„Die Wahrheit wird euch frei machen“ – Regionalisierung, Schutzkonzept und Queere Kirche: Nachrichten von der Kreissynode des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch

Gottesdienst mit queerem Predigtimpuls

Pfarrer Tim Lahr.
Pfarrer Tim Lahr.

Die tiefe Freundschaft zwischen David und Jonatan, von der im ersten Buch Samuel erzählt wird, war das Predigtthema des Deutzer Pfarrers Tim Lahr beim Eröffnungsgottesdienst mit Abendmahl der Kreissynode des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch. „Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen“, zitierte Tim Lahr den Text. „Queere Menschen hat es immer gegeben. Heute benutzen wir andere Worte als in alten Zeiten. Waren David und Jonatan ein Liebespaar? Wir wissen es nicht.“ Queer zu sein, habe sehr lange bedeutet, das verbergen zu müssen. Jesus Christus habe gesagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Und für die Wahrheit müsse sich niemand schämen. Vom Gottesdienst in der Evangelischen Kirche Refrath gingen die Synodalen im Anschluss ins Bürgerzentrum Steinbreche.

Grußworte und Hoffnungsperspektiven

Superintendentin Kerstin Herrenbrück und Superintendent Torsten Krall begrüßten die 87 anwesenden Synodalen und die vielen Gäste. Dr. Volker Haarmann, Leiter des Dezernats Theologie im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland, begleitet den Kirchenkreis im Auftrag der Landeskirche und erinnerte in seinem Grußwort an die Tageslosung: „Denn der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land.“ Wenn Enttäuschungen zum Dauerzustand würden, verlören viele die Hoffnung auf Besserung. „Unsere Stärke ist die Vision von Gottes Erneuerung unserer Welt.“

Markus Zimmermann, Vorsitzender des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch, war ebenfalls gekommen und sprach ein Grußwort. Er hat als Kind mehrere Jahre im Rechtsrheinischen in der Stegerwaldsiedlung gelebt. Zimmermann verwies auf die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Kirchenkreisen in Köln und Umgebung. „Wir sind verbunden durch den Kirchenverband, durch die Queere Kirche, durch das Schutzkonzept und durch noch so viele Themen mehr.“

Von katholischer Seite waren aus Köln vom Katholikenausschuss Elisabeth Grumfeld und aus dem Rheinisch Bergischen Kreis Julia Sabine Linke gekommen und brachten ökumenische Grüße mit.

Rufbereitschaft in der Krankenhausseelsorge

Krankenhausseelsorger und Pfarrer Volkher Preis warb für die Rufbereitschaft in der Krankenhausseelsorge, mit der die evangelische Kirche in Köln und der Region ein Alleinstellungsmerkmal besitze. „Wir sind 24/7 das ganze Jahr für die Patienten da. Können Sie sich vorstellen, so eine sinnstiftende Arbeit zu leisten?“, sprach er die Pfarrpersonen auf der Synode direkt an. Aber auch entsprechend ausgebildete Ehrenamtliche seien willkommen. Eine fundierte Ausbildung werde garantiert, neue Mitwirkende seien für den Dienst herzlich willkommen.

Regionalisierung: Fortschritte und Spannungen

Superintendent Torsten Krall und Superintendentin Kerstin Herrenbrück.
Superintendent Torsten Krall und Superintendentin Kerstin Herrenbrück.

Eines der Hauptthemen der Synode war der Prozess der Regionalisierung im Kirchenkreis. Dieser schreitet in vier Regionen voran und hat das Ziel, über Gemeindegrenzen hinweg evangelisches Leben im Kirchenkreis zu denken und zu gestalten und damit größere, zukunftsfähige Strukturen zu schaffen. Es gebe aber Probleme mit der Geschwindigkeit, räumten einige Gemeindevertreter*innen ein. Der einen Gruppe dauere der Prozess zu lange, den anderen gehe es nicht schnell genug. Manche Gemeinden denken über Fusionen nach und haben bereits gemeinsame Ausschüsse und Arbeitskreise gebildet. Gemeinsame Sitzungen der Presbyterien wurden anberaumt. Es gibt aber auch Gemeinden, die Kooperationen noch eher reserviert gegenüberstehen. Unter Leitung von Andrea Rwanschad, die gemeinsam mit Christian Rommer extern die Prozessteuerung begleitet, diskutierten die Synodalen in Dreiergruppen über ihre Erfahrungen im Prozess der Regionalisierung. Der Fokus lag hierbei auf den bestehenden und gewünschten Entscheidungswegen.  Abschließend bot Superintendentin Kerstin Herrenbrück noch einmal allen Gemeinden bei Problemen Unterstützung durch den Kirchenkreis an.

