Vier Stunden Musik, vier Jubiläen, ein unvergesslicher Abend – die 3. Dellbrücker Chornacht

„Let us build a house where all are named,/ their songs and visions heard/ and loved and treasured, taught and claimed/ as words within the Word.“ – Besser als mit diesen Zeilen aus dem ersten gemeinsamen Lied „All are welcome“ könnte man wohl nicht ausdrücken, was Kirchenmusik vermag: Sie macht die Kirche zu einem einladenden Ort der Gemeinschaft und ist Teil der Verkündigung. Wie verschieden, klang- und farbenreich und überraschend das klingen kann, war im Rahmen der 3. Dellbrücker Chornacht – nach 2011 und 2016 – zu erleben. Sechs Ensembles gaben in der Christuskirche mit kurzen Konzerten ihre musikalischen Visitenkarten ab, und es wurden vier Chorjubiläen gefeiert. Insgesamt, so betonte Moderatorin Susanne Schulze-Rhonhof bei der Begrüßung, standen im Laufe des Abends „fast 200 Jahre gemeinsames Musizieren“ auf der Bühne.
Den Anfang machten die Kantorei Coro con Spirito, die in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen feiert, und ihr Partnerchor, die Kantorei der Stiftskirche Tübingen, mit einem eher selten aufgeführten Werk, der „Missa sacra“ (op. 147) von Robert Schumann. Ganz bewusst wurde die Fassung für gemischten Chor, Soli (Rebecca di Piazza (Sopran), Bernd Heyder (Bass)) und Orgel (KMD Johannes Quack) ausgewählt, damit auch die frisch restaurierte und erweiterte Orgel zum Einsatz und zur Geltung kommen konnte.
Blechbläser, Jubiläen und ein Evergreen der Chorliteratur
Ebenfalls auf 35 Jahre kann der Bläserchor Heilix Blechle unter der Leitung von Christian Vosseler zurückblicken – das einzige Nicht-Vokalensemble an diesem Abend. Nach einer hymnischen Bearbeitung von „Lobet den Herren, alle, die ihn ehren“ präsentierten die Bläserinnen das eher sentimental gestimmte „Looking back the years“ im Gedenken an ehemalige Mitmusikerinnen. Sentimental und nostalgisch blieb es aber nicht lange, denn mit einer Bläser-Version von „Viel Glück und viel Segen“ gratulierte „Heilix Blechle“ sich selbst und den anderen Jubiläums-Ensembles.

Ein Mitglied von „Heilix Blechle“ machte die Zuhörenden darauf aufmerksam, dass Josef Rheinberger erst 16 Jahre alt war, als er sein berühmtestes Stück – und einen „Evergreen“ der Chorliteratur – schrieb: sein „Abendlied“. Ziel des Bläserensembles sei es daher, „der menschlichen Stimme so nahe wie möglich zu kommen“. „Wenn wir das heute gut machen“, versprach er, „sehen Sie, wenn Sie die Augen schließen, einen Chor da vorne stehen.“ Mission erfüllt! In der „Halbzeitpause“ lud der nicht mehr ganz so heiße Sommerabend zu Gesprächen, Snacks und kühlen Getränken rund um die Kirche ein.
Vom Fliegen und vom Träumen – die Singaholics begeistern
Hätte es nach der Chornacht ein Publikumsvoting gegeben, wären die „Singaholics“, hervorgegangen aus der „Spatzenkantorei“, sicher ganz vorne dabei gewesen. Unter der Leitung von Mechthild Brand beeindruckten die Jugendlichen nicht nur dadurch, dass sie alle Stücke auswendig vortrugen, sondern auch durch den harmonischen Gesamtklang und die souveräne Choreografie. Bei der Zusammenstellung des Programms – von „Cerf-volant“ aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ über „California Dreaming“ bis „Närrische Träume“, komponiert von Peter Schindler – habe sich „wie von selbst“ ein roter Faden ergeben, erklärte eine Sängerin, und so stand der bejubelte Auftritt unter dem Motto „Vom Fliegen und vom Träumen“.
Ein Gänsehautmoment zum Abschluss
Zu Ende ging diese Dellbrücker Chornacht dann mit einem wahren „Gänsehautmoment“: „Der Mond ist aufgegangen“, gemeinsam gesungen von Chorsänger*innen und Publikum, setzte den stimmungsvollen Schlusspunkt hinter vier Stunden voller Musik, die man noch lange in sich nachklingen lassen konnte.
Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke
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