2,5 Jahre Segensbüro Hätzjeföhl: Überraschungen, Begegnungen und neue Wege der Kirche

Seit zweieinhalb Jahren bringt das Segensbüro Hätzjeföhl Menschen, Glauben und Kirche auf neue Weise zusammen. Mit kreativen Segensangeboten, ungewöhnlichen Orten und berührenden Begegnungen erreicht das Team Menschen weit über die klassischen kirchlichen Räume hinaus. Im Interview blicken Pfarrerin Inga Waschke und Pfarrer Sebastian Baer-Henney vom Segensbüro auf bewegende Momente, überraschende Erfahrungen und ihre Wünsche für die Zukunft:

Hätzjeföhl bringt Kirche an ungewöhnliche Orte und zu besonderen Lebensmomenten. Welche Veranstaltungen und Begegnungen sind Ihnen besonders im Kopf geblieben?

Sebastian Baer-Henney: Da denke ich, haben im Team alle ihre eigene Antwort drauf, weil wir uns die Dinge nach unseren Gaben aufteilen. Für mich persönlich sind die kleinen Rituale abseits der Massen bewegend: Der Segen einer Person nach einer langen Krankheit, das Ritual eines Menschen vor der geschlechtsangleichenden Operation, die Segnung eines Kindes mit Schulangst. Ich finde es aber auch bewegend, zu sehen, wie in den Gemeinden Dinge umgesetzt werden, für die wir angefragt wurden: Ein Tauffest in Bergisch-Gladbach, das Scheidungsritual, das zeitgleich an vielen Orten in Köln stattgefunden hat, der Sommersegen im Glas. All das sind Dinge, die Menschen ansprechen, die nicht so stark im kirchlichen Kerngeschäft vorkommen – zu sehen, dass das gelingt, erfüllt mich sehr.

Inga Waschke: Ja, das ist wirklich sehr vielfältig. Eigentlich ist jede Begegnung und jeder Segensmoment besonders berührend. Segen ist immer wieder eine neue Erfahrung, obwohl wir ja schon so oft gesegnet haben. Am meisten berührt mich, wenn unsere Segensrituale andere Menschen berühren. Wenn sie lächeln, eine Träne kullert, tief ausgeatmet wird vor Erleichterung. Wenn sie sich selbst einbringen. Wie bei einer Segnung auf einer Abschiedsparty, weil zwei Menschen aus Köln wegzogen. Jede*r hat was Eigenes beigetragen, ohne dass wir uns großartig abgestimmt haben und am Ende war es ein wundervolles Ritual.

Nach 2,5 Jahren Segensbüro: Was hat Sie selbst überrascht – über Menschen, Glauben oder Kirche?

Sebastian Baer-Henney: Mich überrascht immer wieder, wie religiös die Menschen sind. Wieviele Menschen haben ein Bedürfnis nach Segen? Wieviele Menschen sind auf der Suche nach Gutem? Andersherum aber auch: Wie viele Menschen sehen in der klassischen Kirchlichkeit kein Gegenüber für diese Anliegen? Ich denke, dass wir Brücken bauen zwischen der Welt der Menschen „da draußen“ und der Kirche – und es ist ein wunderbares Gefühl, wenn die Menschen hinterher zurückmelden, dass sie durch das Segensbüro ein Stück versöhnt mit der Kirche sind.

Inga Waschke: Dass viele Menschen eine „freie Trauung“ wollen, die am Ende ziemlich klassisch ist. Nur der Ort ist frei – auf einer Wiese, am Strand, in einer Location. Das hat mich echt überrascht. Kirche hat mich in den 2,5 Jahren überrascht, dass sie uns als Segensbüro viel Vertrauen entgegenbringt. Dass wir als „Segensprofis“ kontaktiert werden, nach 2,5 Jahren. Das überrascht mich positiv und gibt ordentlich Rückenwind.

Wenn Hätzjeföhl ein Gefühl wäre: Wie würde sich die erste Halbzeit von Hätzjeföhl anfühlen?

Sebastian Baer-Henney: Es ist ein Sprint, bei dem ich nach der Hälfte der Zeit merke, dass ich noch eine Schippe drauflegen möchte. Es ist intensiv und anstrengend und gleichzeitig schüttet es Botenstoffe aus, die mir mitteilen, dass ich am richtigen Ort arbeite: tiefe Erfüllung, aufregende Begegnungen, spannende Anfragen, an denen ich selber wachse. Immer wieder die eigene Komfortzone verlassen. Es ist ein tolles Rennen, und ich hoffe sehr, dass es nach dem Fünfjahres-Sprint für das Büro auf die Langstrecke gehen darf.

Inga Waschke: Langstrecke ist eine tolle Perspektive! Für mich fühlt es sich wie eine Achterbahnfahrt an: Am Anfang brauchte es ein bisschen Geduld, bis es lief und dann lief es, aber holla die Waldfee! Höhen, Tiefen, Kurven, Arme hoch und jubeln, manchmal langsamer und manchmal rasant und hoffentlich bleibt das Popcorn drin. Schnell und spaßig würde ich die erste Halbzeit beschreiben, auch wenn das jetzt kein richtiges Gefühl ist.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Sebastian Baer-Henney: Dass es weitergeht. Dass wir den Gemeinden weiter unter die Arme greifen dürfen, wo sie es erbitten. Dass das Büro weiter kreativ sein und schöne Dinge machen darf. Und dass das Büro das Seine dazu beiträgt, dass sich diese Kirche öffnet und noch anschlussfähiger wird. Und als Gemeindepfarrer gesprochen: Dass ich für meine Arbeit vor Ort Inspiration bekomme und Dinge umsetzen darf, die ich vielleicht vor drei Jahren so noch nicht hätte kommen sehen.

Inga Waschke: Mehr Segen für die Welt! Segen tut gut, schafft Erleichterung, Achtsamkeit, Loslassen, Vertrauen, Liebe, stärkt Hoffnung. Segen schafft Beziehung. Unter uns und mit Gott. Das ist ein großes Geschenk und das wünsche ich mir für jeden Menschen, der sich danach sehnt. Darum muss es auch unbedingt mit Hätzjeföhl weitergehen!

Die nächste Aktion des Segensbüros ist die Pop-up-Hochzeit. Paare, die ihre Beziehung segnen lassen möchten, sind am Samstag, 11. Juli, ab 10 Uhr an der Volberger Kirche, Volberg 1, in Rösrath willkommen. Mehr Infos:

Text: APK
Foto(s): Haetzjeföhl

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