„Brückenbauer*innen“ begleiten seit einem Jahr pflegebedürftige und schwerstkranke Menschen mit Zuwanderungsgeschichte

„Stellen Sie sich vor, Sie sind in China und müssen dort zu einem Arzt“, so beschreibt Daham Abdulghani die Situation, in der sich Migranten und Migrantinnen in Köln befinden, die das deutsche Gesundheitssystem nicht kennen. Abdulgahni floh vor sechs Jahren aus Syrien und kann die Probleme nachempfinden, ebenso wie seine Kollegin Etleva Zela: „Es geht Dir wie einem Fisch ohne Wasser.“ Die beiden arbeiten seit genau einem Jahr im Modellprojekt „Brückenbauer*innen Palliative Care“. Dieses erste Jahr der praktischen Phase war Anlass für einen Fachtag im Haus der Evangelischen Kirche, zu dem das Diakonische Werk Köln und Region eingeladen hatte. Mehr als hundert Gäste nahmen teil, dazu weitere 30 online im Livestream.

Vertrauen schaffen

Seit Februar 2022 begleiten acht „Brückenbauer*innen“ in Köln pflegebedürftige und schwerstkranke Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und deren Familien als Sprach- und Kulturmittler und -innen, zum Beispiel bei Arztbesuchen und im Krankenhaus. Sie sprechen insgesamt 12 Sprachen. „Ihre Lotsenfunktion ist wichtig, um Vertrauen zu schaffen und kulturelle Hürden zu überwinden“, betonte Paul Zubeil in seinem Grußwort. Zubeil leitet die Unterabteilung für europäische und internationale Angelegenheiten im Bundesministerium für Gesundheit, das das Modellprojekt finanziert. Als „sehr innovativ“ lobte er die Zusammenarbeit von Berlin und Köln. Im Diakonischen Werk Berlin startete vor einigen Jahren bereits ein ähnliches Modellprojekt mit dem Schwerpunkt Pflege. Dann kam aus Berlin die Anfrage an das Diakonische Werk Köln und Region, in beiden Städten das Projekt „Palliativ Care“ ins Leben zu rufen.

Diakonisches Werk ist bunter geworden

„Berlin und Köln, das passt“, sagte Jörg Zeyßig in seiner Begrüßung. Dabei verwies der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes auch auf den BAP-Song „Nippes, Ihrefeld un Kreuzberg“ aus den 1980er Jahren. „Vielleicht hätte noch die eine oder andere Ruhrgebietsstadt gepasst, aber diese beiden Städte sind schon die Hochburgen migrantischen Lebens in Deutschland.“ Das Diakonische Werk sei durch das Projekt bunter geworden. Er freue sich über „die inzwischen eingetretene Normalität, über die Bereicherung durch andere Kulturen und die damit verbundene Herausforderung, die eigenen Blickwinkel immer wieder in Frage zu stellen und anzupassen.“

Zudem sei das Projekt auch eine Chance für die Brückenbauer*innen selbst, denn sie leisten ihre Arbeit nicht ehrenamtlich, sondern in einem tarifgebundenen Beschäftigungsverhältnis. Zuvor haben sie einen fünfmonatigen Qualifikationsprozess absolviert und besuchen auch weiterhin Schulungen, zum Beispiel zu medizinischen Fachbegriffen, um die nötige Sicherheit für die Gespräche mit Klienten und Klientinnen und Fachpersonal zu gewährleisten. „Die vermittelten Fähigkeiten sind auch für den ersten Arbeitsmarkt von Interesse“, so Zeyßig. Wünschenswert wäre zu prüfen, „ob nicht auch eine Anerkennung in einem bestehenden Berufsbild möglich wäre.“

Die Brückenbauer*innen aus Köln und Berlin kamen anlässlich des Fachtages das erste Mal zusammen. Alle haben eine persönliche Migrationsgeschichte und viele haben negative Erfahrungen gemacht, wenn eigene Angehörige krank wurden oder im Sterben lagen. „Wie wir als Gesellschaft Sterbende begleiten, ist in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgeprägt“, sagte Sozialdezernent Dr. Harald Rau in seinem digitalen Grußwort. Es sei gut, dass es hier jetzt Hilfe von der Diakonie gebe und eine Anschubfinanzierung durch das Bundesministerium. In Berlin werde das Vorläuferprojekt in der Pflege mittlerweile vom Senat finanziert, erläuterte Ralf Nordhauß, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Berlin. Auf die Frage, ob eine Weiterfinanzierung auch durch die Stadt Köln denkbar wäre, wollte sich Bettina Baum, Leiterin des Amtes für Integration und Vielfalt, nicht festlegen. Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, „wie das System weiterlaufen soll ohne diese Arbeit.“

Jeden Tag Anrufe von Menschen, die mitarbeiten wollen

Im ersten Jahr haben die Brückenbauer*innen in Köln mit vier Vollzeitstellen mehr als 300 Menschen aus 25 verschiedenen Herkunftsländern begleitet. Ein Drittel benötigte Unterstützung in arabischer Sprache, ein Viertel in russischer Sprache, was an der Begleitung von Geflüchteten aus der Ukraine liegt. „Wir könnten noch viel mehr Sprachen gebrauchen, vor allem auch türkisch“, sagte Claudia Lautner, die das Projekt in Köln leitet. Jeden Tag erhalte sie Anrufe von Menschen, die auch als Brückenbauer*in arbeiten wollten. Für weitere Stellen müsse aber die Finanzierung ausgeweitet werden. Selbst überrascht war Claudia Lautner davon, dass auch viele Familien mit jungen Erkrankten und Sterbenden um Hilfe bitten. Im ersten Jahr waren 20 % noch keine 18 Jahre alt, 27 % waren älter als 60. „In jeder Lebensphase Brücken bauen“ so übersetzte die Berliner Projektleiterin Nazife Sari die türkische Unterzeile auf der Einladung zum Fachtag. Und Brücken bauen müssten alle am Projekt Beteiligten.

Viele Redewendungen sind missverständlich

Wie unterschiedlich die kulturellen Ausprägungen gerade bei den Themen Krankheit und Sterben sind, machte Professor Dr. Hacı Halil Uslucan von der Universität Duisburg-Essen deutlich. Er sprach über das „Gesundheits- und Krankheitsverständnis im kulturellen Kontext – Was bedeutet der böse Blick? Ich küsse deine Augen!“. Redewendungen wie „Da haben Sie aber Schwein gehabt“ seien sehr missverständlich. Die sehr direkte Kommunikation mancher Ärzte westlicher Prägung irritiere viele, da in anderen Kulturen „eher um den heißen Brei herumgeredet wird, auch um den Menschen zu schützen.“

Für eine interkulturelle Kompetenz brauche es daher das Wissen über Kulturen, eine empathische Haltung und die Offenheit, Diversität zu leben. Die reine Übersetzung reiche oft nicht, bestätigte Dr. Ferya Banaz-Yaşar vom ambulanten Hospizdienst am Universitätsklinikum Essen. Sie gab Einblicke in die „Kultursensible Hospizarbeit“, wo ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende Sterbende mit internationaler Biographie begleiten. Vor allem medizinische Begriffe müssten oft ausführlich erklärt werden. Es handele sich weniger um eine Sprachbarriere als um eine Kommunikationsbarriere. „Der Tod ist immer schmerzhaft, egal in welcher Kultur oder Religion, das ist das Verbindende in der Hospizarbeit.“

„Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde“

Von Irritationen in der Kommunikation berichtete auch Fatih Çevikkollu in seinem kabarettistischen Impuls: Als geborener Kölner machte er Mut, stolz zu sein auf eine „internationale Biographie“. Den Begriff „Migrationshintergrund“ lehne er ab, „das klingt nach einer Diagnose“. Mit Blick auf die erste Generation der Menschen, die nach Köln einwanderten und alle nachfolgenden Generationen forderte er: „Dankbar war gestern, heute ist Teilhabe“. Daran knüpfte der Berliner Brückenbauer Muhannad Abulatifeh mit seinem Statement an: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, gerade auch in der letzten Phase seines Lebens.“

Mehr Infos zum Modellprojekt unter www.brueckenbauerinnen.de

Text: Martina Schönhals
Foto(s): WSW-Media Filmproduktion“ www.wsw-media.de

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„Wir sind viel zu sehr geprägt von äußeren Meinungen, vom Zeitgeist“: Pfarrer Andreas Daniels in sein Amt als stellvertretender Skriba eingeführt

Die Liederhefte sind in der Markuskirche in Porz-Eil Geschichte. Papier gespart, Umwelt geschont, Fortschrittlichkeit bewiesen. Die Liedtexte auf dem Bildschirm an der Wand waren an diesem Samstag aber nur ein Aspekt am Rande. Denn im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand im wahrsten Sinne des Wortes der Ortspfarrer. Superintendent Torsten Krall und seine Stellvertreterin, Synodalassessorin Kerstin Herrenbrück, waren nach Eil gekommen, um Pfarrer Andreas Daniels in sein neues Amt als stellvertretender Skriba im Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch einzuführen.

