Adventskalender: Das 8. Türchen öffnet sich

In der Herzogstraße nahe der heutigen Fußgängerzone lebte fast zehn Jahre lang Gerhard Westerburg, ein Mann, der mit ganzem Herzen der Lehre der Reformatoren anhing. Als um 1534 in Münster die so genannten Täufer zusammenströmten, zog es auch Westerburg dorthin und er ließ sich taufen.

Zurück in Köln taufte er unter anderem seine Ehefrau und viele andere Menschen. Es bildete sich eine Wiedertäufergemeinde, die bis zu 700 Personen umfasst haben soll. Als Westerburg ein Haftbefehl drohte, verließ er im Sommer 1534 die Stadt Köln. Von 1542 an arbeitete er im Dienst von Herzog Albrechts von Preußen und wurde später Pfarrer der reformierten Gemeinde Dyckhausen.

Die Anliegen der Wiedertäufer – Taufe auf ein eigenes Bekenntnis, Pazifismus und flache Gemeindestrukturen – führten zur Bildung von eigenständigen Gemeinden. Zwischen den Freikirchen und den evangelischen Kirchen entwickelten sich über die Jahrhunderte immer wieder Spannungen. Heute besteht in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) eine enge Zusammenarbeit.

Mehr zur Entwicklung der Kirchen in Köln gibt es auch auf www.via-reformata.de.

Text: APK
Foto(s): APK

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Jugendfilmtage: „My new City“ des Jugendhaus TREFFER erhält 1. Preis

Gerade jetzt benötigen Kinder und Jugendliche Unterstützung, weil sie auf der Suche nach ihrer Identität von Zukunftsängsten, Unsicherheit und Isolation durch Kontaktbeschränkungen besonders hart getroffen wurden. Deshalb unterstützt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region mit seiner Diakoniespende 2021/2022 das Jugendhaus TREFFER. Die Besonderheit der Diakoniespende: Der Kirchenverband Köln verdoppelt jeden gespendeten Cent bis zu einem Gesamtspendenaufkommen von 100.000 Euro.

Insbesondere in Zeiten, in denen allgemein über Politikverdrossenheit geklagt wird, ist es wichtig, Jugendliche zu politischem Denken und zu Teilhabe zu motivieren. Im Buchheimer Jugendhaus TREFFER funktioniert das mittlerweile auch preisgekrönt. Visionen eines neuen Kölns – „My new City“ des Jugendhaus TREFFER erhält den ersten Preis bei den Jugendfilmtagen „Köln kurz 2021“ der Bürgerstiftung.

So waren die jungen Leute im Frühjahr dieses Jahres am Start, um sich im Rahmen der JugendPolitikTage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Gedanken über ihre Stadt und deren Zukunft zu machen. „Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit haben wir unter anderem darüber diskutiert, dass Formate wie die JugendPolitikTage auch Jugendlichen aus bildungsferneren Familien offenstehen müssen. Wir haben uns gefragt, wie eine kinder- und jugendgemäße Stadt Köln aussehen könnte“, berichtet Kristina Kilders vom Team des TREFFER. Entstanden ist aus all diesen Ideen und Ansätzen das Video „My new City“, das als Beitrag der Kölner eingereicht und auch gezeigt wurde.

Viel Kreativität

Und das später sogar noch bei einem anderen Wettbewerb den ersten Preis bekam. Denn die Kölner Bürgerstiftung hatte im Zuge des Jugendfilmpreises „Köln Kurz 2021“ dazu aufgerufen, unter dem Motto „Mein Köln morgen – zeig uns deine Vorstellung der Zukunft der Stadt“ Videos einzureichen. Was läge da näher, als sich in der Altersklasse 13 bis 15 Jahre mit dem Video zu beteiligen, zu dem es schon in Frühling erste Ideen gab und das dann unter erschwerten Bedingungen in der Pandemie-Zeit mit viel Kreativität und in Kooperation mit dem Kölner Jugendzentrum Dachlow umgesetzt wurde?

