„Gott ist gekommen, um zu bleiben“: Claudia Posche nach 30 Jahren in Altenberg verabschiedet
Der Rod-Stewart-Song „Still the same“ klang durch den großen Raum des Altenberger Doms. Viele lächelten dabei, und auch Pfarrerin Claudia Posche stand mit einem Lächeln im Gesicht auf der Kanzel. Das Lied wurde zur schwungvollen Einleitung ihrer Abschiedspredigt nach drei Jahrzehnten ihres Wirkens in Altenberg. In einem festlichen Gottesdienst wurde sie durch Superintendentin Kerstin Herrenbrück gesegnet und entpflichtet. Musikalisch umrahmten den Gottesdienst der Gospelchor Altenberg, die Altenberger Chorlichter, Sopranistin Tina Hermann sowie Kirchenmusikdirektor Jens-Peter Enk und Domorganist Rolf Müller an der Orgel.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik, aus anderen Kirchengemeinden, aber auch viele Menschen, die Claudia Posches Weg begleiteten, waren neben Familie und Freunden in den Dom gekommen, um sich zu verabschieden und sich mit dem Buch „Mit einem Esel fing alles an – Tiere im Altenberger Dom“, zu dem die Pfarrerin die Idee hatte, beschenken zu lassen.
„Still the same“ als schwungvoller Auftakt
In ihrer Predigt sprach Claudia Posche davon, dass sich dieses „Still the same“ wunderbar mit Gott, mit Jesus Christus, in Verbindung bringen lasse. „Wir sind dem Wandel der Zeiten unterworfen, doch Jesus bleibt sich gleich. Er ist unser sicherer Hafen in den Stürmen des Lebens.“ Ein tröstlicher Gedanke, findet die Pfarrerin, der in schwierigen Zeiten helfen kann. Sie mahnte dazu, angesichts von Klimawandel, wachsendem Antisemitismus und Kriegstreiberei nicht zu schweigen. Dafür bekam sie von den zahlreichen Gästen Beifall für ihr Plädoyer für Zivilcourage.
Zum Ende ihrer Predigt stellte sie eine Frage in den Raum, die viele Christinnen und Christen gerade beschäftigt: Wie geht es mit der Kirche weiter? „Schaut euch um! Hier in diesem Dom steht es an jeder Säule: Es geht weiter. Vielleicht anders als erwartet, aber es geht weiter! Gott ist gekommen, um zu bleiben.“ Dankbar sei sie, 30 Jahre lang Teil der Altenberger Geschichte gewesen zu sein.
Dank für lebendige Ökumene und klare Worte
Eine Geschichte voller Musik, Hoffnung und Begegnungen, aber auch lebendiger Ökumene, betonte die Pfarrerin. Schließlich ist genau das, die lebendige Ökumene, eines der Hauptmerkmale des Altenberger Doms, der als Simultaneum von der evangelischen und der katholischen Kirche gemeinschaftlich genutzt wird. Mit ihrem katholischen Kollegen, Pfarrer Thomas Taxacher, gab es eine seit Jahren währende konstruktive und kreative Zusammenarbeit. Darüber sprach dieser zum Abschluss in seinem Grußwort: „Du, Claudia, hast stets das Verbindende gesucht, du hast möglich gemacht, was nur irgendwie möglich zu machen war.“ Gemeinsam gestalteten die beiden Theologen Radiogottesdienste, Dialogpredigten, Osternachtsfeiern und den Ökumenischen Weihnachtsgottesdienst, der im vergangenen Jahr vom WDR aufgezeichnet und bundesweit übertragen wurde.

Doch vor den Grußworten wurde Claudia Posche durch Pfarrerin Kerstin Herrenbrück entpflichtet. Die Superintendentin betonte: „Du hast immer mit großer theologischer Klarheit gepredigt. Deine Gemeinde wird sich an dein Lächeln erinnern, an deine Klugheit, das Vertrauen, an deine Begeisterung für Gott und daran, dass du Menschen ermutigt hast, Verantwortung zu übernehmen.“ Mit der Zusage „Fürchte dich nicht“ wünschte sie der scheidenden Pfarrerin „für den neuen Weg offene Türen und Menschen an der Seite“. Acht Weggefährtinnen und Weggefährten gaben Claudia Posche Segenswünsche mit auf den Weg, darunter das Versprechen: „Gott wird auch weiterhin Spaß an dir haben.“ Im Grußwort des Presbyteriums griff Dr. Fritz Schückler diesen Gedanken auf: „Jede Geschichte, die du mir in den vergangenen Wochen aus 30 Jahren hier erzählt hast, endete mit einem Lächeln.“
30 Jahre Dienst am Altenberger Dom
In Köln geboren, wuchs Claudia Posche in Immendorf, später in Monheim, auf. Dort machte sie Abitur. Das Studium der Theologie absolvierte sie in Wuppertal und Marburg, das der Soziologie in Hamburg. Ihr Vikariat absolvierte Claudia Posche in Solingen, danach war sie in Düsseldorf-Garath tätig. Claudia Posches Dienst am Altenberger Dom begann schließlich im Februar 1996 – mitten in der Sanierungsphase, als weder Fenster noch Heizung vorhanden waren. Vieles wurde auf den Weg gebracht, manches, wie die Corona-Pandemie, wurde zur großen Herausforderung. Doch noch heute, so sagt die Pfarrerin, sei sie immer wieder demütig und ergriffen, wenn sie den Dom betrete und den wunderschönen Raum und das Licht wahrnehme.
Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl
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