Sitzungsmarathon in digitaler Form – Die Landessynode der EKiR 2021

Manchmal dauert es ein wenig länger, als gedacht – das galt auch für die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), die von Montag bis in den frühen Freitagabend zum ersten Mal in digitaler Form getagt hat. Höhepunkt war für die 193 Abgeordneten aus dem 37 Kirchenkreisen die Wahl von Dr. Thorsten Latzel zum neuen Präses der Landeskirche. „Ich freue mich, dass wir gestern als Synode eine klare Wahlentscheidung getroffen haben“, sagte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger am Freitag. „Wir hatten drei respektable Kandidaten, die sich zur Wahl gestellt haben.

Dr. Thorsten Latzel, neu gewählter Präses der EKiR

Mit Thorsten Latzel kann nun eine neue Phase in der Entwicklung unserer Kirche beginnen. Er ist nah dran an den Dialogen unserer Zeit, er stellt die richtigen Fragen und hat klare Koordinaten zur Urteilsbildung in evangelischem Geist. Durch seine Tätigkeit im Akademiebetrieb und früher auf EKD-Ebene ist er in der Lage, den Dialog der Theologie mit anderen Disziplinen zu führen, sich gegenüber Politik und Medien sicher zu bewegen und Räume mit dem Kompass des Evangeliums auszuschreiten.“

Weiter sagte Bernhard Seiger zu dem neuen Präses, der am 20. März 2021 in sein Amt eingeführt wird: „Ich finde es spannend, wie er Glaubensfragen und ethischen Fragen theologisch bedenkt, er geht sprachlich verständliche Wege, die den Dialog mit Kirchenfernen erleichtern. Ich glaube gerade in der Pandemie brauchen wir auch ehrliche, sprachlich und theologisch stimmige Formen der Kommunikation. Er setzt auf den Dialog mit der jüngeren Generation. Wir werden als Landeskirche in seiner Amtszeit manche Veränderungen gestalten, da können uns im Rheinland sein Überblick und seine Weite helfen. Ich bin gespannt auf den neuen gemeinsamen Weg und ganz zuversichtlich, dass wir als Kirche mit ihm auch ein gutes Bild in der Öffentlichkeit abgeben.“ Latzel folgt auf Präses Manfred Rekowski, der im März in den Ruhestand gehen wird.

Miriam Haseleu, Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes und Assessorin im Kirchenkreis Köln-Mitte

Doch auch viele andere Positionen in der Kirchenleitung und den Ständigen Synodalen Ausschüssen wurden besetzt. Miriam Haseleu, stellvertretende Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreis Köln-Mitte, wird neues nebenamtliches Mitglied in der Kirchenleitung. Als Ziel für ihre Arbeit nannte Haseleu, dass sie an einer Vision von Kirche mitarbeiten wolle, die sich für eine diverse und solidarische Gesellschaft einsetzte.

Die Synode wähle den Kölner Superintendenten Markus Zimmermann mit 165 Stimmen wieder zum Vorsitzenden des Finanzausschusses. „Dies war eine in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliche Synode: Sie war rein digital und dabei standen auch noch wichtige Kirchenleitungswahlen auf dem Programm. Ein großes Lob für die, die für einen reibungslosen technischen Ablauf der Synode gesorgt haben!“, sagte Zimmermann am Freitag. „Aber trotz aller digitalen Möglichkeiten fehlten der unmittelbare Austausch zwischendurch, die wichtigen Nebengespräche und die geselligen Abende sehr! Daher hoffe ich sehr, dass die nächste Synode wieder präsentisch tagen kann.“

Zu den vielen Personalentscheidungen sagte der Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord: „Die Wahlen waren spannend. Ich freue mich darüber, dass wir Kölner mit Miriam Haseleu in der neuen Kirchenleitung vertreten sind. Die Präseswahl verlief überraschend klar. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das Ergebnis bereits nach dem 1. Wahlgang feststand. Dr. Thorsten Latzel wird nun lernen müssen, wie die rheinische Kirche tickt und funktioniert. Auf meine Zusammenarbeit als Vorsitzender des landeskirchlichen Finanzausschusses mit dem neuen Präses, dem neuen Finanzdezernenten Henning Boecker sowie der Kirchenleitung bin ich sehr positiv gespannt.“

Superintendent Markus Zimmermann auf der digitalen Landessynode 2021

Mit Blick auf die Zukunft der Kirche erklärte Zimmermann: „Angesichts der vor uns liegenden gesamtkirchlichen Herausforderungen durch den Mitgliederrückgang sowie die finanziellen Folgen der Corona-Epidemie stehen wir vor schwierigen und unbequemen Entscheidungen. Unsere Kirche muss und wird sich verändern. Sie hat aber eine gute Zukunft! Dies wurde vor allem auf der Synode auch daran deutlich, dass die junge Generation in unserer Kirche nicht nur synodale Andachten wunderbar gestalten kann, sondern auch in Gremien und Ämter auf allen Ebenen drängt und aufrückt. Es geht ein notwendiger Ruck durch unsere Kirche! Viel Aufbruch, Bewegung und Dynamik sind zu spüren, und ich hoffe, dass sie zunehmend in die Gemeinden dringt und nach außen strahlt, damit sich junge Menschen wieder von der evangelischen Kirche angesprochen fühlen. Partizipation wird bei uns gelebt. Bei uns gibt es keine erstarrten Hierarchien, sondern jeder und jede kann mitmachen und Verantwortung übernehmen. Insgesamt also eine spannende und in die Zukunft weisende Synode!“

Darüber hinaus wählte die Synode mehrere Vertreterinnen und Vertreter aus den vier Kölner Kirchenkreise in die Ständigen Synodalausschüsse. Superintendentin Andrea Vogel wird weiter im Ausschuss für Kirchenordnung und Rechtsfragen mitarbeiten. „Mich hat auf dieser Synode, die das erste Mal als digitale Synode tagte, beeindruckt, wie auch dort das Miteinander Ringen gute Lösungen generierte“, sagte Vogel mit Blick auf die Tagung des obersten Leitungsgremiums der Landeskirche. „Es gab auch auf dem digitalen Weg der Synode lebhafte, diskussionsfreudige Abgeordnete. Manche Themen kommen oft und schnell wieder auf die Tagesordnung: Nach der Presbyteriumswahl ist vor der Presbyteriumswahl.“

„Manchmal denkt man auch, warum wir uns schon wieder mit dem Thema Presbyteriumswahlen befassen; wir haben doch gerade erst im letzten Jahr die Presbyter/innen gewählt“, sagte Vogel weiter. „Es war die Frage aufgeworfen worden, wie kann und sollte man die Presbyteriumswahlen 2024 gestalten. Ein Vorschlag zielt darauf hin, die Wahlen 2024 online zu ermöglichen.  Hierzu gab es generationenübergreifend ein positives Votum.“ Aber auch die Arbeit in den Ausschüssen würdigte die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch: „Viele mögliche Entscheidungen werden in Tagungsausschüssen vorbereitet und anschließend in der Synode nochmals diskutiert und entschieden. Es erfreut, wenn die Vorarbeit in den Ausschüssen Früchte trägt durch eine Entscheidung im Plenum.“

