Doppelter Abschied in Haus Wiesengrund: Jürgen Lauff geht, das Haus wird privat weitergeführt

Einen Citroën 2CV hat Jürgen Lauff von seiner Familie geschenkt bekommen. Mit dem Schrauben an der Ente – das betont er lächelnd – wird er demnächst seine Freizeit füllen. 34 Jahre lang war der 63-jährige Berkenrother Herz und Seele von Haus Wiesengrund im oberbergischen Nümbrecht-Überdorf: zunächst 17 Jahre lang als Küchenleiter, dann ab 2009 als Leiter des gesamten Tagungsortes des Kirchenverbandes Köln und Region.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger und Jürgen Lauff blicken gemeinsam auf die Entwicklung von Haus Wiesengrund zurück. Für Jürgen Lauff ein emotionaler Moment. Foto: Matthias Pohl

Nun wurde er durch Stadtsuperintendent Bernhard Seiger im Zuge eines Sommerfestes im Kreis von Familie, Freunden und Gästen verabschiedet. Denn, so verriet Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, Jürgen Lauff habe sich eine „lockere Verabschiedung im Speisesaal und nicht in der Kapelle“ gewünscht. Umrahmt von Liedern, die der ehemalige Leiter sich gewünscht hatte, von Gesang der Solinger Künstlerin Giusi Romano und den Pianoklängen von Jannis Pasieka, wurde so der Abschied zu einer emotionalen, aber auch vergnügten Feier.

Ein Abschied mit Dankbarkeit

Jürgen Lauff nahm während seiner Verabschiedung viele gute Wünsche entgegen; bei der offiziellen Entpflichtung durch Stadtsuperintendent Bernhard Seiger flossen dann doch bei nicht wenigen Gästen Tränen. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger erinnerte an die Anfänge, als der gelernte Koch die Leitung übernahm. „Im Gespräch haben Sie erzählt, dass Sie zunächst Chaos vorgefunden haben und vieles ordnen mussten. Auch Anfängerfehler gab es“, blickte er zurück, während Jürgen Lauff nickend den eher holprigen Start bestätigte. Aus den Fehlern resultierten Lernprozesse; aus dem Chaos wurde ein Betrieb, der letztlich 5000 bis 6000 Übernachtungen pro Jahr zählte. Ausbildungen für Prädikanten, Tagungen, Klausuren von Kreissynodalvorständen und Küsterausbildungen brachten Leben in die Räume. Viele gute Bekanntschaften ergaben sich so im Laufe der Jahre, wie der ehemalige Leiter berichtet. Er betonte: „An erster Stelle stand immer der Mensch. Jeder sollte sich hier bei uns im Sinne der christlichen Gastlichkeit willkommen fühlen, denn jeder ist wertvoll.“ Ohne sein bestens funktionierendes und perfekt eingespieltes Team, ohne die Unterstützung seiner Familie sei das alles nicht zu machen gewesen, betonte er: „Auf diese Weise hat das hier wirklich Spaß gemacht. Ich bin gesegnet.“ Ehefrau Anke Lauff wird im Übrigen weiter in Haus Wiesengrund tätig sein und sich um den Belegungskalender kümmern.

Ein Mann für alle Fälle

Jürgen Lauff sprang überall ein, wo er gebraucht wurde. Er reparierte, wenn etwas zu reparieren war, holte stundenlang Kanister um Kanister Diesel von der Tankstelle, als im Winter mal das Heizöl ausgegangen war, und ging in konstruktive Kommunikation mit dem Kirchenverband, wenn Dinge zu klären waren. Und dabei strahlte er – nicht immer, aber fast immer, wie er lachend verrät – größte Gelassenheit aus. Auch das ökologische Profil beim Thema Ernährung geht auf seine Initiative zurück. Schon vor Jahren erhielt Haus Wiesengrund Preise und Auszeichnungen für nachhaltige und regionale Ernährung und ist lange Mitglied in der Solidarischen Landwirtschaft.

Jürgen Lauff und Johanna Schwalb, die künftige Inhaberin und Geschäftsführerin, vor Haus Wiesengrund. Foto: Matthias Pohl

Mit Blick auf seine vielen Aufgaben sagt der Nümbrechter: „Ich war immer gerne hier, nehme schöne Erinnerungen mit und verabschiede mich jetzt mit tiefer Dankbarkeit.“

Ein neuer Träger nach rund 74 Jahren

Es war ein doppelter Abschied, denn der Kölner Kirchenverband, der das Haus rund 74 Jahre betrieb, gibt es nun in private Hände weiter. Die Nümbrechterin Johanna Schwalb übernimmt das Haus ab Oktober als Inhaberin und Geschäftsführerin. Sie sagt, sie plane, das Gute, das Jürgen Lauff und sein Team aufgebaut haben, zu erhalten und mit einem großen Teil der Mitarbeitenden weiterzumachen: „Wir übernehmen hier ein sehr gutes Haus und wollen auch in Zukunft die gewohnte Willkommenskultur pflegen.“

Ab 1952 war das Haus zunächst als Gästehaus mit zwölf Betten in Trägerschaft des Gesamtverbandes der evangelischen Gemeinden in Köln, da ein Erholungsort für die Menschen aus der Domstadt in näherer Umgebung gewünscht worden war. Anfang der 1960er Jahre gab es die ersten Umbauten. 1964 wurde der Kirchenverband Köln und Region Träger des Hauses; ein Jahr später entstand die Kapelle. Anfang der 1990er Jahre wurde Haus Wiesengrund um die Tagungsräume erweitert und hatte zu diesem Zeitpunkt schon 42 Betten. Vor 15 Jahren gab es erste Diskussionen seitens des Kirchenverbandes, das Haus abzugeben. Damals entschied man sich dagegen. Inzwischen aber, so sagt Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, habe der Kirchenverband das Ziel, bis 2035 alle seine Gebäude klimaneutral zu gestalten. „Und das konnten wir hier einfach finanziell nicht leisten. Darum geben wir es nun schweren Herzens ab.“

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl

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