Mit Herz, Verstand und bewegenden Geschichten: der Frauentag des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch

Eine bunte „Babuschka“, eine Jesusfigur, ein Holz-Kästchen, ein Bergkristall, Muscheln und ein roter Spielzeugbus. Viele Dinge liegen in der Stuhlkreis-Mitte zur Auswahl, um die Teilnehmerinnen des Workshops mit dem Titel „Herzensanliegen“ zu inspirieren. Sie sollen sich einen Gegenstand nehmen, als Symbol für das, was ihr Herz bewegt, und darüber berichten. Der Workshop gehört zum Programm des sechsten Frauentags des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch im evangelischen Gemeindezentrum Markuskirche in Porz-Eil mit dem Titel „Mit Herz und Verstand.“ Eine Frau findet nichts Passendes für ihr Thema, wohl aber die Worte: „Ende 1944 war ich sechs Wochen alt, als meine Mutter auf der Flucht war. Alle sagten ihr, ich würde sowieso sterben. Da lagen ja schon so viele Kinder tot unter dem Schnee.“ Mutter und Tochter überlebten den Horrortrip, doch der Schrecken sitzt der Erzählerin noch immer im Nacken. Beim Workshop möchte sie ihn sich von der Seele reden. Dort haben die Teilnehmerinnen Raum, um mitzuteilen, was sie bewegt, es in Worte zu fassen und die eigenen Werte, Ideale, Sehnsüchte zu kommunizieren. Nicht jede hat sofort ein Thema parat. Daher hat die Workshop- und Studienleiterin der Melanchthon-Akademie, Antje Rinecker, unterschiedliche Gegenstände als Inspirationsquellen und Aufhänger mitgebracht. Eine Teilnehmerin greift zu dem Spielzeugbus. Er sei ein Symbol für das Reisen, was ihr so viel bedeute, erzählt sie, beispielsweise nach Israel, was ihr eine enge Verbindung zum Judentum ermöglicht und ihren Glauben gestärkt habe. Der Bergkristall wechselt im Kreis sogar die Besitzerin. Für eine Frau ist er ein Symbol für den Naturschutz, der ihr sehr am Herzen liegt, für die andere symbolisiert er ihr eigenes steiniges Leben, das aber doch glitzert, besonders seit einiger Zeit, seitdem ihre Gemeinde darin eine Rolle spielt. Im geschützten Raum der Markuskirche zeigen sich die Frauen authentisch und verletzlich, hören zu und nehmen Anteil.
Acht Workshops für Körper, Geist und Seele
Das Gesprächsformat ist nur einer von insgesamt acht zum Motto des Frauentags passenden Workshops, von denen die Teilnehmerinnen jeweils zwei aussuchen: So können die Frauen mit Manuele Lamp eine „Herzensbox“ basteln, mit Kantorin Joanna Lenk singen, mit Sonia Fontana tanzen oder sich von den Expertinnen Margaretha Bernards und Ulrike Bernhardt unter dem Titel „Herzgesundheit“ über Herz-Kreislauf-Krankheiten aufklären lassen. Auch ein Minipilgerweg mit dem Titel „Herzensorte“ gehört zum Angebot. Ein gemeinsames Mittagsmahl bietet die Möglichkeit zum lockeren Austausch, ein anschließendes Konzert sorgt für Entspannung.
Lydia als Vorbild für Herz und Verstand
Durch den Tag begleitete die Frauen der biblische Text aus der Apostelgeschichte über die Purpurwollhändlerin Lydia. Gisela Sam vom Orgateam erläutert in einem Impulsvortrag zur Eröffnung des Frauentages den Grund: Lydia sei eine Geschäftsfrau gewesen, sagt sie, eine unabhängige, vermögende Hausherrin. Als der Apostel Paulus sie bekehrte, habe sie ihr Herz für Gott geöffnet und als erste Person auf europäischem Boden die Botschaft des Christentums angenommen. „Sie ist also ein Vorbild für das Einsetzen von Herz und Verstand“, findet Sam.
Vernetzung und Ermutigung für Frauen im Kirchenkreis

Ute Verch, Frauenreferentin im Kirchenkreis Köln rechtsrheinisch, erläutert, warum der Frauentag alle zwei Jahre stattfindet: „Es geht darum, Frauen im Kirchenkreis zu vernetzen und zu ermutigen, mit stärkenden Inhalten für ihr Selbstbewusstsein“, betont sie. Sie könnten an diesem Tag Dinge ausprobieren, für die sonst im Alltag kein Raum sei, den Blick über den Tellerrand werfen. Im Programm sei für jede Frau etwas dabei, unabhängig vom Bildungsgrad, von der Herkunft oder dem Interesse. Auch Almuth Voss, Pfarrerin im Ruhestand und Mitglied im Vorbereitungsteam, findet es wichtig, den Frauen einen Tag lang Raum zu geben, einfach sein zu können. Sie hält aber theoretisch durchaus auch einen „Männertag“ für sinnvoll: „Die Fragen der Identität werden ja immer komplexer“, sagt Voss. „Männer brauchen auch einmal eine Ermutigung, beispielsweise im Themenbereich Gewalt und Gewaltprävention.“ Das sei ein heftiges Thema für Frauen und Mädchen, aber eben auch ein Männerthema. An diesem Tag geht es nun aber um die Bedürfnisse der Frauen. Und so ist auch die Synodalbeauftragte für Frauenarbeit Ulrike Plath gekommen, um bei den Anwesenden nachzuhören, was die Frauen im Kirchenkreis benötigen, nicht nur heute, sondern auch in Zukunft.
Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch
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