„Aufarbeitung braucht Haltung, Struktur und Mut“: Fachtag „Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kirchengemeinden“ findet im September statt
Sexualisierte Gewalt in kirchlichen Kontexten hinterlässt tiefe Spuren – bei Betroffenen, in Gemeinden und in der Institution Kirche. Viele Kirchengemeinden stehen vor der Aufgabe, Altfälle verantwortungsvoll aufzuarbeiten und dabei sensibel, rechtssicher und transparent zu handeln. Der Fachtag am 10. September 2026 bietet Pfarrpersonen sowie Mitgliedern der Presbyterien von 15.30 bis 19 Uhr im Evangelischen Jugendreferat einen fundierten und praxisorientierten Rahmen, um diesen herausfordernden Prozess professionell zu gestalten.
Im Mittelpunkt steht die konkrete Umsetzung von Aufarbeitungsprozessen vor Ort:
- Wie gelingt ein respektvoller und unterstützender Umgang mit Betroffenen?
- Welche arbeitsrechtlichen Aspekte sind unbedingt zu beachten?
- Wie kommuniziert die Gemeinde verantwortungsvoll nach innen und außen – insbesondere gegenüber Presse und Öffentlichkeit?
- Welche Rollen und Zuständigkeiten haben Interventionsteams in diesem sensiblen Kontext?
- Und wie lassen sich gruppendynamische Prozesse im Presbyterium konstruktiv steuern, damit der Aufarbeitungsprozess nicht ins Stocken gerät?
Für dieses Interview sprechen wir mit Jugendreferentin Siggi Schneider und Pfarrer Stefan Jansen-Haß. Seit vier Jahren bilden sie gemeinsam das Vertrauensteam des Kirchenkreises Köln linksrheinisch und sind sowohl mit aktuellen Verdachtsfällen als auch mit der Aufarbeitung zurückliegender Ereignisse aus den Gemeinden intensiv befasst.
Warum ist ein Fachtag zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kirchengemeinden derzeit so wichtig?
Sexualisierte Gewalt in kirchlichen Kontexten hat tiefe Verletzungen hinterlassen – bei Betroffenen, in Gemeinden und in der Kirche als Institution. Viele Kirchengemeinden stehen aktuell vor der Aufgabe, sich mit Altfällen auseinanderzusetzen. Das ist emotional belastend, rechtlich komplex und organisatorisch herausfordernd. Der Fachtag möchte Verantwortliche darin stärken, diesen Prozess sensibel, transparent und professionell zu gestalten.
An wen richtet sich der Fachtag besonders?
Der Fachtag richtet sich ausdrücklich an Pfarrpersonen sowie an Mitglieder der Presbyterien. Sie tragen in den Gemeinden Verantwortung für Entscheidungen, Kommunikation und Prozesse. Ziel ist es, ihnen praxisnahe Orientierung und Handlungssicherheit für die konkrete Aufarbeitung vor Ort zu geben.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Tages?
Im Mittelpunkt steht die konkrete Umsetzung von Aufarbeitungsprozessen in Kirchengemeinden. Es geht um den respektvollen und unterstützenden Umgang mit Betroffenen, um arbeitsrechtliche Fragestellungen sowie um eine verantwortungsvolle interne und externe Kommunikation – insbesondere auch im Umgang mit Presse und Öffentlichkeit. Außerdem werden die Rollen und Zuständigkeiten von Interventionsteams thematisiert.
Ein weiterer Punkt sind gruppendynamische Prozesse in Presbyterien. Warum ist das relevant?
Aufarbeitung findet nie im luftleeren Raum statt. Unterschiedliche Perspektiven, Unsicherheiten oder auch Konflikte im Presbyterium können Prozesse verlangsamen oder blockieren. Der Fachtag nimmt diese Dynamiken bewusst in den Blick und zeigt Wege auf, wie sie konstruktiv gestaltet werden können, damit Aufarbeitung gelingen kann.
Was sollen die Teilnehmenden aus dem Fachtag mitnehmen?
Die Teilnehmenden sollen mehr Sicherheit im Umgang mit einem sehr sensiblen Thema gewinnen. Neben fachlichem Wissen geht es um Haltung, Verantwortung und Klarheit in den eigenen Rollen. Ziel ist es, Kirchengemeinden handlungsfähig zu machen – im Sinne der Betroffenen und für eine glaubwürdige, transparente kirchliche Praxis.
Warum lohnt es sich, als Gemeinde an diesem Fachtag teilzunehmen?
Weil Aufarbeitung kein Randthema ist, sondern eine zentrale Aufgabe kirchlicher Verantwortung. Der Fachtag bietet Raum für Information, Austausch und Orientierung. Er unterstützt Gemeinden dabei, schwierige Prozesse nicht allein bewältigen zu müssen, sondern gut vorbereitet und professionell anzugehen.
Mehr Informationen und Anmeldung:
Text: APK/Jugendreferat
Foto(s): Jugendreferat
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