„Dein Weg geht weiter“ – Pfarrer Eckhart Altemüller in den Ruhestand verabschiedet
Rund zwei Jahre gehörte Eckhart Altemüller dem Pfarrteam der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg an. Im Tersteegenhaus im Stadtteil Sülz wurde der 66-jährige gebürtige Braunschweiger nun in einem besonderen Abendmahlsgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Die Entpflichtung nahm Pfarrerin Miriam Haseleu vor. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch.
Leitmotiv des Gottesdienstes: „…vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Der Presbyteriumsvorsitzende Pfarrer Ivo Masanek wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass Altemüller selbst sich nicht nur für das Gottesdienst-Leitmotiv „…vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ aus Psalm 103 entschieden habe. Er war auch verantwortlich für die Auswahl der zahlreichen musikalischen Beiträge und deren Ausführenden. Neben der Johanneskantorei unter Leitung von Eva-Maria Förster und Zvetanka Spruck an der Orgel wirkten langjährige Musikerfreunde des aktiven Streich- und Zupfinstrumentalisten und musikbegeisterten Pfarrers mit: Bernhard Zapp, Reinhold Müller, Eckart Wüster sowie Pastor Jan Albert Roetman aus Lille. In der nordfranzösischen Stadt bekleidete Altemüller von 2008 bis 2015 ein Pfarramt innerhalb der Reformierten Kirche von Frankreich. Dort begegnete er erstmals auch seiner späteren zweiten Gattin.
„Schön, dass du auf einen positiven Weg mit Dankbarkeit zurückschaust“, bezog sich Wylka Blütefisch auf das Leitmotiv. „Du hast auch unserer Gemeinde sehr viel Gutes getan“, dankte die stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende. Sie hieß neben den vielen Gemeindegliedern Angehörige Altemüllers, zahlreiche seiner Freunde, Kollegen und Weggefährten aus allen Himmelsrichtungen willkommen – auch in französischer Sprache. Nach dem Gottesdienst und vor dem Empfang im Foyer richteten noch im Kirchsaal etliche Menschen aus nah und fern sehr persönliche Gruß- und Dankesworte an den scheidenden Pfarrer.
Intensive Predigt

Am Beginn seiner Predigt reagierte Altemüller auf das zuvor in zwei Lesungen Gehörte. „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, blickte er auf Paulus´ Römerbrief (8,14-17). „Was mir am Heiligen Geist immer so gefallen hat: Er ist die Gleichstellungsbeauftragte des Christentums. Ohne Ausnahme – da ist nicht eine oder einer, der von diesem Geist nicht angepustet wird.“ Kinder erbten, so Altemüller. „Und Erben sind eines Tages Erwachsene, freie Menschen, die verantwortlich handeln sollten und nicht wie Knechte auf die Befehle ihrer Vorgesetzten warten.“ Diese Erbschaft bezeichnete der Pfarrer gleichzeitig als schwierig und schön, denn sie beinhalte Leiden und Herrlichkeit.
Im 1. Buch Mose (28,10-18) verlasse Jakob sein Elternhaus. Sein Name klinge ein bisschen wie Jacke, meinte Altemüller. Im Hebräischen handele es sich um ein Wortspiel mit „akav“, erläuterte er. „Das heißt betrügen, Jakob ist ein Betrüger, der sich auf den Weg gemacht hat“ und die Härte der Flucht spüre. Im Traum erscheine ihm eine in den Himmel führende Leiter, auf der Boten Gottes „rauf und runter gehen“. Dazu tröste ihn die Stimme eines barmherzigen Gottes: „Du bist nicht allein. In dir und deinen Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde gesegnet.“ Auf einmal merkten wir, dass wir, wie beim Heiligen Geist, auch mitgemeint seien und als Jakobs Nachfahrende „mit ins Spiel kommen“, sagte Altemüller.
