Einführungsgottesdienst für Pfarrerin Gaby Masanek als Schulpfarrerin an der Erzbischöflichen Liebfrauenschule Köln
„Das war laut genug“, stellte Markus Zimmermann in der katholischen Kirche Christi Auferstehung in Köln-Lindenthal lächelnd fest. Damit reagierte der stellvertretende Stadtsuperintendent auf die deutliche Zusage – „Ja, mit Gottes Hilfe“ – von Pfarrerin Gaby Masanek. Mit ihrer Antwort bezeugte sie „vor Gott und dieser Gemeinde“ ihre Bereitschaft, unter anderem die ihr in ihrem Dienst als neue Schulpfarrerin an der Erzbischöflichen Liebfrauenschule (LFS) Köln anvertrauten Menschen zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern.
2018 wurde Masanek als Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Klettenberg verabschiedet. Anschließend arbeitete sie bis Januar 2026 als Religionslehrerin an der Freien Waldorfschule Köln. Seit Februar versieht sie ihren Dienst als Schulpfarrerin an der LFS in Köln-Lindenthal. Nun wurde sie von Zimmermann, dem stellvertretenden Stadtsuperintendent, in einem Schulgottesdienst offiziell in die 33. Pfarrstelle des Kirchenverbandes Köln und Region für den evangelischen Religionsunterricht an Höheren Schulen und Gesamtschulen eingeführt. Übertragen wurde ihr diese Stelle im Rahmen eines 50%-Dienstes.
Der von Schülerinnen und Schülern des 5. Jahrgangs inhaltlich vorbereitete und mit eigenen Text- und Musikbeiträgen wunderbar mitgestaltete Gottesdienst stand unter dem Motto „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Ps 31,9). Ebenso wirkten mit: Burkhard Hofer, katholischer Schulseelsorger am Gymnasium für Mädchen und Jungen, Pfarrer Thomas vom Scheidt als Vertretender des Schulreferates sowie Pfarrer Gerd Maeggi aus der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal.
Zimmermann an die Gemeinde: „Wir alle sind freie Menschen“

Geprägt war der Gottesdienst nicht nur vom intensiven Zuspruch für Masanek. Gleichzeitig wandte sich Zimmermann immer wieder mit Erläuterungen und Ermutigungen an die jüngeren Teilnehmenden. Unter anderem las er die 2. These der Theologischen Erklärung der Bekenntnissynode in Barmen 1934. Diese kläre, welchen Auftrag wir auch als Christinnen und Christen hätten. Sie sei heute noch wichtig, wenn wir Kolleginnen und Kollegen einführten. Denn sie bringe etwas ganz Tolles zum Ausdruck: „Wir alle sind freie Menschen. Das ist doch schon mal ein Grund zum Jubeln. Und wir haben eine Verantwortung. Nämlich die, dass auch andere Menschen frei leben können. Dass wir niemanden ablehnen. Dass wir wissen, alle sind Gottes geliebte Kinder.“
Mit „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ aus Psalm 31 hätten die Schülerinnen und Schüler für diesen Anlass ein wunderbares Bibelwort ausgesucht, würdigte Zimmermann in seiner Ansprache zur Einführung. „Sie stellen ihre Füße hier an der Liebfrauenschule auf weiten Raum“, wandte er sich ebenso an Masanek. „Wir beauftragen sie als Kirche, hier Religionsunterricht zu geben, Schulgottesdienste vorzubereiten und zu gestalten und als Schulseelsorgerin tätig zu sein für euch“, sagte Zimmermann. „Wenn euch etwas bedrückt, könnt ihr immer zu ihr gehen“, ermutigte er die Jüngeren. Der Verband und das Schulreferat seien dankbar, dass unser Religionsunterricht an einer Schule stattfinden könne, die noch viel Wert auf die Gegenwärtigkeit des christlichen Glaubens lege. „Und dass wir alle immer wieder erinnert werden, wo wir herkommen und was unser Auftrag ist.“
