„Ich habe mich immer als Suchende, als Fragende gesehen“ – Pfarrerin Grit de Boer in der Stephanuskirche entpflichtet

Ein Strahlen zum Abschied. Foto: Priska Mielke

Auf das Abenteuer Gemeinde hat sich Pfarrerin Grit de Boer erst gegen Ende ihres Berufslebens eingelassen. Nach Stationen als Diakoniepfarrerin, Leiterin der Bahnhofsmission und Krankenhausseelsorgerin in der Onkologie kam sie vor vier Jahren nach Riehl – in eine Gemeinde im Aufbruch, den Fusionsprozess mit der Nachbargemeinde Niehl vor Augen. Am Erntedanksonntag – so hatte es sich Grit de Boer gewünscht – wurde sie mit einem Gottesdienst in der Stephanuskirche verabschiedet.

„Ein Raum zum Rückblick“

Ihre Abschiedspredigt begann Grit de Boer mit einer Urlaubsepisode aus dem Montafon. Was eigentlich nur ein „Abendspaziergang“ zur „Kanzel“ (einem beliebten Aussichtspunkt) werden sollte, endete in einer nicht ganz ungefährlichen Rutschpartie und Stoßgebeten gen Himmel, da sich das Gelände durch Witterungseinflüsse stark verändert hatte.

„Am Ende einer Lebensphase, des Berufslebens, öffnet sich ein Raum zum Rückblick“, stellte de Boer fest. „Mir ist lange nicht bewusst gewesen, woher meine Frömmigkeit kam“, erinnerte sich die leidenschaftliche Life-Skript-Praktizierende. Erst als sie in diesem Rahmen einen Text zu dem Thema „Was ich als Kind schon wusste“ verfasste, wurde ihr klar, dass ihr späterer Werdegang in der selbstverständlichen und naturverbundenen Frömmigkeit ihrer friesischen Heimat bereits angelegt war. „Ich habe mich in meinem Beruf immer als Suchende, als Fragende gesehen“, bekannte Grit de Boer und betonte, wie sehr sie auch die Menschen geprägt hätten, denen sie auf ihrem Weg begegnet sei: „Was wir sind und tun, sind wir immer durch die Menschen, mit denen wir zu tun haben.“

In ihrer Arbeit als Krankenhausseelsorgerin lernte Grit de Boer, was es bedeutet, Leid gemeinsam auszuhalten. Dabei seien es eher „innerliche Worte“ gewesen, durch die Verbindung entstand und Trost möglich wurde. Besonders wichtig sei ihr ein Wort des Propheten Jeremia geworden: „Heile mich, Jahwe, dann bin ich heil; hilf du mir, Herr, dann ist mir geholfen!“ (Jeremia 17,14). Heilung sei hier sowohl gesundheitlich als auch beziehungstechnisch gemeint. Begleitet habe sie auch der Satz des Niederländers Huub Osterhuis: „Ich blicke neben mich – und da bist Du!“ Dieses Du sei für sie immer das Dasein Gottes auf ihrem Lebensweg gewesen, erklärte de Boer. Im Rückblick bekannte sie: „Ich stehe wie ein kleines Kind davor und staune! Es ist, als ob die Dinge sich gerundet haben.“ Sie habe viele bewegende Momente erlebt, und an die Stelle der Ungeduld sei die Erkenntnis getreten, dass jedes Ding seine Zeit habe.

Dankbarkeit für vier Jahre Riehl

„Ich gehe aus eurer Gemeinde mit der beruhigenden Einsicht, dass hier viele Menschen guten Willens sind.“ Sie schaue dankbar auf die vergangenen vier Jahre zurück. Das letzte Wort ließ Grit de Boer dem „schwarzen Schaf vom Niederrhein“, Hanns Dieter Hüsch:
„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. / Gott nahm in seine Hände meine Zeit, / mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, / mein Triumphieren und Verzagen, / das Elend und die Zärtlichkeit. / Was macht, dass ich so fröhlich bin / in meinem kleinen Reich? / Ich sing und tanze her und hin / vom Kindbett bis zur Leich.“

„Es lohnt sich, zuzuhören“

Assesorin Miriam nahm die Entpflichtung vor. Foto: Priska Mielke

Die Entpflichtung nahm Assessorin Miriam Haseleu vor, die Grit de Boer für den neuen Lebensabschnitt ein Wort aus dem 1. Johannesbrief zusprach: „Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ De Boers Wirken sei getragen gewesen von einer festen Grundhaltung. Haseleu erinnerte an sieben Jahre als Diakoniepfarrerin und 15 Jahre als Krankenhausseelsorgerin. De Boer habe ihren Dienst aus der Überzeugung heraus versehen, „dass jeder Mensch viel weiß und es sich lohnt, zuzuhören.“ Miriam Haseleu erwähnte auch Grit de Boers Leidenschaft für die Life-Skript-Arbeit (eine Form der kreativen, potenzialorientierten Biografiearbeit), der sie sich nun noch intensiver widmen könne.

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke

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