Melanchthon-Akademie: Studienleitende stellen Bücher vor und geben Impulse

Bei „Brot & Buch & Innenhof“ haben die fünf Studienleitenden und der Akademieleiter der Melanchthon-Akademie (MAK) rund um das Haus der Evangelischen Kirche und der Kartäuserkirche je ein Buch vorgestellt und Impulse gesetzt. „Im letzten Jahr haben wir uns mit Kintsugi in der Trauerarbeit beschäftigt“, begrüßte Studienleiterin Lea Braun. Kintsugi sei die japanische Reparaturkunst des Zusammenfügens zerbrochener Gegenstände in einem sehr aufwändigen Prozess mittels Goldlack. In diesem Semester wolle man in den Fachbereichen schauen, wo gesellschaftliche, biografische und ökologische Risse auszumachen seien. „Wie begegnen wir ihnen, wie halten wir sie aus?“

Lena Marie Felde führte mit einer philosophischen Auseinandersetzung in die Mehrdimensionalität von Rissen ein. Nietzsche beschreibe den Menschen als doppelt, zerrissen zwischen Natur und Kultur. Aber seine Antwort darauf sei nicht wie bei vielen Philosophen, diesen Riss zu kitten oder zu überwinden. „Nietzsche möchte den Riss tanzen.“ Das von ihm aufgeworfene Bild des Dionysischen werde zur Bejahung der Zerrissenheit. Tanz und Spiel seien die leibliche Geste der Affirmation. Dazu trug Felde eine Passage aus „Nietzsche. Ein Lesebuch“ von Gilles Deleuze vor.

Teilnehmende lauschen im kleinen Galiläa Dr. Martin Bock.
Teilnehmende lauschen im kleinen Galiläa Dr. Martin Bock.

Mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 n. Chr. habe das jüdische Volk sozusagen den Mittelpunkt seines Lebens verloren, sagte Akademieleiter Martin Bock. Jüdinnen und Juden hätten einfach nicht mehr gewusst, wie sie den biblisch-jüdischen zentralen Versöhnungstag überhaupt noch hätten feiern müssen und können. Auf diese absolute Katastrophe, diesen plötzlich aufgetretenen Riss habe der Autor des Hebräerbriefes reagiert in dem Sinne: „Wenn es schon keinen Tempel mehr gibt, keinen normalen Versöhnungstag, dann verlege ich den einfach in den Himmel.“ Der Neutestamentler Klaus Wengst sei an dieser anspruchsvollen Schrift nicht vorbeigegangen, sondern habe im hohen Alter mit „Messias und Hohepriester. Jesus im Hebräerbrief“ ein inspirierendes Buch verfasst.

„Wie können wir uns gegen die Zerrissenheit stellen, was hilft uns, mit diesen Rissen umzugehen?“, fragte Antje Rinecker angesichts insbesondere der weltpolitischen Lage. Im großen Galiläa präsentierte die Publikation „Good Vibrations. Die heilende Kraft der Musik“ von Prof. Stefan Kölsch. Der Psychologe und Neurowissenschaftler ist obendrein studierter Musiker. Vor kurzem verbrachte Rinecker ein Woche in der internationalen geistlichen Gemeinschaft auf der schottischen Insel Iona. „Nur in Gemeinschaft und mit Gemeinschaft können wir überhaupt etwas für den Frieden tun“, laute deren These. Das passe sehr gut zu „Good Vibrations“, dessen „sehr angenehm und leicht schreibenden“ Autor die Studienleiterin einen Hort des Wissens nannte.

Akademieleiter Dr. Martin Bock spielt auf der Klarinette „Autumn in New York“.
Akademieleiter Dr. Martin Bock spielt auf der Klarinette „Autumn in New York“.

„Risse sind omnipräsent“, stellte Dr. Stefan Hößl fest. Wichtig ist dem Studienleiter, sich dafür immer wieder selbst zu sensibilisieren. Viele Risse seien offensichtlich. Dass man andere überhaupt nicht erkenne, zumindest nicht unmittelbar, liege etwa daran, „wie ich aufgewachsen bin, wie ich auf die Welt gucke“. Besonders deutlich geworden sei ihm das zuletzt auf einer Tagung zu internationalen Konflikten. Zahlreiche Ereignisse hätten dort im Fokus gestanden, „aber, wie sie oft, andere überhaupt gar nicht“. Darunter viele insbesondere in afrikanischen Regionen. Von seinem Vorgänger Joachim Ziefle habe er den Asientag in der MAK „geerbt“ und schon zwei Mal in Kooperation unter anderem mit der Stiftung Asienhaus hier im Haus umsetzen dürfen. Hößl sprach von einem tollen Lernansatz, weil er Impulse erhalten habe, noch mehr über Regionen und Bewegungen in dieser Welt nachzudenken. Das Handbuch Myanmar sei von Ute Köster, Phuong Le Trong und Christina Grein 2015 herausgegeben worden, in einer sehr hoffnungsfrohen Zeit mit demokratischem Aufbruch. In den zehn Jahren danach habe sich das mit Militärputsch, Massakern an der islamischen Minderheit und Bürgerkrieg merklich geändert.

Vor dem Abschluss mit Gesprächen bei Brot und Wein im Refektorium hatte Dorothee Schaper im angrenzenden Kastanienhof drei Mäntel an Bäumen und Wänden im Dreieck angeordnet. Die Pfarrerin zitierte aus dem Buch Jesaja. Der Prophet beschreibt in biblischen Krisenzeiten das Bild, „dass Gott Menschen mit dem Mantel der Gerechtigkeit kleidet“. Mit dem Dreieck der Mäntel, die den ganzen Abend als Merkposten dienten, wies Schaper auf die gegenseitige Verstrickung und Verantwortung von Deutschen, Israelis und Palästinensern hin. „The Moral Triangle“ ist das von ihr präsentierte Buch betitelt, in der deutschen Übersetzung „Israelis, Palästinenser und Deutsche in Berlin“.

Text: Engelbert Broich/APK
Foto(s): Engelbert Broich

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Tagung, Impulse und Diskussionsrunden: Der Beitrag des Dalai Lama zu Dialog und Verständigung

Anlässlich des 90. Geburtstags des Dalai Lama lädt die Melanchthon-Akademie am Samstag, 11. Oktober, 10 bis 16.30 Uhr, ins Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, zu einer interreligiösen Tagung ein. Unter dem Titel „Mitgefühl ohne Grenzen: Der Beitrag des Dalai Lama zu Dialog und Verständigung“ setzen sich Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen religiösen und wissenschaftlichen Kontexten mit dem Wirken des Friedensnobelpreisträgers auseinander. Zu den Referierenden gehören Achim Riggert, Martin Bock, Carola Roloff, Perry Schmidt-Leukel, Abdülkerim Senel, Werner Höbsch, Hans-Christoph Goßmann, Marien van den Boom, Werner Heidenreich und Mathias Schneider.

