Unsere Wochentipps: Kindermusical „König David“, ökumenische Beatmesse und „Fest der Religionen und Kulturen“

Bei unseren Wochentipps ist diesmal für jeden etwas dabei – von alt bis jung: vom Kindermusical „König David“ über den Konfi- und Jugendtag „Open World live“ bis hin zu mehreren Vorträgen wie „Die Situation von Kölner Jüdinnen im 19. Jahrhundert“ und „Jehuda Amichai, ein israelischer Lyriker aus Deutschland“. Dann gibt es da noch das Gebet der Religionen am Weltfriedenstag, das Laubhüttenfest, ein Informationsfest an der Waisenhauskirche in Köln-Sülz und einen ökumenischen Gottesdienst zum Gedenkjahr „1700 Jahre Judentum in Deutschland“. Der chilenische Singer-Songwriter Rodrigo Tobar erzählt Geschichten aus seiner Heimat und Betin Güneş mit dem Turkish Chamber Orchestra & Choir geben ein Live-Konzert in der Immanuel-Kirche Stammheim sowie „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy wird in der Kölner Philharmonie laufen. Das „Fest der Religionen und Kulturen“ rund um die Gnadenkirche findet statt und mit der ökumenischen Beatmesse „Die Wahl meines Lebens“ wird jenseits von Parteien über Wahlmöglichkeiten im Leben gesprochen. Unsere Tipps in der Übersicht:

21.09.2021, 18:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
Gebet der Religionen am Weltfriedenstag
„15 Jahre Kölner Friedensverpflichtung“: Zu Gebet, Gesprächen und Begegnung am Weltfriedenstag, Dienstag, 21. September, 18 Uhr, lädt der Kölner Rat der Religionen ein. Im Garten der Religionen, Stolzestraße 1a, gedenken Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften der Kölner Friedensverpflichtung, die vor 15 Jahren unterschrieben wurde. Darin heißt es: „Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen“. Die Synagogen Gemeinde, das Katholische Stadtdekanat, der Katholikenausschuss, der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, die Türkisch-islamische Union, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie der damalige Oberbürgermeister gehörten damals zu den Unterzeichnenden. Die Veranstaltung findet unter freiem Himmel statt. Es gilt die dann aktuelle Coronaschutz-Verordnung.

22.09.2021, 19:00 Uhr
Melanchthon-Akademie
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
„Jehuda Amichai, ein israelischer Lyriker aus Deutschland“
Vortrag von Professor Hans D. Amadé Esperer in der Melanchthon-Akademie: In seinem Vortrag „Jehuda Amichai, ein israelischer Lyriker aus Deutschland“ am Mittwoch, 22. September, 19 bis 21 Uhr, bringt Professor Hans D. Amadé Esperer in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, einige Gedichte zu Gehör und zeigt daran zentrale Merkmale von Amichais Werk auf. Jehuda Amichai (1924-2000) wuchs in der orthodoxen deutsch-jüdischen Kultur Unterfrankens auf und musste 1936 emigrieren. In Israel wurde er zu einem hebräischen Lyriker von Weltrang. Seine Dichtung ist geprägt von Rainer Maria Rilke und der angelsächsischen Moderne und hat vielfältige Bezüge zu den heiligen Texten des Judentums. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Gedenkjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Köln und in Deutschland“ statt. Der Eintritt kostet 5 Euro. Eine Anmeldung unter Telefon 0221/931803-0 oder per E-Mail anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.

Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

23.09.2021, 19:30 Uhr
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Die Situation von Kölner Jüdinnen im 19. Jahrhundert
Vortrag von Irene Franken in der Melanchthon-Akademie: Historikerin Irene Franken spricht in ihrem Vortrag am Donnerstag, 23. September, 19.30 Uhr, in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, über die Situation von Kölner Jüdinnen im 19. Jahrhundert. Am Beispiel von Flora Tietz und Therese Oppenheim erläutert sie die rechtliche Situation sowie die Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten jüdischer Mädchen und Frauen zu dieser Zeit in Köln. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.

Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

24.09.2021, 15:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
„Gut älter werden in Sülz und Klettenberg“
Informationsfest an der Waisenhauskirche in Köln-Sülz: Die wichtigsten lokalen Einrichtungen und Unterstützungsangebote in Sülz und Klettenberg für Menschen im Alter ab 65 Jahren stellen sich bei einem Informationsfest am Freitag, 24. September, 15 bis 19 Uhr, an der Waisenhauskirche Sülz, Elisabeth-von-Mumm-Platz 1, vor. Unter dem Motto „Gut älter werden in Sülz und Klettenberg“ laden Nachbarschaftshilfen, Sporteinrichtungen, Wohnprojekte, Digitalisierungsinitiativen, Freizeitanbieter, die Polizei sowie die evangelischen und die katholischen Kirchengemeinden in Sülz und Klettenberg zu Vorträgen, Aktionen und Informationsständen ein. Außerdem gibt es ein unterhaltsames und musikalisches Programm mit Jürgen Becker, Didi Jünemann, der A-capella-Band „8 Carat“, den „Johannesbläsern“ und einem Jazz-Trio.