Ermutigungsgeschichte aus dem Lukasevangelium

Ausführlich und immer wieder begeisternd die Bedeutung von Namen und Begriffen erhellend, widmete Altemüller sich schließlich dem Predigttext aus dem Lukasevangelium (19,1-10) für diesen Sonntag – die Begegnung Jesu mit Zachäus, einem reichen Oberen der Zöllner. Riesig gefreut habe sich der vom Volk als Sünder abgestempelte Zachäus, dass Jesus bei ihm habe wohnen wollen. Auf dessen Hinweis habe der Zöllner angeboten, die Hälfte seines Besitzes den Armen zu geben, und möglicherweise begangene Unterschlagungen vierfach zu ersetzen. „In diese Situation hinein sagt Jesus: Diesem Haus ist Heil widerfahren, hier kennt sich einer in der Bibel aus.“ Aber weil Zachäus auch Fehler mache, könnten wir uns vielleicht in ihm ganz gut wiedererkennen.“ Laut Altemüller verdeutlicht diese biblische Ermutigungsgeschichte auch das: „Es gibt nicht nur etwas auf der Erde, sondern noch eine höhere Dimension.“
„Es gibt eben noch die Bibel“, verwies Altemüller auf DEN Maßstab. Man könne vieles sagen und tun. „Aber eins muss aus dir werden. Du musst erwachsen werden. So oder so“, stellte der Pfarrer fest. Sicher sei, dass es immer weitergehe. „Und dann zu wissen, wie Jakob oder Paulus oder Zachäus, dass man sich nicht zu fürchten braucht, dass es Lösungsmöglichkeiten gibt, das ist dann doch eine feine und wichtige Sache“, formulierte Altemüller. Die Weisung der Bibel stelle Regeln des Zusammenlebens für uns Menschen auf und ermutige uns immer wieder neu. In der Tageslosung heiße es deshalb: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Altemüllers Leben „auf der Grundmelodie des Gotteslobes“
In ihrer der offiziellen Entpflichtung vorausgehenden Ansprache sprach Haseleu von einem ganzen Leben und Wirken Altemüllers „auf der Grundmelodie des Gotteslobes“: Sie erinnerte etwa an seine vielfältige Tätigkeit als Pfarrer in mehreren Landeskirchen und an unterschiedlichen Orten – in den Hochalpen und an der Ostsee, im französischen Lille und an der Mecklenburgischen Seenplatte. Als junger Pfarrer in der pommerschen Diaspora habe er sich nicht nur durch die Bibel „durchgepredigt“. Zudem habe er lange als theologischer Beauftragter am Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft in Greifswald angehende Kirchenmusizierende in den theologischen Grundlagen unterrichtet.
Durch all die genannten Stationen ziehe sich Altemüllers ökumenisches und interreligiöses Nachdenken und Engagieren, hielt Haseleu fest. „So viele Stationen, so viele Begegnungen.“ In der Klettenberger Gemeinde habe er nach eigener Aussage ganz besonders die Kollegialität schätzen gelernt, so Haseleu. Sie ergänzte: „Du hast sie auch ganz besonders gelebt.“ In den beiden Jahren als Pfarrer in Köln habe er nicht nur seelsorgerische Aufgaben übernommen, Kolleginnen und Kollegen entlastet, sondern auch die Zukunftsarbeit vor Ort unterstützt.
„Dein Weg geht weiter“, ermutigte Haseleu. Neue Türen würden für ihn aufgehen, neue Stationen folgen. „Reisen nach Frankreich. Predigen an Urlaubsorten, Biografiearbeiten mit den Briefen deiner väterlichen Familie: Geschichten, die noch von dir erzählt werden wollen. Musik, Singen, Konzerte, der Garten – Kraftquellen, die bleiben“, stellte Haseleu fest.
„Lieber Eckhart, heute ist die Gelegenheit, dir zu danken für all das, was du in der Zeit deines segensreichen Berufslebens gegeben und geknüpft hast, was du in den letzten zwei Jahren als Pfarrer in der Gemeinde Köln-Klettenberg, im Kirchenkreis Köln-Mitte und Köln-Linksrheinisch bewegt hast“, sprach sie ihrem Kollegen ganz persönlich und „sehr, sehr gerne auch im Namen der ganzen Evangelischen Kirche im Rheinland“ Dank aus.
Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich
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