Partnerschaft mit Brasilien neu belebt

Pfarrerin Janneke Botta und Jugendreferentin Vera Schraml sind in diesem Jahr mit zwölf Teilnehmenden nach Brasilien gereist. Der Kirchenkreis unterhält seit 38 Jahren eine Partnerschaft mit der Sinodo Noroeste Riograndense. Nach einer achtjährigen Besuchspause wurde durch diese Begegnung die Partnerschaft neu belebt. Superintendentin Kerstin Herrenbrück sprach Vera Schraml, Janneke Botta und den mitgereisten jungen Menschen, die zu diesem TOP zur Kreissynode gekommen waren, großen Dank dafür aus: Wie schön, dass ihr das gewagt habt – für euch und auch für uns!“  Die vier Vertreter*innen der deutschen Partnerschaftsgruppe teilten mit der Synode einige ihrer Eindrücke und Themen aus den 14 Tagen in Brasilien, wo sie sehr herzlich empfangen worden sind. Für 2028 ist der Besuch einer brasilianischen Gruppe in Köln geplant.

Schutzkonzept soll verbindlich umgesetzt werden

Interessiert nahm die Synode das neue Schutzkonzept gegen sexualisierte und andere Formen von Gewalt zur Kenntnis. Das Konzept wurde vom Kreissynodalvorstand Köln-Rechtsrheinisch, vom linksrheinischen Bevollmächtigtenausschuss sowie vom Vorstand des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region verabschiedet und geht nun zur Beschlussfassung in die Gemeinden. „In diesem Thema steckt eine große Dynamik. Wir bleiben Lernende und werden sicher immer wieder noch etwas nachbessern.“ betonte Superintendentin Kerstin Herrenbrück. So setzt der Arbeitskreis, der das neue Schutzkonzept unter Berücksichtigung aller neuer Vorgaben und Standards entwickelt hat, vor allem auf ein digitales Format, das den Gemeinden, das auf der Homepage des Kirchenkreises bereits abrufbar ist und den Gemeinden in den nächsten Wochen zugesandt wird. Mit Nachdruck betont Superintendentin Kerstin Herrenbrück die Wichtigkeit, dass sich jede Kirchengemeinde und Einrichtung ihrer Verantwortung bewusst ist, sich das Schutzkonzept mit großer Ernsthaftigkeit zu eigen zu machen.

Prävention war auch Thema von Pfarrerin Dr. Dorothea Ugi und Vikarin Rebekka Rüger bei ihrem „Wort aus dem Jungen Konvent“. Dieser besteht aus Pfarrpersonen unter 40 Jahren oder mit weniger als 15 Dienstjahren und trifft sich regelmäßig digital, um Themen zu besprechen, die dieser Altersgruppe wichtig sind. Derzeit wird unter anderem ein Papier erarbeitet, das sich mit dem Pfarrbild 2040 beschäftigt. Ugi und Rüger machten deutlich, wie wichtig den jungen Theolog*innen Prävention ist, und dass mit dem Schutzkonzept allein noch nichts erledigt sei: Entscheidend ist nun die Umsetzung in den Gemeinden. Mit Fragen, die jede*r Synodale für sich beantworten sollte, lenkten sie den Blick auf den Stand der Umsetzung vor Ort.

Kirchenasyl im Kirchenkreis nimmt Gestalt an

Superintendent Torsten Krall bedankte sich ausdrücklich bei den Gemeinden für ihre Unterstützung des Projektes Kirchenasyl im Kirchenkreis. Eine Etage in einem Haus in Buchforst wird derzeit für die Aufnahme von Geflüchteten hergerichtet. „Wir haben ausreichend finanzielle Mittel für die Aufnahme und arbeiten eng zusammen mit der Diakonie und dem Ökumenischen Netzwerk Asyl“, berichtete er. Es werde auch eine Stelle mit geringem Stundenumfang geschaffen. Diese Person soll die ehrenamtliche Arbeit koordinieren.

