Eine Spitzendecke aus Metall – Brühls evangelische Gemeinde plant ungewöhnliches Gemeindehaus

Architekt Ulrich Königs erläutert die Raumaufteilung des Neubaus.

Jemand hat eine weiße Spitzendecke über das doppelstöckige Gebäude gelegt. So sieht der Entwurf ein wenig aus. Eine mit Ornamenten versehene Metallverkleidung ummantelt den oberen und den rechten Bereich. Darunter glänzt die breite Fensterfront im Erdgeschoss. Ein riesiges doppelstöckiges Erkerfenster ragt daneben hervor und verleiht dem Bau Profil. Die Architekten Königs stellten den ungewöhnlichen Entwurf bei einem Informationsabend in der Christuskirche vor – für das neue Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde an der Mayersweg 5–7 in Brühl. Viele Interessierte waren gekommen, darunter der Bürgermeister Marc Prokop und der technische Beigeordnete der Stadt Brühl, Ralf Ritter.

Das Ornament der Fassade hätten die Architekten aus der Lutherrose und dem Kreuzornament über der Tür des alten Gemeindehauses weiterentwickelt, erklärte er. In der Abstraktion und der Wiederholung habe sich dann wie bei einer Tapete ein Muster entwickelt, das ein charakteristisches Bild abgäbe und Identität stifte. Die halb perforierte Metallfassade diene gleichzeitig als Sonnenschutz, der auch die energetische Stabilisierung des Gebäudes gewährleiste. „Wir wollen einen Holzbau errichten“, betonte der Architekt. Er weise eine günstige CO2-Bilanz auf. Zudem wolle man mit einer Wärmepumpe arbeiten und Solarenergie möglich machen. Zwei Drittel des Daches würden als Gründach genutzt. Darüber würden sich nicht nur Bienen und Insekten freuen, sondern es diene auch als Regenpufferspeicher.

Raumaufteilung: Offen, barrierefrei und gemeinschaftsorientiert

Der geplante Neubau mit Vorplatz. (Credit: Königs Architekten)

Das Erdgeschoss soll eine breite Glasfront mit bodentiefen Fenstern erhalten. Dahinter befindet sich ein langgestrecktes Foyer, das zu einer auf der linken Gebäudeseite gelegenen Bibliothek führt. In dem rechten Bereich hinter dem Foyer sollen Büros, ein Pfarrgemeindebüro und ein Doppelbüro liegen. Dort wird es auch ein barrierefreies WC geben. Eine Treppe und ein Aufzug werden in der Mitte ins Obergeschoss führen. Auf der rechten Erdgeschossseite wird es zunächst eine große Küche geben. Ganz rechts gelangt man dann durch eine Flügeltür in den großen Gemeindesaal, mit direktem Zugang zur Küche und zum Foyer. Der Saal soll Platz für etwa 100 Stühle bieten. Zudem erhält er Schrankelemente, die in die Wand integriert sind. Vom Gemeindesaal können die Gäste auch direkt in den Garten oder auf den Vorplatz hinaustreten.

Der Veranstaltungssaal des Neubaus. (Credit: Königs Architekten)

Auf dem Weg zum Obergeschoss können Besucherinnen und Besucher vom Mittelpodest der Treppe durch ein großes Fenster in der Rückwand auf das Max-Ernst-Museum blicken und gelangen dann auf eine offene Galerie. Im Obergeschoss sind zudem ein großer Sitzungsraum, eine größere WC-Anlage, ein Kreativraum mit einem Lager für Gruppen und Workshops und ein zusätzliches Büro vorgesehen, darunter ein kleineres für Einzelgespräche. Der große Vorplatz wird eine wassergebundene Oberfläche erhalten, für verschiedene Nutzungen – wie beispielsweise Flohmärkte – zur Verfügung stehen und mit einigen Bäumen bepflanzt sein.

„Wir haben darum gekämpft, das Gebäude zu erhalten. Es ist nicht möglich.“

Viele Besucher und Besucherinnen melden sich zu Wort. Pfarrerin Sandra Nehring reicht das Mikrophon herum.

Manche Besucherinnen und Besucher fremdelten allerdings mit der modernen Gestalt des Hauses, einen Steinwurf vom Brühler Schloss und dem Max-Ernst-Museum entfernt. Sie stellten die Frage, ob das alte Gemeindehaus denn wirklich abgerissen werden müsse. Pfarrerin Sandra Nehring konnte das klar beantworten: „Wir wollten nicht neu bauen“, sagte sie. „Wir wollten das vorhandene Gebäude sanieren.“ Doch es sei zu schadhaft. Der gesamte Keller sei verschimmelt. Das Wasser stehe bis zum Erdgeschoss in den Wänden. Die alten Tonrohre seien gebrochen, ein Stück Decke bereits vom Gemeindebüro heruntergefallen. Das Obergeschoss sei bis unter das Dach vom Wurm befallen. Das Gebäude ließe sich auch nicht barrierefrei umbauen. „Wir haben dann zumindest die Fassade erhalten wollen“, schildert Nehring, „aber festgestellt, dass Wasser so stark in sie eingedrungen ist, dass sie zerbröckeln würde. Wir haben darum gekämpft, das Gebäude zu erhalten. Es ist nicht möglich.“

Der technische Beigeordnete der Stadt Brühl, Ralf Ritter, ergänzte: „Man kann nach einem Abriss natürlich am historischen Beispiel orientiert wieder aufbauen. Aber das macht die Dinge nicht unbedingt besser“, betonte er. Und die Gemeinde müsse ein gewisses Programm an Räumen unterbringen. Der Bau müsse zudem bezahlbar sein.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch/ Königs Architekten.

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