„Ethik ist wichtiger als Religion“

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Impulse der Dalai Lama mit seiner Haltung der Gewaltlosigkeit, seiner Betonung des Mitgefühls und seinem Eintreten für eine globale Ethik dem interreligiösen Dialog gegeben hat. Neben einem einführenden Vortrag in das Werk des Dalai Lama beleuchten Impulse und Diskussionsrunden, welche Bedeutung spirituelles Wachstum, ökologische Verantwortung und ethische Prinzipien für Verständigung und Frieden haben können. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Satz des Dalai Lama, „Ethik ist wichtiger als Religion“, der die Grundlagen seines Verständigungsansatzes prägt.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit INTR°A, dem Evangelischen Erwachsenen- und Familienbildungswerk, dem oikos-Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Karl-Rahner-Akademie Köln statt. Zum Abschluss der Tagung wird der mit 5.000 Euro dotierte Projektpreis der Interreligiösen Arbeitsstelle INTR°A verliehen, mit dem jährlich ein innovatives interreligiöses Projekt ausgezeichnet wird. Die Teilnahme kostet 20 Euro (online 10 Euro). Eine Anmeldung per Telefon 0221/9318030 oder per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.

Hier geht es zur Onlineteilnahme: https://www.melanchthon-akademie.de/programm/kurs/20313-mitgefuehl-ohne-grenzen

Text: APK
Foto(s): APK

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„Mit Herz und Seele“ – Acht Ehrenamtliche schließen Seelsorge-Ausbildung ab

Im September haben acht Frauen und Männer ihre über einjährige Fort- und Ausbildung Ehrenamtlicher in Seelsorge im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region abgeschlossen. Nach einem internen Kolloquium feierten sie mit ihren Angehörigen und Freunden, hauptamtlichen Mentorinnen und Mentoren sowie den Verbandsvorstands-Mitgliedern Hartmut Melenk und Silke Schmidt in der Kartäuserkirche einen Gottesdienst. Michaela Wiskirchen oblag die besondere musikalische Gestaltung. Die Liturgie hielt Pfarrerin Dagmar Schwirschke, die Predigt Pfarrerin Dr. Dorit Felsch. Beide leiten und führen die Ausbildung durch.

Dank und Ermutigung

Pfarrerin Dagmar Schwirschke, die Predigt Pfarrerin Dr. Doris Felsch (l.) und Superintendent Torsten Krall.
Pfarrerin Dagmar Schwirschke, Dr. Dorit Felsch (l.) und Superintendent Torsten Krall.

Nicht nur die Pfarrerinnen richteten sich in persönlichen, dankenden wie ermutigenden Worten an die Ehrenamtlichen. Deren Dienst würdigte ebenso der im Kirchenverband für die Seelsorgebereiche und damit auch für die Ausbildung Ehrenamtlicher in Seelsorge zuständige Superintendent Torsten Krall in besonderer Weise. Schließlich erhielten sie aus seinen Händen den Qualifikationsnachweis..

„Lebenswege begleiten“ heißt das kostenlose Ausbildungsangebot. Es umfasst eine „große Basisausbildung“, gefolgt von einem Spezialisierungsmodul. Mit ihren erweiterten und vertieften Kompetenzen sind die Absolventen anschließend in verschiedenen Seelsorgefeldern tätig: in der Krankenhaus-, Altenheim-, Gefängnis-, Gehörlosen- oder Telefonseelsorge bzw. Seelsorge innerhalb einer evangelischen Kirchengemeinde.

„Was ist eigentlich Seelsorge?“ – Frage am Beginn der Ausbildung und der Predigt

„Was ist eigentlich Seelsorge?“, begann Felsch ihre Predigt mit einer Frage. Mit derselben sei die Gruppe vor einem guten Jahr in die Ausbildung gestartet. „Sie haben über ihr eigenes Seelsorgeverständnis nachgedacht, ein passendes Bild dazu ausgesucht und es uns in der Runde vorgestellt“, erinnerte Felsch. Diese Frage habe sich durch die ganze intensive Zeit der Ausbildung gezogen. Sie sei immer wieder zum Vorschein gekommen und aus verschiedenen Perspektiven heraus beleuchtet worden: „Was bedeutet es, wenn ich als Seelsorgerin oder Seelsorger Menschen begegne, ihnen gegenübersitze, ins Gespräch gehe?“

„Mit Herz und Seele auf Fragen eingelassen.“

Pfarrerin Dagmar Schwirschke und Pfarrerin Dr. Dorit Felsch (l.).
Pfarrerin Dagmar Schwirschke und Pfarrerin Dr. Dorit Felsch (l.).

Die Teilnehmenden hätten sich nicht nur theoretisch, sondern ganz und gar, mit Herz und Seele auf diese Fragen eingelassen, so Felsch. Eingelassen in Übungen, im Ausprobieren, in echten Gesprächen, die sie gewagt haben, in der anschließenden Reflexion dieser Gespräche. „Sie haben sich eingelassen in einer Art und Weise und Tiefe, die uns als Ausbildungsleiterinnen berührt und beeindruckt hat.“ Sie hätten sich auf Ihren Weg gemacht hin zu der Seelsorgerin, zu dem Seelsorger, die sie jeweils sein können und wollen – „mit all dem, was sie selbst an Lebenserfahrung und Persönlichkeit mitbringen“. Zum Abschluss der Ausbildung hätten sie noch einmal ihr eigenes Seelsorgekonzept reflektiert und wunderschöne Bilder und Gedanken in gemeinsamer Runde geteilt.

Felsch wies hin auf Psalm 42. Dieser beginnt mit den Sätzen: „Wie eine Hirschkuh nach Wasserbächen verlangt, so verlangt meine Kehle nach dir, Gott! Meine Kehle dürstet nach der Gottheit, nach dem lebendigen Gott.“ Den wichtigen Begriff Nefesh im hebräischen Urtext empfindet Felsch in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache mit „meine Kehle“ als ziemlich genau wiedergegeben. Luther übersetze diese Stelle mit „meine Seele“, und auch diese Variante hält die Predigerin für richtig. „Die Kehle ist ein Organ, das mich in besonderer Weise mit meiner Umwelt verbindet“. Durch sie komme meine Stimme von innen nach außen und damit auch die Befindlichkeiten der Seele.

In der zweiten biblischen Schöpfungsgeschichte werde der Mensch dadurch zu einem lebendigen Wesen, dass Gott in die Kehle den Atem des Lebens einhauche. So werde die Kehle zum Begriff für Lebenshunger und Lebensdurst, für „Lebenskraft, Lebendigkeit“und „Leben“ selbst. All das gehöre zu dem, was wir mit „Seele“ übersetzten. Der ganze Mensch sei gemeint mit jeder Art von Lebenshunger.

Einfühlen, Resonanz geben, nach Hoffnung suchen und das Dunkel aushalten

„Meine Tränen sind mir zum Brot geworden Tag und Nacht“, bete der Psalm weiter. Die Ehrenamtlichen würden dies kennen aus schon geführten Seelsorge-Gesprächen. „Tränen rinnen also die Kehle herunter, die Tränen gehen in die Seele.“ In der Seelsorge seien die Ehrenamtlichen da und hörten zu. Sie „fühlen sich ein, geben Resonanz, suchen nach Hoffnung und halten das Dunkel aus. Sie begleiten mit dem, was aus der Kehle – der Seele – kommt.“

Felsch äußerte ihre große Freude seitens der Ausbildungsleitung, dass man die Ehrenamtlichen bei ihrem Weg zur Seelsorge und mit der Seelsorge habe begleiten und dafür ausrüsten dürfen. Sie empfindet es als etwas ganz Besonderes, dass Menschen ehrenamtlich ihre Zeit, ihre Kraft, ihr Herz dafür schenkten. Ebenso seien sie als Gruppe gewachsen. „Auch diese Gemeinschaft hat mit der Seele zu tun: mit gemeinsamem Lachen und Weinen. Dinge werden geteilt, die tief aus der Kehle kommen, die Seele berühren“, wünschte ihnen Felsch für diesen wunderbaren Dienst Gottes Segen. „Und dass sie immer wieder erfahren, wie sie anderen zum Segen werden.“