Solidarität mit der Queeren Kirche

Pfarrer Tim Lahr, der für die Queere Kirche in Köln verantwortlich zeichnet, berichtete von Anfeindungen gegen ihn und die queere Gemeinde. Insbesondere eine Gruppe radikaler Christ*innen habe schon mehrfach vor der Deutzer St. Johannes-Kirche und der Kartäuserkirche in der Kölner Südstadt demonstriert. Da die Demonstrationen angemeldet gewesen seien, hätten sie nicht untersagt werden können. In einem rechten Medium sei nach Angaben Lahrs seine Wohnadresse veröffentlicht worden; er wertete dies als Bedrohung. Für den nächsten queeren Gottesdienst hätten Anwohner*innen eine eigene Demonstration angemeldet, um ein Zeichen gegen rechte Einschüchterung zu setzen.

Pfarrerin Janneke Botta rief eindringlich zur Solidarität mit der Queeren Kirche auf. „Leidet ein Glied, leiden alle anderen Glieder mit. Was da in Deutz passiert, betrifft uns alle. Wenn wir uns damit abfinden, bedroht das die Freiheit unserer Kirche, die Freiheit, das Evangelium zu verkünden und die Freiheit, Gottesdienst zu feiern. Eines muss sicher sein: Wer bedroht wird, steht in dieser Kirche nicht allein.“ Mit langanhaltendem Applaus drückte die Synode ihre Solidarität mit der Queeren Kirche aus.

Wehrdienstberatung, Jahresabschluss und Personalien

Die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Dellbrück/Holweide hatte beantragt, eine Synodalbeauftragung für Wehrdienstberatung einzurichten. Auf Empfehlung des Kreissynodalvorstandes beschloss die Synode, darauf zu verzichten, weil gerade ein professionelles Beratungsangebot im Evangelischen Jugendreferat Köln und Region durch Jörn Ruchmann eingerichtet worden ist. Gleichzeitig betont sie mit ihrem Beschluss die Bedeutung einer entsprechenden Beratung für den kirchlichen Auftrag.

Einstimmig stellte die Kreissynode den Jahresabschluss des Kirchenkreises zum 31. Dezember 2025 mit einer Bilanzsumme von 6.823.978,87 Euro und einem positiven Bilanzergebnis von 236.624,55 Euro fest. Darin enthalten sind eine geplante Rücklagenentnahmen in Höhe von 71.317,51 Euro für Kosten der Gebäudebedarfsplanung, sodass ein Jahresüberschuss in der Ergebnisrechnung in Höhe von 165.307,04 Euro verbleibt. Das positive Bilanzergebnis soll der Ausgleichsrücklage zugeführt werden.

Superintendent Torsten Krall und die Synode gratulierten Superintendentin Kerstin Herrenbrück zu ihrem 25-jährigen Ordinationsjubiläum. Letztmalig an einer Synode des Kirchenkreises nahmen Pfarrerin Eva Manderla, Pfarrerin Claudia Posche, Pfarrer Christoph Breer teil. Tatjana Fornoff wurde als weiteres Mitglied in den Finanzausschuss berufen. Als zusätzliche Mitglieder wurden Bernd Franzen in den Nominierungsausschuss, Karl Elis in den Finanzausschuss und Uschi Erfurdt in den Kreisdiakonieausschuss berufen. Der Kirchenkreis hat zudem vier neue Mitarbeitende als Mitglieder: Mechthild Brand und Jens-Peter Enk aus dem Kreiskantorat, Manuel Ernst als Klimaschutzkoordinator und Meike Hermes aus dem Erprobungsraum Mütopia.

Ausblick

Die nächsten Kreissynoden des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch sind bereits terminiert: Die Herbstsynode findet am Samstag, 14. November 2026, im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, statt. Für das Jahr 2027 sind zwei Synoden vorgesehen: am Freitag, 11. Juni 2027, im Bürgerzentrum Steinbreche in Refrath sowie am Samstag, 13. November 2027, im Haus der Evangelischen Kirche.

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Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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