Die Sitzungsleitung der Landessynode 2021

Superintendentin Susanne Beuth wird in den nächsten Jahren im Ausschuss für öffentliche Verantwortung mitarbeiten. Bereits auf der Synode war sie an den Beschlussvorlagen des Gremiums beteiligt. „Leider konnte man in den Plenumssitzungen nur ansatzweise mitbekommen, dass die Synode zwei Tage in den Ausschüssen intensiv auch inhaltlich an theologischen und gesellschaftlichen Fragen gearbeitet hat. Die Texte wurden im Plenum deshalb nur noch wenig diskutiert und rasch und oft einstimmig beschlossen. Da kann man von außen sicherlich den Eindruck bekommen, Synode sei ein sehr trockenes Geschäft“, sagte die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte mit Blick auf die Synode. „Aber es wurden wichtige Weichen gestellt, worüber wir mit Lust und Energie weiter nachdenken und wie wir weiter handeln wollen.  Dass In der „Weite des Rheinlandes“ Engagement in der Flüchtlingspolitik, für konkreten Klimaschutz, für Partizipation und innovatives theologisches Denken konsensfähig sind, zeigt doch, dass wir eine zukunftsfähige Kirche sind. Dazu passt auch, dass die Kirchenleitung mit zwei nebenamtlichen Mitgliedern unter 30 deutlich jünger geworden ist. Und ich freue mich, dass mit Miriam Haseleu wieder eine Kölnerin in der Kirchenleitung vertreten ist.“

So verabschiedete die Synode Beschlüsse zu der Lage von Geflüchteten aus bosnischen und griechischen Lagern und fordert forderte Hilfe für Schutzsuchende an EU-Außengrenzen und dass diese sofort aufzunehmen seien. Weiter beschloss die Landessynode, Kirche auf dem Weg des gerechten Friedens zu sein und so ihrem biblischen Auftrag nachzukommen, für Gerechtigkeit einzutreten und Frieden zu stiften. Dieser friedensethische Beschluss ist das Ergebnis eines breit angelegten Diskussionsprozesses, ausgehend vom Friedenswort der Landessynode 2018. Außerdem wurde das Impulspapier „Partizipativ(e) Kirche werden“ verabschiedet. Darin sind Perspektiven der kirchlichen Zukunft skizziert. Ein zentraler Punkt ist dabei die Stärkung der partizipativen Prozesse in der rheinischen Kirche.

Die Synode legte weiter fest, dass die Evangelische Kirche im Rheinland sich vom Selbstverständnis als Volkskirche verabschieden und neu definieren soll. Das ist vor dem Hintergrund der in der Freiburger Studie 2019 prognostizierten Halbierung der Zahl der Kirchenmitglieder in den nächsten 40 Jahren ein zentrales Anliegen des Impulspapiers „Lobbyistin der GOTT-Offenheit“ des Ständigen Theologischen Ausschusses. Die rheinische Kirche nimmt sich auch beim Klimaschutz stärker selbst in die Pflicht. Die Landessynode beauftragte die Kirchenleitung, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die ein einheitliches Energiecontrolling und die Erstellung von Gebäude-Energieberichten mit bestimmten Mindesterfordernissen auf allen kirchlichen Ebenen gewährleistet.

Superintendent Bernhard Seiger stellte die Aufarbeitung der Software-Umstellung Wilken auf der Synode vor. Bei der Wahl künftiger Software sollen in der rheinischen Kirche auf allen Ebenen möglichst gemeinsame Standardlösungen zum Einsatz kommen, die sich in vergleichbaren Projekten bewährt haben. Das ist eine der Konsequenzen, die die Landessynode aus der Verteuerung und den Schwierigkeiten bei der Einführung der Finanzbuchhaltungssoftware in den zurückliegenden Jahren zieht. Am Freitagnachmittag beschloss das Leitungsgremium eine entsprechende Bitte in Richtung Kirchenleitung mit großer Mehrheit. Unerlässlich, so der Beschluss, seien genaue Zeitplanung, plausible Einführungsschritte und ausreichende Schulungszeiträume. Zudem hat die Landessynode beschlossen, dass künftig bei landeskirchenweiten Projekten und Software-Lösungen die Reihenfolge der Vorgaben für das Verwaltungshandeln geklärt werden muss.Die vorgeschlagenen Änderungen der Dienstordnung für das Landeskirchenamt sollen für agilere Arbeitsabläufe im Landeskirchenamt sorgen.  Durch die Verschlankung der Dienstordnung und die Verringerung verbindlich vorgeschriebener Arbeitsabläufe sollen die anfallenden Aufgaben mit größerer Flexibilität erledigt werden können.

Weiter hat die Landessynode in den Jahren 2019 und 2020 nach intensiver Besoldungsdiskussion die Einführung der Bundesbesoldung und die Durchstufung von Pfarrerinnen und Pfarrern beschlossen. Ebenfalls wurde die Gesetzvertretende Verordnung zum Verfahrensgesetz beschlossen. Sowohl mit der ersten als auch mit der zweiten gesetzesvertretenden Verordnung zur Änderung des Verfahrensgesetzes wurden damit für die Leitungsgremien in der Evangelischen Kirche im Rheinland Möglichkeiten geschaffen, auch während der Ausbreitung des Coronavirus sowie der damit verbundenen staatlichen Einschränkungen der Versammlungsfreiheit die Arbeits- und Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. In Ausnahmefällen, in denen die Umstände eine Präsenzsitzung erheblich erschweren, wird zugunsten der Kreissynoden sowie der Landessynode eine Beschlussfassung im Wege des Umlaufverfahrens sowie die Abhaltung von Tagungen als Videokonferenz bzw. Hybridsitzung ermöglicht. Zudem wurde für alle Leitungsgremien für diese Ausnahmefälle die Möglichkeit geschaffen, erforderliche Wahlen als Brief- oder Onlinewahl durchzuführen.

Die Umlage für gemeinsame Aufgaben in der Evangelischen Kirche im Rheinland beträgt nach Festsetzung durch die Landessynode 2021 rund 60,32 Millionen. Das sind, wie jetzt im Finanzausgleichsgesetz geregelt, 21 Prozent des Netto-Kirchensteuer-Aufkommens. Der Pauschalbetrag zur Deckung der Pfarrbesoldungskosten für jede besetzte Pfarrstelle beträgt 127.730 Euro. Die Ausgleichsumlage zur Finanzierung des Finanzausgleichs innerhalb der Landeskirche wird insgesamt auf 84,09 Prozent festgesetzt. Die Landessynode der EKiR beschloss auch den Haushalt 2021 mit einem Gesamtvolumen von rund 532 Millionen Euro. Den Aufwendungen stehen Erträge von 524,5 Millionen Euro gegenüber. Die fehlenden Erträge in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro werden freien Rücklagen entnommen. Die Landessynode stellt den Jahresabschluss 2019 mit einem Jahresergebnis von rund 11,63 Millionen Euro fest. Die Bilanzsumme beträgt 1,774 Milliarden Euro. Es gibt einen Bilanzgewinn in Höhe von rund 9,8 Millionen Euro, der in die freie Rücklage eingestellt wird. Die Prüfung des Jahresabschlusses durch das Rechnungsprüfungsamt der Rechnungsprüfungsstelle Düsseldorf ist noch nicht abgeschlossen. Die Landessynode kann daher die formale Entlastung noch nicht erteilen.

Präses Manfred Rekowski auf der Landessynode 2021

Die 74. Landessynode der EKiR war auch letzte Tagung dieser Art für Manfred Rekowski. So stand am Synoden-Ende auch der Dank für seinen Dienst als Präses in der Kirche. Am 20. März 2021 scheidet der Wuppertaler aus dem Präses-Amt und tritt in den Ruhestand. Mehr als drei Jahrzehnte habe Rekowski der Landessynode angehört, erinnerte Vizepräses Christoph Pistorius zum Abschied: als Abgeordneter, als Superintendent des Kirchenkreises Barmen und des fusionierten Kirchenkreises Wuppertal, aber auch als nebenamtliches und später hauptamtliches Kirchenleitungsmitglied als Leiter der Personalabteilung – und seit 2013 schließlich als Präses. Die Landessynode habe in Rekowski „einen engagierten und leidenschaftlichen Theologen erlebt, für den die Relevanz von Theologie ein Lebensthema ist“, betonte Pistorius. Diakonisches, anwaltschaftliches Engagement habe Rekowskis Wirken geprägt, „insbesondere für Geflüchtete, aber auch in der Wahrnehmung von Verantwortung für die Schöpfung und Frieden sowie ein friedliches Miteinander der Religionen“.