Die Herbstsynode des Kirchenkreises hatte Daniels mit großer Mehrheit gewählt. Wie übrigens auch Krall und Herrenbrück, die sich den Synodalen ausdrücklich als „Team“ zur Wahl gestellt hatten. So war es denn nur konsequent, dass beide zur Amtseinführung anwesend waren. Daniels ist seit 2004 an der Markuskirche tätig und zuständig für die Bezirke Eil, Urbach und Elsdorf. Man hatte den Einführungsgottesdienst in der spärlich-stimmungsvoll ausgeleuchteten Markuskirche auf den Samstagabend vorgezogen, um Pfarrerkolleginnen und -kollegen die Teilnahme zu ermöglichen.

„In der Taufe sagt Gott zu jedem Einzelnen: Du bist für mich wertvoll“

Daniels erinnerte in seiner Predigt an die Unwägbarkeiten und Risiken, wenn man für Ämter kandidiere. „Ich habe mich vor ein paar Jahren schon mal für den Kreissynodalvorstand beworben und wurde nicht gewählt.“ Daniels predigte über den Römerbrief, 1, 13 – 17: „Ich will euch aber nicht verschweigen, Brüder und Schwestern, dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen – wurde aber bisher gehindert –, damit ich auch unter euch Frucht schaffe wie unter andern Heiden. Griechen und Nichtgriechen, Weisen und Nichtweisen bin ich es schuldig; darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben“, hat Paulus den Römern geschrieben.

„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht“, wiederholte Daniels. Es zu verkündigen, sei er ausgebildet: „Entschieden und überzeugend.“ In der Gemeinde sei das leicht. „Das ist ein geschützter Kreis und man kann offen reden.“ Und könne sich zurücklehnen im „religiösen Kleingarten“, in dem wunderbare Blumen wüchsen. „Aber draußen?“ Da wirke diese Kleingärtnermentalität doch arg zerbrechlich. „Wir sind viel zu sehr geprägt von äußeren Meinungen, vom Zeitgeist“, kritisierte der Pfarrer. Entscheidend sei, dass jede und jeder von Gott angenommen sei, wie er ist. Ohne Vorbedingungen. „In der Taufe sagt Gott zu jedem Einzelnen: Du bist für mich wertvoll.“ Ohne etwas dafür leisten zu müssen.

„Der Gerechte wird aus dem Glauben leben“

Daniels warf einen Blick in die eigene Vergangenheit. „Nach dem Probedienst war ich kurz arbeitslos. Ich habe zwei Monate nichts Messbares geleistet. Ich habe damals vor Scham den Menschen nicht mehr in die Augen schauen können. Ich bin damals dem gnadenlosen Leistungsdogma auf den Leim gegangen. Viele definieren sich ja fast ausschließlich über ihre Arbeit.“ Das Evangelium sei eine Alternative zu diesem Leben und sage etwas über den Wert des Lebens. „Einzige Voraussetzung ist der Glaube, den wir mitbringen müssen.“ Dann könne man sein Leben unter das Evangelium stellen, ja sogar sein Leben in das Evangelium fallen lassen. Dann begegne man der Kraft, Wärme und Güte Gottes. „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“

Daraus erfahre man die Kraft, die es nicht erlaube, die Hände in den Schoß zu legen, sondern die Grenzen der Kirchengemeinden-Mentalität immer weiter in die Welt zu ziehen. „Wir sind die Gemeinschaft, die sich versammelt, um den Glauben an das Evangelium zu verbreiten. Das werden und das dürfen wir uns nicht nehmen lassen.“

Kerstin Herrenbrück und Torsten Krall hießen das neue Mitglied im Kreissynodalvorstand herzlich willkommen. „Ich habe Andreas Daniels als einen Menschen kennengelernt, der gern etwas bewegt. Der offen ist für Neues, gute Traditionen bewahrt und die Gemeinschaft stärkt. Und der Kraft schöpft aus der christlichen Spiritualität. Wir freuen uns auf gemeinsames Denken und Tun.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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„Geliebt. Versöhnt. Vereint?!“: Ökumenischer ACK-Neujahrsgottesdienst

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Köln (ACK) hat einen ökumenischen Gottesdienst mit anschließendem Neujahrsempfang veranstaltet. Unter dem Motto „Geliebt. Versöhnt. Vereint?!“ kamen Besucher am letzten Sonntag im Januar in der „Friedenskirche Baptisten mitten in Köln“ zusammen und erfreuten sich auch an der musikalischen Gestaltung durch Sängerin und Songschreiberin Yasmina Hunzinger, die vor mehreren Jahren am Gesangs-Wettbewerb „The voice of Germany“ teilgenommen hatte. Der Gottesdienst stand ganz im Zeichen der Weltversammlung der christlichen Kirchen, die im vergangenen Jahr in Karlsruhe stattfand. Zum Abschluss seiner aktiven ökumenischen Zeit in Köln hielt Erzpriester Radu Constantin Miron, seit 2019 Vorsitzender der ACK Deutschland, die Predigt.

In Vertretung von Pfarrer Heino Wesemann begrüßte Hans Hilsberg die Anwesenden der ACK-Kirchen, darunter etwa der katholischen Kirchen, der evangelischen Landeskirche oder der orthodoxen Kirche, sowie die Vorsitzende der ACK Köln, Pfarrerin Susanne Beuth. „Ich freue mich, dass wir auch das Ökumenekreuz in unserer Mitte haben. Es symbolisiert die Verbundenheit und Einheit zwischen den Kirchen als Jesus Christus im Mittelpunkt. Ohne diesen Mittelpunkt gibt es keine wahre Ökumene“, betonte er.

„Ökumene ist immer multilateral“

Susanne Beuth griff in ihren einleitenden Worten sogleich das Thema des Gottesdienstes auf. „Hinter uns liegt das Jahr, dessen ökumenischer Höhepunkt die Weltversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen in Deutschland war. Wir blicken zurück, fragen aber als ACK Köln auch, was die Versammlung für uns bedeutet.“ Besonders freute sie sich über die Anwesenheit Mirons. „Er war jahrzehntelang ein Motor der Ökumene in Köln, hat sich nun als Mitglied unseres lokalen ACK indes verabschiedet. Da er den Gemeindedienst beendet hat, vertritt er auch nicht mehr die griechisch-orthodoxe Kirche bei uns. Daher wollen wir uns heute für sein Engagement bei ihm bedanken.“

