Ein Leben im Dienst der Suchenden – Pfarrer Roger Brandl von Superintendentin Kerstin Herrenbrück in einem bunten Openair-Gottesdienst nach 30 Jahren entpflichtet

Herzerwärmende, offene Zugewandtheit wird spürbar, als Roger Brandl die Gäste begrüßt, die zu seiner Entpflichtung gekommen sind. Er lächelt, schenkt Umarmungen und freundliche Worte, freut sich sichtlich, dass der Kreis, der ihn umgibt, so viele Menschen zählt. Nach rund 30 Jahren Dienst in der evangelischen Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll wurde der Pfarrer in einem bunten Festgottesdienst, mitten in der Sonne auf den Poller Wiesen, aus seinem Amt verabschiedet und von Superintendentin Kerstin Herrenbrück entpflichtet. Pfarrer Tim Lahr hatte die begrüßenden Worte gesprochen.
Abschied nach 30 Jahren: Ein Festgottesdienst auf den Poller Wiesen
Vor seiner Entpflichtung, für die er sich gewünscht hatte, im Kreis der Gottesdienstbesuchenden zu stehen, hatte der 66-Jährige eine Predigt gehalten, in der es um die Suche nach dem Glück ging, darum, dass auch die Theologie nicht das reine Glück zu schenken imstande ist, aber hilft, Wahrheiten zu finden. Doch es ging nicht nur um Glück. Roger Brandl sprach auch über einen Text des Mystikers Rumi – die Zeilen um den goldenen Schatz, der jedem Menschen innewohnt, hatte die Gemeinde zuvor gehört und gesungen – und von seiner Dankbarkeit, die Kirche als einen Ort der Suchenden erlebt zu haben. „Wir sind so unterschiedlich, manchmal schwierig und überfordert, auch ich nehme mich davon nicht aus, aber unsere Suche eint uns. Die Suche nach Gott und nach dem Moment, in dem wir einfach sein dürfen.“ Gemeinde sei ein Resonanzort für diese Suche, die Liebe Jesu und die Liebe Gottes dort spürbar. „Wenn ich Liebe nicht spüre, ist das auch schwierig mit dem Glauben. Doch wann fühle ich wirklich?“
Meditation als Glaubensanker – seit dem 19. Lebensjahr

Für Roger Brandl gibt es dazu eine besondere Antwort: In der Meditation. Mit 19 hat der Theologe angefangen, sich darin zu üben, bis heute begleitet das Meditieren ihn. Denn er sagt, so sei es möglich, Glaubenskrisen zu lösen, Meditation dekonstruiere vorgefasste Annahmen. In seiner Zeit als Pfarrer in Poll hat der Kölner im Rahmen der spirituellen Körperarbeit Yogakurse und Meditation etabliert – beides wurde gerne wahrgenommen, wie er berichtet. Die 30 Jahre in der Gemeinde, zunächst in Deutz, dann in Poll, beschrieb er mit den Worten des Benediktinermönchs und Zenmeisters Willigis Jäger: „Wir sind ein Tanzschritt der Ewigkeit.“ Ein poetisches Schlusswort, das zum Abendmahl, geleitet von Tim Lahr, und schließlich zur Entpflichtung überleitete. Pfarrerin Herrenbrück sagte, sie sei zwar nur ein kurzes Stück des Weges mit Roger Brandl gegangen, doch schon in dieser Zeit habe es sehr vertraute Gespräche gegeben. „Ich habe erlebt, dass Roger Brandl als Suchender unterwegs ist, der aber immer wieder auch Besonderes findet“, nahm sie den Inhalt der Predigt auf, bevor sie den Pfarrer segnete. Die Chöre St. Johannes und die Pollogne Singers hatten gemeinsam mit dem Bläserkreis und Kantor Daniel Konrad für den mitreißenden musikalischen Rahmen gesorgt, der Lesungstext kam von Prädikant Bernd Franzen. Celine Koch, engagiert in der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde, nahm im Gottesdienst das Bild aus dem Rumi-Lied auf – es gab in goldenes Papier gewickelte Bonbons für jeden. Symbol für den Goldschatz, den jeder Mensch in sich birgt, aber auch Möglichkeit, beim Schmecken der Süße kurz innezuhalten, um sich an die Begegnungen mit Roger Brandl zu erinnern.
Der Ruhestand ruft – und mit ihm neue Horizonte

Der Pfarrer selbst freut sich auf den Ruhestand, denn er plant unter anderem, in Köln noch einmal zu studieren. „Ich denke darüber nach, Persisch zu lernen und mich für Ostasienstudien einzuschreiben“, sagt er. Aufgewachsen in Buchheim, konvertierte er als junger Mann zum evangelischen Glauben, war beheimatet im CVJM Holweide. „Dort wurde ein sehr persönlicher Glaube gelebt.“ Theologie studierte er in Köln und Bonn, war Vikar in Klettenberg und schließlich in Essen-Freisenbruch im Hilfsdienst. „Ich bin in den Beruf hineingewachsen, habe viel Jugendarbeit gemacht“, blickt er zurück. 1996 trat er die Pfarrstelle in Deutz an. Er machte die Ausbildung zum Psychodrama-Leiter und bildete sich im Bereich der Supervision bei der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching fort. Roger Brandl ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl
Der Beitrag Ein Leben im Dienst der Suchenden – Pfarrer Roger Brandl von Superintendentin Kerstin Herrenbrück in einem bunten Openair-Gottesdienst nach 30 Jahren entpflichtet erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.


