Zuhören, da sein, aushalten – Queere Seelsorge für queere Menschen startet in Köln
Queere Menschen, die in Krisen Begleitung suchen, finden ab August ein neues Angebot bei der Queeren Kirche Köln: eine kostenlose Peer-to-Peer-Seelsorge, die von queeren Menschen für queere Menschen gestaltet wird – offen für alle, unabhängig von Herkunft, Alter oder Religionszugehörigkeit. Dr. Dorothea Ugi ist evangelische Pfarrerin und Theologin und eine der Initiatorinnen dieses Angebots. Im Interview erzählt Dr. Dorothea Ugi, wie die Idee zur Queeren Seelsorge entstanden ist, an wen sie sich richtet und was Menschen erwartet, die sich melden.
Im August startet die Queere Peer-to-Peer-Seelsorge und Beratung. Wie ist die Idee für dieses Angebot entstanden und warum wird es gerade jetzt gebraucht?
Schon seit längerer Zeit träume ich zusammen mit anderen queeren Seelsorger*innen und Berater*innen von Seelsorge von queeren Menschen für queere Menschen. Weil es so vieles gibt, was sich alleine schlechter verarbeiten lässt. Im Moment ist der Bedarf nach Begleitung und Gesprächen besonders spürbar, weil queere Menschen von Rechtsextremen zum Feindbild gemacht werden. Die zahlreichen Anfragen bei der Queeren Kirche Köln betonen die Dringlichkeit. Deshalb haben wir uns als Team zusammengesetzt und gemeinsam dieses Angebot entwickelt.
An wen richtet sich die Queere Seelsorge und mit welchen Anliegen können Menschen sich an Sie wenden?
Die Seelsorge richtet sich an alle Menschen, die sich selbst auf dem LGBTQIA+ Spektrum verorten. Alter, Herkunft, Wohnort, Kirchen- oder Religionszugehörigkeit spielen keine Rolle. Alles, was Menschen schwer auf dem Herzen liegt und worüber sie mit uns sprechen möchten, kann in den Gesprächen Thema sein. Und um ein paar Beispiele zu nennen: Identität, Coming Out, Sex und Beziehung, genauso wie Einsamkeit, Trauer, Krankheit, Sinn des Lebens oder Spiritualität. Die Menschen, die zu uns kommen, bestimmen, was in den Gesprächen passieren soll und was ihnen gut tut.
Wie funktioniert das Angebot ganz praktisch: Wer steht zur Verfügung? Wo findet die Seelsorge statt, wie kann man Kontakt aufnehmen und entstehen dabei Kosten?
Wir sind ein Team aus Menschen, die eine qualifizierte Seelsorge- oder Beratungsausbildung gemacht haben und wir sind alle selbst queer. Auf der Homepage der Queeren Kirche Köln bekommt man ein Gefühl, mit wem man es zu tun hat. Dort kann man Kontakt aufnehmen und einen Termin buchen. Wir haben einen schönen Raum in der St.-Johannes-Kirche in Köln Deutz und in der Melanchthon-Akademie Köln für Gespräche. Bevor man sich trifft, gibt es ein kurzes Erstgespräch am Telefon. Auch Onlinetreffen sind möglich. Die Seelsorgegespräche sind und bleiben kostenlos. Es gibt nach einem ersten Gespräch die Möglichkeit auch weitere Gespräche zu führen.
Was wünschen Sie sich, dass Menschen über die Queere Seelsorge wissen oder mit ihr verbinden?
Queere Seelsorge heißt: Gemeinsames Aushalten und miteinander da sein in Krisen und bei Problemen von Menschen, die queer sind. So wie es sich individuell richtig anfühlt. Wir wollen einen sicheren Raum schaffen, in dem alles besprechbar ist und in dem wir das Schwere miteinander da sein lassen. Es müssen keine queeren oder spirituellen Themen vorkommen, aber es ist möglich. Wichtig ist uns, dass bei uns nur Menschen Seelsorger*innen sind, die selbst queer sind. Das schafft einen sichereren Rahmen. Zudem ist auch wichtig, dass Seelsorge keine Psychotherapie ersetzt.
Welche Bedeutung hat das Angebot aus Ihrer Sicht für Köln und Region?
In Köln leben viele queere Menschen und es ist für viele schwierig, Begleitung in der Bewältigung von Krisen und Problemen zu finden. Für Seelsorge braucht es kein Rezept, kein Geld, und wir hoffen: keine Warteliste. Darüber hinaus erhoffen wir uns, dass das Online-Angebot auch Menschen aus ländlicheren Regionen erreicht. Wir träumen von weiteren Seelsorge-Standorten im ländlichen Raum.
Mehr Information bald auf:
https://www.queere-kirche-koeln.de/und https://www.hierundweiter.de/
Text: APK
Foto(s): APK/ Sasha Kisselkova
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