Anschließend schufen verschiedene Beteiligte mit dem Vortrag diverser Originaltöne von Teilnehmern der Weltversammlung sowie ein Gebet, in Anlehnung an Worte des seinerzeitigen Eröffnungsgottesdienstes, den Übergang zu einem Filmbeitrag, der in Interviewausschnitten einen Eindruck von der letztjährigen Atmosphäre in der badischen Stadt vermittelte. Schließlich ergriff Erzpriester Miron mit seiner Predigt das Wort und erläuterte mögliche Konsequenzen aus der internationalen Zusammenkunft, bei der Wert darauf gelegt wurde, dass neben den gastgebenden Kirchen auch der ACK Deutschland die Inhalte mitgestaltete. „Eine erste Antwort auf die Frage ´Und jetzt?´ könnte die Erkenntnis sein, dass das christliche Zeugnis in unserem Land und darüber hinaus nur ökumenisch glaubhaft sein wird. Das sollte indes fast überall angekommen sein, denn Ökumene ist immer multilateral“, führte der 66-Jährige aus und erinnerte an eine lange zurückliegende Begebenheit. „Ich wurde mal von einem Mitbruder mit den Worten empfangen: ´Schön, dass Sie hier sind, Pfarrer Miron. Aber eins müssen Sie wissen: Als Orthodoxer sind Sie nur Zaungast in der Ökumene. Die heißt in Köln katholisch oder evangelisch.´ Inzwischen sind wir zum Glück weitergekommen.“

Kultur des Fragens

Im Folgenden erörterte er „weitere Eckpunkte für die Road map unseres Pilgerweges“ im nächsten Jahr. „Ökumene ist ein konstitutiver Teil unserer Identität als Christen. Ich wehre mich, Ökumene nur als Reaktion auf tatsächliche oder vermeintliche Missstände zu definieren, im Sinne vom Zusammenhalten gegen diverse Bedrohungen.“ Ökumene sei zudem immer lokal und temporal verschieden und betreffe stets alle Ebenen der Kirche. „Was nützt es, wenn sich Papst und Patriarch gut verstehen, die Nachbar-Pfarrer im Veedel sich aber nicht kennen oder gar aus dem Weg gehen?“ Ausgehend von solchen Eckpunkten stellte Miron fest, dass Ökumene immer bedeuten müsse, Fragen zu stellen: „Was sind denn alle unsere ökumenischen Dialoge anderes als gestellte und beantwortete Fragen? Ich appelliere daher für eine Kultur des Fragens, die auch daher rührt, dass das Fragen stellen in der Ökumene immer auch zu einem Mehrwert an Kenntnis über den anderen und die eigene Identität beiträgt. Fragen nach dem kirchlichen ´Wo bist du?´ sind Fragen nach dem Status quo, nach dem Ziel und der Route in den jeweiligen Glaubensgemeinden.“

Miron versuchte schließlich, als Fazit eine mögliche Richtung bei der Frage, wie es nach Karlsruhe weitergehen soll, vorzugeben. „Es geht nicht um Fragen der Ökumene, sondern um die Ökumene des Fragens. Es gilt nicht mehr, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Ich glaube, in der Ökumene gilt nach Karlsruhe mehr denn je, die Kirchen und Konfessionen dort abzuholen, wo sie sind.“

Text: Holger Hoeck
Foto(s): Holger Hoeck

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Gedenkstunde am Löwenbrunnen: Erinnerung an die aus Köln deportierten und ermordeten Kinder

Ein gemeinsames wichtiges Zeichen gegen Hass, Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung – das ist die jährliche Veranstaltung am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust an der Kindergedenkstätte Löwenbrunnen in der Kölner City. Vertretende der Synagogen-Gemeinde Köln, der Stadt Köln, des Katholischen Stadtdekanates und des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region in Verbindung mit dem Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Jawne“ gedachten mit zahlreichen Schülern und Schülerinnen insbesondere der aus Köln deportierten und ermordeten jüdischen Kinder. Ebenso erinnere man an jüdische Menschen, denen die Flucht aus ihrer Heimatstadt vor nationalsozialistischer Verfolgung etwa nach Palästina und England gelungen ist.

„Ihr seid der Grund, weshalb wir alle hier sind“, richtete sich Pfarrerin Ulrike Gebhardt in ihrer Begrüßung auch an Schüler und Schülerinnen aus Köln und Hennef. Sie trugen Biografien jüdischer Kölnerinnen und Kölner vor, beeindruckten mit einem eigens verfassten Gedicht und Viertklässler und Viertklässlerinnen der Olympia-Schule interpretierten das Friedenslied „Hevenu Shalom Alechem“. Gebhardt sprach ihren großen Dank an die Ausrichtenden und Teilnehmenden aus – Dank auch für die regelmäßige inhaltliche Unterstützung der Stadt. Sie begrüßte unter anderem Jakub Wawrzyniak, den polnischen Generalkonsul in Köln sowie Christina Zimmermann vom Katholischen Schulreferat Köln. „Uns ist es wichtig, dass die Arbeit mit Schüler und Schülerinnen ökumenisch weitergeht“, betonte Gebhardt.

Mit der von Dieter und Irene Corbach initiierten Gedenkstätte auf dem Erich-Klibansky-Platz an der Helenenstraße wird namentlich der über 1.100 deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Köln und Umgebung gedacht. Der achteckige Brunnen steht in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Areal des einstigen jüdischen Reform-Realgymnasium Jawne und der Synagoge der orthodoxen Gemeinde in Köln. Dort befand sich ein Zentrum jüdischen Lebens und Lernens.

„Warum sind wir hier?“, fragte eingangs Pfarrer Bernhard Seiger. Der Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region gab selbst die Antwort: „Wir sind hier am Gedenktag der Befreiung von Auschwitz vor 78 Jahren. Wir sind hier am Löwenbrunnen, weil das ein Ort ist, an dem wir das Geschehen von damals spüren können.“ Hier habe eine jüdische Schule gestanden, deren Schüler hier nicht haben bleiben dürfen, weil jüdische Menschen im „Dritten Reich“ nicht gewollt gewesen seien. Jesus, der ja Rabbi gewesen sei, habe vor 2000 Jahren mit Menschen Gespräche geführt. „Ich habe gelernt“, so Seiger: „Er stellte manchmal dieselbe Frage zweimal. So sind sie auf dem Weg und er fragt seine Leute: Worüber sprecht ihr? Und dann noch einmal. Worüber sprecht ihr? Und dann sagen sie, was sie bewegt.“

Wer nachfrage, wolle wirklich verstehen

„Beim zweiten Mal denkt man noch einmal genauer nach“, nannte es Seiger „die Chance der zweiten Frage.“ Wer nachfrage, wolle wirklich verstehen, wolle hinhören. „Wenn wir dieselbe Frage zweimal stellen, dann halten wir inne und gehen nicht einfach weiter und bleiben an der Oberfläche.“ Jesus sei ein Meister der Entschleunigung und des Innehaltens, wie die Rabbinen und wie viele religiösen Lehrer, sagte Seiger und erklärte: „Das heißt: jeder Frage eine zweite Chance geben. Also nicht zu schnell verstehen wollen, damit wir wieder zum Alltag kommen und das Schwierige hinter uns lassen.“

Und so fragte auch Seiger ein zweites Mal: „Warum sind wir hier? Weil dieser Tag aus guten Gründen in unseren Kalendern steht. Weil wir neu lernen wollen. Wie lesen Schülerinnen und Schüler, wie lest Ihr das, was hier geschah? Was nehmen Schülerinnen und Schüler aus Israel wahr?“, wandte Seiger sich in englischer Sprache an Jugendliche vom israelischen Bildungszentrum HaKfar HaYarok. Sie weilten im Rahmen eines deutsch-israelischen Austauschs in Köln und nahmen mit Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Kreuzgasse an der Veranstaltung teil. „Antisemitismus lauert an vielen Ecken, dagegen wehren wir uns“, formulierte Seiger eine Botschaft für heute. Und wir würden ihn benennen, verwies er auf das im Mai geplante Konzert des ehemaligen Pink Floyd-Mitglieds Roger Waters in Köln. Dessen „Worte und Bilder“ seien antisemitisch und verletzten heute jüdische Menschen in ihrer Würde. „Wir werden als Kirchen kritisch darauf hinweisen, dass wir das Konzert sehr problematisch finden.“

„Warum sind wir hier?“, fragte Seiger abermals. „Weil wir zeigen wollen: Anders als 1938 und 1942, als die Schule der Jawne geschlossen wurde, schweigen wir nicht.“ Im Gegenteil – wir, die Stadt Köln, die christlichen Kirchen und die Synagogengemeinden, der 1.FC Köln und Karneval und viele mehr stünden zusammen. „Wir freuen uns über jüdisches Leben in unserer Stadt und Menschen, die ihren jüdischen Glauben offen und gerne leben. Wir lassen uns nicht mehr auseinanderbringen!“ Seiger dankte den Initiatoren und Initiatorinnen der Gedenkstunde und den anwesenden Schülern und Schülerinnen für ihre Beiträge: „Erzählen hilft, klarer zu sehen. Erzählen hilft, zu spüren, was wichtig ist. Erzählen schärft das Gewissen.“

Wichtig, den Holocaust nicht zu vergessen

„Ich freue mich, dass wieder so viele junge Menschen hier sind“, grüßte Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne) für den Rat der Stadt Köln. Es sei wichtig, den Holocaust nicht zu vergessen. Jeder Mensch habe Rechte und die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das sei damals nicht selbstverständlich gewesen.