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Unsere Wochentipps: Sitzkissenkonzert, Bensberger Gamesnight und Ehrenfelder Abendmusik

Unsere Wochentipps zeigen sich in dieser Woche von ihrer klangvollen, kreativen und festlichen Seite. Musik verbindet Generationen – ob beim Sitzkissenkonzert für die Kleinsten, beim mitreißenden Popabend in der Lutherkirche oder bei Wagners gewaltiger Klangwelt in Ehrenfeld. Dazu kommen Begegnungen, die Gemeinschaft stiften: eine fröhliche Gamesnight in Bensberg und die feierliche Ordination in Porz. Auf der Tagung zum 90. Geburtstag des Dalai Lama geht es um das Thema „Mitgefühl ohne Grenzen“. Zwischen leisen Tönen, großen Stimmen und lebendigem Miteinander bietet die neue Woche viele Gelegenheiten zum Hinhören, Mitfeiern und Innehalten.

Sitzkissenkonzert „BlätterWerke“ in der Christuskirche Brühl

Eine bunte Klangreise für die ganze Familie erwartet die Besucherinnen und Besucher am Freitag, 10. Oktober, 10.30 und 16 Uhr, in der Christuskirche Brühl, Mayersweg 10. Das Ensemble #kreuzvier lädt Kinder im Alter von 0 bis 7 Jahren mit ihren Eltern und Großeltern zum Sitzkissenkonzert „BlätterWerke“ ein. Ohne Moderation, aber mit viel Interaktion, entfalten sich Lieder aus aller Welt in besonderer Atmosphäre. Bekannte und unbekannte Melodien werden eigens arrangiert und in wechselnden Besetzungen gespielt – von Violine, Viola und Klavier bis hin zu Kazoo und Tin Whistle. Die abwechslungsreiche Mischung aus ruhigen und bewegten Stücken spricht alle Sinne an und lädt zum Staunen ein. Das Konzert dauert etwa 45 Minuten. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine formlose Anmeldung per E-Mail an ruth.dobernecker@ekir.de ist erwünscht.
www.kirche-bruehl.de

Hinterhofchor – Herbstkonzert in der Lutherkirche

Die Lutherkirche in der Kölner Südstadt, Martin-Luther-Platz 2-4, wird am Freitag, 10. Oktober, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), zum Schauplatz eines besonderen Chorerlebnisses. Der Hinterhofchor präsentiert unter der Leitung von Simon Fendler und Martin Kirchhübel ein vielseitiges Programm, das von mitreißenden Pophymnen über gefühlvolle Balladen bis hin zu kölschen Klassikern reicht. Unterstützt von einer Liveband laden die Sängerinnen und Sänger das Publikum ein, mitzugrooven, mitzufühlen und mitzufeiern. Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten.

www.lutherkirche-koeln.de

Tagung zum 90. Geburtstag des Dalai Lama: Der Beitrag des Dalai Lama zu Dialog und Verständigung

Zum 90. Geburtstag des Dalai Lama lädt die Melanchthon-Akademie am Samstag, 11. Oktober, 10 bis 16.30 Uhr, ins Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, zu einer interreligiösen Tagung ein. Unter dem Titel „Mitgefühl ohne Grenzen“ beleuchten Fachleute aus Theologie, Philosophie und interreligiöser Bildung das dialogische Erbe des Friedensnobelpreisträgers. Im Mittelpunkt stehen seine Botschaft von Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und ethischer Verantwortung sowie die Frage, welche Impulse der Dalai Lama für Verständigung und globale Ethik gegeben hat. Zum Abschluss wird der mit 5.000 Euro dotierte Projektpreis der Interreligiösen Arbeitsstelle INTR°A verliehen. Die Teilnahme kostet 20 Euro. Eine Anmeldung per Telefon 0221/9318030 oder per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.
www.melanchthon-akademie.de

Bensberger Gamesnight im Gemeindezentrum

Zu einem spaßigen Abend lädt die Evangelische Kirchengemeinde Bensberg am Samstag, 11. Oktober, von 18 bis 22 Uhr ins Gemeindezentrum Bensberg, Im Bungert 3, ein. Dort bringt das Ensemble die Controller zum Glühen – gemeinsam oder im freundschaftlichen Wettkampf. Geboten wird eine bunte Vielfalt an Spielen wie „Mario Kart“, „FIFA“ und „Save Jesus“, insgesamt rund 12 Titel, verteilt an mehreren Konsolenstationen – ideal für Einzelspielerinnen und Turnierfans gleichermaßen. Es geht aber nicht nur ums Zocken: Wer den Turnieren beiwohnt, hat die Chance auf kleine Preise – und für Snacks, Getränke und gute Stimmung ist selbstverständlich gesorgt.
www.kirche-bensberg.de

Ordination in der Evangelischen Kirchengemeinde Porz

Die Evangelische Kirchengemeinde Porz lädt herzlich zur Ordination ihrer Prädikantin Suyin Scheid-Hennig am Sonntag, 12. Oktober, 11 Uhr, ein. Sie wird in einem feierlichen Gottesdienst in der Johanneskirche Westhoven, Berliner Straße 5, durch Pfarrerin Kerstin Herrenbrück, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, ordiniert. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Kirchengemeinde zu einem Empfang ins benachbarte Gemeindehaus ein. Prädikantinnen und Prädikanten sind Laien, die eine zweijährige Ausbildung absolvieren. Durch die Ordination sind sie zur Verkündigung im Gottesdienst beauftragt und berechtigt, Taufen, Trauungen oder Beerdigungen zu leiten.
www.kirche-porz.de

Ehrenfelder Abendmusik: Wagners Ring in 60 Minuten

Der Pianist Konstantin Zyvagin ist am Sonntag, 12. Oktober, 18 Uhr, in der Epiphaniaskirche, Erlenweg 39, zu Gast. Nach intensiver Beschäftigung mit der Musik Richard Wagners hat er eine eigene Klavierfassung des „Ring des Nibelungen“ geschaffen: eine mitreißende Suite in acht Bildern, die in nur 60 Minuten durch die Welt von Wotans Götterreich, Siegfrieds Heldenmut und Brünnhildes Liebe führt. Im Rahmen der Reihe „Ehrenfelder Abendmusik“ nimmt Konstantin Zyvagin, Professor an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt und Stipendiat der Richard-Wagner-Stiftung, das Publikum mit auf eine musikalische Reise voller Leidenschaft und Dramatik. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.
www.ehrenfelder-abendemusiken.de

Text: APK/AI
Foto(s): APK/AI

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„Viele hoffen natürlich, dass die Geiseln endlich freikommen und der Krieg endet“: Jerusalemer Propst Joachim Lenz zu den Folgen des 7. Oktober

Zwei Jahre nach dem Überfall und der Geiselnahme der Hamas spricht Joachim Lenz, Propst in Jerusalem, über israelbezogenen Antisemitismus, Traumata auf beiden Seiten und kleine Leuchttürme der Hoffnung.

Herr Lenz, am 7. Oktober jährt sich der Terrorangriff der Hamas auf Israel zum zweiten Mal. Wie sehr hat sich das Land in Ihrer Wahrnehmung seither verändert?