24.09.2021, 17:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
„Verwurzelt im Judentum! – Leben wir Christen das?“
Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenkjahr „1700 Jahre Judentum in Deutschland“: In einem ökumenischen Gottesdienst am Freitag, 24. September, 17 Uhr, im Kölner Dom, Domkloster 4, stellen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln das biblische Zeugnis zum Verhältnis von Judentum und Christentum in den Mittelpunkt. Der Dom ist dabei Zeuge der langen und immer wieder schuldbeladenen Geschichte des Umgangs der christlichen Mehrheit mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Pater Elias H. Füllenbach Ö.P., Theologe und Vorstandsmitglied des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, greift in seiner Predigt den Lernweg auf, auf dem sich Christinnen und Christen in diesem Zusammenhang befinden. Der Gottesdienst findet im Rahmen der Dreikönigswallfahrt 2021 statt. Aktuelle Corona-Hinweise finden sich unter www.dreikoenige-koeln.de.

24.09.2021, 19:00 Uhr
Evangelische Gemeinde Köln
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt
Chilenischer Künstler mit Musik zwischen Tradition und Innovation
Konzert in der Lutherkirche in der Südstadt: Im Rahmen des Global Music Club Cologne 2021 erzählt der chilenische Singer-Songwriter Rodrigo Tobar am Freitag, 24. September, 19 Uhr, in der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, Geschichten aus seiner Heimat. Musikalisch eingebettet sind sie in innovative Soundcollagen und traditionelle Klangwelten. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 15 Euro und an der Abendkasse 20 Euro. Tickets gibt es im Internet unter https://lutherkirche.ticket.io.

www.lutherkirche-suedstadt.de

24.09.2021, 19:00 Uhr
Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim
Immanuel-Kirche, Bonhoefferstr. 8, 51061 Köln
Betin Güneş mit dem Turkish Chamber Orchestra & Choir
Live-Konzert in der Immanuel-Kirche Stammheim: Nach langer Konzertpause freut sich sie Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim am Freitag, 24. September, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) zu einem Live-Konzert in die Immanuel-Kirche, Bonhoefferstraße 10, einzuladen. Betin Güneş mit dem Turkish Chamber Orchestra & Choir ist zu Gast. Wer teilnehmen möchte muss vorher über die Internetseite ein kostenloses Ticket buchen und am Veranstaltungstag einen gültigen „3-G-Nachweis“ mitbringen.

www.brueckenschlag-gemeinde.de

25.09.2021, 10:30 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
„Open World live“
Konfi- und Jugendtag im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch: Am Samstag, 25. September, 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr, findet wieder ein Konfi- und Jugendtag im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinich statt, diesmal outdoor im Dünnwalder Wildpark. Die Spielidee ist folgende: Die Bibel hat einen Riss bekommen und alle „Bösewichte“ sind entkommen. Diese gilt es wieder einzufangen und so die Erde zu retten. Analog zu „Open World“-Computerspielen erstellen die Teilnehmenden im Alter von 12 bis 15 Jahren während des Spiels ihre persönliche Spielfigur und lösen in Kleingruppen an den Spielstationen unterschiedliche Aufgaben zum Thema „Bewahren der Schöpfung“ an Beispielen von Nachhaltigkeit und Klimawandel. Die erwarteten etwa 160 Jugendlichen werden von etwa 40 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden aus dem Kirchenkreis betreut. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0221/278561-93 oder per E-Mail an ute.verch@ekir.de

25.09.2021, 18:00 Uhr
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Laubhüttenfest auf dem Gelände der Melanchthon-Akademie
Jüdisch Liberale Gemeinde lädt zu zahlreichen Veranstaltungen ein: Im Rahmen des jüdischen Laubhüttenfestes vom 21. bis 27. September schlägt die Jüdisch Liberale Gemeinde Köln „Gescher LaMassoret“ im Garten der Melanchthon-Akademie, des Evangelischen Jugendpfarramtes und der Evangelischen Familienbildungsstätte Köln ein großes Zelt als Laubhütte auf, um dort im Kontext des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ das Kultur-Festival „Ssukkat Schalom“ zu feiern. Interessierte sind zu verschiedenen Veranstaltungen am Samstag 25. September, 18 bis 1 Uhr, und Sonntag, 26. September, 11 bis 18 Uhr, in die Laubhütte im Garten des Kartäuserwalls 24b und in die Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, eingeladen. Mit jüdischer Musik, Performance und Literatur, mit jüdischem Film, Theater und Humor möchte die Gemeinde in der Laubhütte einen möglichst vielfältigen Blick auf die jüdische Kultur und Kunst präsentiert. Weitere Informationen, Anmeldung und Tickets gibt es im Internet unter https://ssukkat-shalom.de.