Schüler und Schülerinnen des Städtischen Gymnasiums Hennef informierten über den Kölner Jonas Königshöfer (1920 – 2015). Der ehemalige Jawne-Schüler konnte sich wenige Tage nach Kriegsbeginn 1939 nach Palästina retten, wo er den Namen Jona Hatsor annahm. Auch seine vier Geschwister überlebten „den Krieg und die Shoah“. Die Eltern wurden in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ein Oberstufenkurs des Gymnasiums Schaurtestraße berichtete von Ilse Buttenwieser  (1913 – 2012), die 1937 mit ihrem Mann in die USA flüchten konnte. „Den Glauben, dass Menschen eigentlich gut sind“, habe sie nie verloren. „Toleranz war ihr und ihrer Familie immer wichtig. Das finden wir beeindruckend“, leiteten die Jugendlichen ein eingespieltes Tondokument eines Interviews mit Buttenwieser ein. Gymnasiasten und Gymnasiastinnen aus Köln-Rodenkirchen erzählten von den Schicksalen zweier weiterer Geretteter.

Gedicht „Erinnerung & Gedenken“

Die 17-jährige Felicitas Graunke, Schülerin des Rodenkirchener Gymnasium beendete den Beitrag mit ihrem Gedicht „Erinnerung & Gedenken“: „Kristall. Ich denke an Schmuck, an Schönheit, an Glanz, an das gläserne Glitzern bei Lichteinfall, an rätselhafte, doch zugleich unverkennbare Brillanz. / Kristallnacht. Ich denke an den vollen Mond, der sich spiegelt im Rhein, an die goldenen Sterne die den Himmel schmücken in all ihrer Pracht, an stille Einkehr beim Anblick des Wassers blässlichen Scheins. / Reichskristallnacht. Kein Glanz, keine Pracht, kein Licht. Nur das Geräusch wie es knallt, klirrt und kracht, während ein weiteres Stück Hoffnung in sich zusammenbricht. / Sie sehen keinen Schmuck. Sie sehen Scherben. Zerstörung, wohin man auch guckt. Und doch nur der Anfang von dem, was sie erleiden werden.“

„Es ist beeindruckend, wie Ihr Einzelschicksale behandelt habt“, wandte sich Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an die Schüler und Schülerinnen. Er bezeichnete die Gedenkarbeit als etwas sehr wichtiges. „Für die Zeit von 1933 bis 1945 tragt ihr keine Schuld. Aber ihr gehört zu dieser Gesellschaft“, ermutigte Lehrer, gegen Mobbing und Ausgrenzung aufzustehen. „Ob in der Schule oder in der Freizeit, wenn euch so etwas begegnet, widersprecht. Ihr müsst euch nicht in Gefahr begeben“, sagte Lehrer, „aber wo nötig und möglich, widersprecht. Ihr Größeren, zeigt Zivilcourage, weist die anderen in die Schranken“, bat er. Ganz wichtig für Verständigung sei der Austausch zwischen jungen Menschen in Deutschland und Israel.

„Es gibt nichts, dass die Nachkriegszeit Israels besser darstellt, als die Tatsache, dass wir eine israelische Jugend haben“, hob Rabbiner Yechiel Brukner von der Synagogen-Gemeinde Köln hervor. Zuvor hatte auch er sich an die israelischen Gäste gewandt. „Schaut, wie viele Kinder von den Menschen entstanden sind, die damals nach Palästina gegangen sind.“ Antisemitismus und Verehrung nationalsozialistischen Gedankengutes seien leider nicht vergangen. „Wir sollten wissen, das ist da, jetzt“, warnte er. Viele von den jüdischen Menschen, die damals in Deutschland geblieben seien, weil sie gedacht hätten, es gehe vorbei, hätten sich geirrt. Die Schüler und Schülerinnen nannte er Botschafter und Botschafterinnen. „Jede und jeder von Euch muss hunderte Menschen informieren über das Geschehene“, wünschte er ihnen dabei von ganzem Herzen viel Erfolg.

„Niemals dürfen wir schweigen“

Dass sich junge Menschen mit diesem schwierigen Thema beschäftigten, sei wichtig, aber nicht selbstverständlich, würdigte Christina Zimmermann das Engagement der Schüler und Schülerinnen. Dabei berühre die Beschäftigung mit Einzelschicksalen sehr. „Ihr habt gezeigt, dass euch das wichtig ist an diesem Tag“, bekundete auch der evangelische Schulreferent Rainer Lemaire den Jugendlichen seinen Dank. Nachdem Mordechay Tauber, Kantor der Synagogen-Gemeinde Köln, Psalm 110 und das „El Male Rachamin“ („Gott voller Erbarmen“) vorgetragen hatte, zeigte sich Gebhardt dankbar darüber, „dass in unserem Land auch in Hebräisch gebetet wird“. Und sie dankte Brukner, „dass Sie uns ermutigen, laut zu werden“. In seinem Schlussgebet bat der Kölner Stadtdechant Monsignore Robert Kleine, „dass wir unsere Erinnerung wachhalten und sie Motivation für unser Handeln ist. Wir lernen am 27. Januar: Verzeihung entwaffnet Hass.“ Auch wenn Anklage menschlichen Verhaltens unangenehmer sei als Schweigen, so Kleine: „Niemals dürfen wir schweigen.“

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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Unsere Wochentipps: Pop-Chor-Workshop und Tangonacht mit Livemusik

Unsere Wochentipps laden Sie ein: Es wird musikalisch mit dem Folk-Abend „Elements and Emotions“, der Tangonacht mit Livemusik MisaTango und Milonga, dem Pop-Chor-Workshop in der Gnadenkirche Brauweiler und den Orgelsonaten der Romantik. Außerdem findet ein Foto-Vortrag „Mutige ukrainische Zivilgesellschaft“ statt.

Die Termine in der Übersicht:

02.02.2023, 19:00
Melanchthon-Akademie
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Mutige ukrainische Zivilgesellschaft
Vielfältiges Engagement in schwierigen Zeiten

Die Publizistin Liane Bednarz hat 2022 die Ukraine besucht und mit vielen Menschen gesprochen, die sich als freiwillige Helferinnen und Helfer im Krieg engagieren. In ihrem Foto-Vortrag am Donnerstag, 2. Februar, 19 Uhr bis 20.30 Uhr, in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, berichtet sie über ihre Erfahrungen. Im medialen Fokus stehen meistens militärische und politische Fragen. Der beeindruckende Freiheitskampf des Landes basiert aber auch entscheidend auf seiner Zivilgesellschaft. Quer durch alle Gesellschaftsschichten und politischen Lager engagieren sich Bürgerinnen und Bürger als Freiwillige, organisieren Hilfslieferungen für die Soldaten an der Front und muntern diese durch E-Mail- und Chatkontakte auf. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erwünscht, Tel: 0221 931 803 0.
www.melanchthon-akademie.de

04.02.2023, 19:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Lindenthal
Matthäuskirche, Dürener Straße 83/ Herbert-Lewin-Straße, 50931 Köln
„Elements and Emotions“
Ein musikalischer Folk-Abend

„Elements and Emotions“ ist der Titel eines Folk-Abends am Samstag, 4. Februar, 19 Uhr, im Evangelischen Gemeindezentrum Matthäuskirche, Dürener Straße 83/Ecke Herbert-Lewin-Straße. Zu Gast sind die „Heartland Travellers“. Der Eintritt ist frei.

