Breite Zustimmung zur Weiterplanung des Campus Kartause – Nachrichten von der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region
Die Verbandsvertretung gibt weiterhin grünes Licht für das Bauprojekt Campus Kartause. Die Delegierten aus den vier Kölner Kirchenkreisen und Gemeinden, das höchste Beschlussgremium des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, folgten dem Vorstandsvorschlag: „Die Verbandsvertretung nimmt das aktuelle Projektvolumen per Jahresabschluss zum 31.12.2021 in Höhe von 2.179.920,27 Euro zur Kenntnis und gibt zur Durchführung der weiteren Planung vier Mio. Euro aus der Liquidität des Verbandes frei. Hiermit soll zum einen das bisher investierte Kapital bestmöglich genutzt werden, um durch die Baureife den Wert der Liegenschaft dauerhaft zu erhöhen und zum anderen die Verhandlung mit einem potentiellen Generalunternehmer zur Bauwerkserrichtung Ende 2023 ermöglicht werden“, lautete der konkrete Beschluss.
Zuvor hatten Stadtsuperintendent Bernhard Seiger und Markus Zimmermann, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord, eindringlich für das Vorhaben geworben. „Das Projekt macht große Schritte voran“, sagte Bernhard Seiger. Im Moment würden die Pläne im Stadthaus in Deutz offengelegt. Dort könne sich jeder und jede informieren und falls gewünscht auch Bedenken vortragen. „Wir schaffen einen lebenswerten Ort des Zusammenkommens“, beschrieb der Stadtsuperintendent das Projekt und fuhr fort: „Wir entwickeln eine wertvolle Liegenschaft und helfen gegen die Wohnungsnot in Köln. Die Baukosten sind leider ungewiss und entwickeln sich ungünstig. Die Lage ist beunruhigend. Wir tragen da alle eine große Verantwortung. Aber heute entscheiden wir lediglich über die Mittel für die weitere Planung.“ Mit dem „gravierenden Beschluss“ über die Vergabe an einen Generalunternehmer rechnet Seiger bei der Verbandsvertretung im November des nächsten Jahres.
Die 6.000 Quadratmeter große Fläche am Kartäuserwall 24b, wo im Moment die Evangelische Familienbildungsstätte, die Melanchthon-Akademie und das Jugendpfarramt untergebracht sind, soll komplett neu bebaut werden. 18 öffentlich und frei finanzierte Wohnungen mit drei bis fünf Zimmern sind geplant. Die fünf Bildungsreinrichtungen des Kirchenverbandes – Melanchthon-Akademie, Familienbildungsstätte, Jugendpfarramt, Schulreferat und Pfarramt für Berufskollegs – werden in einem Gebäude vereint, das gegenüber vom aktuellen Akademiehaus liegt. In zwei weiteren Neubauten werden voraussichtlich 29 Studierendenwohnungen, diakonisch betreute Wohngruppen und eine evangelische Kommunität einziehen. Zwölf Personen werden dort in Apartments einziehen.
Der Verband hat den Projektsteuerer Wolf Schlünz als Begleiter engagiert. Er brachte konkrete Zahlen ins Spiel, die er aber selbst „sehr spekulativ“ nannte. Würde der Auftrag aktuell vergeben, müsse man wohl mit Baukosten in Höhe von 50,1 Millionen Euro rechnen. Bei einer Vergabe an den Generalunternehmer Ende 2023 könnten 57,9 Millionen Euro Kosten im Auftrag stehen. Aber auch bei dieser Zahl bewege man sich noch auf unsicherem Boden. Allerdings sei der Generalunternehmer an die Kostensumme gebunden, die er vertraglich zugesichert habe. Schlünz nannte mehrere Möglichkeiten, die Kosten zu senken, beziehungsweise die Einnahmenseite zu stärken. Letzteres werde geschehen, weil man eine Etage an einen anderen Bildungsträger vermiete, der gut zum Campus Kartause passe. Die jährlichen Mieteinnahmen betrügen rund 110.000 Euro. Schlünz erklärte, darüber hinaus könne man nachdenken, ob man für einzelne Teile des Projektes externe Investoren ins Boot hole.
Superintendent Zimmermann sagte, dass das kirchliche Vermögen durch die Investition in das Bildungsprojekt nicht geschmälert werde. „Im Gegenteil: Hier handelt es sich um die langfristige und nachhaltige Sicherung von kirchlichem Vermögen. Brächen wir heute das Projekt ab, hätten wir uns anvertraute Kirchensteuermittel für immer verloren.“ Zimmermann nannte mehrere Möglichkeiten, die Finanzierung des Campus zu optimieren. Wenn diese geprüft seien, werde man sich mit Vorschlägen an die Verbandsvertretung wenden. Die Argumente verfehlten ihre Wirkung nicht. Bei vier Enthaltungen stimmten die Delegierten einstimmig für die Weiterplanung des Campus Kartause.