www.melanchthon-akademie.de

26.09.2021, 11:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
„Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy
Chor- und Orchesterkonzert in der Kölner Philharmonie: Das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy kommt am Sonntag, 26. September, 11 Uhr, in der Kölner Philharmonie, Bischofsgartenstraße 1, zur Aufführung. Das Oratorium für Soli, Chor und Orchester (op. 70) wird von der Kartäuserkantorei Köln und dem Philharmonischen Chor Bonn unter der Leitung von Paul Krämer sowie dem auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Orchester „Concerto con Anima“ unter der Leitung von Ingeborg Scheerer aufgeführt. Die Solostimmen werden besetzt von Marie Heeschen (Sopran), Marianne Beate Kielland (Alt), Patrick Grahl (Tenor) sowie Daniel Ochoa (Bass). Der Eintritt kostet je nach Sitzplatzwahl zwischen 18 und 40 Euro, ermäßigt zwischen 13,50 und 30 Euro. Tickets sind per E-Mail an kartenbestellung@kartaeuserkantorei.de oder über KölnTicket erhältlich.

26.09.2021, 16:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal
Reformationskirche, Mehlemer Straße 29/Ecke Goethestraße, 50968 Köln
Kindermusical „König David“
Eltern-Kind-Konzert in der Reformationskirche: Am Sonntag, 26. September, 16 Uhr, gibt es nach langer Zeit wieder ein Eltern-Kind-Konzert in der Reformationskirche Bayenthal, Mehlemer Straße 29. Die Evangelischen Kinderchöre Brühl und Köln-Bayenthal führen das Kindermusical „König David“ von Thomas Riegler auf. Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren und ihre Eltern sind eingeladen zu etwa einer Stunde Musik, Schauspiel und Gesang. Das Musical führt die Zuschauerinnen und Zuschauer ins alte Israel vor etwa 3000 Jahren, wo einst ein kleiner Junge von der Weide gerufen wurde, der später ein großer König wurde und wo der Kampf zwischen David und Goliath stattfand. Es gelten die sogenannten 3G-Beschränkungen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Der Eintritt ist frei, um eine Spende zur Deckung der Kosten wird gebeten.

www.kirche-bayenthal.de

26.09.2021, 17:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach
Gnadenkirche, Hauptstraße 256, 51465 Bergisch Gladbach
„Fest der Religionen und Kulturen“ rund um die Gnadenkirche 
Konzert mit Cosmic Jam im „Quirl“: Am Sonntag, 26. September, 12 bis 19 Uhr, findet wieder rund um die Gnadenkirche das „Fest der Religionen und Kulturen“ statt. Ein Programmpunkt ist das Konzert mit „Cosmic Jam“, das um 17 Uhr im „Quirl“ an der Gnadenkirche, Hauptstraße 256, beginnt. Die neun Musiker der Band begeistern mit ihrer Funk-Musik. Der Eintritt ist frei.

www.quirl.de
26.09.2021, 11:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, 50937 Köln
Ökumenische Beatmesse „Die Wahl meines Lebens“
Jenseits von Parteien wird über Wahlmöglichkeiten im Leben gesprochen: Passend zur Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, greift das Team der Beatmesse in der Johanneskirche Klettenberg, Nonnenwerthstraße 78, am selben Tag das Thema „Wahlmöglichkeiten im Leben“ in einem Gottesdienst auf, der um 11 Uhr beginnt. Mit dabei sind Willibert Pauels, Diakon und Kabarettist, Dominikaterpater Diethard Zils, Pfarrer Ivo Masanek und das Team der Beatmesse. Für die musikalische Unterhaltung sorgt wieder die Band Ruhama. Die Anzahl der Plätze in der Kirche sind begrenzt. Eine Anmeldung ist über die Webseite www.beatmesse.de möglich. Hier wird dieser besondere Gottesdienst auch im Livestream zu sehen sein.

www.beatmesse.de

Text: APK
Foto(s): A

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Diskussionsabend WiederSprechen: „Wieder anpacken – wie Corona das Ehrenamt verändert hat“