04.02.2023, 20:00
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal
Martin-Luther-Haus, Mehlemer Straße 7, 50968 Köln
MisaTango und Milonga
Konzert und Tangonacht mit Livemusik

Anna Herbst (Mezzosopran) und Stephan Langenberg (Bandoneon), das Vokalensemble an der Reformationskirche sowie ein Tango-Orchester führen am Samstag, 4. Februar, 20 Uhr, unter der Leitung von Samuel Dobernecker die „MisaTango“ von Martin Palmeri im Martin-Luther-Haus, Mehlemer Straße 7, auf. Anschließend findet dort eine Tangonacht mit Livemusik mit Stephan Langenberg und Margita Linde als Duo „Las Perillas“ statt. In den Argentinischen Tango führt Frank Saynisch ein. An der Bar gibt es argentinische Getränke sowie ein Snackangebot. Es handelt sich hierbei um zwei Veranstaltungen. Der Eintritt kostet jeweils 18 Euro, ermäßigt 12 Euro. Ein Kombiticket kostet 25 Euro, ermäßigt 15 Euro.

www.kirche-bayenthal.de

05.02.2023, 12:00
Evangelische Christusgemeinde Brauweiler-Königsdorf
Gnadenkirche Brauweiler, Friedhofsweg 4, 50259 Pulheim
Pop-Chor-Workshop in der Gnadenkirche Brauweiler
Lieder mit „Tiefgang“ werden eingeübt

Die Evangelische Christusgemeinde Brauweiler-Königsdorf bietet am Sonntag, 5. Februar, 12 bis 18 Uhr, einen Pop-Chor-Workshop an. Der renommierte Jazz- und Pop-Pianist und Chorleiter Christian Mews aus Münster leitet die Veranstaltung in der Gnadenkirche Brauweiler, Friedhofsweg 4. Lieder mit Tiefgang von Roger Cicero und Peter Maffay werden mehrstimmig eingeübt. Die Teilnahme kostet 29 Euro. Darin enthalten sind Kaffee und Kuchen. Eine Anmeldung bei Ute Krause per Telefon 02234/700388 ist erforderlich.

www.ev-christusgemeinde.de

05.02.2023, 17:00
Evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Junkersdorf
Köln-Junkersdorf, Birkenallee 20, 50858 Köln
Orgelsonaten der Romantik
Musik von Mendelssohn und Rheinberger

Ein Konzert mit Orgelsonaten der Romantik findet am Sonntag, 5. Februar, 17 Uhr, in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Birkenallee 20, statt. Organist Thomas Jung trägt an der Muhleisen-Orgel die beiden Orgelsonaten in C-Dur und d-Moll von Josef Rheinberger (1839-1901) sowie die Orgelsonate in A-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) vor. Der Eintritt ist frei, Spenden für die neue Orgel sind willkommen.

Text: APK
Foto(s): APK

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„Erinnern – Eine Brücke in die Zukunft“: Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

„Ich freue mich, dass wir wieder hier sein dürfen“, begrüßte Pfarrer Mathias Bonhoeffer gut 200 Menschen in der AntoniterCityKirche. Der Presbyteriumsvorsitzende der Evangelischen Gemeinde Köln spielte damit auf die pandemiebedingte Pause der jährlichen Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus (NS) in der evangelischen Predigtstätte auf der Schildergasse an. „Erinnern – eine Brücke in die Zukunft“ hieß es diesmal am Vorabend des Holocaust-Gedenktages. Traditionell stand eine Opfergruppe, ein Thema im Mittelpunkt. In diesem Jahr widmeten sich die Veranstaltenden der „Gleichschaltung“ am Beispiel der Massenmedien in der NS-Diktatur, dem Rundfunk und der Presse insbesondere in Köln.

Einfühlsam und eindringlich

Bereits eingangs galt Bonhoeffers großer Dank der Vorbereitungsgruppe. Ulrike Bach, Irene Franken, Beate Gröschel, Klaus Stein und Lisa Willnecker hatten die Texte zusammengestellt; Irene Franken/Kölner Frauengeschichtsverein verantwortete zudem die auf einer Leinwand begleitende visuelle Präsentation. Die Texte wurden im Collage-Stil von den Schauspielerinnen und Schauspielerinnen und Sprechern und Sprecherinnen Maria Ammann, Renate Fuhrmann, Axel Gottschick und Klaus Nierhoff rezitiert – je nach historischer Quelle einfühlsam, eindringlich, bis hin zu schroff, wenn es sich etwa um Zitate von Propagandaminister Joseph Goebbels und aus dem NS-Organ „Westdeutschen Beobachter“ handelte. Den Vortragenden war vorab der Dank Bonhoeffers ebenso gewiss wie den Musikern und Musikerinnen Martina Neschen (Gesang, Banjo, Komposition), Bassist Kurt Maibaum und der „Chor bewegt“.

„Der musikalische Widerstand war beeindruckend“, schickte Bonhoeffer voraus. Seine Einschätzung stellten die Musiker und Musikerinnen mit ausgewählten, teils von Neschen erarbeiteten Arrangements aus zensierten Originaltexten und -parodien aus der Zeit bis 1945 unter Beweis. Sie interpretierten etwa Jazz- und Swing-Hits sowie eine Parodie auf „Lili Marleen“, den „meistparodierten Schlager der NS-Zeit“. Mit einer eigenen Fassung von Neschen und Ensemble wurde auch an Hans Albers´ Refrain „La Paloma“ aus dem Film „Große Freiheit Nr. 7“ und „Heimweh nach Kölle“ von Willi Ostermann erinnert. Beide Stücke brandmarkten die Nazis einst als „wehrzersetzend“. 

Bonhoeffer betonte mittels der ebenfalls vorgetragenen „Hommage“ Bert Brechts „An den kleinen Radioapparat“ die große Bedeutung des Rundfunks als Informationsquelle für die seinerzeit aus Nazi-Deutschland Geflüchteten. Seien damals auf diesem Weg Informationen nur in eine Richtung gegangen, ermögliche heute Geflüchteten der Mobilfunk einen Austausch in beide Richtungen.

Zeitungen wurden verboten

In seinem Grußwort nannte Bürgermeister Andreas Wolter Auschwitz als Chiffre für die im NS begangenen Menschheitsverbrechen. Die Gedenkstunde diene dazu, die daraus erwachsene Verpflichtung präsent zu machen. In einer komplexen Gegenwart falle es einigen Menschen immer schwerer, das Geschehene richtig einzuordnen, bedauerte Wolter. Auch heute gehe es um den Wert und Bestand der Meinungs- und Pressefreiheit. In der Weimarer Republik seien diese noch als Grundrecht verankert gewesen, dann mit der Verordnung „Zum Schutz von Volk und Staat“ („Reichstagsbrandverordnung“) vom 28 2.1933 außer Kraft gesetzt worden. „Zeitungen wurden verboten, Journalist:innen entlassen und ins Exil gezwungen.“ Unter anderem mit allein 200 Frauen-Zeitschriften habe der NS die Frau in den Blick genommen. Letztlich sei es um das adäquate Verhalten von Frauen und Mütter in der deutschen Volksgemeinschaft gegangen. Beispielhaft wies der städtische Vertreter auf die Umbenennung der Zeitschrift „Junge Dame“ in „Kamerad Frau“ hin. 