Text: ekir/APK
Foto(s): ekir.de / APK

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Thorsten Latzel zum Präses gewählt – Miriam Haseleu neues Mitglied der Kirchenleitung

Thorsten Latzel wird nächster Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode hat den 50-jährigen Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt an die Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland gewählt. Er tritt die Nachfolge von Pfarrer Manfred Rekowski an, der im März nach achtjähriger Amtszeit in den Ruhestand geht.

Der promovierte Theologe setzte sich im ersten Wahlgang mit 113 Stimmen gegen seine Mitbewerberin und seinen Mitbewerber durch. Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, erhielt 57 Stimmen. Auf Professor Dr. Reiner Knieling, Leiter des Gemeindekollegs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Neudietendorf, entfielen 17 Stimmen. Der neue Präses wird am 20. März in sein Amt eingeführt.

Miriam Haseleu ist Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes und Assessorin im Kirchenkreis Köln-Mitte

Mit 104 Stimmen wählte die Synode Pfarrerin Miriam Haseleu zum neuen nebenamtlichen Mitglied der Kirchenleitung. Die stellvertretende Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte ist seit 2015 Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Themenbereiche Migration und Transkultur, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien sowie Zukunfts- und Strukturprozesse.

„Ich bin gerne bereit in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland an einer Vision von Kirche mitzuarbeiten, die sich für eine diverse und solidarische Gesellschaft einsetzt“, schreibt Haseleu in ihrer Vorstellung, die an die Synodalen geschickt wurden. „Eine Kirche, die genug Profil und Professionalität hat, um regional mit Schwerpunkten wirksam zu bleiben und die zugleich so gut interdisziplinär vernetzt ist, dass sie eine gesellschaftliche Säule bleiben und die Stimme für Entrechtete und für Nachhaltigkeit sein kann.“ Pfarrer Markus Herzberg, der ebenfalls für die Position in der Kirchenleitung kandidierte, erhielt 67 Stimmen.

Weiter wählte die Landessynode unter anderem die folgenden Personen als hauptamtliche Mitglieder in die Kirchenleitung: Oberkirchenrätin Henrike Tetz für die Abteilung Erziehung und Bildung und Henning Boecker für die Abteilung Finanzen und Diakonie. Weitere neue nebenamtliche Mitglieder sind Lukas Schrumpf aus Solingen, Ricarda Gerhardt aus Schauren, Helga Siemens-Weibring aus Essen und Lisa Marie Appel aus Bonn.

Text: ekir/APK
Foto(s): ekir.de

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„111 Kölner Kirchen, die man gesehen haben muss“ – Die Stadt abseits des Bekannten

Das „Rom des Nordens“ – so bezeichneten die Menschen Köln in der Zeit des Mittelalters. Grund dafür waren die vielen Kirchen in der Stadt. Einhundertelf Kirchen haben Monika Schmitz aus Autorin und Britta Schmitz als Fotografin in ihrem Buch „111 Kölner Kirchen, die man gesehen haben muss“ kurz vorgestellt und abgebildet. Meist sind es eher ungewöhnliche Gotteshäuser, die in Köln und im nahen Umland liegen und meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln besucht werden können. Wer in diesem Buch fast nur katholische Gottesshäuser erwartet, wird überrascht sein. Fast jede sechste ausgewählte Kirche ist evangelisch. Diese reichen unter anderem von der Antoniterkirche in der Innenstadt über die Kartäuserkirche in der Südstadt, die Zeltkirche Kippekausen, die Sandkapelle der Studierendengemeinde, die Epiphaniaskirche in Bickendorf, der Lutherkirche in Mülheim bis hin zur Reformationskirche in Marienburg.

Die zahlreichen wegweisenden Architekturkunstwerke der vielfältigen Religionsorte mit ihren teilweise ungewöhnlichen Schätzen waren der Autorin wichtig. Die kölsche Vielfalt fasst sie mit dem Motto »leben und leben lassen« zusammen. Und so finden sich neben Kirchen auch Synagogen und die Zentralmoschee in diesem Buch. Fotografin Britta Schmitz hat versucht alle diese Glaubensorte aus besonderen Blickwinkeln einzufangen und hat so zusammen mit Autorin Monika Schmitz einen Stadtführer geschaffen, der seinen Fokus auf Plätze abseits des Mainstreams legt und eine eher unbekannte Seite Kölns zeigt. Das Buch „111 Kölner Kirchen, die man gesehen haben muss“ ist im Buchhandel verfügbar.

Text: APK
Foto(s): emons

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„Das Netz trägt auch in schweren Zeiten“ – Digitale Seelsorge im 21. Jahrhundert

Josephine Teske ist in der Szene bekannt. Sie betreibt den Instagram-Account @seligkeitsdinge und hat dort inzwischen fast 24.000 Abonnenten. Josephine ist evangelische Pfarrerin in der Kirchengemeinde Büdelsdorf im hohen Norden. Daher weiß Teske ganz genau: Eigentlich lebt Seelsorge vom persönlichen Gespräch und von der persönlichen Begegnung. Doch durch Corona wurde alles anders, das gewohnte Leben hat sich komplett verändert, das Miteinander findet, wenn überhaupt, nur online statt. Das bekommen viele Pfarrerinnen und Pfarrer auch gerade in der Seelsorge zu spüren, egal, ob auf der empfangenden oder gebenden Seite. Auf einer gemeinsamen Tagung von Melanchthon Akademie, des Dezernates Politik und Kommunikation der Ev. Kirche im Rheinland und der Evangelischen Akademie Rheinland gab es unter dem Titel „Das Netz trägt auch in schweren Zeiten“ einen online-Erfahrungsaustausch über die Seelsorge in der digitalen Welt. In Vorträgen, aber vor allem in verschiedenen Workshops kam es zu angeregten Diskussionen zwischen Menschen, die schon in diesen Medien aktiv sind sowie Anbietern entsprechender Plattformen.

@seligkeitsdinge – Seelsorge über Instagram

In ihrem Workshop berichtete Josephine Teske von ihren Erfahrungen in analoger und digitaler Seelsorge. Auf dem Papier ist sie zu 75 Prozent Pfarrerin und zu 25 Prozent Instagram-Seelsorgerin. „Das ist aber rein symbolisch, ich bin zu 100 Prozent in der Gemeinde und zu 100 Prozent im Netz“, berichtete sie aus ihrem Alltag, den sie zusätzlich noch mit zwei Kindern alleine meistern muss. Was unterscheidet Seelsorge im Netz von analoger Seelsorge in der Gemeinde? „Seit ich hier Pfarrerin bin, hatte ich vielleicht drei Anfragen zur Seelsorge in der Gemeinde, auf Instagram habe ich im Schnitt bis zu fünf Anfragen täglich. Je nach Thema geht das aber auch auf 100 und mehr hoch.“ Ihre Erfahrungen sind eindeutig: Im Netz wird man eher wahrgenommen, das Publikum ist deutlich jünger, die Hemmschwellen sind erheblich niedriger. Das wirkt sich sogar auf die Gottesdienste aus, auch hier werden die Besucher deutlich jünger, da viele Instagram-Nutzer aus ihrer Gegend in den Gottesdienst kommen.