Ob Freiwillige Feuerwehr, diakonische Dienste, Tafeln oder Breitensport: unsere Gesellschaft lebt vom millionenfachen Engagement im Ehrenamt. Corona hat auch hier vieles ausgebremst. Manche Strukturen sind brüchig geworden. Ein „Weiter so“ wie vor der Pandemie reicht nicht aus. Dieser Herausforderung müssen sich Vereine, Initiativen und Stadtgesellschaft gemeinsam stellen. Das zupackende Handeln ungezählter Ehrenamtlicher in den Hochwassergebieten zeigt aber auch: Die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist ungebrochen. „Wenn etwas unsere Gesellschaft lebenswert macht, ist es das Ehrenamt. Corona hat vieles besonders an die Oberfläche gebracht oder Probleme geschaffen“, sagt Moderator Arnd Henze in der Christuskirche Dellbrück. „Wo hat sich das Ehrenamt als besonders resilient erwiesen – aber wo hat es auch Brüche und Risse gegeben?“ Darum ging es bei dem Diskussionsabend „WiederSprechen“ Mitte September mit dem Thema „Wieder anpacken – wie Corona das Ehrenamt verändert hat“. Die Veranstaltungsreihe der Melanchton-Akademie will für die so unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen mit der Pandemie einen öffentlichen Raum schaffen – und diese Erfahrungen mit Verantwortlichen in der Stadtgesellschaft ins Gespräch bringen.

Vieles habe sich dauerhaft stark verändert

„Wir als Tafel haben in der Pandemie nie aufgehört zu arbeiten. Wir waren gestützt durch Ehrenamtler, die aus dem Berufsleben ausgeschieden waren. Diese sind uns zwar zu großen Teilen weggebrochen. Das war vielen zu gefährlich“, berichtet Karin Fürhaupter, Erste Vorsitzende der Tafel Köln e. V. „Auf der anderen Seite haben wir aber einen Ansturm von Helfern bekommen. Es haben sich unheimlich viele gemeldet, die gesagt haben, wir haben eingeschränktes Home-Office oder Kurzarbeit, wir haben momentan Zeit. Wir haben alle Verabredungen einhalten können. Nur die Lebensmittelausgabestellen, da haben 30 Prozent geschlossen und wir haben sie dann nach und nach wie hochgefahren und haben weitergearbeitet – nur mit einer anderen Altersstruktur.“ Vieles habe sich dauerhaft stark verändert, alle haben positiv dazu gelernt. „Wir haben gemerkt, dass es sich lohnt, jüngere Menschen einzubeziehen, auch wenn sie nach einer gewissen Zeit wieder ausscheiden. Diese Menschen sind sehr willkommen bei uns. Auch das sind Träger unserer Arbeit, die uns durchaus helfen können.“ Man müsse sie zwar einarbeiten, auch wenn sie schnell wieder weg sind, aber es ändere auch das Klima, wenn verschieden alte Menschen zusammen arbeiten. „Die jüngeren Menschen bringen auch frischen Wind mit rein.“ Sie wünscht sich, dass Menschen, die die Möglichkeit dazu haben, sich ehrenamtlich engagieren – sie seien eine Bereicherung für die Gesellschaft.

Auch Gabi Klein, Forum für Willkommenskultur, Kölner Freiwilligen Agentur e. V., sagt: „Wir haben unheimlich viele Menschen gehabt, die sich neu gemeldet haben. Viele haben gemerkt, was ihnen wirklich wichtig ist, und wollten sich sozial engagieren. Wir haben viel Zulauf gehabt, was uns sehr gefreut hat. Ein großer Bereich, in dem Ehrenamtler sich engagieren, ist die Begleitung von Flüchtenden zu Ämtern. Der Bereich ist größer geworden, weil der Zugang zu Ämtern auch erschwert wurde. Viele Ältere haben gesagt, dass sie Geld in der Pandemie gespart haben und haben dann dieses Geld sogar gespendet.“ Ein Manko für sie: „Wir haben viel Zoom-Erfahrungen machen können, aber irgendwann reicht es auch.“ Sie bestätigte die Erfahrungen von Karin Fürhaupter: „Viele jüngere Menschen engagieren sich, aber nur für einen kürzeren Zeitraum.“

