lyzeum in Köln-Mülheim, wurde aber 1934 von den Nazis aus dem Schuldienst entfernt. Sie hat in vielen kirchlichen Gremien gearbeitet und sich für die Völkerverständigung stark gemacht.
Lucy Gardner – „Herzensfrau“ der Referentin
Prägend für die Konferenz war Lucy Gardner. Die englische Quäkerin und Friedensaktivistin sei ihre „Herzensfrau“, bekannte Thomé. Die Ökumenikerin, Krankenschwester und Lehrerin habe bei der Stockholmer Konferenz über die Redezeit gewacht und sei dabei durchaus resolut gewesen. 100 Jahre nach der Konferenz hat es wieder ein ökumenisches Treffen in der schwedischen Hauptstadt gegeben. Ursula Thomé war dabei. Wieder standen Themen wie Krieg und Frieden, soziale Ungerechtigkeiten und Gleichberechtigung von Frauen auf der Tagesordnung. „Diesmal waren deutlich mehr Frauen dabei als vor 100 Jahren“, erzählte Thomé. Auch der Rechtsruck in vielen europäischen Ländern und der wachsende Nationalismus wurden besprochen. Vernetzung sei für die Ökumene sehr wichtig, sagte Thomé. Stockholm habe allen gutgetan: „Man braucht solche Höhepunkte für die Ökumene wie diese Festwoche. Und Kirchentage.“
Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann
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