Joachim Lenz: Terror und Krieg beherrschen die Nachrichten – in Israel wie in den palästinensischen Gebieten. Israelis erzählen mir, dass sie in den Wochen nach dem 7. Oktober sehr direkte, persönliche Angst ums Überleben hatten. Das ist vorerst vorbei. Libanon, Syrien, Iran und vor allem die Hamas werden nicht mehr als akute Bedrohungen wahrgenommen. Aber der Konflikt ist ungelöst, die latente Bedrohung bleibt, immer noch kommen einzelne Drohnen und Raketen aus dem Jemen. In der Westbank leiden die Menschen unter viel Gewalt und großer wirtschaftlicher Not. In Bethlehem liegt die Arbeitslosigkeit weit über 80 Prozent. Selbst in meinem kleinen christlichen Bekanntenkreis weiß ich von einigen, die ausgereist sind oder in ein anderes Land gehen wollen, wenn es nicht besser wird. Der Exodus der christlichen Familien aus dem Heiligen Land hält an. Dass es mittel- und langfristig besser wird, wagt kaum jemand zu hoffen. Ob der derzeitige Trump-Friedensplan funktionieren kann, weiß auch niemand. Viele im Lande hoffen natürlich, dass die Geiseln endlich freikommen und der Krieg endet. Müdigkeit und Aussichtslosigkeit sind gewachsen. Gleich geblieben ist, was der israelische Historiker Yuval Noah Harari vor fast zwei Jahren gesagt hat: In unseren Seelen ist so viel Trauer und Schmerz, dass da kein Platz bleibt für das Leid der anderen. Das gilt für die arabische wie für die jüdische Seite.

Die israelische Regierung steht weltweit in der Kritik wegen der Kriegsführung im Gazastreifen. Wie breit schätzen Sie den Protest innerhalb der israelischen Gesellschaft selbst ein?

Joachim Lenz: Israel hat eine sehr lebendige Zivilgesellschaft. Samstagabends, nach dem Ende des Schabbat, sind regelmäßig Hunderttausende auf den Straßen, um gegen den Krieg und für eine Freilassung der Geiseln zu demonstrieren, die seit zwei Jahren in den Tunneln der Terrororganisation Hamas gefangen gehalten werden. Der Staat Israel ist als ein sicherer Ort für Jüdinnen und Juden angelegt worden, wo sie mit Menschen auch anderer Religionen in Frieden und Gerechtigkeit zusammenleben wollen. So hat es die israelische Unabhängigkeitserklärung von 1948 festgelegt. Die allermeisten Israelis, die ich kenne, wollen genau das. Dass dieser Staat möglich ist, hat unsere rheinische Landessynode 1980 als „Zeichen der Treue Gottes“ bezeichnet. In Umfragen wird aber auch deutlich, wie tief die Erbitterung und Sorge nach dem 7. Oktober in den Seelen sitzt. Eine klare Mehrheit der Bevölkerung ist gegen eine Zweistaatenlösung, das war vor zwei Jahren noch anders.

Überall bricht sich ein immer ungehemmterer Antisemitismus Bahn. Er richtet sich gegen Künstler, Unternehmen, jüdische Menschen im Alltag. Was wären aus Ihrer Sicht jetzt notwendige Signale?

Joachim Lenz: Ich bin absolut dankbar, dass meine Kirche unermüdlich Flagge gegen jede Form von Antisemitismus zeigt. Sowohl meine heimische Evangelische Kirche im Rheinland als auch die Evangelische Kirche in Deutschland, die mich nach Jerusalem entsandt hat, sind da ganz klar und haben auch Konsequenzen benannt, von Bildungsarbeit über Gottesdienste bis zur Unterstützung jüdischer Präsenz in der Gesellschaft. Nun herrscht gerade auch viel israelbezogener Antisemitismus. Der ist nicht einfach durch die schrecklichen Bilder aus dem Gazastreifen zu erklären. Israel sei „der Jude unter den Völkern“, hat der Holocaust- und Antisemitismusforscher Léon Poliakov gesagt – und zwar bereits vor fast 60 Jahren. Wir erleben jetzt, dass er recht hat. Und wir müssen sagen, dass das Unrecht ist.

Zur Person: Joachim Lenz

Der gebürtige Wuppertaler Joachim Lenz war zunächst Gemeindepfarrer in Enkirch an der Mosel. Im Vorfeld des Kirchentags 2007 in Köln wurde er für drei Jahre zum Kirchentagsbeauftragten der Evangelischen Kirche im Rheinland berufen und arbeitete anschließend als Pastor für den Kirchentag. 2015 wechselte er als Theologischer Vorstand und Direktor zur Berliner Stadtmission. Bis zu seinem Amtsantritt in Jerusalem im August 2020 war er ehrenamtlicher Sprecher des Bündnisses United4Rescue.

Text: Ekkehard Rüger/ekir.de
Foto(s): Christian Jungwirth

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1700 Jahre Glaubensbekenntnis von Nicäa: Ökumenischer Gottesdienst der Kölner ACK im Dom mit musikalischer Welturaufführung

Ganz im Zeichen des 1700. Geburtstages des Glaubensbekenntnisses von Nicäa stand der ökumenische Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Köln im Kölner Dom. Darin wurde das Nicänum einerseits verbal gewürdigt, insbesondere in der Predigt von Erzpriester Radu Constantin Miron. Bis März 2025 saß er sechs Jahre der ACK in Deutschland vor. Andererseits erklang anlässlich des Jubiläums in einer Welturaufführung die interkulturelle Komposition „Credo. Six Composers – Six Parts – One Christian Faith“ (Sechs Komponisten – Sechs Teile – Ein christlicher Glaube).

Gottesdienst im Rahmen der gut besuchten Dreikönigswallfahrt

Martin Bock.
Martin Bock.

In seiner liturgischen Eröffnung hieß Domdechant Monsignore Robert Kleine zahlreiche Vertretende der ACK-Mitgliedskirchen, Freundinnen und Freunde aus der Kölner Ökumene sowie Gäste aus den Kölner Partnerstädten Esch-sur-Alzette (Luxemburg) und Liverpool (England) willkommen. Ebenso Pilgerinnen, Pilger und weitere Besuchende. Denn der Gottesdienst mit dem Leitwort „Unglaublich. Bekennen heute“ fand im Rahmen der diesjährigen Dreikönigswallfahrt statt. So schritten während der Liturgie nicht nur stetig Menschen an den im Hauptschiff befindlichen Gottesdienstteilnehmenden vorbei zum Schrein. Mitunter verharrten sie, verfolgten den Ablauf und nutzen ihre Handykameras.

Als Vorsitzende der ACK Köln begrüßte Pfarrerin Susanne Beuth. Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte. Sie erinnerte daran, dass die ACK Köln mit einem ökumenischen Taufbrückenweg im Juni Familien angesprochen und mit der Sommer-Ausstellung im Domforum vielen Menschen die Dimension des Bekenntnisses in den Kunstwerken im Dom nahe gebracht habe. Zum wohl „Höhepunkt unseres ökumenischen Jahres“ erlebe man heute die Welturaufführung der vom Stuttgarter Carus Verlag ermöglichten internationalen Komposition, so Beuth.

