Die Liebe ist der Resonanzraum – ein Ukulele-Abend, der Kirche neu klingen lässt

Im Altarraum spielten Wenzel mit seiner Ukulele und Band, bestehend aus Barbara Bannasch am E-Bass, Geigerin Susanne Susanne Schubert und Cajónspieler Paul Geiter.

Amen und Aloha begleiten den Gottesdienst in der Melanchthon-Kirche in Zollstock. Und das beißt sich nicht, im Gegenteil, wie die Besucher und Besucherinnen von Prädikant Achim Wenzel erfuhren: Denn auch die hawaiianische Grußformel vermittelt eine spirituelle Botschaft. „Sie setzt sich zusammen aus ‚Alo‘ für Gegenwart und ‚Ha‘ für Atem“, erläutert Wenzel. Das bedeute so etwas wie „Ich teile mit dir den göttlichen Atem“. Es versinnbildliche das Bewusstsein, dass alle Menschen durch denselben Geist verwandt sind. Heute sind die meisten mit einer Ukulele unter dem Arm zum abendlichen Gottesdienst erschienen und haben am Eingang einen hawaiianischen Blütenkranz um den Hals gelegt bekommen. Auch der „Lei“ genannte Kranz ist mehr als ein folkloristischer Schmuck. Er sei ein Symbol für Liebe, Freundschaft und Respekt, erklärt Wenzel.

Bekränzt und mit Instrument in der Hand – ein Gottesdienst wie kein anderer

Die Besucherinnen und Besucher spielten und sangen gemeinsam beim Ukulele-Mitmach-Gottesdienst.

Bekränzt und mit Instrumenten in der Hand stimmen alle zusammen das erste Lied an: „Gut, wieder hier zu sein.“ Viele sind allerdings das erste Mal zu Gast in der Melanchthon-Kirche, bei einem neuen Gottesdienst-Format, dem „Ukulele-Mitmach-Gottesdienst“. Ein Ukulele-Stammtisch aus Bonn und Menschen aus ganz NRW sind mit von der Partie. Ungewöhnlich muntere Musik erklingt so in der Kirche im Zusammenspiel der vielen Saiteninstrumente mit der Band im Altarraum, bestehend aus Ukulele, E-Bass, Geige und Cajón. Wenzel, selbst auch Ukulele-Lehrer, hat eine Erklärung dafür: „Die obere Saite des Instruments ist eine hohe G-Saite. Daher der spritzige, hawaiianische Klang.“ Die Idee für den ungewöhnlichen Gottesdienst stammt von ihm. Immerhin ein Drittel der Gemeinde habe sich einen Abendtermin gewünscht, schildert Wenzel.

Die Ukulele als Gleichnis – über Spannung, Stimmung und die Liebe als Resonanzraum

Zudem: die Musik und das Leben ähneln sich. Das verdeutlicht der Prädikant in seiner Predigt: „Damit die Ukulele klingt, brauchen die Saiten eine gewisse Spannung“, sagt er. Damit sie schön klingt, müsse man sie sehr genau stimmen. „Wir Menschen brauchen Aufgaben und Ziele. Und manchmal brauchen wir auch Heilung, Erholung, damit wir uns wieder aufnehmen können, nicht ausfallen.“ Doch das Allerwichtigste sei die Liebe. Sie sei wie der Korpus der Ukulele. Ohne den Hohlraum gäbe es keinen schönen, warmen Klang. Die Liebe sei der Resonanzraum des Lebens. „Sie ist die Kraft, die uns mit Gott und den Menschen neben uns verbindet“, sagt Wenzel. Ohne sie seien Aufgaben einfach nur Stress und Ziele einfach nur Lärm. Doch es bleibe nicht immer alles gut. Ukulelen würden verstimmen, von ganz allein. Das Lied klinge plötzlich schief. Die Harmonie sei weg. Und wenn das anderen auffalle, kämen Sätze wie: „Kopf hoch. Morgen ist auch noch ein Tag. Es könnte schlimmer sein.“ Das sei so, als ob man bei einer völlig verstimmten Ukulele einfach wild an den Wirbeln drehen würde, nur damit die Saiten wieder stramm sind, ohne hinzuhören. „Der Klang wird dann noch schlimmer“, weiß der Prädikant. Denn die Sätze seien kein Trost, sondern ein Vertrösten, ein Weggucken.

Prädikant Achim Wenzel hielt ein Predigt mit musikalischem Bezug.

„Ich bleibe hier bei dir sitzen“ – echte Trost braucht Zeit und Nähe

„Ein echtes Trösten, das sieht anders aus“, betont Wenzel. Es brauche Zeit, jemanden, der sagt: „Ich sehe und höre, dass ein Riemen gerade schief liegt, und ich bleibe hier bei dir sitzen, bis wir den ersten schönen Ton wiederfinden.“ Jesus sei so ein Mensch gewesen, der nicht von oben herab kluge Sprüche geklopft hätte. Er habe gewusst, wie sich Ablehnung anfühlt, habe Stille und Angst gekannt und ein Versprechen gegeben, ein Beziehungsversprechen: „Seid gewiss, ich bin immer bei euch, jeden Tag bis zum Ende der Welt.“ In der Musik gebe es laut und leise. „Ein Lied, das nur laut ist, das schreit uns irgendwann nur noch an“, so Wenzel. Die wahre Tiefe entstehe oft in den leisen Passagen, wenn die Töne zart sind, die Melodie brüchig wird. „Unsere schweren Tage sind keine Fehler in unserer Biografie“, betont Wenzel. „Sie sind die tiefen Resonanzräume, die unser Leben erst klangvoll machen.“ Nach der besonderen Predigt für die Musikfreunde, viel beschwingtem Gesang und Ukulele-Spiel gibt es dann auch noch eine Botschaft mit auf den Heimweg: „Seid füreinander da. Haltet mit aus. Das ist Aloha.“

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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