Altenberger Fernsehgottesdienst berührt an Weihnachten mit Musik, Ökumene und Esel
Es liegt ein Gemurmel in der Luft, in dem ein bisschen Aufregung mitschwingt. Ob das daher rührt, dass es der Tag vor Heiligabend ist, oder ob es doch die großen und kleinen Fernsehkameras in allen Winkeln und das große Technikpult im Hintergrund sind – wer kann das vor dem heutigen Gottesdienst sagen? Vor 50 Jahren wurde schon einmal im Altenberger Dom ein Gottesdienst zum Fernsehereignis. Damals holten die Kameras den Pfingstgottesdienst in die Wohnzimmer, nun ist es eine Christvesper.
Kameras, Technik – und ein bisschen Aufregung
Ein Team von rund 60 Mitarbeitenden des WDR ist vor Ort, um den ökumenischen Gottesdienst, der unter dem Motto „Gott träumt uns“ steht, aufzuzeichnen. Geleitet wird der Gottesdienst von Pfarrerin Claudia Posche und dem katholischen Pfarrer Thomas Taxacher. Dass der Gottesdienst ökumenisch gehalten wird, war beiden wichtig. Claudia Posche betont: „Wir wollen zeigen, wie gut es gemeinsam geht.“ Und Thomas Taxacher ist überzeugt: „Menschen, die beide Konfessionen in ihren Familien haben, freuen sich, wenn sie zusammen den Gottesdienst erleben können.“
Ein Gottesdienst, der verbindet
Schon früh sind alle Plätze besetzt, wer keine Sitzmöglichkeit mehr findet, wird höflich nach hinten gebeten, denn die Kameras brauchen freie Bahn in Seiten- und Mittelgang. Hinten im blau-golden ausgeleuchteten Dom recken dann alle ein bisschen die Hälse, um gut sehen zu können. Zu schön und stimmungsvoll sieht der Altarraum mit den Bäumen voller Lichter und dem kleinen Plüschesel unter dem Christbaum aus. Der Esel wird übrigens noch eine Rolle spielen, doch davon später.
„Gott träumt uns“ – ökumenisch und gemeinsam
Landespfarrerin Petra Schulze ist Rundfunkbeauftragte des WDR. Sie macht ein kurzes „Warm up“ zu Beginn der Aufzeichnung. Denn so vertraut das alles hier wirkt, ein bisschen anders ist es eben auch. Sie bittet die Besucherinnen und Besucher, die sich vorab anmelden mussten, nicht direkt in die Kameras zu schauen. Ein kleiner Junge wird das im Verlauf der Dreiviertelstunde doch tun, an Heiligabend bei der Ausstrahlung lässt seine offenkundige Freude und Faszination lächeln. Auch sollen die Blicke interessiert sein und der Gesang gut zu hören. „Playback gilt heute nicht“, betont Schulze vor dem kurzen Einsingen mit der Gemeinde. Im Anschluss an den Gottesdienst ist sie begeistert: „Das hat heute alles richtig schön lebendig gewirkt. So hatten wir uns das gewünscht. Aber schon die Probe gestern war ein großer Genuss.“ Sie erzählt außerdem davon, dass Katja Naseband von der Tierwerkstatt Altenberg mit Esel Flip in das Projekt eingebunden war. „Esel Flip ist in kleinen Einspielern zu sehen.“ Denn, wie gesagt, die freundlichen grauen Tiere sind Teil dieses Gottesdienstes.
Ein Esel mit Geschichte
Rund 500.000 Menschen werden den Gottesdienst an ihren Fernsehern verfolgen. Da er ein Jahr lang in der ARD-Mediathek zur Verfügung steht, wird diese Zahl in den kommenden Monaten voraussichtlich noch deutlich höher. Sie werden den Gesang der Domkantorei unter der Leitung von Minga Chrystal Seo erleben und ein strahlendes „Jauchzet, frohlocket“ aus dem Bachschen Weihnachtsoratorium genießen. Sie hören Ella Balzer, Ida Hopstein und Mila Praski von der Elberfelder Mädchenkurrende ein zartes „Tochter Zion“ singen und die großen Klänge der Trompete von Thibaud Robinne sowie der Orgel, die Jens-Peter Enk und Rolf Müller spielen. Alles wurde vorher genau geprobt, die Predigt mit der Stoppuhr geübt, jeder Blick, jeder Satz, jede Bewegung soll passen.
Musik, Predigt und feierliche Stimmung

Und nun kommt auch endlich der Esel ins Spiel, denn er begleitet durch den Gottesdienst. Immerhin gehört zur langen Geschichte des Domes ein solches Grautier. Ein Esel traf nämlich laut Legende die Wahl des Standortes von Kloster und Kirche, die die Zisterzienser schließlich im 12. Jahrhundert im Dhünntal bauten. Pfarrerin Claudia Posche erinnert in der Christvesper daran. Und ein Esel wird auch in der Lesung zitiert. Elke Pich, Sängerin der Domkantorei, lässt den Esel davon erzählen, wie er vorsichtig die hochschwangere Maria trug. Wie er später die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, um den Mordabsichten König Herodes zu entkommen, begleitete.
Ein vertrauter Ort in neuem Licht
Schließlich galt es, den späteren Friedensfürsten zu beschützen, damit Gottes Traum von Versöhnung wahr werden könne. In den Fürbitten wird dieser Gedanke aufgegriffen, auch Pfarrer Thomas Taxacher spricht vom Traum von Frieden. Und schließlich geht dieser Gottesdienst mit dem Segen und „Oh du fröhliche“ zu Ende. Die Besuchenden, um einen stimmungsvollen Gottesdienst und eine spannende Erfahrung reicher, spenden Beifall, das WDR-Team räumt allmählich zusammen. Ganz vertraut ist das alles – und doch ein bisschen anders.
Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl
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