Seelsorge im Netz – anonym und doch vertraut

„Die meisten Leute lerne ich nie persönlich kennen“, ist sich Josephine bewusst. Trotzdem entsteht eine große Nähe. Sie setzt Themen aus ihrem Leben, beschreibt ihre Gefühle und zeigt sich in Bildern – nicht hoch gestylt, sondern mit allen Macken und Schönheiten, die sie zu bieten hat. Viele seelsorgerische Anliegen werden unter den Followern diskutiert, oft greift Josephine nur moderierend ein. Für direkte Seelsorge hat sie sich auch in der digitalen Welt eine Struktur geschaffen. „Ich kann nicht Tag und Nacht verfügbar sein, das sprengt meine Grenzen.“ Eine praktische Erfahrung hat sie mit einer jungen Frau gemacht, die sie selbst Nachts mit ihren Suizidgedanken geweckt hat und das Gespräch gesucht hat. „Ich vereinbare jetzt Termine über maximal 90 Minuten per Telefon oder Video, nur dann kann ich professionell begleiten.“ Auch orientiert sie sich dabei an den Regeln zur Gesprächsführung aus der analogen Welt. Zur Struktur gehört auch, Nachrichten zu ignorieren oder gar nicht zu lesen. „Unter den Followern ist eine Gemeinde entstanden, die zwar anonym ist, wo aber sehr vertraut und offen geredet wird.“

Der Bedarf an digitaler Seelsorge sei enorm, gerade in Corona-Zeiten gebe es kaum eine andere Möglichkeit des Beistands. Was fehlt, sei die Anerkennung der Amtskirchen. So langsam sehe man dort die Notwendigkeit ein, doch Stellen würden dafür noch lange nicht geschaffen. „So nebenbei kann man das nicht leisten, das ist eine Vollzeitarbeit.“ Auch ihre eigene Gemeinde hat oft Probleme damit, dass Josephine zeitlich eng getaktet ist und die Seelsorge im Netz genauso ernst nimmt, wie die Seelsorge vor Ort. Abends zieht sie dann oft nur das eine Fazit: „Manchmal bin ich übervoll mit Kommunikation, dass ich zuhause nicht mehr reden kann.“

Einander im Blick behalten – Möglichkeiten von Videochat und Videotelefonie

Wie kann man ohne großen Aufwand sicherstellen, dass auch in Pandemiezeiten Beratung und Kontakte aufrechterhalten werden können? Heike Ickler, Diplom-Sozialberaterin an der Beratungsstelle für Erziehungs-, Familien-, Ehe- und Lebensfragen im Kirchenkreis an der Agger, berichtete in einem anderen Workshop von ihren durchweg positiven Erfahrungen in der Videoberatung. „Dann kam Corona und wir waren mittendrin.“ Schnell war die Idee der Videoberatung geboren, es wurde ein Testzugang zum Beratungstool Elfi gebucht und schon konnte es losgehen. „Wir haben durchweg gute Erfahrungen gemacht. Durch das aktive Tun wurden wir immer sicherer, die ganze Sache fühlte sich sehr gut an.“ Problematisch ist die schlechte Internetanbindung auf dem Land, hier sucht man jetzt nach einem Tool, was mit einer schwächeren Verbindung auskommen kann. „Wir bieten die Möglichkeit des Telefons, wenn die Verbindung abbricht, um das Gespräch aufrechtzuerhalten.“ Allerdings sind Beratungen per Video die erste Wahl, „Gestik und Mimik sind beim Gespräch nicht zu ersetzen.“ Alles in allem zieht Heike Ickler ein durchweg positives Fazit in Sachen Videoberatung: „Konfliktberatung geht gut, man spart Anfahrtswege, man kann spontan bei akutem Bedarf reagieren.“

Unkompliziert und persönlich – der Videobesuch im Pflegeheim und Apps im Alltag

Besuchsverbot im Pflegeheim – wie kann man den Menschen trotz Isolation Kontakte ermöglichen? Jaye Pharrell stellte dazu die von ihrer geschaffene Plattform videobesuch.de vor. Einfach und unkompliziert, ohne großen Aufwand für die Pflegerinnen, können Angehörige Besuche per Videochat auf ein beliebiges Endgerät buchen und direkt reden. „So können wir Menschen verbinden, die vorher nur telefonieren konnten.“

Pastor Achim Blackstein, Beauftragter für digitale Seelsorge und Beratung am Zentrum für Seelsorge der Landeskirche Hannover, stellte in einem weiteren Workshop Apps vor, die er auf Alltagstauglichkeit in der Seelsorge getestet hat. „Apps können Sie für Ihre seelsorgerliche Arbeit nutzen, aber auch und erst recht für Ihre persönliche Selbstfürsorge.“ Die Apps und Tipps dazu findet man auf seiner Internetseite: www.achim-blackstein.de,

Alles in allem gingen die Teilnehmer mit einer geballten Ladung Informationen und praktischen Tipps aus dem virtuellen Zoom-Workshop wieder in ihr reales Zuhause. Alle waren sich einig, dass die Seelsorge im digitalen Umfeld angekommen ist und man darauf Antworten finden muss.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann

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Kirche und jede Menge Flexibilität – Die Landessynode 2021 tagt digital

Es ist eine Premiere für die Evangelische Kirche im Rheinland. Die Landessynode tagt von Montag an bis zum 15. Januar 2021 auf Grund der Corona-Pandemie nur digital. „Das ist eine Herausforderung. Es wird anders. Doch wir sollten nicht hadern, sondern das Beste daraus machen“, sagte Präses Manfred Rekowski im Vorfeld der Synode.

Und so wird einiges anders sein, als zunächst geplant. Das Schwerpunktthema „Seelsorge“ muss entfallen, dabei hat gerade dieser Teil der kirchlichen Arbeit das Corona-Jahr 2020 an vielen Orten geprägt. Dafür stehen neben dem Präsesbericht, dem Haushalt 2021 und dem Jahresabschluss 2019 auch viele Wahlen auf dem Programm, darunter auch die Wahl einer oder eines neuen Präses, da Pfarrer Manfred Rekowski nicht mehr kandidiert und nach achtjähriger Amtszeit im Frühjahr 2021 in den Ruhestand geht. Als Kandidatin bzw. Kandidaten für das Präses-Amt hat der Nominierungsausschuss Professor Dr. Reiner Knieling aus Erfurt, Dr. Thorsten Latzel aus Darmstadt und Almut van Niekerk aus Sankt Augustin vorgeschlagen. Die drei Nominierten haben sich Anfang Dezember mit Gottesdiensten und Interviews, die im Internet abrufbar sind, öffentlich vorgestellt.

Doch auch weitere hauptamtliche und nebenamtliche Positionen in der Kirchenleitung sind zu besetzen. Insgesamt 15 Theologinnen und Theologen bzw. Nicht-Theologinnen und Nicht-Theologen bilden die Kirchenleitung, die das Präsidium der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. Zwischen den jährlichen Tagungen des obersten Leitungsgremiums führt die Kirchenleitung die Geschäfte. Sie besteht aus sechs hauptamtlichen und neun nebenamtlichen Mitgliedern. Alle Mitglieder sind auf acht Jahre gewählt; alle vier Jahre wird die Hälfte der Kirchenleitung neu bestimmt.

Unter den Kandidatinnen und Kandidaten kommen auch zwei aus Köln. Für eine Position, die aktuell von Superintendentin Almut van Niekerk wahrgenommen wird, kandidieren Pfarrerin Miriam Haseleu und Pfarrer Markus Herzberg. Von einer anderen Position war Marlis Bredehorst im Mai 2020 krankheitsbedingt zurückgetreten, Bredehorst ist im Herbst verstorben. Für diese unbesetzte Position kandidiert Lisa Marie Appel aus Bonn. Die hauptamtlichen Mitglieder der Kirchenleitung sind zugleich Abteilungsleitende im Landeskirchenamt. Hier stehen zwei Wahlen an. Für die Abteilung 3 (Erziehung und Bildung) sind Marco Sorg aus Schwerte und Amtsinhaberin Henrike Tetz aus Düsseldorf nominiert. Auch die Leitung der Abteilung 5 (Finanzen und Diakonie) ist neu zu besetzen. Nominiert sind hier Henning Boecker aus Düsseldorf und Volker Leimert aus Mönchengladbach.