Hohe Austrittszahlen

Die Pandemie hatte auch große Auswirkungen auf Sportvereine: „Vereine kommen da in Schwierigkeiten. Denn man muss sagen, dass bei vielen Menschen auch gerade am Anfang der Pandemie der Solidaritätsgedanke noch sehr stark vorhanden war, dass sie zwar die Sachen nicht nutzen konnten, aber trotzdem noch im Verein geblieben sind“, erzählt Peter Helmut Schaefer, Vorsitzender der Sportjugend Köln. „Aber danach sind die Austrittszahlen sehr stark angestiegen. Man kündigt ja immer zu einem bestimmten Zeitpunkt. Da ist immer eine Wellenbewegung.“ Was ihn freut: „Der Drang war und ist nach wie vor sehr groß, wieder einzutreten. Aber gerade für die kleineren und auch mittleren Vereine, da ist der Aufwand, Hygienekonzepte für Veranstaltungen in Hallen zu gestalten, sehr hoch. Größere Vereine können das einfacher stemmen.“

Viele Menschen hatten während der Pandemie sehr kreative Ideen, aber in manchen Bereichen reiche das nicht aus: „Wenn ich als Schwimmverein nicht ins Schwimmbad reinkomme, kann ich keinen Schwimmunterricht machen – das ist einfach so.“ Peter Helmut Schaefer sagt, dass man davon ausgehe, dass viele Fünf- bis 17-Jährige aus dem Sport raus seien und auch keine Motivation hätten, wieder rein zu gehen, „quasi eine verlorene Generation“: „Manche haben auch Angst, dass etwas passieren kann.“ Der Sport lebe trotz der vielen digitalen Angebote aber auch von der persönlichen Begegnung. Von daher wünsche er sich ein Stückweit, wieder zu dem Zustand der Zeit vor der Pandemie zurück zu kehren. Im Verein könne man Demokratie lernen – unter anderem deswegen seien Vereine so wichtig. Man müsse den Nachwuchs weiterhin für Verein begeistern, so sein Wunsch.

Text: APK
Foto(s): APK

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Präses in Flut-Orten: „Kirche und Diakonie bleiben an der Seite der Menschen“

„Das Wasser steht nicht nur immer noch in den Mauern und es braucht die Trockenanlagen, sondern es steckt auch noch tief in den Knochen von Menschen.“ Das sagt Dr. Thorsten Latzel am Ende einer dreitägigen Reise zu evangelischen Kirchengemeinden in den Überschwemmungsgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Darum sei es wichtig, „dass wir an der Seite der Menschen dort bleiben“, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Trier, Adenau, Bad Neuenahr, Sinzig, Erftstadt, Inden, Eschweiler, Bad Münstereifel, Wuppertal und Solingen – zehn Kirchengemeinden hat Latzel, der sich schon kurz nach der Flutnacht Mitte Juli an vielen Orten ein Bild von den Schäden gemacht hatte, in den vergangenen Tagen besucht. „Ich habe Menschen erleben können, die in beeindruckender Weise für andere dagewesen sind“, zieht der Präses ein Fazit seiner Tour: „Ich habe aber auch viel Leid gesehen. Ich habe Menschen getroffen, denen man abspürt, was sie erfahren haben.“ Er sei tief dankbar dafür, was die Kirchengemeinden leisteten.

Nachgehende Seelsorge und diakonische Hilfe

Heizung, also Wärme in Herbst und Winter, Seelsorge und Normalität sind Punkte, die die Menschen, mit denen Thorsten Latzel (50) an Kyll, Erft, Inde, Ahr und Wupper gesprochen hat, als Themen hatten. Die Betroffenen brauchen Hoffnung und Perspektive. „Wir werden dafür sorgen, dass es eine nachgehende Seelsorge gibt“, kündigte der Präses an. Kirche und Diakonie blieben gemeinsam im Schmerz bei den Menschen. Neben der Seelsorge bereiteten die Verantwortlichen derzeit auch Beratung und Hilfe vor Ort in den Regionen zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen vor. Das entsprechende Projekt werde zeitnah öffentlich vorgestellt.

Video-Zusammenfassung und ausführlicher Reisebericht

Einen ausführlichen Reisebericht gibt es hier zum Weiterlesen. Zum Anschauen und Anhören gibt es im Youtube-Kanal der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Video von der Dreitagestour.

Zur Person: Präses Dr. Thorsten Latzel

Thorsten Latzel (50) ist seit 20. März Präses. Seit 2013 war er Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Im EKD-Kirchenamt war er für Studien- und Planungsfragen und das Projektbüro Reformprozess zuständig (2005 bis 2012). Zuvor arbeitete Latzel als Pfarrer in Erlensee-Langendiebach. Aufgewachsen in Bad Laasphe, studierte er Theologie in Marburg und Heidelberg. Dr. Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Text: Jens Peter Iven/APK
Foto(s): Jens Peter Iven/ekir.de/APK

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Gemeinde Bickendorf bietet Taufe zu Hause oder im Park an