Zuhauf seien der Volksempfänger und andere Radioapparate in deutschen Haushalte eingezogen und hätten dazu beigetragen, dass sich der NS zu einer Zustimmungsdiktatur entwickelte. „Ohne das Recht auf Pressefreiheit ist eine Demokratie kaum denkbar“, unterstrich Wolter. Er dankte den mehr als dreißig Vereinen, Initiativen, Parteien und Einrichtungen, darunter Gruppierungen mit unterschiedlichen Positionen, dass sie mit nie nachlassendem Engagement dieses Erinnerungsprojekt unterstützten. 

Im ersten Textblock wurde zunächst an die „Gleichschaltung“ des Rundfunks in Köln erinnert. „Der Rundfunk gehört uns“, habe Goebbels früh reklamiert: Die Machthaber hätten den verhassten Systemfunk unter Kontrolle bekommen wollen. Denn mit dem gesprochenen Wort „ließe sich mehr Stimmung machen, als mit dem geschriebenen“. Bereits 1932 sei die Westdeutsche Rundfunk AG in der Kölner Dagobertstraße aufgrund ihrer angeblichen „pro-bolschewikischen Zersetzungsarbeit“ ins Visier der rechten Presse geraten. Im Frühjahr 1933 seien mit dem Intendanten Ernst Hardt alle jüdischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie „politisch Unzuverlässige“ entlassen worden. Aber das vom NS-getreuen Nachfolger Hardts bestimmte Propaganda-Programm mit häufigen Übertragungen von Hitler-Reden sei bei den Hörern und Hörerinnen nicht gut angekommen. Statt dem verbotenen Swing und Jazz seien seichte „Gute-Laune-Musik“ und ab 1939 gefälschte Kriegsberichterstattung gesendet worden.

Eingegangen wurde auch auf das Schicksal von Marie-Theres van den Wyenbergh. Sie leitete ab Januar 1928 den Frauenfunk beim Westdeutschen Rundfunk. Bald, so die Sprecher und Sprecherinnen, habe sie den Stadtverband Kölner Frauenvereine auf ihrer Seite gehabt. Die Frauenbewegung, die Lebenswelt der Frauen, Mütter und Arbeiterinnen hätten zu ihren regelmäßigen Themen gezählt. Ebenso habe sie mit „Die Frau im Staat“ auf das berechtigte öffentliche Engagement von Frauen aufmerksam machen wollen. Die verdienstvolle Radiopionierin wurde im Frühjahr 1933 als „politisch unzuverlässig“ entlassen: „Ich hatte negativ über den ´Führer´gesprochen.“ Van den Wyenbergh habe Verdienstverbot erhalten und sei vier Jahre erwerbslos gewesen. „Nach Kriegsende leitete sie von 1947 bis 1962 beim Südwestfunk die Abteilung Frauen-, Familien- und Kinderfunk.“

„Man will uns ausrotten und vernichten“

In der Weimarer Republik seien noch 4300 Zeitungen erschienen, davon 200 nationalsozialistische, trugen die Sprecher und Sprecherinnen vor. Nach der Machtübernahme 1933 habe die NSDAP über die politischen Mittel verfügt, die gesamte Presse der NS-Ideologie dienstbar zu machen. Propagandaminister Joseph Goebbels habe im April1933 angekündigt, dass man sich zur oder gegen die nationalsozialistische Politik „mit einem klaren Ja oder einem klaren Nein bekennen“ müsse – „und dieses Ja oder Nein duldet kein Wenn und kein Aber“. Laut Goebbels könnten sich „die geistigen Kräfte des deutschen Journalismus, die sich zu einem Ja verpflichten (…) der wärmsten ideellen und materiellen Unterstützung der Regierung gewiss sein“. Bereits im Februar/März 1933 seien die Parteipresse von KPD und SPD verboten, später enteignet worden, so die Sprecher und Sprecherinnen. Der Politiker Wilhelm Sollmann, Chefredakteur der sozialdemokratischen Rheinischen Zeitung im nach August Bebel benannten Druck- und Verlagshaus in Köln Deutz, habe festgestellt: „Man will uns ausrotten und vernichten.“ In privaten Briefen habe er von seiner Festnahme und der des Lokalredakteurs Hugo Efferoth berichtet. Im „Braunen Haus“, dem Sitz der Gauleitung in der Mozartstraße, seien beide gefoltert worden. Sollmann habe mit Hilfe von Freunden zunächst nach Luxemburg flüchten und später in die USA emigrieren können. 

Ein drittes Kapitel widmete sich der Kölnischen Zeitung, dem Vorläufer des Kölner Stadt-Anzeigers und dem Verlag DuMont-Schauberg. „Die geachtete Kölnische Zeitung“ habe schon vor 1933 ihre liberale Orientierung partiell aufgegeben. Um den Verlag zu erhalten, hätten die Verantwortlichen eine Anpassung und Zugeständnisse an die Nazi-Bedingungen als unumgänglich betrachtet. Mit dem im Oktober 1933 verabschiedeten „Schriftleitergesetz“ hätten die Nazis die Pressefreiheit abgeschafft. Das Propagandaministerium habe täglich vorgegeben, „über was berichtet wird“. Journalisten und Journalistinnen seien „ganz direkt zur Loyalität gegenüber der NS-Diktatur verpflichtet“ worden. So habe die Kriegsberichterstattung der Kölnischen Zeitung sich wenig von der des Westdeutschen Beobachters unterschieden.

Mittels diffamierender Sprache seien Feindbilder befeuert worden

Viertens informierte die Veranstaltung über den Antiziganismus im Westdeutschen Beobachter. 1925 als wöchentliches Parteiorgan der NSDAP gegründet, habe sich dieses Blatt unter seinem Herausgeber Gauleiter Robert Ley ab 1930 als Tageszeitung und mit Hitlers Machtübernahme nach dem Völkischen Beobachter zur zweitgrößten NS-Zeitung im Deutschen Reich entwickelt. Insbesondere der Lokalteil sei mit antisemitischer und antiziganistischer Hetze hervorgetreten. Mittels diffamierender Sprache und entstellenden Karikaturen seien Feindbilder befeuert worden. Die Zeitung habe regelmäßig Stereotype auch über die vermeintliche Boshaftigkeit, Kriminalität und Primitivität der Sinti:ze und Rom:nja verbreitet. So habe es etwa geheißen, „Lüge und Betrug seien ihnen zur zweiten Natur geworden“. 

Aus der Presse im Nationalsozialismus sei eine Presse des Nationalsozialismus geworden mit ideologischer Durchdringung des Volkes, lautete das Fazit. Mit Kriegsende hätten sich Darstellung und Berichterstattung beispielsweise über Sinti:ze und Rom:nja nicht wesentlich verändert. Klischeebilder seien noch lange ausgebreitet worden, rezitierten die Sprecher:innen. Die „Gleichschaltung“ der Medien im NS habe noch lange nachgewirkt. Und die Aufarbeitung der eigenen Rolle von Verlagen im NS dauere oft bis heute an. 

Mahngang zum Bahnhofsvorplatz

Im Anschluss an den Veranstaltungsteil in der Kirche startete eine kleinere Gruppe mit dem Banner „Erinnern – eine Brücke in die Zukunft“ an der Spitze zu einem Mahngang. Auf dem Bahnhofsvorplatz, am Fuß der Domtreppe, sprach unter anderem Naciye Alpay. Sie gehört dem Verein „Stimmen der Solidarität –  Mahnwache Köln e.V.“ an. „Der Kampf gegen die Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit hört nicht auf“, so Alpay. Seit 2018 gingen Unterstützende jeden ersten Mittwoch im Monat auf die Straße, um sich mit Mahnwachen für politische Gefangene in der Türkei und anderen Ländern, darunter Journalisten und Journalistinnen, Menschenrechtler und Menschenrechtlerinnen und Politiker und Politikerinnen einzusetzen. „Wir sind ihre Stimme. Wir reden im Namen der Betroffenen.“ Eine im Kölner Exil lebende kurdische Journalistin schilderte ihre Geschichte und Motivation, sich gegen Menschenrechtsverletzungen zu engagieren. Alpay übersetzte ihre Ausführungen: Was im Nationalsozialismus mit dem Verbot der Pressefreiheit passiert sei, passiere heute in der Türkei und an vielen anderen Orten in der Welt. Aber es gebe auch eine Wahrheit: Der Faschismus könne die Verbrechen nie für immer im Dunkeln verbergen. Das gewährleisteten der Journalismus und die Medien. 