„My new City“ wurde zum Sieger – mit seiner Rapmusik, stimmigen Bildern und dem Wunsch der beteiligten Kids nach weniger Umweltverschmutzung, weniger Müll, mehr Sicherheit, mehr Chancen auf Bildung und Arbeit und mehr sozialer Gerechtigkeit für alle Generationen. Die jungen Leute sprechen sich im Video für Gemeinschaft und gegen Einsamkeit aus und erzählen von ihrer Liebe zu Köln, das letztlich ja doch auch irgendwie schön ist. Dieses Engagement beeindruckte auch die Organisatoren des Wettbewerbs, und so überreichte der Kölner Bürgermeister, Dr. Ralf Heinen, einer der Schirmherren der diesjährigen Diakoniespende des Kirchenverbandes Köln und Region, den Preis im Filmforum NRW des Museums Ludwig. „Wir alle sind mächtig stolz auf diesen Erfolg!“, freuen sich Kristina Kilders und Lutz Gebhard vom Jugendhaus TREFFER.

Song „Alle Menschen sind gleich!“

Und es gibt noch mehr Freude. So sagt Lutz Gebhard: „Außerdem waren die Jugendlichen mit ihren Beiträgen beim traditionellen Kölner Wettbewerb ‚Dissen-mit mir nicht!‘ erfolgreich. Ceyda mit ihrem Song ‚alle Menschen sind gleich!‘ sowie ein gemeinsam erarbeiteter ‚Traumfänger‘, der den dritten Platz unter sehr vielen Beiträgen holte.“

Link zum Video „My new City” : https://buergerstiftung-koeln.de/koeln-kurz-2021-preisverleihung/

 

So können Sie das Jugendhaus TREFFER unterstützen. Jeder auf diese Weise gespendete Cent, bis zu einem Gesamtspendenaufkommen in Höhe von 100.000,00 € wird vom Evangelischen Kirchenverband Köln und Region verdoppelt!

Text: Katja Pohl
Foto(s): Jugendhaus TREFFER

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Adventskalender: Das 7. Türchen öffnet sich

Die vierte Station der VIA REFORMATA führt vom Rathaus in die Herzogstraße. Wo heute ein großes Bekleidungsgeschäft steht, war einige Jahre lang Gerhard Westerburg zuhause. Er war für seine Zeit ein Globetrotter und hatte während seines Studiums und in der Zeit danach schon in Bologna, Rom, Köln, Wittenberg, Jena und Frankfurt gelebt.

Auch wenn er Martin Luther offenbar nie begegnet war, brannte sein Herz für die Lehre der Reformatoren. Nachdem er sich im April 1525 an einem Bürgeraufstand in Frankfurt beteiligt hatte, musste er am 16. Mai die Stadt verlassen. Westerburg begab sich daraufhin in sein elterliches Haus „Zum Eichhorn“ nach Köln in die Herzogstraße.

Da ihm der Ruf, ein Ketzer zu sein, vorausgeeilt war, drängte der Erzbischof beim Rat im Juli 1525 auf ein Verhör durch die Inquisitoren. Als Westerburg eine Abschwörurkunde vorgelegt wurde, erklärte er, er könne nur das widerrufen, was ihm aus der Schrift als Irrtum erwiesen werde. Durch ein am Reichskammergericht angestrengtes Verfahren, konnte er eine Duldung erreichen.

Mehr zum Leben von Gerhard Westerburg gibt es auch auf www.via-reformata.de.

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Adventskalender: Das 6. Türchen öffnet sich

Für die Reformatoren des 16. Jahrhunderts war das Rathaus von Köln kein guter Ort. In den Jahren zwischen 1523 und 1530 fasste der Rat mindestens 16 Beschlüsse gegen den Verkauf oder Besitz lutherischer Schriften. Und auch in der Zusammenarbeit mit den kirchlichen Gerichten war der Stadtrat aktiv. So fiel zum Beispiel der Augustiner-Eremit August Himmel in Ungnade, da er immer wieder Gedanken der Reformatoren verbreitete.

Doch damit nicht genug – sogar der gesamte Augustiner-Konvent wurde seitens des Stadtrates wiederholt aufgefordert, sich aller reformatorischen Umtriebe zu enthalten. Mehrere Personen wurden im weiteren Lauf der Geschichte vor Ketzergerichte zitiert und verurteilt. Darunter war auch Adolf Clarenbach, der zum Märtyrer wurde.