Die Evangelische Kirchengemeinde Bickendorf bietet seit dem Frühjahr die Taufe zu Hause oder an besonderen Orten an. Das Angebot wurde bisher gut angenommen, sagt Pfarrer Nico Ballmann: „Zum Beispiel hatte ich schon eine Taufe in einem Schrebergarten. Die Familie hatte einen Pavillon aufgebaut und sie haben sich sehr gut überlegt, was auf dem Altar steht, zum Beispiel Blumen, Taufkerzen und eine Taufschale – und überall waren Rosen verteilt. Demnächst habe ich beispielsweise eine Taufe in einem Park.“

„Die Taufe hat innerhalb der Geschichte immer wieder Wandlungen erfahren“, sagt Pfarrer Nico Ballmann. „ln der Bibel begegnet uns die Taufe als Bußzeichen, als Bekehrungshandlung. Der Mensch bekennt sich zu Gott und wird getauft. Erstaunlich: Jesus selbst tauft nie, sondern er wird getauft, von Johannes im Jordan.“

Taufe von Säuglingen

Die Taufe ist eines der beiden Sakramente im Protestantismus. Anders als im Katholizismus, in dem es sieben Sakramente gibt, haben Martin Luther und mit ihm die Reformatoren und Reformatorinnen sich darauf geeinigt, lediglich Abendmahl und Taufe als Sakramente zu bezeichnen. Eigentlich hätte Luther auch gerne die Buße als Sakrament gehabt, aber dazu fehlte ihm das sichtbare Zeichen. Die Taufe als Bekehrungsereignis, als Bußpraxis, hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Aus dem Weg eines Katecheten (Taufanwärters) und seinem Bekenntnis des Glaubens hat sich die Taufe von Säuglingen entwickelt.

Nicht mehr der Mensch entscheidet sich aktiv für Gott, sondern die Heilshandlung Gottes wird symbolisch an einem Kind vollzogen, dabei trägt der Glaube der Gemeinde die Taufe. Die ‚katechetische‘ Vorbereitungszeit ist ins Jugendalter verschoben worden, im Katholizismus zur Firmung, später im Protestantismus zur Konfirmation, zur Bestätigung der Taufe. Während zu Zeiten Jesu noch in Flüssen getauft wurde, verlagerte sich die Taufe in der Urkirche mehr und mehr ins Zentrum des Gottesdienstes, von dort wiederum zu Tauffeiern. Heute befindet sich der Ort der Taufe hauptsächlich sonntags im Gemeindegottesdienst in der Kirche.

„Gute Erfahrungen gemacht“

„So wie sich die Taufe entwickelt und immer wieder verändert hat, so hat sich auch unsere Gesellschaft verändert“, sagt Pfarrer Nico Ballmann. „Heute ist es mehr und mehr wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzugehen und damit nicht nur Wertschätzung für Glaubenspraxis und Spiritualität auszudrücken, sondern auch diesen besonderen Tag im Leben eines Menschen und als Feier innerhalb der Familie zu würdigen.“

Nico Ballmann berichtet über die Idee, Taufe an Orten außerhalb der Kirche stattfinden zu lassen: „Kolleginnen und Kollegen aus anderen Landeskirchen haben es schon probiert und wunderbare Erfahrungen gemacht, und deshalb freuen wir uns, dass das Presbyterium entschieden hat, den Ort der Taufe nun nicht mehr allein auf den Kirchraum und den sonntäglichen Gottesdienst zu begrenzen, sondern zu öffnen für Taufen im eigenen Garten, im Park oder an besonderen Orten.“

Individuellere Gestaltung von Taufe

Diese neue Praxis führt zu einer individuelleren Gestaltung von Taufe, aber vor allem auch zu einer anderen Betrachtung. Fragen, die in die Tiefe führen und für die im Taufgespräch Zeit sein wird, sind beispielsweise: Wie soll der Altar aussehen? Was müsste in den Garten, Park kommen, damit wir Gottesdienst gemeinsam feiern können? Wie sieht es mit Musik aus? Welches Wasser benutzen wir, und warum ist uns dieses Zeichen so wichtig?

„Wir sind uns sicher, dass durch die neuen Möglichkeiten viele wunderbare Gespräche und vor allem Tauffeiern zustanden kommen werden und die Taufe zeitgemäß und individuell gefeiert werden kann“, freut sich Pfarrer Nico Ballmann.