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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köln ag legt Wohnbarometer für 2022 vor und sieht zahlreiche Herausforderungen für das neue Jahr

Zur köln ag – Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen – zählen 58 Wohnungsunternehmen sowie 15 fördernde Unternehmen aus dem wohnungswirtschaftlichen Dienstleistungsumfeld. Die Wohnungsunternehmen verfügen über einen Bestand von rund 190.000 Wohnungen in der Region Köln. Allein im Kölner Stadtgebiet halten sie mit 100.000 Wohnungen einen Anteil von 25 Prozent am gesamten Mietwohnungsbestand. Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen fand im Jahre 1949 noch unter dem Dach des damaligen Gemeinnützigkeitsgesetzes statt. Mitglieder sind Wohnungsbaugenossenschaften, Wohnungsgesellschaften aus dem kommunalen, kirchlichen und industrieverbundenen Bereich.

Auch die Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft.

Beim Jahresauftakt der Gemeinschaft, die nach zwei Jahren Corona-Pause wieder in Präsenz stattfand, stellte die köln ag unter anderem das Wohnbarometer für das Jahr 2022 vor.

Der Rückblick aufs abgelaufene Jahr war geprägt von den zahlreichen Herausforderungen, denen sich die Wohnungsunternehmen gegenübersehen. „Eine ungewohnt starke Inflation, Materialknappheit und die Energiekrise haben zu exorbitant gestiegenen Kosten in allen Bereichen geführt“, erklärte die Vorsitzende Kathrin Möller. Dennoch hat die köln ag im vergangenen Jahr wieder einen starken Beitrag zur Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum geleistet, wie aus den Zahlen des neuen Wohnbarometers hervorgeht. So errichteten die Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr 2.308 Wohnungen in Köln und dem Umland, davon 613 öffentlich gefördert. Allerdings wurde der Zuwachs von mehr als 200 Neubauwohnungen ausschließlich im Umland erzielt. In Köln gingen die Zahlen mit 902 Fertigstellungen erneut leicht zurück.

Starker Rückgang bei Bauanträgen

Ein Trend, der sich fortsetzen wird“, so Kathrin Möller. Mit 1.029 Baugenehmigungen in der Domstadt war ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2021 (1.063) zu verzeichnen. Stark eingebrochen sind dagegen die Bauantragsstellungen in Köln, und zwar um mehr als die Hälfte. Waren es 2021 noch 1.035, so wurden im vergangenen Jahr lediglich 493 Bauanträge gestellt.

Alles in allem haben die Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr die enorme Summe von 751 Millionen Euro in Neubau, Modernisierung und Instandhaltung investiert – ein im Vergleich zum Vorjahr um 20 Millionen Euro geringeres Volumen.

„Das sind eine dreiviertel Milliarde Euro für dringend benötigten Wohnraum und die Stärkung des vorhandenen Wohnungsbestands“, betonte Kathrin Möller.

Zeitgemäßes Wohnen zu bezahlbaren Preisen

Nach wie vor eine Säule in der Daseinsvorsorge sind die Mitgliedsunternehmen der köln ag auch aufgrund ihrer preiswerten Mieten. Mit einer durchschnittlichen Netto-Kaltmiete von 7,19 €/qm ermöglichen die Mitgliedsunternehmen ihren Mieterinnen und Mietern zeitgemäßes Wohnen zu bezahlbaren Preisen. Dabei betrug der Anstieg der Durchschnittsmiete lediglich 21 Cent oder 3,0 Prozent. Auch bei der Neuvermietung von Wohnungen bewegten sich die Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr deutlich unter dem Marktdurchschnitt. So lag die durchschnittliche Neuvertragsmiete bei der köln ag im vergangenen Jahr bei lediglich 9,40 €/qm.

Und bei einem weiteren wichtigen Thema, der Unterbringung von Flüchtlingen, hat die köln ag im vergangenen Jahr erneut ihr Verantwortungsbewusstsein unter Be-weis gestellt. 1.412 Bestandswohnungen haben die Mitgliedsunternehmen für geflüchtete Menschen mit dauerhafter Bleibeperspektive zur Verfügung gestellt, 67 mehr als im Jahr davor.

Text: Susanne Hermanns
Foto(s): Susanne Hermanns

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Unsere Archivale Januar: Studio ECK und das Landesrundfunkgesetz von 1986

Das Studio Eck kennen viele Kölnerinnen und Kölner aus dem Radio – es ist im vergangenen Jahr 30 Jahre alt geworden. Seine Ursprünge liegen Anfang der 1990er Jahre. Studio Eck gehört zum Bürgerfunk. Dieser entwickelte sich Ende der 1980er Jahre. In NRW können interessierte Bürgerinnen und Bürger Radiobeiträge zu selbstgewählten Themen produzieren, um sie im Lokalradio zu senden. Sie organisieren sich in Bürgerfunkgruppen oder Redaktionsteams, die sich zur Produktionshilfe an Radiowerkstätten wenden.

Möglich wurde diese Beteiligung der Bürgerinnern und Bürgern durch das Landesrundfunkgesetz aus dem Jahr 1986. Unter §4 wurden die Radiosender dazu verpflichtet 15 Prozent ihrer täglichen Sendezeit, mindestens 60 min, maximal zwei Stunden, für die Ausstrahlung von Beiträgen, die von radiointeressierten Gruppen produziert wurden, zu senden.

Mehr Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft

Auch in der rheinischen Landeskirche plante man Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre eine kirchliche Beteiligung im Radio. Zusammen mit dem Erzbistum Köln verhandelte man mit Radio NRW über die Ausstrahlung von Verkündigungssendungen. In Köln stieß diese Idee zwar auf Interesse, jedoch wollte man lieber eigene Beiträge produzieren. Dieser Bitte wurde durch die Landeskirche stattgegeben. Man wollte den evangelischen Gemeinden in Köln und Umgebung die Möglichkeit eröffnen, ihre Gemeinde, Jugendgruppen, verschiedene Projekte etc. vorzustellen und über das Medium Rundfunk mehr Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die „durch den gemeinsamen Wohnsitz miteinander verbunden sind“, ermöglichen.

Kassettenrekorder und Mikrofon

Vorgesehen war, dass die Gemeinden und Kreise ihre Beiträge mit Kassettenrekordern und Mikrofonen aufnahmen. Diese Rohfassungen wurden im Anschluss im professionell ausgestatteten Studio im Haus der evangelischen Kirche zu sendefähigen Beiträgen bearbeitet. Um die evangelischen Kirchengemeinden professionell zu unterstützen, richtete der evangelische Stadtkirchenverband eine Referentenstelle für lokalen Rundfunk ein. Dieses Referat war dem Amt für Presse und Rundfunk (Vorgänger des Amtes für Presse und Kommunikation) angebunden.

Neben der Aufbereitung der Sendebeiträge bot das Referat verschiedene Fortbildungsveranstaltungen an, beteiligte sich an Gesprächen und Planungen im Lokalem Rundfunk mit den Mitgliedern in den Veranstaltergemeinschaften, den Vertretern der Verleger, der Lokalfunk-Fördervereine, der Volkshochschule, der Stadt Köln und des Adolf-Grimme-Instituts. Als erstes großes Projekt wurde „Geschichte und Gegenwart der Evangelischen Kirche in Köln“ durchgeführt. Zunächst wurden die Beiträge nur im Lokalradio Köln ausgestrahlt.

1992 gründete sich ein Förderverein Studio Eck e.V., der die Aufgaben des Referats übernahm. Heute hat das Studio Eck seinen Sitz im Kartäuserwall zusammen mit der Melanchton-Akademie und veröffentlicht seine Beiträge auch bei Radio Erft. Dem Verein gehören aktuell 25 evangelische Gemeinden an.