Wortbeiträge traten hinter die Musik zurück

Sie sprach über die Freude der Kölner ACK-Mitglieder, dass der ihr lange angehörende Erzpriester Miron die Predigt halte. „Ansonsten treten Wortbeiträge heute hinter die Musik zurück“, begrüßte die Vorsitzende alle Musizierenden: das Vokalensemble des Kölner Domes unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Niehues, den Kammerchor der Propsteimusik Bochum unter der Leitung von Prof. Christopher Brauckmann und den evangelischen ‚Projektchor Kölner Kantoreien‘ unter der Leitung von Yuko Nishimura-Kopp und Thomas Frerichs.

Bevor die Chöre mal einzeln, mal gemeinsam die sechs Vertonungen in drei Abschnitten vortrugen, führte Pfarrer Dr. Martin Bock kurz in diese besondere Kompositionsidee ein. „Worte können verwandelt werden in Bilder. Gemeinschaft kann in ein Bild gefasst werden“, wies der Leiter der Melanchthon-Akademie (MAK) auf eine eigens zum nicänischen Jubiläum gemalte Ikone hin. „Bilder für das eigentlich Unsagbare, wie Gott ist. Wie Gott zu uns ist, wie nah Gott ist. In Bildern und in Klängen.“

„Ein besonderes musikalisches Geschenk für unsere Ohren“

Luther habe das Reich Christi vor allem als ein Hör-Reich verstanden. „Weil das Ohr so nah an unserer Seele ist. Weil es das erste und das letzte ist, was uns zu Geschöpfen macht“, so Bock. Und weil wir im Hören immer zutiefst Empfangende seien. Deshalb dürften wir in diesem Gottesdienst ein besonderes musikalisches Geschenk für unsere Ohren auspacken. „Ein Glaubensbekenntnis, vor 1700 Jahren entstanden, wird zu einem gegenwärtigen vielstimmigen Klang.“ Die Komponistinnen und Komponisten sind Mårten Jansson aus Schweden, Keiko Harada aus Japan, Grayston Ives aus Großbritannien, Martin Palmeri aus Argentinien, Victoria Vita Polevá aus der Ukraine und Dominick DiOrio aus den USA.

Interkulturelle Collage

Laut Bock haben sie eine interkulturelle Collage, ein Gespräch zwischen musikalischen und kulturellen Klangsprachen dieser Welt von heute geschaffen, „die so ist wie sie ist. So friedlich und so unfriedlich, so spannungsvoll wie harmonisch. Ein Bild auch für die Vielfalt des Christentums und für die Zukunft der geistlichen Musik.“ Diese besondere Komposition aus aller Welt habe der Carus-Verlag in weniger als zwölf Monaten angestoßen. „Er hat Komponistinnen und Komponisten mit ihrer je charakteristischen Klangsprache eingeladen“, so Bock, „einen solchen spirituellen Brückenbau für die heutige Aufführung im Dom zu ermöglichen.“ Er kündigte weitere Gesamtaufführungen in Österreich und den USA an.

Das Projekt hier in Köln habe nur gelingen können, weil in noch kürzerer Zeit evangelische und katholische Chöre aus Köln, Frechen und aus Bochum, ihre Kantorinnen und Kantoren, die Dommusik und Michael Utz als diözesaner Musikfachbereichsleiter eng zusammengearbeitet hätten, betonte Bock. Und weil auf diesen Tag hin drei Chöre in wechselnder Besetzung daraus geworden seien. Insgesamt beteiligten sich über 150 Chorsängerinnen und -sänger. Ihnen und den Leitenden sowie dem Bayenthaler Kirchenmusiker Samuel Dobernecker, der im Gottesdienst die Orgel spielte, sprach Bock namens der ACK Köln großen Dank aus.

„Die Türen, die Türen, lasst uns in Weisheit acht geben.“

Das Glaubenskenntnis von Nicäa und Konstantinopel werde weltweit in jeder orthodoxen Eucharistiefeier gesprochen oder gesungen, informierte Miron eingangs seiner inspirierenden Predigt. Es sei 325 verfasst und 56 Jahre später in Konstantinopel komplettiert worden. „Auf jeden Fall aber wird dieses Glaubensbekenntnis eingeleitet durch den Ruf: ´Die Türen, die Türen, lasst uns in Weisheit acht geben´.“ Bis etwa zum 10. Jahrhundert sei das der Moment gewesen, in dem die nicht Getauften sowie die Feinde des Christentums und des Glaubens die Kirche zu verlassen hatten und die Türsteher die Pforte verriegelten. Allein die Eingeweihten, die gläubigen Christinnen und Christen, hätten das Mysterium der heiligen Eucharistie gefeiert. „Wer nicht denselben Glauben hatte, konnte nicht das Glaubensbekenntnis mitsprechen und also nicht am Gottesdienst teilnehmen.“

Aufforderung, die Türen zu öffnen

„Erstaunlicherweise findet sich dieser Ruf auch heute noch, tausend Jahre später, in unserer Liturgie“, stellte Miron fest. „Selbst wenn man schon bald nach der Abschaffung der Türschließung nicht genau verstand, was damit gemeint war.“ Der Liturgiekommentator Nikolaos Kabasilas habe im 14. Jahrhundert den Ruf „Die Türen, die Türen“ geschickt für seine damalige Zeit angewendet. In einer Zeit eines nicht mehr verfolgten Christentums, sondern einer eher saturierten Kirche habe er den Satz neu gelesen. „Er macht aus dem Befehl zur Schließung der Türen eine Aufforderung, sie vielmehr zu öffnen“ – alle Türen zu öffnen, auch Mund und Ohren, für die wahre Weisheit.

„Was ist denn jetzt mit den Türen, auf oder zu?“, blickte Miron auf die heutige Situation. Beides sei denkbar. „Geschlossene Türen würden bedeuten, wir kapseln uns ab, wir fliehen aus der Welt.“ Wir feierten „unter uns“ das Geheimnis des Glaubens. „Geht das überhaupt? Darf man das? Dürfen wir überhaupt den Schatz unseres Glaubens, der uns anvertraut wurde, vor den anderen verbergen?“, fragte Miron kritisch. „Müssen wir nicht missionarisch in der Welt und für die Welt sein?“ Dürften wir Jesu Auftrag verweigern, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen?

Das Glaubensbekenntnis als Türöffner?

Könne das Glaubensbekenntnis womöglich ein „door opener“ sein, ein in der Wirtschaft als Türöffner genutztes Instrument, um den Einstieg in neue Zielgruppen zu erleichtern. „Klingt schön, aber unrealistisch“, erteilte Miron dieser Idee eine Absage. „Wenn wir so denken oder reden, basiert unser Missionsauftrag, unsere Aufgabe in der Welt offensichtlich auf einer ökonomischen Sicht der Dinge: Wachstum, Expansion, Statistik.“ Doch bei Jesus Christus laufe es bekanntlich anders. „Da lässt der gute Hirte die 99 Schafe stehen, um sich dem einen zuzuwenden, das seine Hilfe in besonderem Maße benötigt.“ Qualität statt Quantität sei hier gefragt. „Schaffen wir es also, die Glaubwürdigkeit unserer christlichen Botschaft und unseres Bekenntnisses so zu vermitteln, dass wir unseren Glauben mitteilen, mit teilen mit den anderen.“ Ein in Nicäa gelernter Glauben, der in die Tiefe und nicht unbedingt sofort in die Breite gehe.