Im Lauf der Zeit hat die Stadt Köln einen kritischen Blick auf die eigene Vergangenheit geworfen. 1988 erfuhr Adolf Clarenbach seine Rehabilitierung, als der Kölner Rat beschloss, ihn als Figur am Rathausturm darzustellen.

Mehr zu Clarenbach und den anderen Reformatoren in Köln gibt es auch auf www.via-reformata.de.

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Antoniter Siedlungsgesellschaft spendet für kreative Gemeindeprojekte

Zum neunten Mal bedachte die Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region (ASG) besondere Projekte in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen in Köln und Region mit Spenden in einer Gesamthöhe von diesmal insgesamt 10.000 Euro. Das sind ca. ein Prozent des Umsatzes, den die ASG im Vorjahr durch technische und kaufmännische Aufträge von Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und kirchlichen Institutionen erwirtschaftet hat. Die ASG will Gemeinden damit etwas zurückgeben und sie ermutigen, etwas Neues zu wagen, das vielleicht ohne ihre finanzielle Unterstützung gar nicht möglich wäre. Wie sich zeigte, brachten die Corona bedingten Einschränkungen, unter denen viele Menschen zu leiden hatten, in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region (EKV) kreative Projektideen hervor, die soziale Kontakte und Gemeinschaftsgefühl fördern.

„Wind in den Haaren“ – Fahrradrikscha-Fahrten in Bergisch Gladbach

„Ich freue mich, dass wir in diesem Jahr auch ein Projekt, das einen Beitrag zum Klima leistet und dabei Ökologie und Soziales wunderbar miteinander verbindet, mit einer Spende unterstützen können“, sagte ASG-Geschäftsführer Guido Stephan bei der offiziellen Scheckübergabe für das Projekt „Wind in den Haaren – Diakonie und Gemeinde gemeinsam im Sattel“ im RADWERK Bergisch Gladbach. Das RADWERK ist ein gemeinnütziges Hilfeangebot in ökumenischer Trägerschaft des Diakonischen Werkes Köln und Region gGmbH und des Caritasverbandes für den Rheinisch-Bergischen Kreis e.V.

Die Scheckübergabe für das Rikscha-Projekt.

„In einem Miteinander von Gemeinde und Diakonie, von Jung und Alt, von Haupt- und Ehrenamt sollen Fahrradrikschas ans Rollen gebracht werden, um Menschen Teilhabe und Mobilität in ökologisch nachhaltiger Form zu ermöglichen“, beschrieb Andreas Reball-Vitt vom Diakonischen Werk das Projekt. Mit Hilfe der ASG-Spende in Höhe von 2.000 Euro konnte im September die erste Fahrradrikscha angeschafft werden, die als Transportmittel zum Einkauf, als „Impf-Taxi“, für Ausflüge oder Spazierfahrten für die Bewohnerinnen und Bewohner von Senioreneinrichtungen dienen soll. „Kontakte, Gespräche und gemeinsames Erleben stehen im Vordergrund“, erklärte er. Die Kirchengemeinde verfüge mit dem „Mehrgenerationenhaus“ bereits über eine etablierte und in Bergisch Gladbach anerkannte Plattform, um Ehrenamtliche für ein Engagement in diesem Projekt zu gewinnen. Denn die sollen zukünftig als Rikschafahrerinnen und -fahrer eingesetzt werden.

„Im Sozialraum Bergisch Gladbach Innenstadt, in dem die Evangelische Gnadenkirche und das RADWERK beheimatet sind, leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen. Fast ein Viertel der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtmitte sind 65 Jahre und älter“, sagte Reball-Vitt. „Mit unserem Fahrradrikscha-Projekt ermöglichen wir körperlich beeinträchtigten Menschen wieder Fahrradmobilität, denn hier wird Teilhabe mit und ohne körperliche Gebrechen möglich.“  „Das Projekt kann jetzt endlich mit unserer ersten Fahrradrikscha starten. Jetzt müssen wir das hier in Bergisch Gladbach bekannt machen, damit das Angebot auch von vielen genutzt wird“, sagte Thomas König vom RADWERK. Da mache er sich allerdings keine großen Sorgen.

