Eine Sternstunde für Höhenhaus: Wie Rebekka Rüger als Pfarrerin ordiniert wird und ihre Gemeinde mit ihr feiert

Rebekka Rüger überglücklich am Altar der Pauluskirche in Köln-Höhenhaus, nachdem sie ihr Amt als Pfarrerin angetreten hat. Foto: Diana Zulfoghari

Wenn der Posaunenchor zum feierlichen Einzug spielt, die Pauluskirche bis auf den letzten Platz besetzt ist und tatsächlich die güldne Sonne durch die Fenster fällt, dann muss es ein unvergesslicher Tag werden! Rebekka Rüger strahlt übers ganze Gesicht, denn die Gemeinde ist dabei: ihre Familie, Nachbarinnen und so viele Freunde aus allen Lebensabschnitten sind extra zu ihrer Ordination quer durch Deutschland nach Köln-Höhenhaus angereist. Ab heute ist sie Pfarrerin. „Beauftragt von unserer Kirche, unsere Schätze zu verteilen“, erklärt Superintendent Torsten Krall: „Wir brauchen dich!“ Zuerst hatte sie Kunstgeschichte studiert, aber schon ihr Großvater las jeden Tag aus der hebräischen Bibel und übersetzte. Eine Tradition, die Rebekka Rüger als Doktorandin in Wien fortsetzte. Dass sie selber Pfarrerin werden könnte, ist ihr erst als Erwachsene klargeworden. Denn Rüger ist in der SELK (selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche) aufgewachsen, wo bis heute keine Frauen ordiniert werden. Ein weibliches Vorbild hatte sie also nicht bei ihrer Berufswahl. Umso schöner, dass der alte Herr (Uli) Otto nun auch einen Segen sprechen möchte und vor Freude und Stolz leuchtet, als er erklärt, dass er der Pfarrer ist, der Rebekka damals im Jahr 2002 konfirmiert hat.

Kopf hoch! Wie eine Predigt über Abraham die Gemeinde zum Aufstehen und zum Blick in den Himmel bewegt

Als Ordinationsspruch hat die junge Pfarrerin Genesis 15,5 gewählt: „Schau in den Himmel und betrachte die Sterne.“ In ihrer Predigt lässt sie die Gemeinde körperlich nachempfinden, wie Abraham sich fühlte, mutlos, kinderlos … mit hängendem Kopf? Mit hochgezogenen Schultern? Was verändert sich, wenn man aufsteht und zum Himmel schaut und die vielen, funkelnden Sterne betrachtet? Tatsächlich stehen alle Kirchenbesucher an dieser Stelle auf. Ja, sie können Rebekkas Erinnerung an die Kindheit und die Oma, die übrigens am 15.5. Geburtstag hatte, am eigenen Leib spüren und singen: „Weißt du wie viel Sternlein stehen?“ Auch wenn die Sterne unzählig sind und Abraham als Stammvater im Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Figur wurde, macht die Gegenwart vielen Menschen Sorgen. Das Erstarken der Rechtsextremen, Hetze und Hassrede im Netz, egomanische Staatslenker, die ausgerechnet die Bibel zur Hand nehmen, wenn sie Ausgrenzung predigen und Fake News verbreiten. In solchen schweren

Zum Naschen eingeladen: Die Candybar im Gemeindesaal der Pauluskirche in Köln-Höhenhaus.

Zeiten als Pfarrerin Trost, Orientierung und Stärke zu vermitteln, das hat sich Rebekka Rüger vorgenommen.

Sekt, Süßes und eine Candybar: Warum die Gemeinde vor allem erleichtert ist, dass ihre neue Pfarrerin bleibt

Auf dem Weg zum Gemeindesaal stehen die Gratulanten Schlange. Die frisch Ordinierte freut sich über jede und jeden Einzelnen und umarmt sie herzlich. Viele haben sich besondere kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten für die junge Pfarrerin ausgedacht. Gewünscht hatte sie sich eine „Candybar“, also eine Art Büdchen mit vielen Bonbongläsern, Papiertütchen und Greifzangen. Oh, gemischte Tüte zum selber aussuchen – das lassen sich Erwachsene und Kinder nicht zweimal sagen! Dagegen steht das Kuchenbüfett und das Fingerfood beinahe im Schatten. Prost! Mit Sekt stoßen die Gemeindeglieder erleichtert an, weil sie schon wissen, dass Rebekka Rüger ihnen als Pfarrerin erhalten bleibt. Sie übernimmt die Entlastungsstelle für Superintendentin Kerstin Herrenbrück.

Hier das Video zur Veranstaltung: https://youtube.com/shorts/vY_KwdzUEPw?feature=share

Weitere Bilder der Ordination:

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Text: Diana Zulfoghari
Foto(s): Diana Zulfoghari (Foto und Video)

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