Jesus ist die Verkörperung der Weisheit Gottes

Die Türen auf oder zu, fragte Miron erneut und schlug vor: „Machen wir den Kabasilas.“ Wir sollten diesen Satz in der Aktualität lesen und deuten, die ihm heute zukomme. „Die Türen, die Türen, lasset uns in Weisheit achtgeben“: Wann immer in unseren gottesdienstlichen Texten von der Weisheit die Rede sei, sagte der Erzpriester, „ist Jesus Christus gemeint“. Er sei die Verkörperung der Weisheit Gottes. Die Sophia (Weisheit), bezog Miron sich auf den 1. Korintherbrief, werde wie der Logos, das Wort, für die orthodoxe Theologie zu einem Christus-Titel. „In Weisheit lasst uns acht geben“ bedeute also heute, erst recht heute, „in Christus lasst uns acht geben“ – Christus gemäß, ihm nachfolgend, ihn suchend und natürlich verkündend.

„Sich zu lieben, um eines Sinnes zu bekennen, betrifft uns alle.“

Uns vereine mit den Vätern von Nicäa und Konstantinopel die Erwartung des wiederkommenden Königs Christus, den wir im Credo bekennen würden. Vor dem Bekenntnis unseres Glaubens riefen wir uns mit „die Türen, die Türen“ gegenseitig zu, die Mauern niederzureißen, die uns von Gott trennten. „Und nicht nur diese, sondern alle Mauern, die uns voneinander trennen.“ Es sei kein Zufall, dass der Friedensgruß während der orthodoxen Eucharistiefeier an dieser Stelle vor dem Glaubensbekenntnis ausgetauscht werde. „Lasset uns einander lieben, damit wir eines Sinnes bekennen, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, wesenseine und untrennbare Dreiheit.“ So laute dementsprechend der liturgische Dialog zwischen Diakon und der Gemeinde an dieser Stelle. Sich zu lieben, um eines Sinnes zu bekennen, betreffe eigentlich nicht nur die orthodoxen Christinnen und Christen, sondern uns alle, stellte Miron fest.

„Die Wiederentdeckung der gegenseitigen Liebe als Faktor in der Ökumene.“

„Das wäre doch ein unerwartetes Ergebnis des diesjährigen Nicäa-Jubiläums. Die Wiederentdeckung der gegenseitigen Liebe als Faktor in der Ökumene.“ Für diejenigen, denen das zu schnulzig klinge, schlug er eine etwas andere Formulierung vor: „Wir stehen alle in der Nachfolge dessen, der Gottes eingeborener Sohn ist.“ Ihn suchten wir in Liebe. Ihn würden wir bekennen und verkünden in Liebe. „Und heute Abend besingen wir ihn auch in Liebe und virtuos“, schloss der Prediger.

Den Schlusssegen dieses Gottesdienst, in dem unter anderem Angehörige vieler verschiedener Konfessionen das Christusbekenntnis (Mt 16,16) in ihrer jeweiligen Sprache vortrugen und das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel auf Deutsch gesprochen wurde, erteilten neben Kleine und Miron der Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, Dr. Bernhard Seiger.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Podcast-Tipp: Guido Stephan über die Arbeit der Antoniter Siedlungsgesellschaft in Köln

Guido Stephan, Geschäftsführer der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, gibt Einblicke in die evangelische Wohnungswirtschaft: Seit 42 Jahren ist Guido Stephan in der Immobilienwirtschaft tätig, seit 28 Jahren als Geschäftsführer bei der ASG in Köln. Er erzählt im eid-Podcast „Unter Nachbarn“, was es heißt, für ein evangelisches Wohnungsunternehmen tätig zu sein. „eid“ steht für den Evangelischen Immobilienverband Deutschland e. V., einen Verband, der evangelische Werte in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft vertritt. Die ASG ist hier Mitglied.

Die Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG) schafft in Köln seit mehr als 70 Jahren Wohnraum. 1.700 Wohnungen, davon viele für Menschen ab 60 Jahren gedacht, Sozialmanagement inklusive, Demenz-WGs, Wohngruppen für Menschen mit Einschränkungen und Housing First für Obdachlose: Hier wird soziale Verantwortung täglich gelebt.

Branche im Wandel

Auch bei evangelischen Wohnungsunternehmen ist Wirtschaftlichkeit höchstes Gebot. Guido Stephan erklärt, dass sie sich wie die gesamte Branche im Wandel befindet – zwischen Chancen, Verantwortung und neuen Herausforderungen.

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die soziale Verantwortung, die evangelische Wohnungsunternehmen tragen. Guido Stephan betont: „Wir müssen auf der einen Seite wirtschaftlich sein, aber auch einen sozialen Auftrag erfüllen. Ohne Gewinne können wir nicht sozial sein.“ Dies verdeutlicht die Balance, die die ASG und alle anderen kirchlichen Wohnungsunternehmen zwischen wirtschaftlichem Handeln und sozialer Verantwortung finden müssen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Guido Stephan anspricht, ist das Seniorenwohnen. Die ASG, die Mitgliedsunternehmen im eid ist, hat sich intensiv auf diesen Bereich fokussiert, um den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht zu werden. „Wir haben über 700 Seniorenwohnungen, die speziell auf die Anforderungen älterer Mieter zugeschnitten sind“, erklärt er. Diese Wohnungen sind nicht nur barrierefrei, sondern bieten auch eine Gemeinschaft, die Einsamkeit entgegenwirkt. Der Kölner betont, dass die ASG stets bestrebt ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Mieterinnen und Mieter wohlfühlen und aktiv am Leben teilnehmen können. „Es ist wichtig, dass sie nicht nur ein Dach über dem Kopf haben, sondern auch soziale Kontakte pflegen können“, sagt er.

In einer Zeit, in der Wohnraum immer knapper wird, ist das Engagement der ASG und von anderen evangelischer Wohnungsunternehmen von großer Bedeutung. Der Geschäftsführer appelliert an die Branche: „Wir müssen uns trauen, besondere Projekte für besondere Personengruppen zu realisieren. Das erfordert Mut, aber es ist notwendig.“

Vier Demenz-Wohngemeinschaften

Besonders am Herzen liegen dem Kölner die vier geschaffenen Demenz-Wohngemeinschaften. „Diese selbstverantwortbaren Wohngemeinschaften bieten nicht nur ein Zuhause, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit für Menschen mit Demenz“, erklärt er. Die Idee hinter diesen Gemeinschaften ist es, den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, während sie gleichzeitig die notwendige Unterstützung erhalten. Die Angehörigen sind aktiv in die Betreuung eingebunden.

Und was bedeutet Glück für Guido Stephan? „Glück bedeutet für mich, meine Ziele zu verfolgen und das Gefühl zu haben, dass mein Leben einen Sinn hat. Ich möchte einen Beitrag leisten und Dinge voranbringen“, sagt er und zeigt damit seine Leidenschaft für die Immobilienwirtschaft und das Wohl seiner Mieterinnen und Mieter.

Hier kann man in die Episode reinhören und sich von Guido Stephans inspirierenden Ansichten und Projekten anregen lassen.