Inhaltlich beschäftigen sich die Landessynode und ihre Tagungsausschüsse unter anderem mit dem Klimaschutz in der Evangelischen Kirche im Rheinland, den Ergebnissen des Diskurses zum „Friedenswort 2018. Auf dem Weg zum gerechten Frieden – Impulse zur Eröffnung eines friedensethischen Diskurses anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren“, dem Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen, den Perspektiven der kirchlichen Weiterentwicklung: „Partizipativ(e) Kirche werden – Teilhabe und Teilgabe als Herausforderung“ und dem Bericht des Ständigen Innerkirchlichen Ausschusses zur Aufarbeitung der Software-Umstellung Wilken P5.

Während der Tagung der Landessynode vom 11. bis 15. Januar 2021 gibt es auf der Internetseite www.ekir.de/landessynode neben Livestreams von allen öffentlichen Sitzungen auch aktuelle Berichterstattung. Auf der Seite befinden sich auch alle vorliegenden Beratungsvorlagen und Drucksachen.

 

Text: ekir/APK
Foto(s): ekir

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„Frohe Weihnachten!“ – Orthodoxe Christen in Köln und Region feiern in dieser Woche

Rund zwei Millionen Menschen haben in Deutschland diese Woche Weihnachten gefeiert. Viele orthodoxe Christinnen und Christen aus den orientalischen Kirchen richten sich nach dem so genannten Julianischen Kalender. Um 13 Tage liegt dieser seit der Kalenderreform von 1582 hinter dem damals eingeführten westlichen Gregorianischen Kalender. Die orthodoxen Weihnachtsgottesdienste zum Beispiel der russischen, georgischen und der serbischen orthodoxen Kirche finden am 6. Januar (Heiligabend) und 7. Januar statt.

Auf der Kölner Kirchenbank erzählt der griechisch-orthodoxe Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats in Köln-Deutz, Radu Constantin Miron, über die orthodoxe Kirche und ihre Bedeutung. Was ist die orthodoxe Kirche in Deutschland? Was sind die zentralen Gedanken und wie sehen die Mitglieder sich im Hinblick auf ihren Gottesglauben? Fragen, über die Sammy Wintersohl mit Constantin Miron im Rahmen der Reihe Kölner Kirchenbank gesprochen hat. Es ist das zweite Mal, dass Constantin Miron auf der Kirchenbank Platz genommen hat. Im ersten Gespräch Anfang November 2020 sprach er über die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), deren Vorsitzender Miron seit 2019 ist.

Als „Kirche der ersten Jahrhunderte“ bezeichnet Constantin Miron seine Glaubensgemeinschaft, als eine Kirche, die sich ihrer Wurzeln und Traditionen sehr bewusst ist, sich aber nicht von den anderen christlichen Kirchen abgrenzt. Gott auf „rechte Weise“ zu lobpreisen – diese Bedeutung steckt im altgriechischen Wort „orthodox“, das als „rechtgläubig“ übersetzt wird, in dem eben aber auch immer das „rechte Lobpreisen“ Gottes mitschwingt. „Das Wort ,rechtgläubig‘ ist ein Etikett, das uns angehängt wurde. Im Grunde sind wir alle katholisch, da wir ein allgemeingültiges Christentum vertreten und evangelisch, wenn wir aus dem Evangelium heraus leben,“ sagt Miron. Die Konfessionsbezeichnungen seien weder eine Abwertung, noch eine Abgrenzung, sondern eine geschichtliche Entwicklung, ist der Theologe überzeugt.

Dies ist eine geschichtliche Entwicklung, die auch die orthodoxe Kirche im Blick hat, die aber nicht, wie Constantin Miron betont, das im sonntäglichen Gottesdienst gesprochene, apostolische Glaubensbekenntnis außer Kraft setzt. „Das, was Petrus und Paulus vor 2.000 Jahren geglaubt haben, glauben auch wir. Unsere Gottesdienste sind voller Lobpreis. Sie können mit dem Morgengottesdienst, der in die Abendmahlfeier übergeht, durchaus auch drei Stunden dauern. Man kommt, wann man kann und bleibt dann hoffentlich bis zum Schluss“, erklärt er weiter.

Alles sei auf seine Weise „Heilige Schrift“ in diesen Gottesdiensten, so der Pfarrer und erläutert, dass es natürlich eine Predigt gibt, diese aber einen anderen Stellenwert als in evangelischen Gottesdiensten habe. Da der Gottesdienst in seiner griechisch-orthodoxen Gemeinde ein Stück Heimat sei, werde im Wesentlichen griechisch gesprochen, berichtet der Erzpriester. Doch die Entwicklung hin zu Gottesdiensten auf Deutsch sei im Gange.

Die Sakramente ähneln denen der römisch-katholischen Kirche. Die Taufe gehört dazu, die Krankensalbung, die Trauung und die Beichte. Bei der Trauung stehe nicht so sehr das Ja-Wort im Mittelpunkt als vielmehr der Segen, den das Paar empfange. Jedes Paar sollte allerdings als Voraussetzung das Sakrament der Taufe, egal in welcher Kirche, empfangen haben. „Kann einer der Partner nichts mit dem Glauben anfangen und ist nicht getauft, ist das theologisch schwierig. Hier suchen wir gerade nach einem Weg, damit umzugehen.“

Für ihn ist die orthodoxe Kirche ein „Wir“, das neben den Gläubigen aus einem dreigliedrigen Amt besteht, denn getragen werde die orthodoxe Kirche von Bischöfen, Priestern und Diakonen. In der Regel kommen die Bischöfe aus dem Mönchsstand, und sind unverheiratet. Ein Priester darf zwar nicht heiraten, doch ein verheirateter Mann kann zum Priester oder Diakon geweiht werden. „Diese Regelung bewährt sich seit Jahrhunderten. Diskutiert wird gerade, ob das Zölibat der Bischöfe sinnvoll ist und, ob eine Ordination von Frauen möglich werden kann. Diakoninnen in Alexandrien gibt es schon, doch die Ordination wird vermutlich noch auf sich warten lassen.“ Bei dieser Thematik habe die orthodoxe Kirche weder Denk- noch Sprechverbote. Ein ähnliches Amt, wie das des Papstes, gebe es in der orthodoxen Kirche nicht, führt der Erzpriester aus. Jedoch sei der Patriarch von Konstantinopel derjenige, der als „Gleicher unter Gleichen“ den Bischöfen des gesamten orthodoxen Christentums vorsteht.

Finanziert wird die Orthodoxe Kirche durch Spenden sehr engagierter Kirchenmitglieder, die sich mit ihrer Kirche identifizieren, da ihre Kirche zu ihrem Selbstverständnis des Lebens gehört. „Das Geheimnis dieser Identifikation kann ich gar nicht wirklich definieren“, gibt der Theologe zu und spricht davon, dass er den Konfirmations- und Kommunionsunterricht, den es in seiner Kirche nicht gibt, mit einem kleinen Hauch von Neid als gute Chance sieht, Kinder und Jugendliche für den Glauben zu begeistern – einen Glauben, den der Kölner Erzpriester, wie er zum Abschluss des Gesprächs noch einmal bestätigt, gar nicht mal so sehr mit der jeweiligen Konfession verbindet, sondern mit dem Dienst für Gott und für die Menschen.