Tanzprojekt „ICH – erzähle Dir meine Geschichte“

Die Scheckübergabe für den Lindweiler Treff.

Unter den sechs Projekten, die eine Summe zwischen 700 und 2.300 Euro erhielten, war ein Tanzprojekt des „Lindweiler Treffs“ – eine Anlaufstelle der Diakonie Köln und Region, bei der Bürgerinnen und Bürger des Kölner Stadtteils Lindweiler Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe erhalten und die Entwicklungschancen von Kindern, Jugendlichen und Familien im Stadtteil verbessert werden sollen. Das Tanzprojekt „ICH – erzähle Dir meine Geschichte“ besuchen Bürgerinnen verschiedenerer Generationen, die nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie Begegnung, Austausch und Bewegung suchen. Unter der Anleitung einer professionellen Tanzpädagogin setzen sie sich in vier Workshop-Blocks tänzerisch mit ihren Lebensgeschichten auseinander. „Ich bin beeindruckt und freue mich sehr, wenn ich sehe, was für tolle Projekte dank unserer Spende angestoßen werden können“, sagte Guido Stephan bei der Scheckübergabe. „Das Projekt wird super angenommen. Wir sind unglaublich froh, dass wir das mit Hilfe der ASG umsetzen können“, bedankte sich die Leiterin des „Lindweiler Treffs“ Melek Henze.

„HerzensDinge – Vergangenes erinnern – Gegenwärtiges entdecken – Künftiges entwerfen“

Einen weiteren Scheck in Höhe von 2.000 Euro überreichte Stephan der Evangelischen Kirchengemeinde Mauenheim-Weidenpesch für ihr Projekt „HerzensDinge – Vergangenes erinnern – Gegenwärtiges entdecken – Künftiges entwerfen“. Pfarrerin Susanne Zimmermann und Diplom-Pädagogin Dorothee Agena griffen die Idee der „Herzenssprechstunde“ auf, die seit 2017 im Rahmen der ökumenischen Nachbarschaftshilfe „Kölsch Hätz“ in den Kirchengemeinden Mauenheim-Weidenpesch und der ehemaligen Kirchengemeinde Köln-Niehl für Seniorinnen und Senioren umgesetzt wird. Um dieses erfolgreiche Konzept nicht Corona bedingt wegbrechen zu lassen, entwickelten die beiden Frauen die Idee, mit alten Menschen am Telefon biografisch mit ihrem Herzensgegenstand (ein Gegenstand, der in ihrem Leben eine besondere Bedeutung hat oder hatte) zu arbeiten. In Telefonaten wurden Menschen aus den Gemeinden und ihrer Nachbarschaft, die bereits an den Herzenssprechstunden teilgenommen hatten, ermutigt, ihren Herzensgegenstand zu finden, der ihnen in einem wertschätzenden Interview Zugang zur eigenen Biografie (wieder) ermöglichte.

Susanne Zimmermann freute sich über den bisherigen Erfolg: „Durch die Interviews und den späteren Austausch in Kleingruppen von drei bis acht Personen wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der Bewältigungsstrategien förderte, Handlungskompetenzen in der Gegenwart ermöglichte und Vertrauen in die Zukunftsgestaltung weckte.“

Die Spende der ASG soll für eine Wanderausstellung durch Kirchengemeinden des EKV, deren Nachbarschaften, aber auch öffentliche Einrichtungen wie z.B. das Bezirksrathaus in Chorweiler genutzt werden, in der Fotos und Collagen der „Herzensgegenstände“ und Interviews der Teilnehmenden dokumentiert werden.

„Dadurch ermöglichen wir Kennenlernen im überschaubaren Rahmen der Nachbarschaftsarbeit und setzen gemeinsames und identitätsstiftendes Kultur- und Gemeinschaftserleben in den Veedeln und Kirchengemeinden um“, so Zimmermann.