Text: Heiko Senebald/eid/APK
Foto(s): Archiv

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Multireligiöses Gebet „Room of One“: Spirituelle Impulse für Schöpfung und Zusammenleben

Durch Klimawandel, Artensterben und zahlreiche Umweltprobleme steht die Menschheit vor großen Herausforderungen. Mit dem neuen Gebetsraum „RoomOfOne“ entsteht in Köln ab Oktober 2025 ein Ort, an dem Angehörige verschiedener Religionen gemeinsam beten und in ihren eigenen Traditionen heilige Texte rezitieren. Die Treffen finden einmal im Monat dienstags von 16 bis 16.30 Uhr im Refektorium des Hauses der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, statt. Nächste Termine sind der 28. Oktober, 11. November (10.10 Uhr) und 16. Dezember.

„RoomOfOne Köln“ ist ein Projekt der Melanchthon-Akademie in Kooperation mit „Hier und Weiter“ und in Zusammenarbeit mit dem Forum für Komparative Theologie und der Universität Bonn. Ziel ist es, das Verbindende der Religionen zu suchen, respektvoll mit dem Gemeinsamen und Fremden der Anderen umzugehen und dadurch inspiriert zu werden, Fanatismus zu überwinden und Impulse für ein solidarisches und friedliches Miteinander sowie den Erhalt der Schöpfung zu setzen.

Ein Gespräch mit Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, über Wünsche und Hoffnungen für das Zusammentreffen von Menschen verschiedener Religionen, die Kraft von Vielfalt und das Besondere des Multireligiösen Gebetes:

Wie ist die Idee für den multireligiösen Gebetsraum „Room of One“ entstanden?

Dorothee Schaper, Studienleiterin bei der MAK.
Dorothee Schaper, Studienleiterin bei der MAK.

Martin Bock: Sie ist im Gespräch mit dem Komponisten und Musiker Bernhard König bei einer Veranstaltung in Köln-Brück mit der dortigen Kulturreferentin Jane Dunker entstanden. Bernhard König hat sein Buch „Musik und Klima“ vorgestellt und nebenbei erzählt, dass er für einige Zeit in Bonn am Forum für Komparative Theologie der Kath.-Theologischen Fakultät angestellt war. Hier ist vor ca. 2 Jahren die Mutter des „Room of One“ entstanden, als ein gemeinsames Gebet aus jüdischen, muslimischen und christlichen Ressourcen. Es findet dort jeden Donnerstag von 14 – 1.430 h im Kapitelsaal des Bonner Münsters statt. Bernhard König hat das Gebet dort musikalisch mitentwickelt, eigene Kompositionen und Lieder geschaffen, die man hier auch abrufen und nachlesen kann. Meine Kollegin Dorothee Schaper und ich sind daraufhin nach Bonn gefahren, haben den „Room of One“ besucht, waren von diesem Konzept sehr angetan und sind mit den Initiatoren Prof. Dr. Klaus von Stosch, Dr. Annette Boeckler und Dr. Nasrin Bani Assadi ins Gespräch gekommen. Recht bald haben wir dann das großzügige Angebot des Forums für Komparative Theologie erhalten, den „Room of One“ auch mit einem Kölner Ableger zu versehen. Und dann haben wir uns verschiedene Räume angesehen, die spirituell für ein solches Multireligiöses Gebet in Frage kommen. Das Refektorium in der Kartause mit seiner kontemplativen, ruhigen Atmosphäre, den schönen Fenstern und der Zugänglichkeit auch von der Kartäuserkirche aus erschien uns dann als ein guter Startpunkt für das Kölner Projekt.

Was ist das Ziel dieses neuen spirituellen Formats inmitten aktueller gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen?

Martin Bock: Wir haben den „Room of One“ als ein sehr respektvolles Zusammentreffen von Menschen verschiedener Religionen in jeweils eigener Tradition im selben Raum erlebt. Für eine halbe Stunde entsteht – auch durch die sehr reflektierte Komposition der einzelnen Gebetsteile, der gemeinsamen Lieder und der Gemeinschaft, die sich so bildet – eine Atmosphäre der Hingabe, der Tiefe und der Würde, die die Religionen in aller Unterschiedlichkeit teilen. Das Motto des Room of One „Faith united für the planet“ soll anzeigen, dass sich dieser Respekt vor den unterschiedlichen Zugängen in jüdischer, christlicher und islamischer Spiritualität durchaus mit dem „großen Ganzen“, dem Einsatz für unseren Planeten, für Klimaschutz, Artenvielfalt und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen aller Lebewesen verbindet. Wir hoffen, dass sich dieses alltägliche und doch so unalltägliche spirituelle Kreuzen der Wege von Menschen, wie es sich im Bonner Münster vollzieht, auch in der Kölner Südstadt einstellen kann; ich glaube, es kann uns enorm stärken, inmitten der vielen Zerrissenheiten, in denen wir alle stehen, die Kraft der Religion zur Verbindung und zur Compassion zu erleben!

Wie wird sich ein typisches Treffen gestalten?

Martin Bock: Jedes multireligiöse Gebet besteht aus vier Teilen: dem Eingangsteil, dem liturgischen Vortrag, einem Impuls und einem Schlusslied. Vor allem in den beiden ersten Teilen erleben die Gäste, die kommen, wie eine Angehörige der jüdischen, der muslimischen und der christlichen Tradition einen heiligen Text dieser jeweiligen Tradition rezitieren. Alle Elemente, die formal getrennt bleiben, stehen dabei in gleichberechtigtem Verhältnis, auch zeitlich, und wechselseitigem Respekt zu einander. Die Texte und Rezitationen sind so gewählt, dass sowohl Gemeinsamkeiten der Religionen zum Ausdruck kommen, aber auch typische Gestaltungselemente unserer Traditionen erkennbar bleiben. Das Besondere des Multireligiösen Gebetes ist es deshalb, dass die intimen Aspekte und Seiten der anderen Religionen in ihrer Schönheit und manchmal auch Fremdheit in der Mitte stehen – und die Frage entsteht, ob wir nicht vielleicht gerade an und mit dieser Fremdheit des Anderen Inspiration erleben. Oder um es mit den Worten von Bernhard Königs Lied zu sagen: „Es wagen, den Tagen mehr Leben zu geben“.

Welche Rolle spielen Kooperationen wie mit dem Forum für Komparative Theologie und der Universität Bonn?

Martin Bock: Den Kölner „Room of One“ gibt es nur durch die Kooperation mit dem Forum für Komparative Theologie. Mit der jüdischen und der muslimischen Mitarbeiterin Annette Boeckler und Nasrin Bani Assadi haben Dorothee Schaper und ich den Kölner Ableger zusammenentwickelt. Frau Boeckler und Frau Assadi werden auch in Köln den jüdischen und den muslimischen Teil gestalten, im christlichen Teil wechseln sich Dorothee Schaper und ich ab. Thomas Frerichs, Kantor der Kartäuserkirche, wird die musikalische Gestaltung übernehmen.

Welche Wirkung erhoffen Sie sich für das Zusammenleben in einer religiös vielfältigen Stadt wie Köln?