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Text: Katja Pohl
Foto(s): APK

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„Eine sehr stille Nacht“ – Heiligabend 2020 in der Krankenhausseelsorge am EVK in Bergisch Gladbach

Sonore Stimme, ruhiges Auftreten, warmer Blick und ab und zu ein verschmitztes Lachen: Pastor Dr. Rainer Fischer ist einer, dem Menschen leicht etwas anvertrauen. Und allein schon deswegen ist er genau da richtig, wo er seinen Arbeitsplatz hat – am Evangelischen Krankenhaus (EVK) in Bergisch Gladbach. Als Krankenhausseelsorger ist er dort für Freud und Leid Ansprechpartner auf allen Stationen für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter, egal welcher Religion – oder auch keiner. Zuständig ist er auch für das zum EVK-Komplex gehörende Seniorenheim, die Psychiatrie und – ganz neu seit 2020 – für das stationäre Hospiz – auch in dieser Weihnachtszeit inmitten der Corona-Pandemie.

„Es war schon eine sehr stille Nacht“, fasst Pastor Dr. Rainer Fischer den Heiligabend 2020 zusammen. Lediglich im Seniorenhaus ‚An der Jüch‘ durfte er noch Auge in Auge mit den Bewohnern zusammen sein, allerdings gewissermaßen in Portionen: „Ich habe viermal hintereinander einen halbstündigen Gottesdienst gehalten.“ Dies war auf jeder Etage einen – stets mit FFP2-Maske. Die Lieder zum Thema Hoffnungsschimmer kamen aus dem Handy, verstärkt von einer Bluetooth-Box. Singen war verboten, nur Summen war erlaubt.

Viele Bewohner hätten sich fein gemacht und „eine große Dankbarkeit“ sei zu spüren gewesen, berichtet Dr. Fischer, der abends auch den traditionellen Heiligabend-Gottesdienst im EVK hielt. Dabei sah er dieses Mal jedoch statt in die Augen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer nur in eine Kameralinse. Die Worte und Gebete aus der EVK-Kapelle konnten nur virtuell über den Hauskanal verfolgt werden, live als Audio- oder TV-Übertragung. Die Situation sei schon etwas „absurd“ gewesen, kommentiert der Pastor im Nachhinein, der zudem ganz alleine zum eigenen Gitarrenspiel sang, da er auch den Organisten ersetzen musste.

Auch beim ersten Weihnachtsgottesdienst im vergangenen Jahr eröffneten stationären Hospiz „Die Brücke“ fehlte der unmittelbare Kontakt zu den Menschen. Das Mikrofon, an dem der Pastor nach einem Schnelltest sprach und zu seiner Gitarre sang, stand im gut durchlüfteten Flur. Die Türen zu den Zimmern standen offen. Diese Feier habe er jedoch als „sehr positiv“ empfunden, sagt Dr. Fischer, denn das gesamte Personal und auch die Angehörige in den Zimmern waren festlich gekleidet. „Das hat mich sehr gerührt.“

All die anderen sonst üblichen Gottesdienste zu Weihnachten im Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach, sei es in der Psychiatrie oder bei den Demenzpatienten im Haus Quirlsberg fielen für den EVK-Seelsorger aus Corona-Sicherheitsgründen vor Ort aus. „Doch ich habe einen Lese-Gottesdienst gemacht und geliefert“, erzählt Dr. Fischer weiter. Konkret bedeutete dies, dass er für die Menschen mit Demenz einen „Komplett-Gottesdienst in einfacher Sprache“ inklusive Lied-Audio-Dateien und Fürbitten entwarf, den ein Mitarbeiter des Sozialdienstes halten konnte. Der Psychiatrie-Abteilung lieferte er einzelne Gottesdienst-Elemente als Bausteine, die sich bei den Feiern auf den einzelnen Stationen von den Mitarbeitern frei kombinieren ließen. „Die Weihnachtsgeschichte ist auf jeden Fall immer mit dabei!“ Die wollten die Menschen hören.

Durch das Coronavirus in den vergangenen Monaten habe sich dieser Schwerpunkt seines Arbeitsalltags allerdings ein wenig verändert, erzählt der Seelsorger weiter: „Während der Pandemie war ich oft länger im Dienstzimmer beim Personal als am Bett beim Patienten.“ Den Mitarbeitern machten Überlastung sowie die Angst vor Ansteckung und Viren-Übertragung zu schaffen. Gedanken, die auch den Seelsorger bisweilen umtreiben. „Und was mich missmutig macht, sind die zurzeit eingeschränkten Möglichkeiten.“ Denn statt Abstand ist normalerweise Nähe angesagt. Menschen wünschen sich das Halten der Hand oder das Spenden des Abendmahls.

Zu schaffen macht Dr. Rainer Fischer bisweilen auch das krasse Umschalten von Freud auf Leid – oder umgekehrt. Eben noch ein lustiger Nachmittag mit Demenz-Patienten, dann ein Sterbegespräch. „Diese Fallhöhen auszugleichen“, sagt er, sei eine der Herausforderungen seiner Arbeit. Ein Beispiel aus seinen 16 Dienstjahren am EVK? Da braucht Dr. Rainer Fischer nicht lange nachzudenken, denn die Erinnerung an Weihnachten 2019 noch relativ frisch: „An Heiligabend – gerade hatten wir noch „O du Fröhliche“ gesungen – wurde ich fünf Minuten später auf die Intensivstation gerufen und musste einer Frau mit ihren beiden kleinen Töchtern sagen, dass der Ehemann und Vater mit Anfang 40, der beim Baumschmücken einen Herzinfarkt hatte, verstorben war.“

Wie lässt sich in solch einer Situation oder auch im Sterben selbst trösten? „Mir ist sehr wichtig, Seelsorge in Bildern zu betreiben“, sagt der EVK-Seelsorger. Das heißt? „Ich gucke, welche Bilder bietet mir jemand an.“ Entweder entwickelt er sie weiter oder er bietet andere Bilder als positive Gegenbilder, als Trost- und Hoffnungsbilder an. Ein Schlüssel sei oft die Frage: „Wo fühlen Sie sich geborgen und zu Hause?“ Eine Frage, die sich im Grunde jeder zwischendurch stellen sollte – gerade auch zu Beginn eines neuen Jahres.

Die Arbeitsstelle des Pastors hat zwei ungewöhnliche Facetten: Zum einen wird seine Stelle nicht von einer Kirchengemeinde unterhalten, sondern vom Krankenhaus selbst – unmittelbar an die Geschäftsleitung angebunden. Ungewöhnlich ist zudem, dass solch eine Vielzahl von Arbeitsbereichen in einer Seelsorge-Stelle vereint sind. Der Pastor hat sich daher vielfach weiterqualifiziert, unter anderem zum zertifizierten „Ethikberater im Gesundheitswesen“.

