„Wir feiern miteinander im Namen der heiligen Geistkraft, die uns begeistert und stärkt“ – erstes Tauffest am Heider Bergsee
Die liebevoll verzierten Taufkerzen auf dem Altar spiegelten sich auf dem See, die Blumen ebenso, blauer Himmel, Sommerwetter – und das beim ersten Tauffest der Evangelischen Kirchengemeinde Brühl am Heider Bergsee. Schöner konnten die Bedingungen für diese außergewöhnliche Premiere nicht sein: Zum ersten Mal taufte das Seelsorgeteam unter freiem Himmel am Ufer des Heider Bergsees, an Pfingstsamstag, auf dem DLRG-Gelände, bei strahlendem Sonnenschein. Acht Täuflinge waren beim Tauffest an Pfingstsamstag auf dem

DLRG-Gelände dabei – vom Kleinkind bis zur 49-jährigen Stella Johnson, die an diesem ungewöhnlichen Taufort ihren lange gehegten Wunsch verwirklichen konnte: „Ich möchte so getauft werden wie Jesus, ganz eintauchen in das Wasser des Sees.“ Sie habe sich schon einmal für eine Taufe in der Kirche angemeldet, aber das habe sich für sie nicht richtig angefühlt. „Jetzt ist es richtig“, sagte sie mit großer Vorfreude.
Die Idee zur Tauffeier am See hatte Pfarrerin Sandra Nehring, nachdem sie sich am Tauffest des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region am Kölner Rheinufer beteiligt hatte. „Wir haben doch jede Menge Seen in der Nähe, das können wir auch“, erinnerte sie sich. Pfarrerin Renate Gerhard und Pfarrer Stefan Jansen-Haß waren sofort begeistert, das Team setzte die Idee gemeinsam um. Pfarrer Jansen-Haß und Kantorin Marion Köhler gestalteten den Gottesdienst musikalisch.
Vom Baby bis zur Erwachsenen: Jeder Täufling ist ein Segen
Weil eine Taufe ganz schön aufregend ist, hatte Meggy neben ihrer Familie die beiden Plüschtiere ihrer Grundschulklasse, Winnie und Willy, mitgebracht – zwei Waschbären, mit denen sie in der Schule von ihrem großen Tag erzählen wird. Zusammen mit ihrer Mutter Bianca Meyer wählte die Achtjährige den Taufspruch „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“. Die zehnjährige Greta Arth hat sich für „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ entschieden.

Für den zweijährigen Finn, der auf einer Picknickdecke im Schatten zwischen seinen mitgebrachten Lieblingsautos saß, hatte Mutter Sophie Kolberg den Segensspruch „Gott wird dir seine Engel schicken, um dich zu behüten, wohin du auch gehst“ ausgesucht. „Wir haben so etwas schon mal bei Freunden erlebt und waren völlig begeistert, dass wir in unserer Gemeinde jetzt am See taufen“, freute sie sich. „Jeder Täufling vom Baby bis zum Erwachsenenalter ist ein Segen. Das ist für uns als Gemeinde und für jede Familie ein besonderes Fest, das wir miteinander im Namen Gottes, seines Sohnes Jesus Christus, der mit uns gelebt und mit uns Menschen gefeiert hat, begehen. Und wir feiern miteinander im Namen der heiligen Geistkraft, die uns begeistert und stärkt“, stimmte Pfarrerin Sandra Nehring auf die bevorstehende Taufzeremonie und das Pfingstfest ein. In ihrer Predigt nahm sie die Anwesenden für einen sehr anschaulichen Vergleich gedanklich mit in ein Fußballstadion. „Das ist gut gefüllt, die Menschenmenge schaut auf den Platz in der Mitte, und dann fällt das entscheidende Tor. Der Eine steht auf und fängt an zu jubeln, und es breitet sich eine Welle aus – eine Welle, die durch das ganze Stadion wogt“, sagte sie. Wie sich eine solche Welle durch eine Menschenmenge bewege, das hätten wohl viele schon einmal erlebt – und die Energie und Begeisterung gespürt, die sich darüber mitteile.
Die Taufe als Stein, der Kreise zieht: Eine Energie, die nachhaltig wirkt
Von so einer Welle habe das Lied gehandelt, das die Gemeinde zuvor gesungen hatte, doch hier sei ein Stein, der ins Wasser geworfen wurde, der Auslöser gewesen. „Manchmal reicht ein Anlass, ein kurzer Moment in deinem Leben. So wie die Taufe“, so Nehring weiter. Die Liebe, die sich daraus ausbreite, die Energie und Begeisterung zögen weite Kreise im Leben eines Täuflings. „Ich wünsche allen Täuflingen, dass sie sich immer wieder in ihrem Leben begeistern lassen – für die Liebe Gottes, für die Liebe zum Nächsten und nicht zu vergessen auch für die Liebe zu sich selbst. Und dass die Liebe immer wieder sichtbare Kreise zieht, dass eine Energie durch die Taufe ausgelöst wird, die nachhaltig ist im Leben miteinander und im ganzen Tun“, sagte Nehring. „Denn durch die Taufe spüren wir, dass wir ein Segen sind und wir für andere zum Segen werden.“
„Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ An das mit dem Taufauftrag verbundene Versprechen Jesu erinnerte Pfarrerin Renate Gerhard. „Das ist, was Jesus versprochen hat. Menschen auf der ganzen Welt haben das gehört, und heute hören wir es bei uns. Was uns verbindet, ist das Vertrauen auf dieses Versprechen.“ Dann ging es zur Taufe direkt am Ufer. Die Kleinsten erhielten von Pfarrerin Gerhard und Pfarrer Jansen-Haß an einem mit Seewasser gefüllten kleinen Taufbecken das Sakrament, die Älteren gingen ein, zwei Schritte in den See hinein und wurden dort getauft.
„Großartig, wie neugeboren!“ – Stella Johnsons langer Weg zur Taufe im See
Sehr aufgeregt und sichtlich ergriffen schritt als Letzte Stella Johnson in einem weißen Baumwollkleid aufs Wasser zu. An den Händen von Pfarrer Jansen-Haß ging sie langsam hinein in den See. Ein Moment des Innehaltens folgte, dann die Taufe, auf die sie so lange gewartet hatte. Die 49-Jährige tauchte vollends ein in das Wasser des Sees. Als sie wieder nach oben kam, konnte sie es kurz kaum fassen. Dann jubelte sie vor Freude und wurde von ihrer großen Familie und ihrer Gemeinde gefeiert. Wie sie sich fühlt? „Großartig, wie neugeboren!“, sagte sie strahlend. Ihr Taufspruch lautet: „Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei – aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“
Text: Gabi Bossler
Foto(s): Gabi Bossler
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