Weitere Informationen und Kontakt:

www.gemeinde-bickendorf.de

 

Text: APK
Foto(s): APK

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„Wir sind bunt, wir sind transkulturell“: Video #LeaveNoOneBehind thematisiert Migration

Der Arbeitskreis Migration im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region hat kurz vor der Bundestagswahl ein Video produziert, in dem verschiedene Menschen aus Köln zu Wort kommen. Dem Arbeitskreis gehören Vertreter und Vertreterinnen unterschiedlicher Gemeinden und Einrichtungen der evangelischen Kirche in Köln und Region an, die sich auf verschiedene Art und Weise mit den Themen Migration, Integration und Transkultur beschäftigen und in vielerlei Hinsicht in diesen Themenfeldern aktiv sind. Gesellschaftspolitisches Engagement gehört zum Wesen der evangelischen Kirche. Wir sind Teil einer gesellschaftlichen und politischen Kultur, die eine bunte, diverse und solidarische Gesellschaft mitgestaltet.

Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen bereichern. „Wenn meine Kultur und die Kultur, die jemand anders mitbringt, sich begegnen, dann entsteht etwas Neues. Das ist der Gedanke von Transkultur“, sagt Miriam Haseleu, Sprecherin des Arbeitskreises und Pfarrerin in Köln-Nippes.

„Wir haben Platz“

Aus der evangelischen Grundüberzeugung, dass alle Menschen gleich an Rechten und Würde sind und jedes Menschenleben zählt, entsteht auch der Einsatz für alle, die aus ihrer Heimat flüchten müssen, die dort nicht sicher sind und denen ein sicheres und menschenwürdiges Leben zu oft verwehrt bleibt. „Leave no one behind“ und „Wir haben Platz“ sind wichtige Statements, die der Arbeitskreis Migration und viele Akteure und Akteurinnen der evangelischen Kirche in Köln und Region mit anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen teilen. Konkret wird dieser Einsatz z.B. im Kirchenasyl, von dem im Film auch erzählt wird, in transkulturellen Begegnungsprojekten wie dem WiNHaus International in Köln-Nippes und in der beratenden und politischen Unterstützung von Geflüchteten z.B. durch die Diakonie und den Kölner Flüchtlingsrat e.V., dessen Geschäftsführer Claus-Ulrich Prölß im Video auch zu Wort kommt. Momentan besonders aktuell ist der Einsatz für die Menschen, die in Afghanistan in höchster Gefahr sind. „Wir brauchen ein Aufnahmeprogramm“, fordert Prölß.

„Migration gehört seit über 2000 Jahren zur Kölner DNA“

Die Stimmen im Video sind vielfältig: Beispielsweise sagt Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration und Pfarrerin: „Eigentlich hat sich gezeigt, dass sich das Kirchenasyl in jedem Fall immer gelohnt hat. Die Menschen sind heute alle in Berufen oder haben eine Familie gegründet und sind hier gut angekommen.“ Die Oberbürgermeisterin Stadt Köln, Henriette Reker, meint: „Migration gehört seit über 2000 Jahren zur Kölner DNA.“ Die Sozialarbeiterin Helene Batemona-Abeke berichtet von den rassistischen Erfahrungen, die sie immer wieder machen muss, und betont die gemeinsame Verantwortung, Alltagsrassismus zu überwinden. Und Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International berichtet: „Zum Thema Demokratie habe ich sehr viel gelernt.“

#LeaveNoOneBehind – einen Eindruck davon, wie die evangelische Kirche in Köln und Region sich an vielen Stellen für diesen Grundsatz einbringt, und wie bunt und divers sie selbst ist, gibt es im Video.

Haben Sie Interesse an weiteren Videos? Abonnieren Sie unseren Videokanal auf YouTube: www.youtube.com/kirchekoeln

Der gesamte Text zum Nachlesen:

Zum Thema Demokratie habe ich sehr viel gelernt. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Da haben wir jetzt seit Jahren immer eine Person im Kirchenasyl. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Ja, alle Institutionen, es ist eine Aufgabe für jeden Mensch, sich auseinanderzusetzen mit diesem schrecklichen Thema. – Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin Pamoja Afrika e.V. Köln

Was wir derzeit unbedingt brauchen in Deutschland, sind Aufnahmeprogramme für Fliehende und Geflüchtete. – Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat

In der evangelischen Kirche geht es um Gemeinschaft und in dieser Gemeinschaft ist jeder willkommen, so wie er/sie ist – mit allen Besonderheiten. Und das schließt natürlich auch alle Menschen aller Kulturen ein. – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Ganz am Anfang war ich irgendwie eintönig und da habe ich gedacht, was habe ich gedacht, was machen sie dann, wieso brauchen wir sie lange, um eine Entscheidung zu treffen und was diskutieren sie immer wieder und ich dachte: Oh Gott, ja, mach einfach das. Da habe ich ganz am Ende verstanden, das ist die Demokratie. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Wer Fortschritt und eine globale Wirtschaft befürwortet, der braucht auch Migration. Migration gehört seit über 2000 Jahren zur Kölner DNA. – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Stadt Köln