„Die Ethik hat am EVK einen hohen Stellenwert“, sagt Dr. Rainer Fischer. Bei Fallbesprechungen oder der Diskussion über Therapieabbrüche wird er von Ärzten hinzugezogen. „Als Seelsorger ist man meistens sozusagen geborenes Mitglied im Ethik-Komitee.“ Hinzu kommen natürlich noch Gottesdienste, Ausschüsse und Gremien. Kurz: Der Kalender des Geistlichen ist meist randvoll. „Aber das ist eigentlich nur das Gerüst für das, was dazwischenkommt“, gesteht er schmunzelnd. „Ich weiß eigentlich nie, wie der Tag verläuft, und es kommt immer anders als geplant.“

Dazu tragen zum einen die Tür-und-Angel-Gespräche mit Patienten und Mitarbeitern bei – wenn auch weniger zu Corona-Zeiten. Und dann gibt es noch die plötzlichen Sterbefälle und die akuten Notlagen, bei denen der Pastor zuhört, tröstet, berät, ermutigt, ein Gebet spricht oder einen Segen spendet. „Haben Sie mal kurz Zeit?“ ist die klassische Türöffner-Frage, an die sich oft ein mehrstündiges Gespräch anschließt, in dem es um persönliches Leid, Therapieabbruch oder Gott geht. Oder des Pastors Notfallhandy bimmelt, das Tag und Nacht – außer zu Gottesdienstzeiten – eingeschaltet und über die EVK-Telefonzentrale erreichbar ist. Für Dr. Rainer Fischer ist diese Zeit, in der er unmittelbar für die Patienten oder ihre Angehörigen – im Gottesdienst oder im Gespräch – da ist, die wertvollste Zeit. Denn seine einfache Maxime lautet: „Ich achte immer darauf, mehr am Bett zu sitzen als in Gremien.“

Das Fazit des Krankenhaus-Seelsorgers zu Weihnachten 2020 in Corona-Zeiten fällt nachdenklich aus: „Es war anders, sehr besinnlich. Aber mir fehlte der Kontakt zu den Menschen. Sonst schaue ich in die Gesichter der Menschen und weiß, ob wir am Ende tatsächlich „O du Fröhliche“ singen oder etwas anderes.“

Weitere Informationen: www.evk.de/spezielle-versorgung/seelsorge

Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser

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„Jeder Mensch ist eine König*in“ – Neues Semesterprogramm der Melanchthon-Akademie 1. Halbjahr 2021

„Ein Blick auf das neue Programmheft der Melanchthon-Akademie kann einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Die dort abgebildete Holzstatur des Künstlers Ralf Knoblauch zeigt eine lächelnde, in sich vertiefte und sympathische König*in. Die Königswürde dieser Figur scheint sich nicht an ihrer Krone oder an ihrem schlichten Kleid zu bemessen, sondern es ist die Zufriedenheit, Freude und Offenheit, die diese Figur würdevoll und königlich erscheinen lässt“, so beschreibt die Melanchthon-Akademie das Cover ihres neuen Programmheftes. Hinter den Figuren von Ralf Knoblauch (www.ralfknoblauch) steht aus ihrer Sicht zugleich eine politische Botschaft. Sie sei durchdrungen von der Sehnsucht nach Würde und der Wiederherstellung von verletzter Würde. Der Künstler platzierte seine Figuren genau dorthin, wo die Würde von Menschen auf dem Spiel stehe. Damit werde sie zu mehr als Kunst.

Für die Melanchthon-Akademie als evangelischem Bildungsträger hat die Würde des Einzelnen, die Würde in Gemeinschaft und die Würde in ihrer globalen Verletzlichkeit eine besondere Bedeutung. Mit ihren Veranstaltungen möchte die Akademie zu Denkerfahrungen einladen, an denen sich menschliche Würde im Raum des christlichen Glaubens entfalten und zur Geltung kommen kann. Für den Zeitraum von Januar bis Juli 2020 haben die Studienleiterinnen und Studienleiter der Akademie ein Programm erarbeitet, das neben gewohnten Präsenz- insbesondere auch neue Online- und Hybrid-Formate beinhaltet, die die Erfahrungen der Corona-Pandemie aufnehmen. Einige ausgewählte Veranstaltungen sind diese:

Das Projekt „STARK“: Theologie für alle! geht in eine neue Runde. Ab März 2021 lädt die Akademie alle Erwachsenen, die neugierig auf theologisches Verstehen sind, zu einem ca. 2-jährigen Kurs ein. Dieser findet an 6 Wochenenden pro Jahr stattfindet. Theologie, so wie sie heute verstanden wird, soll durch das Lesen der Bibel und durch den Wunsch, dabei nicht allein zu bleiben, angeregt werden. „Gemeinsam leben“, diese Vision von Dietrich Bonhoeffer, ist heute im urbanen, spätmodernen Kontext der vielschichtigen Gesellschaft aktueller denn je. Theologie ist eine Suchbewegung eines persönlichen Christseins und der Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft. „STARK“ setzt an Knotenpunkten der Theologie an, die von solchen Gedanken getragen sind und führt sie immer wieder zurück auf das Abenteuer, die biblische Gott-Rede heute zu verantworten. Beginn des Seminars ist am 12.3.21. Ein Infoabend findet am 22.01.21 um 19.00 Uhr (Anmeldung erforderlich) statt.

Frühwarn- und Entscheidungssysteme der Atomwaffenstaaten sollen mögliche Angriffe melden und bewerten. „Wie beeinflusst das politische Umfeld die Bewertung von Alarmmeldungen? Was hat der Klimawandel mit dem Atomkriegsrisiko zu tun? Kann Künstliche Intelligenz das Risiko von Falschmeldungen verringern?“ Über diese Fragen diskutieren der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Ralf Mützenich und der Informatiker Prof. Dr. Karl Hans Bläsius aus Trier. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 21. Januar 2021 von 19.00 bis 21.00 Uhr statt

Mit dem neuen Format „PowerTalk – die etwas andere Mittagspause“veranstaltet die Melanchthon-Akademie ein besonderes Bildungsangebot. Studienleiterin Daniela Krause-Wack lädt zum kurzweiligen Online-Talk mit Dozentinnen und Dozenten der Melanchthon-Akademie ein. So zeigen sich vielschichtige Perspektiven in der Auseinandersetzung mit dem Macht- und Kraftvollen. Ausschnitte des PowerTalks werden auch auf melanchthon-blog.deveröffentlicht. Die Veranstaltung findet zum ersten Mal am 9.02. in der Zeit von 12.00 bis 13.00 Uhr mit der Schauspielerin Paula Wehmeyer zum Thema „Selbstermächtigung“ statt.

Im März startet mit den „Grünen Raben“ ein Kurs für „Öko-Pioniere“ in der Kirchengemeinde. Raben sind gelten als weise und listig, gesellig und sozial und haben erstaunliche kommunikative Fähigkeiten. In der Bibel ist es ein Rabe, der nach frischem Grün Ausschau hält (Genesis 8, 6). Das Projekt „Grüne Raben“ ermutigt und befähigt dazu, hinsichtlich Ökologie, Nachhaltigkeit, und Schöpfungsspiritualität in der eigenen Kirchen-Gemeinde aktiv zu werden.

Das Programmheft für das erste Halbjahr 2021 ist ab sofort online sowie in gedruckter Version in der Melanchthon-Akademie erhältlich. Für alle Veranstaltungen ist während der Corona-Pandemie eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung ist telefonisch (0221.931803-9), schriftlich per Mail (info@melanchthon-akademie.de), Fax, Post oder online möglich. Auf Grund der rechtlichen Bestimmungen in der Pandemie und der räumlichen Gegebenheiten finden viele Veranstaltungen in kleineren Gruppen statt.

Text: MAK/APK
Foto(s): MAK

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Kirchenverband baut ausgezeichnet – Preise für Nikolaus-von-Zinzendorf-Haus

Sehr viel Lob aus berufenem Munde, und am Ende stehen Preise. Die Architekten und Architektinnen des Büros Bergblau aus Köln können sich gleich zweimal freuen. Und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region auch. Das Nikolaus-von-Zinzendorf-Haus wurde mit dem Deutschen Bauherrenpreis ausgezeichnet und schaffte es auch in die Liste der „Vorbildlichen Bauten NTW 2020“. „Das Nikolaus von Zinzendorf Haus ist ein besonderes Beispiel dafür, dass zentral liegende kirchliche Gemeindeeinrichtungen und Nachkriegsarchitekturen, die in ihrer Ästhetik oft zu gering geschätzt werden, erhalten und umgenutzt werden können.

In diesem Sinne hat der Evangelische  Kirchenverband Köln und Region mit Unterstützung der Stadt Köln eine besondere Verantwortung für das baukulturelle Erbe und die soziale Fürsorge übernommen“, heißt es in der Begründung der Jury für den Bauherrenpreis. Das mit der sozialen Fürsorge ist wichtig. In dem ausgezeichneten Haus leben in 13 Wohnungen geflüchtete Menschen.

