Best Practice: Gemeinde Brück-Merheim

Früh handeln für Klimaschutz und Energieeffizienz


Die Evangelische Gemeinde Brück-Merheim als Praxisbeispiel

Wie können Kirchengemeinden ihre Gebäude energetisch weiterentwickeln und dabei Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und die Anforderungen des Gemeindelebens miteinander verbinden?

Die Evangelische Gemeinde Brück-Merheim zeigt, wie durch verschiedene aufeinander abgestimmte Maßnahmen und das Engagement vor Ort Veränderungen angestoßen werden können. Finanzkirchmeister Michael Fliss und Presbyter Peter van Rees haben diesen Prozess gemeinsam mit weiteren Engagierten maßgeblich begleitet.

Dabei stand nicht eine einzelne große Baumaßnahme im Mittelpunkt. Vielmehr wurden technische Lösungen erprobt, vorhandene Anlagen verbessert und unterschiedliche Möglichkeiten zur Verringerung des Energieverbrauchs Schritt für Schritt umgesetzt.

Die Energiekrise als Anstoß

Die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Ukrainekriegs machten deutlich, wie wichtig ein bewusster Umgang mit Energie und eine langfristige Perspektive für die kirchlichen Gebäude sind.

In Brück-Merheim wurde diese Situation genutzt, um bestehende Überlegungen voranzubringen und weitere Maßnahmen anzustoßen. Der Handlungsdruck führte dazu, dass Energieversorgung, Heiztechnik und Einsparmöglichkeiten stärker in den Mittelpunkt rückten.

Flexible Heiztechnik für unterschiedlich genutzte Räume

Ein Bestandteil der Maßnahmen war die Installation von Klimageräten mit Wärmepumpenfunktion. Diese können je nach Ausführung sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen eingesetzt werden.

Der Ansatz ermöglicht eine flexible Temperierung einzelner Räume. Gerade in Gebäuden, die nicht durchgehend genutzt werden, kann es sinnvoll sein, die Wärmeversorgung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten.

Ob eine solche Lösung geeignet ist, muss allerdings für jedes Gebäude individuell geprüft werden. Dabei spielen unter anderem die Nutzung, die baulichen Voraussetzungen und die technische Auslegung eine Rolle.

Fenstermaßnahmen mit überschaubarem baulichem Eingriff

Ergänzend wurden an zahlreichen Fenstern Isolierfolien auf der Innenseite angebracht. Die Maßnahme sollte Wärmeverluste reduzieren, ohne größere bauliche Veränderungen an den
Fenstern vorzunehmen.

In einzelnen Räumen kamen außerdem Vakuumgläser zum Einsatz. Diese können aufgrund ihrer besonderen Konstruktion eine hohe Wärmedämmung bei geringer Dicke ermöglichen.

Solche Lösungen können insbesondere bei historischen oder empfindlichen Fenstern interessant
sein. Ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, hängt jedoch von den vorhandenen Bauteilen und den bauphysikalischen Anforderungen ab.

Investitionen und Fördermittel

Die Gebäudeertüchtigungen führten insgesamt zu Investitionen im sechsstelligen Bereich. Nach den vorliegenden Angaben konnte ungefähr ein Drittel der Ausgaben durch Fördermittel abgedeckt werden.

Das Beispiel macht deutlich, weshalb die Finanzierung bereits in einer frühen Projektphase berücksichtigt werden sollte. Fördermöglichkeiten können dazu beitragen, Investitionen wirtschaftlich tragfähiger zu gestalten. Die jeweiligen Förderbedingungen müssen allerdings im Einzelfall geprüft werden.

Energieverbräuche richtig einordnen

Bei der Umstellung von Gasheizungen auf Wärmepumpen verändern sich die ausgewiesenen Energieverbräuche. Gas und Strom können dabei nicht unmittelbar miteinander verglichen werden.

Wärmepumpen nutzen neben der eingesetzten elektrischen Energie auch Umweltwärme. Deshalb kann die für die Wärmeerzeugung benötigte Strommenge deutlich unter der zuvor eingesetzten Gasmenge liegen.

Im Bericht zur Gemeinde wird beispielsweise für die Johanneskirche ein früherer Gasverbrauch von teilweise mehr als 120.000 Kilowattstunden pro Jahr und ein späterer Stromverbrauch von rund 15.000 Kilowattstunden pro Jahr genannt. Diese Angaben verdeutlichen den Unterschied zwischen dem Einsatz von Gas und dem Strombedarf einer Wärmepumpe. Für eine belastbare Bewertung der Einsparungen wären zusätzlich die Vergleichszeiträume, die tatsächlich erzeugte Wärmemenge, die Effizienz der Anlage und die jeweiligen Betriebsbedingungen zu berücksichtigen.

Auch die Treibhausgasemissionen und die Betriebskosten müssen gesondert bewertet werden. Strom ist nicht automatisch günstiger als Gas; die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von den Energiepreisen, der Anlagenleistung und dem Nutzungsverhalten ab. Eine Photovoltaikanlage kann die Stromversorgung ergänzen, sofern Erzeugung und Verbrauch entsprechend zusammenpassen.

Was andere Gemeinden daraus lernen können

Das Beispiel Brück-Merheim zeigt, dass Klimaschutz aus verschiedenen, aufeinander abgestimmten Maßnahmen bestehen kann. Nicht jede Veränderung muss mit einer umfassenden Sanierung beginnen.

  • Welche technischen und baulichen Verbesserungen sind bei unseren Gebäuden möglich?
  • Können Räume bedarfsgerechter beheizt werden?
  • Welche Maßnahmen lassen sich mit überschaubarem Aufwand umsetzen?
  • Welche Fördermöglichkeiten kommen infrage?
  • Welche Erfahrungen anderer Gemeinden sind auf unsere Situation übertragbar?

Die konkreten Antworten werden je nach Gebäude unterschiedlich ausfallen. Umso wichtiger sind
der Austausch, eine gute Vorbereitung und die Bereitschaft, geeignete Lösungen gemeinsam zu entwickeln.

Klimaschutz lebt vom Engagement vor Ort

Die Erfahrungen aus Brück-Merheim verdeutlichen, wie wichtig Menschen sind, die Ideen aufgreifen, Verantwortung übernehmen und Veränderungen über einen längeren Zeitraum begleiten.

Die Klimaschutzkoordination möchte solche Erfahrungen im Kirchenkreis sichtbar machen und den Austausch zwischen den Gemeinden fördern. Denn erfolgreiche Projekte können anderen als Orientierung dienen und dazu beitragen, neue Maßnahmen anzustoßen.

Sie haben in Ihrer Gemeinde ebenfalls ein Klimaschutzprojekt umgesetzt? Wir freuen uns über Praxisbeispiele, Erfahrungen und Anregungen aus den Kirchengemeinden.

Kontakt
Manuel Ernst
Klimaschutzkoordinator
Ev. Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch
manuel.ernst@ekir.de