In einem launigen Vortrag warben Thomas vom Scheidt und Hanser Brandt-von-Bülow vom Schulreferat und Pfarramt für Berufskollegs, Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, Ulrike van Lengerich, Leiterin des Jugendpfarramt, und Sabine Marx, Geschäftsführerin der Evangelischen Familienbildungsstätte Köln, für das neue Bildungsprojekt. Man war sich einig: Das sei eine Investition in die Zukunft der Kirche, denn es sei eine Bildungs-Investition in die Jugend. „Wer nichts weiß, glaubt am Ende alles“, sagte Brandt-von-Bülow.
Die bestehende Satzung des Kirchenverbandes bleibt in Kraft, da die modifizierte Satzung einen neuen Anlauf nehmen muss. Sie verfehlte die notwendige Zweidrittelmehrheit aller Delegierten mit sieben Stimmen knapp. Dreiviertel der Anwesenden hatten zwar für den Vorschlag gestimmt, doch diese Mehrheit reichte nicht. Das Landeskirchenamt hatte dem Kirchenverband Köln und Region mitgeteilt, dass dessen Satzung nicht den geltenden Rechtsvorschriften entspreche. Daraufhin hatte der Vorstand des Verbandes im intensiven Austausch mit den Kirchenkreisen und den Gemeinden eine neue erarbeitet. Bei einem Hearing im Vorfeld der Sitzung der Verbandsvertretung hatten alle nochmal Gelegenheit, Änderungswünsche vorzutragen, die auch eingearbeitet wurden. Offensichtlich waren nicht alle überzeugt von den schlankeren Strukturen, die die neue Satzung vorsah. Stellvertretend für einige befürchtete die Porzer Pfarrerin Ingrid Kibilka, dass die presbyterial-synodale Ordnung geschwächt würde. Sie beantragte eine geheime Abstimmung, dabei erhielt die neue Satzung 62 Stimmen. 69 während nötig gewesen.
Finanzkirchmeister Lothar Ebert stellte den Jahresabschluss zum 31.12.2021 mit einer Bilanzsumme von rund 111 Millionen Euro vor. Es wurde ein Haushaltsergebnis in Höhe von 8,2 Millionen Euro erzielt, über dessen Verwendung die Delegierten noch nicht entschieden. Für das laufende Jahr rechnet Ebert vorsichtig mit einem Ergebnis in der gleichen Höhe. Die Kirchensteuereinnahmen betrugen im vergangenen Jahr 122,5 Millionen Euro und lagen damit acht Millionen Euro über denen von 2020. Das bedeutet, dass nach Abzug aller Umlagen 41,68 Millionen Euro an die Gemeinden des Verbandes je nach Gemeindegliederzahl verteilt wurden.
Pfarrerin Christa Schindler, Seelsorgerin im Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße, und Volkher Preis, Pfarrer am LVR-Krankenhaus in Merheim und am Krankenhaus in Porz, stellten ein Konzept für die Krankenhausseelsorge im Jahre 2030 vor. Die Seelsorge in den Kliniken wird dann von zwei Teams erledigt, die jeweils im Links- und im Rechtsrheinischen angesiedelt sind. Sie wird von fünf Pfarrerinnen und Pfarrern sowie zwei Angestellten geleistet. „Wir sprechen hier von Regionalisierung“, erklärte Preis. Bei der Priorisierung geht es darum, in welchen Kliniken gehäuft Notfälle vorkämen. „Natürlich wird es an den evangelischen Krankenhäusern am Weyertal, in Kalk und Bergisch Gladbach eine Stelle geben.“ Im Linksrheinischen würden zwei Pfarrstellen und eine Angestelltenstelle geben, im Rechtsrheinischen drei Pfarrstellen und eine Angestelltenstelle. In ökumenischer Zusammenarbeit soll sichergestellt werden, dass evangelische Seelsorge auch in katholisch getragenen Kliniken möglich sei, wenn diese gewünscht werde.
Die Sitzung der Verbandsvertretung hatte begonnen mit einem Gottesdienst in der Kartäuserkirche. Er wurde von Hanne Döhler, ehrenamtliche Seelsorgerin an der Uniklinik Köln, Thomas Frerichs, Kantor an der Kartäuserkirche, Antje Hofmann, Pfarrerin an der Uniklinik Köln, Pfarrer Volkher Preis und Dr. Birgit Ventur, Pfarrerin an den Städtischen Kliniken Merheim und Holweide gestaltet. Im Mittelpunkt stand der blinde Bartimäus, den Jesus sehend machte.
Personalia:
Neu im Vorstand des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region sind Professor Dr. Otto Oberegge aus der Gemeinde Junkersdorf und Artur Broch aus der Gemeinde Nippes. Die Verbandsvertretung wählte beide einstimmig.
Stichwort Verbandsvertretung
Die Verbandsvertretung ist das Leitungsorgan des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region mit seinen 54 Gemeinden und rund 250.000 Gemeindegliedern im Rhein-Erft-Kreis, in Köln, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Oberbergischen Kreis in den vier Kölner Kirchenkreisen. Zu den Aufgaben der Delegierten gehören beispielsweise der Beschluss des Haushalts und die Wahl des Stadtsuperintendenten. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und wird von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger geleitet.
Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK
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Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es wieder möglich, an die Einrichtung des Religionsunterrichtes in den regulären Lehrplan zu denken. Es wurden auch wieder Überlegungen angestellt, konfessionsgebundene Schulen zu eröffnen. Grundlage bildete die durch die britische Militärregierung erlassene Schulanweisung, die den Religionsunterricht wieder als reguläres Schulfach in den Lehrplan der Schulen aufnahm und er sollte auch nach Möglichkeit in der regulären Schulzeit im Schulgebäude stattfinden. Voraussetzung: Schüler und Schülerinnen durften nicht zur Teilnahme am Religionsunterricht oder am Schulgottesdienst gezwungen werden.
Laut seiner Ansicht fehle es in den evangelischen Kirchengemeinden an Engagement, so dass er eindringlich die Pfarrer dazu aufrief, an Ostern, die Eltern nochmals zu bitten ihre Kinder für eine evangelische Bekenntnisschule anzumelden und somit das Projekt nicht scheitern zu lassen. Doch es fehlte nicht nur an Anmeldungen, sondern auch an Lehrkräften. Auf beispielsweise 4254 Schülerinnen und Schüler kamen vor dem Krieg 42 Lehrkräfte. Nach Kriegsende waren es deutlich weniger.

„Herzlich willkommen, hier sind Sie goldrichtig!“ Fröhlich begrüßte die Sicherheitsmitarbeiterin die Besucherinnen und Besucher der Missionale 2022 am Kölner Gürzenich. Bei dem erstmals dezentral stattfindenden ökumenischen Glaubens- und Mutmacherfest bildete der Gürzenich den Schwerpunkt mit mehreren Foren, vielen Infoständen und als Ort des großen Abendsegens. Doch auch Antoniter- und Trinitatiskirche sowie das Domforum luden zu Bibelarbeit und Themenforen ein. Außerdem gab es bei dem erstmals seit drei Jahren wieder stattfindenden Treffen einen meditativen Spaziergang, ein Forum mitten im Stadtraum. All das passt zum Leitwort der diesjährigen Missionale: „Mittendrin“ – denn Kirche muss da sein, wo die Menschen sind, so die Botschaft.
Freiheit sei der Schlüsselbegriff evangelischen Glaubens, so der Präses in seinen Ausführungen. Er zitierte Martin Luther, der den doppelten Charakter dieser Freiheit beschrieben habe: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Und ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“ Die Freiheit liegt laut Latzel darin, dass das Leben ein Geschenk Gottes sei, „gratis, umsonst, für lau“. Und weiter: „Ich kann nichts dafür tun und nichts und niemand kann es mir nehmen. Und niemand hat mir deshalb etwas in meinem Leben letztgültig zu befehlen,“ erklärte Präses Thorsten Latzel. Zugleich sei der Mensch dadurch radikal gebunden: „Weil dieses Geschenk eben nicht nur mir gilt, sondern immer auch jedem anderen Menschen in gleicher Weise. Mit jedem anderen Menschen so umzugehen, dass mir in ihm oder in ihr Gott selbst begegnet, das bindet stärker als alles andere.“
Zu Beginn hatte der Präses betont, dass er zwar aus protestantischer Perspektive spreche, dass dies aber keine „implizit negative Aussage“ gegenüber anderen Konfessionen, Religionen oder Weltanschauungen beinhalte. Die evangelische Kirche trete ein für eine versöhnte Verschiedenheit, für einen Pluralismus aus Glauben, so Latzel. „Es ist gut, dass es verschiedene Ausdrucksformen des Glaubens gibt. Es gibt immer diesen ,Christus für mich‘. Wichtig ist, dass uns dies nicht voneinander trennt, etwa bei der Feier des heiligen Abendmahls“, machte der Präses deutlich.
Das Thema Hoffnung habe ihn in den ersten eineinviertel Jahren seiner Amtszeit als Präses intensiv begleitet, gerade angesichts von Krieg, Corona, Flut und Klimawandel und der neu damit erfahrenen Verletzlichkeit des einzelnen Menschen wie der Gesellschaft insgesamt, erzählte Thorsten Latzel. „Die Menschen in den Kellern und U-Bahn-Schächten in der Ukraine: Was ist die Hoffnung, die sie am Leben hält?“, fragte er dann. Eine Frau in den Flutgebieten habe es einmal so ausgedrückt: „Ich habe nicht geweint, als die Wasser kamen, ich habe erst geweint, als die Hilfe kam. Das hat mir den Glauben an Gott und die Menschheit wiedergegeben.“


Als Ordinationsspruch habe sie aus dem 1. Korintherbrief „Ein anderes Fundament kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Das habe ihn überrascht, so Latzel. „Ich habe sie als ganz und gar nicht fundamentalistisch erlebt. Eher pragmatisch mit einem guten Schuss Humor und großer Menschenfreundlichkeit.“ Sie sei in der Superintendentenrunde für die Seelsorge zuständig gewesen. „Wir als Kirche sind für andere da. Das ist Ihnen immer wichtig gewesen. Wir legen nicht das Fundament für die Kirche. Das können wir gar nicht. Das gibt es ja schon.“