Bei der Scheckübergabe gab es bereits eine Kostprobe der Ausstellungsstücke, an denen ehrenamtliche Frauen aus den Gemeinden aktuell arbeiteten. Guido Stephan zeigte sich sehr beeindruckt von dem Projekt: „Bei der Ausstellungseröffnung im Frühjahr 2022 wäre ich sehr gerne dabei. Das ist eine wirklich tolle Idee, bei der viel Kreativität eingesetzt wurde und wird. Ich bin gespannt, wie Sie all die Geschichten zusammenbringen“, sagte er. Susanne Zimmermann betonte: „Ohne die Spende der ASG hätten wir das Projekt vielleicht nicht in Angriff genommen. Dass hier jetzt so viele mitarbeiten und wir uns so an dem Projekt ‚festbeißen‘, hat damit zu tun, dass wir die nun auch Möglichkeit haben, die Ergebnisse zu dokumentieren und anderen Menschen zu präsentieren. Leider sind manche schon gestorben. Aber sie haben Spuren hinterlassen. Das werden wir in der Ausstellung zeigen.“ Die Ausstellung soll in einem Katalog dokumentiert werden und motivieren, auch den eigenen „Herzensgegenstand“ zu suchen – unabhängig vom Alter.

Text: Susanne Hermanns
Foto(s): Susanne Hermanns

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Adventskalender: Das 5. Türchen öffnet sich

Die dritte Station der VIA REFORMATA führt von Roncalliplatz zum Rathausplatz. Hier wachten im 16. Jahrhundert und in der Zeit danach die Ratsherren auch über die Strömungen der Reformation in der Stadt Köln. Da sich der Stadtrat der Unterstützung des Kaisers sicher sein wollte, ging man entschieden gegen alle reformatorischen Strömungen in der Stadt vor.

Selbst als der Kölner Erzbischof Hermann von Wied ab dem Jahr 1530 behutsam Reformen im Sinne Luthers in seiner Erzdiözese einführen wollte, waren der Rat der Stadt zusammen mit dem Domkapitel und der Universität dagegen. Da half dem Erzbischof auch die Unterstützung der Reformatoren Martin Bucer und Philipp Melanchthons im Jahr 1543 nichts. Hermann von Wied scheiterte mit seiner Initiative. Köln blieb katholisch.

Die evangelische Stadtakademie wurde 1962 nach Philipp Melanchthon benannt – als Motivation für ökumenische Offenheit in Gegenwart und Zukunft. Diese und viele weitere Informationen zur Geschichte der Reformation in Köln gibt es auch auf www.via-reformata.de.

Text: APK
Foto(s): APK

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Adventskalender: Das 4. Türchen öffnet sich

Für die reformatorische Bewegung in Köln spielte das Umfeld des Doms zweimal eine wichtige Rolle. Der päpstliche Gesandte Hieronymus Aleander kam 1520 nach Köln und ließ in Anwesenheit der Hochschullehrer der Theologischen Fakultät und des Kanzlers der Universität die Schriften Martin Luthers in einer Pechpfanne verbrennen. Alle An- und Abwesenden wurden abschließend ermahnt, alle weiteren Schriften Luthers auszuliefern, um nicht exkommuniziert zu werden.

Schlechter erging es am 28. September 1529 auf dem Domhof Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach. Beide wurden zum Tode verurteilt, da sie der neuen Lehre der Reformatoren anhingen. Vom Domhof wurden sie auf den Richtplatz vor den Toren der Stadt gebracht, wo sie starben.

Heute gilt Meinungsfreiheit, auf dem Platz vor dem Dom weisen fast täglich Menschen auf gesellschaftliche und weltweite Probleme hin. Alles über die VIA REFORMATA auch im Internet auf www.via-reformata.de.

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Adventskalender: Das 3. Türchen öffnet sich

Die zweite Station der VIA REFORMATA führt zum Roncalliplatz. Von dem jetzigen Blick auf den großen gotischen Dom konnte Erzbischof Konrad von Hochstaden nur träumen.

Sein Vorgänger Reinald von Dassel hatte 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln gebracht. Die bald einsetzende Wallfahrt zu dem prunkvollen Dreikönigsschrein mit den besonderen Reliquien führte dazu, dass Erzbischof Konrad von Hochstaden am 15. August 1248 den Grundstein für den heutigen Dom legte.