„Das Wichtige bei der Einführung ist, der Kollegin den Segen zuzusprechen“, erläuterte Zimmermann weiter. „Das heißt, zu wissen, du bist nicht allein, du bist gesegnet. Wir vertrauen als Kirche ihr diesen Dienst an.“ Der stellvertretende Stadtsuperintendent nannte Masanek eine sehr erfahrene Pfarrerin, die in ihrem Beruf alles kenne, was dazugehöre. Er sprach ihr auch die Kraft zu, die von Gott kommt. „Das ist etwas ganz Wunderbares. Von Herzen wünschen wir ihr, dass sie hier in ihrem Dienst einen weiten Raum eröffnet. Dass es ihr gelingt, mit ihrem Wissen, ihrem Humor, ihrer Freundlichkeit Gottes Liebe und Freundlichkeit den jungen Schülerinnen und Schülern zuzusagen.“
Ansprache Masaneks: Bildung als Menschwerdung

Eingangs ihrer Ansprache dankte Masanek für die gerade empfangenen und „bis zu meiner Seele“ gegangenen Segensworte. Die Schulpfarrerin verdeutlichte, welche Aufgabe Religion im Bildungssystem zufällt: „Für mich spielt Religion eine zentrale Rolle bei der Menschwerdung.“ Die Bildung gehöre zum schöpferischen Akt der Menschwerdung, der menschlichen Entwicklung. „Und das betrifft für mich alle Fächer. Bildung ist mehr als die Vermittlung von Wissen. Bildung ist Menschwerdung.“
Aber was hindere Menschen daran, sich auf Bildung als schöpferischen Akt einzulassen, fragte sie. „Meine Antwort darauf lautet: Dummheit.“ Sie meine damit nicht „die flotte Lippe, über die schnell der Spruch kommt: du bist ja dumm“. Vielmehr ging sie auf den Begriff Dummheit im Sinne von Dietrich Bonhoeffer ein. Der Theologe und NS-Widerstandskämpfer habe in seinem Buch „Widerstand und Vergebung“ der Dummheit ein ganzes Kapitel gewidmet. Masanek sprach von der Vermutung des Theologen, dass Menschen nicht dumm geboren, sondern dumm gemacht würden. Dummheit sei also ein soziologisches Problem. Sie entstehe in Gruppen durch starke politische und religiöse Macht. „Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen“, zitierte sie Bonhoeffer.
„Dummheit ist also nicht die Abwesenheit von Wissen“, stellte Masanek fest. Wissen könne sich im Zeitalter von KI jeder schnell beschaffen und trotzdem im Sinne von Bonhoeffer die Dummheit nicht loswerden. „Dummheit ist der Verlust der inneren Selbständigkeit durch äußere Machteinflüsse“, fasste Masanek zusammen.
Gegen Dummheit: Schülerinnen und Schüler in ihrer Individualität stärken
Laut Masanek kann Bildung zur Menschwerdung beitragen, indem sie zur inneren Selbstständigkeit und Klarheit von Kindern, Jugendlichen, jungen Menschen und Erwachsenen beiträgt. Sie verwies auf diverse vorbeugende Möglichkeiten, damit Dummheit erst gar nicht aufkomme. Es gelte, Schülerinnen und Schüler im Unterricht in ihrer Individualität wahrzunehmen und ihre Fähigkeiten zu stärken. Wir müssten ihnen Erprobungsfelder ermöglichen, zählte die Schulpfarrerin etwa den Sanitätsdienst, Sozialpraktika, Projektwochen, Theateraufführungen und Exkursionen auf. „Hier kann ausprobiert und erkundet werden, was zu einem passt, und Selbstsicherheit gewonnen werden.“ Weiter forderte sie, wertschätzende, konstruktive Einzelgespräche mit Schülern zu führen, damit sie lernten, sich selbst wahrzunehmen, an ihrem Selbst und an sich zu arbeiten.
Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich
Der Beitrag Einführungsgottesdienst für Pfarrerin Gaby Masanek als Schulpfarrerin an der Erzbischöflichen Liebfrauenschule Köln erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.


