Unheilige Allianz: Arnd Henze über Trumps religiöse Basis und seine Gefahr für uns alle

Ohne die christlichen Nationalisten wäre Donald Trump nicht ins Weiße Haus gewählt worden. Doch was hält diese unheilige Allianz seit nunmehr zehn Jahren zusammen? Gemeinsame Inhalte sind es kaum – der Präsident kennt nur sich selbst als Inhalt. Das Verbindende ist die Sehnsucht nach Rache: an der liberalen Gesellschaft und am demokratischen Rechtsstaat, die ihren Allmachtsphantasien immer wieder Grenzen gesetzt haben.

Der Journalist und Publizist Arnd Henze beobachtet die religiöse Rechte in den USA und ihre internationalen Netzwerke seit Jahren. Seine Warnung ist unmissverständlich: Das Gift des christlichen Nationalismus bedroht die Demokratie nicht nur in Amerika – es geht uns alle an. Wir haben mit ihm über die Brisanz des Themas gesprochen.

Was erwartet die Besucher bei der Buchvorstellung am 10. März in Köln?

Arnd Henze: Wenn wir die Bilder aus Minneapolis sehen, dann erleben wir mit, wie eine Demokratie am Kipppunkt steht. Wir sehen eine Regierung, die mit ihren vermummten Paramilitärs alle roten Linien des Rechtsstaats überschritten hat. Und wir sehen eine Zivilgesellschaft, die sich bei eisigen Temperaturen für den Zusammenhalt und Frieden einsetzt – mit einem beispiellosen Einsatz auch von Glaubensgemeinschaften. Aber auf der anderen Seite wird das brutale Vorgehen von ICE von christlichen Nationalisten gerechtfertigt und angefeuert. Wir erleben also in Echtzeit, wie Religion einerseits zum Brandbeschleuniger entfesselter Machtausübung wird – und das Engagement von Christen, Juden und Muslimen ein wichtiger Teil bei der Verteidigung der Demokratie ist. Ich wünschte, diese Frage meines Buches wäre nicht so dringlich geworden.

Welche Perspektiven bringen die internationalen Gäste ein?

Arnd Henze: Mit Karen Georgia Thompson habe ich schon auf dem Kirchentag in Hannover über das Thema sprechen können. Damals spürte man bereits die Sorge über das, was sich seitdem nicht nur in Minneapolis, sondern auch in vielen anderen Städten entwickelt hat. Wir werden von ihr ein authentisches Bild einer Kirche im Widerstand bekommen. Philip Gorski ist einer der führenden Religionssoziologen der USA und wird den wissenschaftlichen Blick auf den christlichen Nationalismus beitragen.

Sie argumentieren, dass christlicher Nationalismus auch uns in Deutschland angeht. Welche Warnsignale sollten wir erkennen?

Arnd Henze: Auch in einigen Nachbarländern gibt es eine unheilige Allianz aus Religion und Macht – etwa in Ungarn und Polen. Und in Russland ist es die russisch-orthodoxe Kirche. Da gibt es längst transatlantische Netzwerke, die auch auf Europa einwirken. Die Trump-Regierung inszeniert sich als Schutzmacht einer angeblich bedrohten Meinungs- und Religionsfreiheit und meint damit extrem rechte Gruppierungen, aber auch den Kampf gegen Gesetze, die Hass und Hetze im Internet verbieten. Das bedeutet eine Herausforderung für Kirchen, die menschenfeindlichen Positionen keinen Raum auf der Kanzel geben dürfen.

Was können wir von den amerikanischen Erfahrungen lernen?

Arnd Henze: Der transatlantische Austausch war noch nie so notwendig wie heute. Ich erfahre täglich, wie wichtig es für die Menschen in Minneapolis ist, dass wir sie wahrnehmen. Wir sollten unsere noch relativ komfortable Situation als Chance nutzen, von der Zivilgesellschaft in den USA zu lernen: klare Sprache, neue Aktionsformen, kluge Nutzung des digitalen Raums. In den USA steht die Demokratie am Kipppunkt – da gibt es längst keine Komfortzone mehr. Wir sollten uns auch bei uns darauf vorbereiten, dass Wegducken keine Option mehr ist.

Am Vorabend der offiziellen Veröffentlichung seines neuen Buches stellt Henze seine brisante Analyse erstmals der Öffentlichkeit vor. Zu dieser Premiere, zu Buchvorstellung und Gespräch mit anschließendem Empfang, laden wir herzlich ein:

„Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“ Buchvorstellung und Gespräch mit internationalen Gästen

„Welche Rolle spielt christlicher Nationalismus für die Demokratie – nicht nur in den USA, sondern weltweit?“ – Dieser Frage geht der Journalist und Publizist Arnd Henze am Dienstag, 10. März, 19.30 bis 21 Uhr, im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, nach. Anlass ist die Vorstellung seines neuen Buches „Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“, das am 11. März im Gütersloher Verlagshaus erscheint. In der Kooperationsveranstaltung von AmerikaHaus Nordrhein-Westfalen, Melanchthon-Akademie, Evangelischer Akademie im Rheinland und Karl Rahner Akademie analysiert Arnd Henze den wachsenden politischen Einfluss christlich-nationalistischer Bewegungen, ihre Strategien und Netzwerke sowie die Gefahren, die von ihnen für demokratische Gesellschaften ausgehen. Im anschließenden Gespräch diskutiert der Autor mit Philip Gorski, Yale University, Thomas Rachel, Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie Karen Georgia Thompson, Präsidentin der United Church of Christ und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt; der Hauptteil wird auf Deutsch gestaltet, das Gespräch mit den Gästen aus den USA auf Englisch, mit einer inhaltlichen Zusammenfassung der englischen Beiträge auf Deutsch. Im Anschluss klingt der Abend bei einem Empfang aus. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung unter Telefon 0221/9318030 oder per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.
http://www.melanchthon-akademie.de

Text: APK
Foto(s): Annika Graeff/Cover vom Gütersloher Verlagshaus zur Verfügung gestellt

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