Geschichte

Bis Mitte 2013 war in dem sechsgeschossigen Gebäude an der Brandenburger Straße die Verwaltung des Diakonischen Werks Köln und Region untergebracht. Die zog dann um in den Neubau auf dem Gelände des Kirchenverbandes an der Kartäusergasse. Das Haus an der Brandenburger Straße in Nähe des Hauptbahnhofs wurde umfassend umgebaut. „Seit Jahren sind wir mit dieser Immobilie befasst“, sagte der damalige Stadtsuperintendent Rolf Domning 2016 bei der Vorstellung des Projekts. Der Verband habe vor der Frage gestanden, ob er die Immobilie  verkaufen oder in sie investieren solle, denn das Gebäude sei sanierungsbedürftig.

Nach dem Auszug Diakonischen Werks Köln und Region sei die Idee entstanden, das Haus weiterhin diakonisch zu nutzen. Und zwar im Sinne der Flüchtlingsarbeit und in der christlichen Verantwortung für Menschen in Not. „Als sich die Situation der Unterbringung von Flüchtlingen in Köln verschärft hat“, so Domning damals, habe eine überwältigende Mehrheit im Verbandsvorstand darum gebeten, zu prüfen, ob in diesem Gebäude Geflüchtete auf eine angemessene Art, menschenwürdig, untergebracht werden könnten. „Ja, es geht“, habe die Prüfung ergeben. Und es ging so gut, dass es als preiswürdig erachtet wurde. „Entstanden ist aus den ursprünglich kleinen Bürozellen ein familiengerechtes Wohnhaus mit unterschiedlich großen Raumangeboten.

Aufteilung

Das Erdgeschoss ist in drei Teile gegliedert, bestehend aus Kinder-/Sozialbetreuung, Sicherheitsdienst und einer großzügigen 3-Raum-Wohnung, die so konzipiert ist, dass diese Fläche auch als Erweiterung für die Kinderbetreuung ohne weiteres möglich ist. Die drei darüber liegenden Geschosse stellen Regelgeschosse mit jeweils drei Wohneinheiten dar. Im vierten Obergeschoss und im Dachgeschoss sind jeweils zwei Wohneinheiten untergebracht. Insgesamt können bis zu 50 geflüchtete Personen in sieben 2-, zwei 3- und vier 4-Raum-Wohnungen untergebracht werden“, beschreiben die Architekten des Bergblau-Büros ihr Werk. In die gleiche Richtung geht die Jury-Begründung des Bauherrenpreises: „Die besondere Wertschätzung dieses Beitrags liegt in dem Erhalt des schlichten und soliden Charmes des Hauses im Altstadtquartier. Dieser findet sich gestalterisch auch im Inneren wieder, unter anderem durch Ziegel als Gestaltungselement.“ Lob erhielten die Architekten auch dafür, die tragende Struktur und die zeittypische Fassade des sechsgeschossigen Baus erhalten zu haben.

Auszeichnung

Der Deutsche Bauherrenpreis ist in der Fachwelt anerkannt als wichtigster Preis im Bereich des Wohnungsbaus in Deutschland und wird im Rhythmus von zwei Jahren ausgelobt. Ziel des Wettbewerbs ist es, ­die Rolle der Bauherren als richtunggebende Partner hervorzuheben, ihre besondere Verantwortung sowohl für die wirtschaftliche als auch für die gestalterische, ökologische und soziale Qualität der Bauwerke und ihrer städtebaulichen Einbindung herauszustellen, ihren Beitrag zur Hebung der Baukultur und Gestaltqualität unter Mitwirkung von qualifizierten Architekten, Landschaftsarchitekten und Fachingenieuren zu würdigen. Die Jury wird gestellt vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, vom Bund Deutscher Architekten und vom Deutschen Städtetag.

Mit dem Titel „Vorbildliche Bauten NRW 2020“ wurden 30 neue, oder erneuerte Gebäude und Freiraumgestaltungen aus ganz Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Auszeichnung bildet aufgrund ihrer Breitenwirkung seit 40 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Baukultur in Nordrhein-Westfalen. Das aktuelle Verfahren erreichte mit 273 eingereichten Bauwerken die bislang stärkste Bewerberzahl. Etwa ein Drittel der Preisträger befassten sich mit Planungs- und Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden: Sanierungen, Aufstockungen, Ergänzungsbauten, Umnutzungen. Die Auszeichnung verleihen die Ingenieurkammer Bau Nordrhein-Westfalen und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

„Preisträger sind Architekten und Bauherren, die Gebäude realisiert haben, die in ästhetischer, technischer, sozialer oder städtebaulicher Hinsicht als richtungsweisend für die kommenden Jahre gelten können“, erläutert der Stuttgarter Architekt Markus Müller als Vorsitzender der Jury zur Auszeichnung vorbildlicher Bauten NRW 2020 die angelegten Kriterien. „Die ausgezeichneten Objekte zeigen die Innovationskraft, das technische Know-how und den Gestaltungsanspruch der beteiligten Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner.“

Die Jury lobt den Bauherren wie die Architekten: „Positiv fällt der respektvolle Umgang mit der Bausubstanz der 50er-Jahre auf. Der zeittypische Charakter wurde – obwohl das Haus nicht unter Denkmalschutz steht – sensibel erhalten. Besonders vorbildlich wird das Objekt durch den sozialen Anspruch des Bauherrn, hier keine Luxuswohnungen, sondern flexible Wohnungen für betreuungsbedürftige Menschen einzubauen, die seit Bezug als Wohnraum für geflüchtete Familien genutzt werden. Die Jury lobt den Ansatz der ressourcenschonenden Wiedernutzung bestehender Bausubstanz und den sensiblen Umgang mit einem erhaltenswerten 50er-Jahre-Gebäude.“

Flüchtlingsunterkunft

Die Stadt Köln hat das Haus für 20 Jahre gemietet, um Geflüchtete unterzubringen. Aber Wohnungsamtschef Josef Ludwig richtet den Blick in die Ewigkeit; „Wir gehen davon aus, dass wir das Haus bis zum letzten Tag nutzen werden.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Digitaler Öko-Stammtisch der Melanchthon Akademie

Nachhaltigkeit und der Erhalt unseres Planeten ist eine, der größten Aufgaben, denen wir uns gegenüber sehen. Nur in der Gemeinschaft lassen sich solche großen Ziele verfolgen. Doch wie gelingt dies in Zeiten von Corona, im Lockdown? Eine Möglichkeit besteht darin, digital Gleichgesinnte zu treffen und sich über aktuelle Erfolge und Herausforderungen auszutauschen.
Am letzten Mittwoch im Monat findet der „digitale Öko-Stammtisch“ statt. Eine Stunde am späten Vormittag können sich Engagierte aus Kirchengemeinden rund um Nachhaltigkeits-Ideen in der Kirche austauschen. Der Stammtisch wird moderiert, ist aber thematisch offen.

Ablauf

Zu Beginn wird jedes Mal ein konkretes Praxisbeispiel vorgestellt (15 Minuten). Danach können Ideen und Informationen ausgetauscht werden. Auch Erfahrungen über Gelungenes und Schwieriges in der Gemeinde haben hier ihren Platz (45 Minuten).

Die Verantwortlichen

Eine Kooperation des Klimamanagements der EKiR, der Evangelischen Akademie im Rheinland, der Melanchthon-Akademie und des Nachhaltigkeitsmanagements im Landeskirchenamt. – Einzelteilnahme möglich.

Die nächsten Termine

Mi, 27.01., 24.02., 31.03., 26.05., 30.06.

Text: MAK/APK
Foto(s): Thorsten Levin

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