Konfirmation in Köln und Region: Orientierung, Gemeinschaft und große Fragen – warum sich die Konfi-Zeit lohnt

Für viele Familien in Köln und Region ist die Konfirmation gerade wieder ein aktuelles Thema: Während in vielen Gemeinden die Konfirmationen im Frühjahr gefeiert werden, laufen gleichzeitig bereits Anmeldungen für die nächsten Jahrgänge. Die sogenannte Konfi-Zeit beginnt meist in der 7. Klasse und erstreckt sich über etwa ein Jahr. In dieser Zeit setzen sich Jugendliche mit Fragen nach Glauben, Identität und Gemeinschaft auseinander – oft in einer Mischung aus Gesprächen, Projekten und gemeinsamen Erlebnissen. Dabei wird Kirche nicht nur als Ort von Tradition, sondern auch als Raum für persönliche Entwicklung erfahrbar. Oder, wie es Pfarrer Nico Buschmann beschreibt: „Viele Jugendliche entdecken hier zum ersten Mal, dass Kirche ein Raum sein kann, in dem auch Zweifel, Kritik und offene Fragen ihren Platz haben – dass Glaube kein fertiges Paket ist, das man annimmt oder ablehnt, sondern ein Weg, den man geht.“

Auch aus Sicht von Pfarrer Samuel Dörr lohnt sich der Blick auf die Konfi-Zeit als prägende Erfahrung: „Man erlebt viele bereichernde Gedankenanstöße fürs eigene Leben, eine tolle Gemeinschaft als Gruppe und immer wieder segensreiche Momente.“ Gerade in einer Lebensphase, in der sich vieles verändert, kann die Konfi-Arbeit Orientierung bieten und einen verlässlichen Ort schaffen, an dem Jugendliche sich ausprobieren und ernst genommen fühlen. Neben dem inhaltlichen Austausch spielt dabei die Gemeinschaft eine zentrale Rolle – in den Gruppen vor Ort ebenso wie bei Freizeiten oder gemeinsamen Aktionen.

Wir haben Interviews geführt mit Pfarrer Nico Buschmann und Pfarrer Christoph Rollbühler (Beauftragte für Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch) sowie Pfarrer Samuel Dörr (Beauftragter für Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch):

Die Konfi-Arbeit ist in den Gemeinden individuell organisiert, welche verbindenden Elemente gibt es?

Nico Buschmann: Das Verbindende liegt zunächst im Offensichtlichen: das Alter der Konfirmanden und Konfirmandinnen, der ungefähre Zeitraum von etwa einem Jahr, ähnliche Themenfelder und das gemeinsame Erleben auf Freizeiten. Darüber hinaus teilen wir einen theologischen Kern – es geht um die großen Fragen nach Gott, Glauben, Gemeinschaft und dem eigenen Leben – auch wenn jede Gemeinde eigene Akzente setzt.

Hinzu kommen die gemeinsamen liturgischen Stationen: die Vorstellungsgottesdienste, die Konfirmation selbst, oft auch Abendmahl und Taufe als geteilte Erfahrungen. Seit einiger Zeit wachsen außerdem die überregionalen und verbindenden Angebote – KonfiCamps, kirchenkreisweite Projekttage, digitale Formate und gemeinsame Aktionen, die den Horizont über die eigene Gemeinde hinaus öffnen. Nicht zu unterschätzen ist auch das methodische Grundvertrauen, das sich in den letzten Jahren entwickelt hat: weg vom reinen Frontalunterricht, hin zu erfahrungsorientierten, partizipativen Formaten, in denen die Jugendlichen selbst Subjekte ihres Glaubensweges sind.

Welche Erfahrungen machen Jugendliche typischerweise während dieser Zeit?

Nico Buschmann: Die Konfizeit ist vor allem eine Zeit des Reflektierens und Ausprobierens. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen stellt man sich den großen Fragen des Lebens – nach Sinn, nach Gott, nach dem eigenen Platz in der Welt – und erfährt dabei etwas über die Welt und vor allem über sich selbst. Viele der intensivsten Freundschaften entstehen in dieser Zeit, und wir erleben immer wieder, dass der Weg mit der Konfirmation nicht endet, sondern gerade erst richtig beginnt.

Was mich in den letzten Jahren besonders bewegt: Viele Jugendliche entdecken hier zum ersten Mal, dass Kirche ein Raum sein kann, in dem auch Zweifel, Kritik und offene Fragen ihren Platz haben – dass Glaube kein fertiges Paket ist, das man annimmt oder ablehnt, sondern ein Weg, den man geht. Sie machen die Erfahrung, ernst genommen zu werden – mit ihren Meinungen, ihren Lebenswelten, ihrem Humor. Und sie erleben Gemeinschaft in einer Phase, in der sich sonst vieles verändert. In dieser Bewegung kann die Konfigruppe ein verlässlicher Ort sein – nicht weil dort alles geklärt wird, sondern weil man dort gemeinsam unterwegs ist.

Was bedeutet die Konfirmation heute für Jugendliche in einer sich wandelnden Gesellschaft?

Samuel Dörr: Aus meiner Sicht bietet die Konfirmandenzeit den Jugendlichen viel Raum zur Orientierung. Das Beschäftigen mit unterschiedlichen Themen rund um Glaube, Gemeinschaft und Identität fördert die Sprachfähigkeit der Jugendlichen und unterstützt ihre Persönlichkeitsentwicklung. Hinzu kommt das Erleben von Gemeinschaft und Zusammenhalt, in einem Raum außerhalb von Familie, Schule und Sport. Für mich hat die Konfizeit „Mainquest-Charakter“, weil die Jugendlichen in dieser Zeit, zumindest glaubensmäßig, aber ich finde auch als Menschen über sich selbst hinauswachsen (ein Zitat aus meiner Konfirmationspredigt).

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, sein Kind zur Konfi-Zeit anzumelden?

Samuel Dörr: Man erlebt viele bereichernde Gedankenanstöße fürs eigene Leben, eine tolle Gemeinschaft als Gruppe und immer wieder segensreiche Momente. Außerdem bietet die Konfirmandenzeit einen geschützten Raum, um auf Augenhöhe über den Glauben ins Gespräch zu kommen.

Wie wird die Konfi-Arbeit heute modern und lebensnah gestaltet?

Christoph Rollbühler: Die Jugendlichen haben das erste Wort. Ihre Welt, ihre Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle sind der Ausgangspunkt für unsere Konfi-Arbeit. Unsere Botschaften und unsere Werte müssen sich da anschmiegen. Will sagen: Evangelisch muss erlebbar sein als Gemeinschaft und als Haltung. Dann bleibt was hängen!

Was wünschen Sie sich, dass die Jugendlichen aus der Konfi-Zeit für ihr Leben mitnehmen?

Christoph Rollbühler: Wenn Sie nach der gemeinsamen Zeit sagen: „Ja, war gut! Hat Spaß gemacht!“, dann haben wir schon viel erreicht. Wenn Sie spüren, dass sie von einer Gemeinschaft und von einer göttlichen Kraft getragen und gestärkt werden, dann ist alles getan.

Text: APK
Foto(s): Canva

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