„Vielfalt ist unser größter Schatz“ – Abschied von Pfarrer Helmut Müller beim internationalen Pfingstgottesdienst in Bonn
„Mit einer Schokolade in der Tasche gehe ich erfüllt und summend nach Hause, Melodien der Lieder im Kopf und Hoffnung im Herzen: Lasst es uns laut aussprechen – Vielfalt ist unser größter Schatz.“ Was an diesem Pfingstsonntag in der Friedenskirche Bonn spürbar wurde, war mehr als ein Gottesdienst. Es war ein lebendiges Zeichen dafür, was Kirche sein kann: ein Raum, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten zusammenkommen – nicht trotz ihrer Unterschiede, sondern gerade durch sie verbunden.

Am 24. Mai 2026 versammelten sich in der Friedenskirche in Bonn-Kessenich Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Sprachen und Erfahrungen – und feierten gemeinsam. Ein gemeinsames Vertrauen, ein gemeinsames Hoffen. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Begegnung, nach einem Miteinander, das trägt. Und die Erfahrung: Wir reden darüber nicht nur – wir leben es.
Musik, die Grenzen überwindet
Die Atmosphäre des gesamten Gottesdienstes wurde von der Musik getragen. Die Marimba-Gruppe „Karibu Sounds of Marimbas“ eröffnete den Raum mit warmen, rhythmischen Klängen. Der Kisuaheli-Chor unter der Leitung von Obadia Mwaipaja ließ Stimmen aus verschiedenen Kontinenten zusammenklingen. Immer wieder verband sich alles im gemeinsamen Gesang – Grenzen lösten sich auf, Stimmen fanden zusammen. „Tusimwache mtu nyuma“ von Rise’n’Shine – Lasst keinen Menschen zurück. Dieser Ruf wurde mehr als ein Lied. Er wurde zur Haltung, zur gemeinsamen Sprache dieses Gottesdienstes. Auch „Mungu ni pendo – Gott ist die Liebe“ machte hörbar, was diesen Tag getragen hat: eine tiefe, gelebte Überzeugung, dass Gemeinschaft möglich ist – über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.
35 Jahre Dienst für Gerechtigkeit und Frieden
Gefeiert wurde der internationale Pfingstgottesdienst gemeinsam von der Friedenskirchengemeinde Bonn, der Swahili-Gemeinde und dem Regionalen Dienst der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) – unter dem Thema „Verständigung – Understand one another“. In diesem Rahmen wurde Pfarrer Helmut Müller von Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises an Sieg und Rhein, und vielen Weggefährtinnen und Weggefährten feierlich aus seinem aktiven Dienst entpflichtet.Nach 35 Dienstjahren – davon sieben Jahre mit Schwerpunkt in der weltweiten Ökumene und seit 2022 im Regionalen Dienst der VEM in Köln/Bonn – tritt er in den Ruhestand. Was diesen Abschied so besonders machte, waren nicht nur Worte, sondern eine spürbare Übereinstimmung in den Werten: Wir stehen gemeinsam ein für Frieden und verlernen, Krieg zu führen. Wir glauben an Begegnung. Wir setzen uns für ein gerechtes Finanz- und Wirtschaftssystem ein. Wir sehen Vielfalt als Stärke. Und: Wir begnügen uns nicht damit, darüber zu sprechen – wir gestalten Kirche und Gesellschaft aktiv als Ort dieser Vielfalt. Genau das hat Helmut Müller in seinem Berufsleben verkörpert. Hierarchien abbauen, Menschen auf Augenhöhe begegnen, Räume öffnen für globale Solidarität – und immer wieder daran erinnern, dass Verständigung möglich ist. Seine Predigt nahm die Realität ernst: die Spaltungen, die Ängste, die Herausforderungen unserer Zeit. Und gleichzeitig setzte sie einen anderen Ton dagegen – Hoffnung, die nicht naiv ist, sondern getragen von der Kraft des Heiligen Geistes. Eine Kraft, die nicht trennt, sondern verbindet. Die nicht entmutigt, sondern stärkt. Dass Verständigung kein Automatismus ist, sondern eine Aufgabe – das klang ebenso an wie die Überzeugung: Sie ist möglich.
Ein Übergang, keine Zäsur
So war dieser Gottesdienst kein Abschluss im klassischen Sinne, sondern ein Übergang. Ein Moment des Dankes – und zugleich eine Einladung, das weiterzutragen, was gewachsen ist: in der Begegnung, im Engagement für Frieden und Gerechtigkeit, in einer Kirche, die Vielfalt nicht nur aushält, sondern lebt und feiert.Und vielleicht bleibt am Ende genau dieses Bild: Menschen, die gemeinsam singen, lachen, beten – getragen von der Überzeugung, dass niemand zurückgelassen werden soll.
Text: APK/ Dr. Anne-Christina Achterberg
Foto(s): APK/ Dr. Anne-Christina Achterberg
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