Musik ist kein Luxus! Nach 17 Monaten: Die Orgel der Christuskirche Dellbrück ist zurück

Die ‚Königin der Instrumente‘ ist zurück: Nach umfassender Restaurierung und Erweiterung durch die Orgelbaufirma Hubert Fasen erklang die Orgel der Christuskirche Dellbrück an Pfingstmontag zum ersten Mal in neuem Glanz. Foto: Thomas Ahrendt / studio157.de

Leises Säuseln, wildes Brausen oder unaussprechliches Seufzen – das alles kann die Orgel. Aber auch der Heilige Geist macht sich so bemerkbar. Sowohl das Lateinische (anima) als auch das Hebräische (Ruach) verwenden für „Geist“ und „Hauch“ dasselbe Wort. Könnte es also einen passenderen Termin für die Wiedereinweihung einer Orgel geben als Pfingsten? Die 1965 von der Orgelwerkstatt Willi Peter erbaute Orgel der Christuskirche in Dellbrück war vollständig ausgebaut und von der Orgelbaufirma Hubert Fasen aus der Eifel in deren Werkstatt gereinigt, überholt und grundlegend erneuert worden.

32 Register, 1.645 Pfeifen – und eine Nacht bis zum Morgengrauen

Windladen und Register wurden neu angeordnet, eine mechanische Spieltraktur neu erstellt und zusätzliche Register eingebaut. Das Instrument verfügt nun über 32 Register, 1.645 Pfeifen und eine MIDI-Schnittstelle. Auch wenn Orgelbauer Hubert Fasen und sein Team dafür noch bis in die frühen Morgenstunden arbeiten mussten, durfte die Evangelische Gemeinde Köln-Dellbrück-Holweide am Pfingstmontag in der Christuskirche nach 17 Monaten, in denen eine Truhenorgel als Ersatz gedient hatte, endlich den nun deutlich facettenreicheren Klang ihrer restaurierten und erweiterten Orgel genießen. Außerdem sorgte die Kantorei „Coro con Spirito“ unter der Leitung von Mechthild Brand dafür, dass der Gottesdienst einen festlichen musikalischen Rahmen erhielt.

Auch die Vorsitzende des Presbyteriums, Helga Heyder-Späth, nahm in ihrer Begrüßung die Parallelen zwischen Gottes Geist und dem Orgelwind auf. Sie freute sich nicht nur über Besuch aus der katholischen Nachbargemeinde, sondern zudem über einige interessierte Kirchenmusiker*innen. Heyder-Späth wies darauf hin, dass die Orgel nun in Teilen auch von unten aus angesteuert werden könne, und erklärte, dass die Choralvorspiele – unter anderem von J. S. Bach, Carsten Klomp und Dietrich Buxtehude – die Liedauswahl für diesen besonderen Gottesdienst beeinflusst hätten.

„Dem Innersten einen Weg nach außen bauen“ – Mut in Zeiten des Wandels

Pfarrer Ulrich Kock-Blunk bedankte sich persönlich bei Orgelbauer Hubert Fasen (l.).

Pfarrer Ulrich Kock-Blunk durfte die offizielle Einweihung der runderneuerten und erweiterten „Königin der Instrumente“ vornehmen – die sich allerdings technisch bisweilen von ihrer divenhaften Seite zeigte. „Wozu ist die Orgel da?“, fragte er und gab die Antwort gleich selbst: „Dem Innersten einen Weg nach außen zu bauen!“ Kock-Blunk lobte den „Mut des Presbyteriums“ in „Zeiten von Niedergang und Abbruch“ sowie das Engagement so vieler Unterstützer, darunter die Fördervereine und mehrere Firmen. Nicht zu vergessen: kreative Ideen wie der Verkauf von „Orgelwein“ und „Orgelplätzchen“. Mehr als 125.000 Euro seien bereits zusammengekommen – und noch immer können Orgelbegeisterte gegen eine Spende Pfeifenpatin oder Pfeifenpate werden.

Seine Predigt stellte Ulrich Kock-Blunk unter ein Wort aus einer modernen Übertragung von Psalm 150: „Preist ihn mit der schönsten und schrillsten Musik!“ „Bis zur Industrialisierung waren Orgeln die technisch anspruchsvollsten Maschinen, die der Mensch bauen konnte“, würdigte er zunächst jenes Tasteninstrument, das seit Jahrhunderten fester Bestandteil des christlichen Gottesdienstes ist.

Pfingsten als Fest der Spracherneuerung: Wenn Musik weiter reicht als Worte

Kirchenmusikerin Mechthild Brand am Spieltisch der restaurierten Orgel – das Instrument verfügt nun über 32 Register, 1.645 Pfeifen und eine MIDI-Schnittstelle.

Die Gemeinde habe für das Restaurierungsprojekt viel Geld in die Hand genommen. „Geld, das man auch anders hätte ausgeben können.“ Aber dennoch sei die Orgelsanierung eine lohnende Investition in die Zukunft. „Musik ist kein Luxus!“, betonte Ulrich Kock-Blunk – in Anlehnung an den Satz aus einem Essay der amerikanischen Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde: „Poetry is not a luxury“. „Musik erweitert unsere Sprache“, stellte er fest und verwies damit nicht nur auf die enge Verbindung zwischen Sprache und Musik, ihre kommunikative Funktion, sondern auch auf ihre emotionale Unmittelbarkeit. Bereits in den „Merseburger Zaubersprüchen“ aus dem 10. Jahrhundert, der ältesten althochdeutschen textlichen Überlieferung, werde poetische Sprache in Verbindung mit Befreiung und Heilung gebracht. Pfingsten sei das Fest der Sprachzerstörung und der Spracherneuerung. Dabei komme es gar nicht so sehr auf wohlgesetzte Worte an, denn „Schönheit wäre viel zu wenig, wenn es darum geht, von Gott zu sprechen.“

Auch nach dem Gottesdienst stand dieser Pfingstmontag ganz im Zeichen der Orgel: Im Gemeindehaus konnten sich die Jüngsten am Bau einer Mini-Orgel („Organetto“) versuchen und so spielerisch viel über die Funktionsweise des Instruments lernen. Außerdem gab es Orgelführungen und am Nachmittag ein Konzert mit Professor Christian Rieger, der die Orgel bereits vor ihrer Restaurierung musikalisch „verabschiedet“ hatte.

Einladung Wiedereinweihung Orgel Karte

Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke / Thomas Ahrendt / studio157.de.

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