Nach 38 Jahren: Widdersdorf verabschiedet Pfarrerin Liane Scholz mit Liebeserklärung und Tränen

Liane Scholz bei ihrem Abschiedsgottesdienst im Gemeindehaus in Widdersdorf.

Am Ende wird Liane Scholz an diesem Tag überwältigt sein von den vielen guten Wünschen, Darbietungen und Geschenken, mit denen sich die Gemeinde und andere Weggefährten sowie Weg-Gefährtinnen von ihr verabschiedeten. Vorher macht sie aber ihrer Gemeinde selbst bei ihrem Abschieds-Gottesdienst im Gemeindehaus in Widdersdorf noch eine Liebeserklärung und predigte zum Thema „Gottes Gnade“: Sie habe sie persönlich schon bei der Bewerbung um die Pfarrstelle in Widdersdorf vor 38 Jahren erlebt. „Eigentlich waren mein Mann Rolf und ich noch gar nicht bewerbungsfähig“, so Scholz. „Wir haben es trotzdem gewagt, weil uns die ausgeschriebene Pfarrstelle einfach angesprochen hat.“ Und dann hätten sie das Glück gehabt, neun Monate später in der Evangelischen Kirchengemeinde vor Ort eingeführt zu werden. 1989 haben sie ihren ersten Probegottesdienst halten dürfen im Gemeindehaus mit der passenden Adresse „Unter Gottes Gnaden“. Sie sei immer mehr als irgendein Name gewesen. Es sei eine Gnade gewesen, dass sie sich hier immer geborgen gefühlt habe, in ihrem Leben, ihrem Arbeiten, mit ihrer Familie, der Gemeinde und der Partizipation: Die Hauptamtlichen hätten mit den ehrenamtlich tätigen Menschen an einem Strang gezogen, vertrauensvoll und freundschaftlich gearbeitet und zur Lebendigkeit der Gemeinde beigetragen. „Was für eine Gnade, dass ich als Pfarrerin hierarchiefrei Teil eines Ganzen sein darf,“ sagt Scholz, „dass ich mit dieser offenen Gemeinde die Bereitschaft zu Veränderung und die Courage habe, mich aktuellen Themen zu stellen und Vielfalt zu erleben, mit Energie herausfordernde Projekte zu schultern und Krisen gemeinsam zu bewältigen, mit dem Mut, Ängste und Sorgen zu äußern und sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.“

37 Jahre Einsatz – gewissenhaft, leidenschaftlich, pragmatisch

Superintendent Marcus Zimmermann segnet Liane Scholz bei ihrer Entpflichtung.

Superintendent Markus Zimmermann weiß eine Menge über Scholz‘ eigene Tatkraft zu berichten, bevor er sie segnet und entpflichtet: „37 Jahre warst Du in dieser Gemeinde tätig, als begnadete Predigerin, als eine unglaublich fleißige und leidenschaftliche Pfarrerin, sehr gewissenhaft. Du hast unzählige Besuche gemacht, die Ehrenamtlichen begleitet, mit Leidenschaft auch die Konfirmanden und die Konfirmandenfahrten.“ Sie habe das Haus für Flüchtlingsfamilien mit dem Presbyterium auf den Weg gebracht. „Und Du hast auch gerne Karneval gefeiert“, sagt Zimmermann mit einem Lächeln, „und das als Norddeutsche.“ Als die Gemeinde finanziell nach Alternativen suchen musste, habe Scholz gerne einige Jahre an der Internationalen Friedensschule gearbeitet. Sie habe Strukturveränderungen mitgetragen, mitgeplant und durchgeführt. „Du warst immer offen für Veränderungen und so wunderbar pragmatisch“, betont Zimmermann. Sie habe viele Jahre im Kirchenkreis gearbeitet, im Synodalvorstand des ehemaligen Kirchenkreises Köln-Nord, als Beauftragte für den Kindergottesdienst. Scholz habe auch im Theologinnenkonvent Frauentage und Frauenmahle gestaltet. Auf der Ebene der Landeskirche sei sie auch als Beraterin für andere Gemeinden tätig gewesen.

Dank, Geschenke und ein großes Fest

Das Gemeindehaus in Widdersdorf ist bei Liane Scholz Abschiedsgottesdienst rappelvoll.

„Schon allein, dass dieser Raum hier heute aus den Fugen gerät, macht deutlich, wie wichtig es den Menschen ist, Dir noch einmal ganz klar zu danken.“ Und das tun sie sehr ausführlich, zunächst mit Worten. Presbyterin Gerda Berlin und Presbyter Stefan Reichert erinnern gemeinsam an die vielen Sitzungen, den steten Meinungsaustausch, manches Streitgespräch, das sich dank der Geduld der Pfarrerin beilegen ließ, an die Herausforderungen wie den Neubau des Flüchtlingsheims und die Aufgabe des Kirchenladens. Man sei auch dem Feiern nicht abgeneigt gewesen. Und es sei Scholz ein Herzensanliegen gewesen, vor dem Ruhestand für die Gemeinde eine gute Perspektive zu finden. Es folgen Geschenke: vom Presbyterium ein Korb mit Scholz‘ Lieblingsgemüse – Kartoffeln –, 37 kleine Knollen mit geschriebenen Dankeszettelchen daran, für jede Sache, die sie aufgebaut hat; von der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus in Widdersdorf eine Collage als Dank für viele ökumenische Projekte. Es gibt Ständchen vom Gospelchor „Thank God, it’s Friday“, vom Frauenchor „Felicitas“, vom Kinderchor „Die falschen Töne“, von dem im Kirchenladen gegründeten „Seitenschiffensemble“: Mit der Polka-Partyhymne „Those were the days my friend“ sowie mitsingenden und mitklatschenden Gästen endet der große Abschied – fast, denn nun feiert die Gemeinde ihn noch ausgiebig unter bunten Wimpeln vor der Tür.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag Nach 38 Jahren: Widdersdorf verabschiedet Pfarrerin Liane Scholz mit Liebeserklärung und Tränen erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.