Zwischen Murren und Aufbruch: Christoph Breer verabschiedet sich aus dem Pfarramt

Mit vielen guten Wünschen, aufbauenden Worten und einigen Geschenken verabschiedeten sich die Besucher und die Besucherinnen von Christoph Breer bei dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche Zum Heilsbrunn im Kleefeld in Bergisch Gladbach, wo er von seinem Amt als Pfarrer der Gemeinde entpflichtet wurde. Bedauern war spürbar darüber, dass er es niederlegt, nach nur vier Jahren und vier Monaten, auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen.

Ein „Murren“ in der Urgemeinde

Viele gute Wünsche von der Gemeinde begleiten den Abschied von Christoph Breer.

Breer sprach später in der Predigt deutliche, auch kritische Worte. Unter dem Thema des Gottesdienstes „Der Heilige Geist überwindet Grenzen“ beleuchtete er die Apostelgeschichte 6, die er an diesem Tag zur Grundlage seiner Predigt machte. Sie beschreibt, wie ein „Murren“ in der christlichen Urgemeinde entstand, weil die hellenistischen Witwen bei der täglichen Essensausgabe und Versorgung gegenüber den hebräischen benachteiligt wurden.

Die zwölf Apostel erkannten das Problem, wollten aber ihre Hauptaufgaben, die Verkündigung des Evangeliums und das Gebet, nicht vernachlässigen. Sie schlugen eine klare Aufgabenteilung vor: Es sollten sieben Männer gewählt werden, die sich um die Verteilung des Essens kümmern, was auch geschah.

Kritik an Überlastung und fehlender Aufgabenteilung

So ein Murren in einer Gemeinde habe er auch häufiger erlebt, schilderte Breer. Negative Emotionen seien wichtige Warnsignale. Der Heilige Geist selbst zeige dadurch, dass etwas in der Gemeinschaft nicht stimmt. Es seien Überlegungen nötig, wie sie gestaltet werden kann, sodass alle besser mit der Situation zurechtkommen. Die Apostel hätten in verbindlich geordnete Organisationsstruktur gesucht.

„Es ist schon sehr frustrierend“, betonte Breer, „wie man 2.000 Jahre später mit unseren hauptamtlich verbündeten Personen umgeht. Das ist praktisch ein Rückfall vor die Apostelgeschichte.“ Dabei gäbe es in der Landeskirche viele, die schon lange das Murren ihrer Geschwister im Amt hörten und schon lange beschlossen hätten, dass zwischen Presbyterium und Pfarrern sowie Pfarrerinnen konkret verabredet werden müsse, was die Aufgaben der Personen seien sollten. „Ich finde es unfassbar, dass das hier nicht durchgeführt wird“, kritisierte Breer. Es hieße, es sei eine Überforderung für die Presbyter und Presbyterinnen, denn sie seien ja Ehrenamtliche. Als Hauptamtlicher dürfen man aber überfordert sein, jeden Tag gegen den Untergang kämpfen, mit regelmäßigen und plötzlich auftretenden Aufgaben, einer stetigen Flut von E-Mails, ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen. „Ich habe damit von dem ersten Tag meines Dienstes bis hin zum Burnout zu tun gehabt“, so Breer. „Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ein Mensch das schaffen kann, was ich hier tun sollte.“

Warnung vor neuen Bubbles

Er stelle sich die Frage, warum kein ehrenamtlicher Diakon oder eine ehrenamtliche Diakonin berufen würde, Menschen, auch ehrenamtliche, die bewusst Dienst an den Armen tun. In Lüdenscheid sei seine inzwischen verstorbene Kollegin Monika Deitenbeck ein Engel für die obdachlosen und geflüchteten Menschen gewesen und habe ein großes Team von Freiwilligen gehabt. Der einzige Reformansatz, den er mitbekommen habe, befasse sich mit der Frage, wie man die Gottesdienste attraktiver und das Gemeindehaus einladender gestalten können. In Gemeinden würden sich aber schnell Bubbles bilden, Insider-Gruppen, die die Gottesdienste besuchen. Das sei auch ein Grundbedürfnis der Menschen. Andere würden sich dadurch aber leicht ausgeschlossen fühlen.

Superintendent Torsten Krall segnet Christoph Breer nach der Entpflichtung.

Viele Mitglieder, die nicht zum Gottesdienst kämen, würden das ganze Jahr über kein Lebenszeichen mehr von ihrer Gemeinde erhalten. „Wir haben keinen Verteiler. Niemand sieht es als Aufgabe an. Unsere Witwen haben vielleicht zu essen, stehen aber auf verlorenem Posten“, so Breer. Viele würden in ihrer Einsamkeit vor sich hin leiden. Die neue Region, die jetzt aus den Gemeinden entstehe, dürfe keine noch größere Bubble werden. „Es ist ein Riesengebiet“, so Breer, „mit drei tapferen Pfarrpersönchen, wo es vorher sieben gewesen sind.“

Superintendent Torsten Krall äußerte Verständnis für Breers Kritik, bevor er ihn feierlich entpflichtete. Es handele sich schließlich um eine Trennung, sagte er. Und die seien schmerzhaft. Es gäbe immer zwei Perspektiven, im vorliegenden Fall sogar mehr. Und jeder habe Recht und Unrecht. „Ich glaube deswegen ist Zuhören für die nächste Zeit eine wichtige Aufgabe, in dem Bewusstsein, ich habe in vielem Recht und in vielem Unrecht.“ Auch Jesus habe nach der Trennung, seinem Tod, seine Wunden gezeigt. Daran hätten seine Jünger ihn erkannt, nicht an seinen herrlichen Taten. „Es geht darum, eine Gemeinschaft zu sein, die so etwas aushalten kann“, betonte Krall. „Hört zu, zeigt Euch Eure Verletzungen.“

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

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