Um 1520 wurde der Bau für mehr als 300 Jahre eingestellt und erst 1880 von den preußischen, protestantischen Königen vollendet. Mehr über den Dom und die Geschichte der Protestantinnen und Protestanten in Köln und erfahren Sie auf www.via-reformata.de.

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Transformationsprozesse von historischen Ausmaßen: Jahresempfang des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region

Aktueller hätte die Zeitansage nicht sein können, die im Mittelpunkt des Jahresempfangs des Evangelischen Kirchenverbandes Köln Region in der Trinitatiskirche stand: „Strukturwandel und Megatrends: Sozial-ökologische Transformation in Köln und der Welt.“ Als Referenten hatte man Rainer Imkamp gewinnen können,  Vorsitzender der Agentur für Arbeit der Kreise Rhein-Erft und Euskirchen. Der Kölner Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger begrüßte die Gäste in der spärlich besetzten Innenstadtkirche. Viele hätten aufgrund der steigenden Corona-Zahlen abgesagt, erklärte er. Es hätten sich dennoch etliche eingefunden, fuhr er fort, „die das Beste für die Stadt und und Landkreise denken und zu tun versuchen“. Die renovierte Trinitatiskirche sei „hoch und weit, das gebe Sicherheit“.

Vieles verändere sich gerade, ging Seiger auf das Thema des Abends ein. Die Digitalisierung verändere das Leben dramatisch. Die Klimakrise schreite fort. Man stehe am Anfang des zweiten Corona-Winters. Und eine neue Regierung nehme auch in Kürze die Arbeit auf. „Wie können wir zusammenhalten als Gesellschaft?“, fragte der Stadtsuperintendent. „Wir stehen am Anfang des Kirchenjahres. Und damit nicht am Ende, sondern eben am Anfang. Es ist Advent. Wir warten auf die Geburt des Kindes in Bethlehem. Wir Christen leben nicht von der Vergangenheit, sondern in der Perspektive auf das künftige Leben. Es geht uns wie den Vögeln in der Nacht. Sie singen noch bevor die Sonne aufgeht. Auch wir Christen singen von der Hoffnung auf das Licht.“

Megatrends wie Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demographie

Dann begann Imkamp mit seiner Zeitansage: „Nicht nur in der Pandemie haben wir in der Bundesagentur eine wichtige Funktion, mussten hierbei aber auch Prioritäten setzen, nämlich: Existenzsicherung – insbesondere durch die Brücke der Kurzarbeit und gleichzeitig der Gesundheitsschutz in einem systemrelevanten Teil der Sozialversicherung.“ Megatrends wie Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demographie veränderten die Welt. Die Frage sei nicht, ob sich die Welt verändere, sondern nur wohin – und sie verändere sich vor allem rasant schnell. „Bei der Einführung des Automobils hat es 62 Jahre gedauert, bis der Schwellenwert von 50 Millionen Nutzern überschritten wurde. Bei der Etablierung des Internets, wie wir es heute kennen, waren es drei Jahre. Und noch ein letzter Wert aus neuerer Zeit: Das Handyspiel ,Pokemon go‘ hatte den Schwellenwert bereits erreicht nach 19 Tagen.“

Als besondere Herausforderung bezeichnete Imkamp den Ausstieg aus der Kohle. „Das sind Transformationsprozesse von historischem Ausmaß. Diese Transformation bedeutet im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten Jahrzehnten zu verlassen und zu völlig neuen Wertschöpfungsformen zu kommen.“ Geschäftsmodelle erlägen einem rasanten Wandel: „Erinnern Sie sich noch daran, wie Köln vor wenigen Jahren mit Bikesharing-Fahrrädern überschwemmt wurde? Innerhalb kürzester Zeit veränderten sich jedoch die Rahmenbedingungen und das Geschäftsmodell wurde durch E-Scooter mit Straßenzulassung überholt. Wir müssen an dieser Stelle ehrlich festhalten: Das Stadtbild hat sich durch die omnipräsenten E-Scooter leider nicht verbessert. Von der Wasserqualität des Rheins ganz zu schweigen.“

