Jugendliche übersetzen Psalm 23 in Rap, Bilder und ihre eigene Sprache
Psalm 23 gehört zu den bekanntesten Texten der Bibel. Viele kennen ihn als Trosttext, als Klassiker oder aus Gottesdiensten und Beerdigungen. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ – diese Worte begleiten Menschen seit Generationen. Doch wie klingt Psalm 23 heute aus der Perspektive junger Menschen?
Dieser Frage sind Jugendreferentin Siggi Schneider vom Evangelischen Jugendreferat Köln und Region und Pfarrer Stefan Jansen-Haß beim Juleica-Refresh-Kurs gemeinsam mit Jugendlichen nachgegangen. In Workshops wurden aktuelle Impulse aus Religionspädagogik und Jugendspiritualität erarbeitet und kreative Zugänge zu Glauben ausprobiert – spielerisch, meditativ, im Gespräch und auch digital mit der KI gestaltet. Das Jugendreferat bietet regelmäßig Kurse für ehrenamtlich Engagierte an, um die Jugendleiter:in-Card (JULEICA) zu erwerben und sich für Aufgaben in der Kinder- und Jugendarbeit weiter zu qualifizieren.
Was erzählen diese Texte und Bilder über den Glauben junger Menschen heute – und vielleicht auch über das, was sie sich von Gott wünschen?
Siggi Schneider: In unserem Juleica-Refresh-Kurs haben Jugendliche Psalm 23 komplett auseinandergenommen, neu gedacht, gerappt, gekritzelt und in ihre eigene Sprache übersetzt. Zwischen Zweifeln, Selbstironie, Hoffnung, Großstadt-Vibes und Gott als „der, der trotzdem bleibt“ sind ziemlich ehrliche Bilder und Texte entstanden. Nicht geschniegelt. Nicht perfekt. Aber echt.
Was hat Sie an den Texten und Bildern der Jugendlichen persönlich am meisten überrascht oder beeindruckt?
Stefan Jansen-Haß: Mich hat überrascht, wie wenig Berührungsängste Jugendliche mit der Bibel haben – wenn man sie lässt. Erwachsene nähern sich biblischen Texten manchmal wie einem Museumsexponat: „Nicht anfassen, könnte wertvoll sein.“ Jugendliche machen eher: „Cool – dürfen wir das auseinandernehmen?“ Und genau darin steckt etwas sehr Biblisches. Die Psalmen selbst sind ja nicht geschniegelt und brav. Da wird gejubelt, gezweifelt, gemeckert, gefragt und gestritten. Ich fand beeindruckend, wie selbstverständlich Jugendliche Gott gleichzeitig feiern und hinterfragen können. Offenbar hält Gott mehr Ehrlichkeit aus, als wir manchmal denken.
Warum kann es gerade für junge Menschen wichtig sein, biblische Texte nicht nur zu lesen, sondern kreativ und mit ihrer eigenen Sprache weiterzudenken?
Siggi Schneider: Weil Bibeltexte sonst manchmal wirken wie eine Sprachnachricht von vor 3000 Jahren – wichtig, aber mit sehr langer Ladezeit. Wenn Jugendliche Texte übersetzen, zeichnen, rappen oder neu formulieren, passiert etwas Spannendes: Der Text bleibt nicht irgendwo zwischen Goldrandbibel und Kirchenbank liegen, sondern zieht ins eigene Leben ein. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um David oder Schafe, sondern um Einsamkeit, Freundschaft, Leistungsdruck oder die Frage: „Ist da eigentlich jemand, wenn ich nachts um drei grüble?“ Vielleicht ist genau das Glaube: Nicht alte Antworten auswendig lernen, sondern entdecken, dass Gottes alte Worte manchmal erstaunlich gut in unsere heutige Playlist passen.
Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.
Text: APK
Foto(s): Teilnehmende des Juleica-Refresh-Kurses/AI
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