Text: Stefanie Sternemann
Foto(s): Stefanie Sternemann

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Kirche2go fragt: Wie spüre ich die Liebe Gottes?

Kirche2go fragt: Wie spüre ich die Liebe Gottes? „Gott liebt dich. Ein Satz mit weitreichenden Folgen“, sagt Pfarrerin Laura Kadur in dieser Folge. „So schön und wahr dieser Satz ist, so sehr merke ich aber auch bei Menschen genau diesen inneren Widerstand. Gott liebt mich – was heißt das überhaupt?“ Das Thema sei kein rein Kognitives – und sie ermutigt, sich in diesen Erfahrungsraum zu begeben und hinein zu fühlen. Sie glaubt, „dass Gott eben auch mit mir gemeinsam in den Scherben meines Lebens sitzt und mit mir gemeinsam weint.“

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Hier der Beitrag zum Nachlesen:

Gott liebt dich. Ein Satz mit weitreichenden Folgen. Seit gut 50 oder 60 Jahren schallt es von den Kanzeln, schallt es von Aufklebern: Gott liebt dich, Jesus liebt dich. So schön und wahr dieser Satz ist, so sehr merke ich aber auch bei Menschen genau diesen inneren Widerstand. Gott liebt mich – was heißt das überhaupt? Ich spüre davon überhaupt nichts. Und das ist so schade, weil eigentlich, wenn man die Bibel aufmacht: Die ist quasi voll von Liebesbeweisen, die Gott uns Menschen entgegenbringt. Und trotzdem, was soll ich sagen, wenige Menschen lesen die Bibel. Das ist überhaupt gar nicht schlimm, aber die Frage ist ja, wie komme ich eigentlich in diesen Erfahrungsraum? Also wie spüre ich eigentlich, dass Gott mich liebt? Das ist sicherlich eine gute und berechtigte Frage. Und natürlich sind meine Antworten jetzt wieder sehr, wie soll man sagen, einfach in meinem Fokus jetzt gerade. Ich glaube, dass es darum geht, sich immer wieder zu fragen, wo ist eigentlich in meinem Leben was passiert, wo ich dachte, da ist auf jeden Fall Gott mit im Spiel? Sind es die guten Erfahrungen, aber auch die dunklen Erfahrungen in meinem Leben, wo ich mich nicht alleine gefühlt habe, wo ich das Gefühl hatte, ich bin da irgendwie geliebt oder gehalten worden? Das ist immer für mich eigentlich der beste Beweis. Ich glaube, es geht darum, immer wieder diese Zusage zu bekommen, dass Gott sich eigentlich mir als Mensch total zuwendet. Und da geht es nicht um rein Kognitives, also das, was ich nur nachlesen kann, sondern es geht auch um diese Erfahrungen, die ich damit machen. Ich kann nur dazu ermutigen, zu sagen, sich selbst zu hinterfragen, wo habe ich das Gefühl gehabt in meinem Leben, da hat Gott was mit mir zu tun? Da bin ich nicht alleine gelassen worden. Und das sind auch vor allem die dunklen Stunden, weil ich ganz feste der Ansicht bin, dass Gott eben auch mit mir gemeinsam in den Scherben meines Lebens sitzt und mit mir gemeinsam weint. Das ihn das was angeht – und da kann ich mich total geliebt fühlen und das ist total tröstlich.

Text: APK
Foto(s): APK

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„Die Energie vom Himmel holen“ – Klimanetzwerk lädt zum Fachtag für Entscheider und Engagierte in die Melanchthon-Akademie ein

Photovoltaik ist ein wesentlicher Teil unserer Energiewende.Mit diesen Worten leitet die Melanchthon-Akademie einen Fachtag für Entscheider und Engagierte von Kirchengemeinden ein, der am Samstag, 4. Februar, von 10 bis 15.30 Uhr stattfindet.  Kirchengemeinden können mit dem Einsatz von Sonnenenergie unabhängiger werden vom derzeit turbulenten Energiemarkt. Den Fachtag unter dem Thema Die Energie vom Himmel holen Photovoltaik in der Kirchengemeindehat das Klimanetzwerk Kirche in Köln und Regioninitiiert und vorbereitet.

Gebäude sollen bis 2035 „treibhausneutral ertüchtig werden“

Wir begrüßen die Absicht der EKiR, bis 2035 Klimaneutral zu werden, stellen aber fest, dass das ganze Projekt unglaublich viel Fachwissen erfordert, sagt Pfarrer Hanser Brandt-von Bülow mit Blick auf den Beschluss der Landessynode 2022 der Evangelischen Kirche im Rheinland. Im vergangenen Januar war beschlossen worden, dass Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche bis spätestens 2027 entscheiden sollen, welche Gebäude sie langfristig benötigen. Diese sollen bis zum Jahr 2035 treibhausgasneutral ertüchtigt werden, wie es im Beschluss heißt.

Schon allein die richtigen Experten zu finden, ist schwierig, stellt Brandt-von Bülow fest. So entstand die Idee zu einem Fachtag für alle Menschen, die die Energiewende mit Photovaltaik (PV) in ihrer Kirchengemeinde vorantreiben wollen. Die Veranstaltung richtet sich besonders an Baukirchmeister:innen, Finanzkirchmeister:innen, Umweltbeauftragte und Presbyteriums-Vorsitzende. Wir werden uns gegenseitig mit Fachexpertise und Erfahrungswissen helfen müssen, soll das Vorhaben der EKiR Erfolg haben, erklärt Brandt-von Bülow, für den die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz immer schon eine wichtige Mission in seinem Berufsleben waren.

Eingeladen wurden Expertinnen und Experten, die mit ihren Kirchengemeinden beziehungsweise kirchlichen Immobilien bereits ganz praktisch in Richtung Klimaneutralität vorangekommen sind. Es wird unter anderem um Fragen gehen wie: Welche Betreibermodelle gibt es bei PV-Anlagen in einer Kirchengemeinde und welche sind wirklich sinnvoll? Wie wird in der Kirchengemeinde geheizt, was ist möglich und sinnvoll und welche Rolle spielt PV dabei?

Entscheidungsprozesse sollen klarer und handhabbarer werden

Ziel der Veranstaltung ist es, einen guten und allgemeinverständlichen Gesamtüberblick zu bieten, heißt es in der Ausschreibung. Die wichtigsten Informationen sollen so aufbereitet werden, dass die Entscheidungsprozesse in den Gemeinden klarer und handhabbarer werden. In Interview-Runden mit den Expertinnen und Experten werden zunächst alle Themen rund um PV und angrenzende Fragen wie Luft-Wärme-Pumpe, Solarthermie, oder Heizungssanierungangesprochen. Für weitergehende Fragen und weiteren Austausch sind bereits Folgeveranstaltungen geplant, die teilweise auch online stattfinden sollen.

Umsetzen und Hinkriegen

Zum Auftakt findet ein Gespräch statt zwischen Diplom-Ingenieurin Sabine Jellinghaus und dem Beauftragten für Schöpfungsverantwortung des Erzbistums Köln, Dr. Christian Weingarten. Anschließend geht es um PV-Betreibermodelle (mit Martin Häusling, Klaus Armonies und Robert Schlief), um einen Überblick über Wärme und Energie (mit Sabine Jellinghaus), sowie um Umsetzen und Hinkriegen Lust und Frust, Widerstände und Chuzpe(Christian Weingarten und Klaus Armonies im Gespräch mit Martin Horstmann und allen Teilnehmenden). In der vierten Runde gibt es Tipps und Erfahrungen zu Förderprogrammen, Unterstützungsmöglichkeiten und vielem mehr.

Information und Anmeldung unter: https://www.melanchthon-akademie.de/programm/kurs/18468-die-energie-vom-himmel-holen-photovoltaik-in-der-kirchengemeinde

Text: APK
Foto(s): APK

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