Martin Bock: Mit „Vielfalt“ treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Kölns große Stärke ist die Vielfalt und Dichte der religiösen Strömungen, Traditionen und „Angebote“. Denken Sie an das von Ulrich Harbecke entworfene und von unserer Akademie zusammen mit der Karl Rahner-Akademie herausgegebene „Kölner Buch der Religionen“, wo nahezu 200 Religionsgemeinschaften beschrieben werden. Der „Room of One“ wird in dieser Vielfalt ein weiteres, hoffentlich wichtiger, Zeichen für den Respekt und die Hinwendung der Religionen zueinander und zu der bedrohten Schöpfung in unserer Stadt sein – zusätzlich zum Beispiel zum „Gebet der Religionen“, zu dem der Rat der Religionen einmal jährlich am 21. September einlädt. Wir legen uns dabei auf den Ort des „Room of One“ noch nicht fest, sondern beginnen unsere Kölner Reise zunächst hier im Refektorium der Kartause. Vielleicht gehen wir demnächst auch noch einmal an Orte, wo Kölnerinnen und Kölner verschiedener Religionen und Kulturen in ihrem Alltag zusammenkommen, zum Beispiel in den Lebensraum eines Krankenhauses. Oder in ein Museum. Wer weiß? Die Reise durch unsere Stadt an „Places of One“ hat gerade erst begonnen.

www.melanchthon-akademie.de

Text: Frauke Komander/APK
Foto(s): MAK/Archiv

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Heiraten am 11.11. – mit Gottes Segen: Spontan oder mit Anmeldung

Krapfen, Kölsch & Ja, ich will!: Am Dienstag, den 11. November, öffnet die Christuskirche am Stadtgarten, Dorothee-Sölle-Platz 1, ihre Türen für alle, die ihre Liebe kirchlich feiern möchten – spontan oder mit Anmeldung. Zwischen 10 und 16 Uhr können Paare sich dort segnen lassen oder kirchlich heiraten – unabhängig von ihrer sexuellen Identität oder einem vorherigen Standesamtstermin. Mit viel Herz und rheinischer Lebensfreude beginnt das kirchliche Hochzeitsfest von „Hätzjeföhl – Segensbüro Köln und Region“ pünktlich zum Sessionsauftakt: Inmitten von Krapfen, Kölsch und kölscher Musik feiern Pfarrerinnen und Prädikantinnen der Evangelischen Kirche Köln und Region bunte und zugleich feierliche Trauungen. Ob im Karnevalskostüm, im Brautkleid oder im Alltagsschick – erlaubt ist, was gefällt. Eine Anmeldung ist möglich unter kontakt@haetzjefoehl.de, aber auch spontane Besuche sind willkommen.

Im Interview erzählt Pfarrer Sebastian Baer-Henney, warum der 11.11. als jeckes Hochzeitsdatum zugleich tief ernsthaft ist – und wie Paare, ob klassisch oder ungewöhnlich, inmitten von Karnevalstrubel einen besonderen, inklusiven Segen erleben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, am 11.11., dem Beginn des Fastelovend, Hochzeiten zu feiern und Paare zu segnen?

Sebastian Baer-Henney: Der 11.11. ist in Köln ja ein klassisches Hochzeitsdatum – so klassisch, dass die Standesämter überlaufen und schnell ausgebucht sind. Wir sind oft segnend aktiv, wo Menschen nicht klassisch heiraten können – sei es, weil es rechtlich nicht geht, weil sie noch nicht geoutet sind oder weil, schlicht und einfach, das Standesamt voll ist. Viele verbinden den 11.11. mit Kölsch, Krapfen und Karneval – wie schafft ihr es, gleichzeitig jeck und doch respektvoll sowie ernsthaft eine Segensfeier zu gestalten? Das haben wir uns auch gefragt und sind dann aber schnell zu der Antwort gekommen: Bei aller Jeckheit ist Karneval ja etwas sehr ernstes. Die Liebe, die die Menschen reinstecken, um Kostüme zu basteln, sich zu schminken, die vielen Blicke fürs Detail. Die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihr Feiern, teilweise generalstabsmäßig vorbereiten. Überhaupt: Wie wichtig es ihnen ist, Karneval zu feiern. Als Brauchtum und Teil ihrer Identität. All das zeigt: Karneval hat beides. Die lustige und ausgelassene und die ernste und lebensrelevante Seite. Wir bringen das zusammen – nicht als Event sondern als heiliger Moment im Trubel.

Ihr sagt, dass auch Paare kommen können, die nicht standesamtlich heiraten können oder wollen – was bedeutet euch dieser inklusive Gedanke?

Sebastian Baer-Henney: Gott ist kein Staatsbeamter. Will sagen: Gott ist es mit ziemlicher Sicherheit nicht wichtig, welches Formular man vorlegen kann. Den Menschen ist es aber wichtig, entscheidende Schritte in ihrem Leben mit Gottes Begleitung zu gehen. Ob das nun der Schritt vor den Tisch auf dem Standesamt ist oder der Schritt des gegenseitigen Treueschwurs an ganz anderen Orten, das ist nicht so wichtig. Die Absicht ist doch dieselbe: Zwei Menschen sagen „ja“ zueinander, bitten Gott um Begleitung für die Zeit, die kommt. Das ist der Kern – und das tun wir mit ihnen.

Wie haben die Paare und Gäste im letzten Jahr auf das besondere Hochzeitsformat reagiert – gab es eine Stimmung oder ein Erlebnis, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Sebastian Baer-Henney: Die Paare, die letztes Jahr da waren, waren tief berührt. Weil sie dieser Segen mitten in ihrem Leben abholt. Und weil wir vorurteilsfrei herangehen. Wo sonst hätten die Teletubbies mit Hunden auf dem Arm Segen bekommen – in einer ernsthaften Form, ohne Klamauk? Das war schon besonders. Und das hat Kreise gezogen. Das Fernsehen hat drüber berichtet, und ruckzuck kamen Anfragen fürs nächste Mal. Die Menschen spüren das Besondere, und für uns ist es toll, das mitzumachen.

Was wünscht ihr euch für dieses Jahr – für die Paare, die ihr segnet?

Sebastian Baer-Henney: Dass der Segen für sie trägt. Dass sie es schön haben. Dass es guttut. Und dass sie davon erzählen. Denn das bedeutet, dass wir einen guten Job gemacht haben.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.haetzjefoehl.de.www.haetzjefoehl.de

Text: Frauke Komander/APK
Foto(s): Haetzjeföhl

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Kraft der Liebe im Glauben: Festlicher Mirjamgottesdienst lädt am 12. Oktober in die Versöhnungskirche Rösrath

„Und hätte ich die Liebe nicht …“ – unter diesem Leitwort lädt der Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch in diesem Jahr zum zentralen Mirjamgottesdienst ein. Am Sonntag, 12. Oktober 2025, versammeln sich Menschen aus den Gemeinden in der Evangelischen Versöhnungskirche ab 10:30 Uhr in Rösrath, um die Kraft der Liebe im Glauben, im Leben und in der Gemeinschaft zu feiern.

Der Mirjamgottesdienst gehört zu den besonderen Höhepunkten im Kirchenkreis. Er gibt den Erfahrungen und Stimmen von Frauen Raum und macht sichtbar, wie vielfältig, lebendig und bereichernd Kirche sein kann. In diesem Jahr steht die Feier im Zeichen des biblischen Wortes aus dem 1. Korintherbrief: „Und hätte ich die Liebe nicht …“. Dieses Leitwort lädt ein, über die Bedeutung der Liebe nachzudenken – für das persönliche Leben, für das Miteinander in der Gemeinde und für den Glauben.

Nach dem Gottesdienst sind alle Besucherinnen und Besucher herzlich zum Kirchenkaffee eingeladen. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee bietet sich Gelegenheit zu Begegnung, Gespräch und Austausch in offener und gastfreundlicher Atmosphäre.

Veranstaltungsort: Evangelische Versöhnungskirche, Hauptstraße 16, 51503 Rösrath

Text: APK
Foto(s): AI

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