Beratung, Qualifizierung und Vermittlung von Fachkräften

Auch Berufe würden sich radikal verändern. „Wir als Bundesagentur für Arbeit und konkret vor Ort werden uns daran messen lassen müssen, ob es uns gelingt, unsere Angebote in den Bereichen Beratung, Qualifizierung und Vermittlung von Fachkräften vorausschauend und nachhaltig an die veränderten Erfordernisse des Arbeitsmarktes anzupassen.“ Es gelte, den permanenten Austausch mit den Firmen und der Wissenschaft zu pflegen. Zahlreiche Erwerbstätige werden sich infolge der Transformationsprozesse auf eine oder teilweise auch mehrere berufliche Neu- oder Umorientierungen einstellen müssen. Das fällt nicht immer leicht. Doch auch in diesen Situationen möchte die Bundesagentur für Arbeit unterstützen. „Mit dem Angebot der Berufsberatung im Erwerbsleben verfolgen wir einen präventiven Ansatz, indem wir Menschen helfen, sich in einem Arbeitsmarkt zurechtzufinden, der sich immer schneller wandelt.“

Zum Schluss appellierte Imkamp: „Nur gemeinsam können wir die Krisen und Herausforderungen dieser Zeit meistern. Aber auch Werte und unsere dazugehörigen Vorstellungen verändern sich. Dies könnte vielleicht sogar die größte Herausforderung in den anstehenden Transformationsprozessen darstellen.“

Flexibilität, Kreativität und Zuversicht

„Es bedarf unserer Flexibilität, Kreativität und Zuversicht, um konstruktiv mit den sich verändernden Rahmenbedingungen umzugehen“, sagte der Kölner Bürgermeister Andreas Wolter, der in seinem Grußwort auch die Grüße der Oberbürgermeisterin Henriette Reker überbrachte. „Die Braunkohlereviere sind die prägnantesten Symbole für diesen   Strukturwandel. Verständlicher Weise haben die dort arbeitenden Menschen große Sorgen, wie es für sie weitergehen wird.“ Aber es gebe eine Perspektive, so der Bürgermeister: „Die angekündigte Dekarbonisierung schürt Hoffnungen auf neue Perspektiven und Möglichkeiten. Frische, junge Start-ups machen etablierten Unternehmen in allen Branchen Beine.“ Selbst die letzten Dinosaurier würden langsam erkennen, dass sie ihre Konzepte verändern müssten, wenn sie in Zukunft noch dabei sein wollten. „Strukturwandel ist eine Herausforderung, aber wenn wir unseren Grundwerten treu bleiben, dann sehe ich darin eine großartige Chance für eine gute und nachhaltige Zukunft.“

Für Begeisterung bei den Gästen sorgte die musikalische Begleitung des Abends durch das Blechbläserensemble von Cologne Concert Brass aus Rondorf. Nach der Veranstaltung in der Kirche traf man sich zu Gesprächen im neu gestalteten Foyer der Trinitatiskirche.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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Adventskalender: Das 2. Türchen öffnet sich

Mit der ersten Station der VIA REFORMATA auf dem Gelände der alten Universität – heute in der Nähe von St. Andreas – ist auch die Lebensgeschichte von Theodor Fabricius eng verbunden.

Nach einer kurzen Zeit an der Universität in Köln wechselte der junge Student 1522 nach Wittenberg, wo er Hebräisch und Griechisch lernte. In dieser Zeit war Martin Luther dort Prediger an der Stadtkirche und hat Fabricius offenbar stark geprägt.

Vier Jahre später kam Fabricius als Lehrer für Hebräisch zurück nach Köln und verbreitete in seinen eigenen Vorlesungen reformatorische Gedanken. Doch dem Rat der Stadt Köln gefiel dies nicht und er verbot Fabricius seine Dozententätigkeit. Aber der Hochschullehrer gab nicht auf und setzte seine Vorlesungen im privaten Rahmen fort.

Im April 1529 sollte Fabricius schließlich verhaftet werden, doch er floh aus der Domstadt. Offiziell wird Evangelische Theologie erst seit dem 20. Jahrhundert wieder an der Universität Köln gelehrt.

Heute geschieht dies in Kooperation mit der Universität Bonn. Mehr zur VIA REFORMATA gibt es auch auf www.via-reformata.de.

Text: APK
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