Hoffnung bei Depressionen: EVK behandelt 500. Patienten mit innovativer Hirnstimulation

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. Rund 9,5 Millionen Menschen waren zuletzt bundesweit von Depressionen betroffen – Tendenz steigend. Viele von ihnen kämpfen mit erheblichen Einschränkungen im Alltag, im Beruf und im sozialen Leben. Besonders belastend ist, dass klassische Therapien wie Medikamente oder Psychotherapie nicht immer ausreichend helfen. Umso wichtiger sind neue wissenschaftlich fundierte Behandlungsansätze. Einen solchen setzt das Evangelische Krankenhaus Bergisch Gladbach (EVK) seit mehreren Jahren erfolgreich ein.

Neue Wege in der Behandlung von Depressionen

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des EVK hat nun einen besonderen Meilenstein erreicht: Der 500. Patient wurde mit der sogenannten repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) behandelt. Dabei werden mithilfe kurzer Magnetimpulse gezielt Hirnregionen stimuliert, deren Aktivität bei Depressionen verändert ist. Ziel der Behandlung ist es, gestörte Aktivitätsmuster positiv zu beeinflussen und depressive Symptome zu lindern.

Eingeführt wurde das Verfahren vor sechs Jahren durch Chefarzt PD Dr. med. Fritz-Georg Lehnhardt. Seitdem ist die rTMS fester Bestandteil des stationären und ambulanten Therapieangebots am EVK – insbesondere für Patientinnen und Patienten, bei denen bisherige Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. „Wir sehen ein positives Ansprechen auf die rTMS bei jedem zweiten Patienten. Jeder dritte Patient zeigt nach der Behandlung keine relevanten Symptome der Depression mehr“, erklärt PD Dr. Lehnhardt.

Forschung mit wachsender gesellschaftlicher Bedeutung

Die Bedeutung solcher Verfahren wächst. Fachgesellschaften gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Menschen mit Depressionen nicht ausreichend auf eine erste medikamentöse Behandlung anspricht. Für diese Betroffenen können moderne neurostimulatorische Verfahren neue Perspektiven eröffnen. Zugleich steigt der Bedarf an wirksamen Therapien: Depressionen zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Einschränkungen und Arbeitsausfälle. Die Forschung an neuen Behandlungsmöglichkeiten spielt daher eine zentrale Rolle – nicht nur für die medizinische Versorgung, sondern auch gesellschaftlich.

Am EVK wird die rTMS in ein umfassendes Therapiekonzept eingebunden. Neben psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Angeboten kommen auch körper-, kunst-, musik- und ergotherapeutische Verfahren zum Einsatz.

Patienten berichten von neuen Hoffnungen

Der 500. behandelte Patient, ein 55-jähriger Mann, beschreibt seine Erfahrungen positiv: „Ich war sehr froh zu erfahren, dass es neben Medikamenten und Psychotherapie auch weitere Verfahren in der Klinik gibt, die begleitend zur Behandlung meiner Depression eingesetzt werden können.“ Die rTMS wird am EVK inzwischen nicht nur bei Depressionen eingesetzt. Auch bei akustischen Halluzinationen, chronischen Schmerzstörungen oder therapieresistenten Zwangsstörungen findet das Verfahren Anwendung.

Der Meilenstein am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach zeigt: Innovative Forschung und moderne Therapieansätze können Menschen mit psychischen Erkrankungen neue Hoffnung geben – und zugleich dazu beitragen, Depressionen stärker aus der gesellschaftlichen Tabuzone zu holen.

Text: Daniel Beer/APK
Foto(s): Daniel Beer

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