So haben wir jetzt seit Jahren immer eine Person im Kirchenasyl, meistens ist das für ein halbes Jahr oder dreiviertel Jahr – je nachdem. Wir haben dort Platz geschaffen, weil uns das wichtiger schien, dass ein Mensch Platz hat, als dass der Pfarrer sich sonntags in Ruhe umziehen kann. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Ich komme aus Eritrea und ich bin nach Deutschland von Eritrea in den Sudan von Sudan über die Wüste nach Libyen von Libyen über Mittelmeer nach Europa erreicht. – Haben Yohans, Geflüchteter / fand Schutz im Kirchenasyl

Jetzt, wo die Evakuierungsaktion der Bundeswehr zu Ende ist, sind viele Menschen in Not in Afghanistan verfolgt. Viele sind untergetaucht und wissen nicht mehr weiter. – Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat

Alltagsrassismus – für mich bedeutet das, wenn man auch mit Rassismus konfrontiert wird. Beispiel: Man steigt in die Bahn, sitzt, und zack wird man gefragt: Wo kommst du her, wo gehst du hin, wie fühlst du dich in Deutschland oder du bist super gut integriert, du hast eine Fahrkarte gekauft. – Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin Pamoja Afrika e.V. Köln

Menschen bewegen sich nicht nur innerhalb ihrer Herkunftstaaten, sie tun dies aus den unterschiedlichsten Gründen. Entweder leben sie für eine ganze Zeit oder auf Dauer in anderen Ländern – manchmal geplant und auch viel zu oft schicksalsgetrieben. – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Stadt Köln

Und die Idee von der Transkultur ist, das wenn ich jemandem begegnen, der aus einer anderen Kultur kommt, der eine andere Kultur mitbringt als ich, entsteht etwas Neues und dieses Neue, das interessiert mich. – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Und wenn ich jetzt in den Irak gehen würde, denke ich, sie kennen dieses Wort Demokratie und es gibt Demokratie und demokratische Regierung, aber das stimmt nicht. Was ich hier gelernt habe, es ist ganz anders. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Eigentlich hat sich gezeigt, dass sich das Kirchenasyl in jedem Fall immer gelohnt hat. Die Menschen sind heute alle in Berufen oder haben eine Familie gegründet und sind hier gut angekommen. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Wir sind mehr als das, was man vielleicht manchmal von evangelischer Kirche denkt: Wir sind bunt, wir sind transkulturell. – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Ich mache jetzt momentan eine Ausbildung bei den Ford-Werken als Metalltechniker und ich bin fast fünf Jahre in Deutschland. In Deutschland fühle ich mich gut, ich habe auch hier eine Familie gefunden, die mich auf meinem Weg begleitet. – Haben Yohans, Geflüchteter / fand Schutz im Kirchenasyl

Eine Metropole wie Köln profitiert seit Jahrhunderten davon, dass Menschen zuziehen, dadurch entsteht eine vielfältige Gesellschaft. Das ist eine große Chance für die Stadt und kein reines Migrationsthema. In jedem Fall gilt, wir alle müssen aufmerksam und wehrhaft bleiben und jeder Form von Diskriminierung und Ausgrenzung eine klare Absage erteilen. – Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Stadt Köln

Deswegen brauchen wir ein Aufnahmeprogramm, um diese Menschen unbürokratisch und schnell nach Deutschland zu holen und sie zu retten. – Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat

Es gibt sehr viele Sachen, die mich überraschen, dass die hier in Deutschland gerade laufen und die Deutschen auf der anderen Seite, die werden wir auch überrascht, was sie von mir hören. – Mowaffaq Abdulmati, Arabischlehrer und Mitorganisator WiNHaus International

Es ist die Zeit gekommen, wo man auch die andere Beziehung der Geschichte erfährt und auch, wie gesagt, die Aufarbeitung des Kolonialismus, weil das führt auch zu Rassismus. – Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin Pamoja Afrika e.V. Köln

Was ich aber noch auch von einem besonders gelernt habe, war Gastfreundschaft. Derjenige kam jedes Mal, wenn ich in die Kirche komme: Dann sagt er, komm setz dich und bot mir eine Tasse Kamillentee und eine halbe Banane an. Mit einem Mal war er der Gastgeber und ich habe verstanden, dass das eine innere Haltung ist. Ganz egal, wo man hin gespült wird, kann man sich die bewahren und dieser Mensch hatte sehr viel Würde und davon habe ich vielleicht am meisten mitgenommen. – Reinhild Widdig, Mitglied des Runden Tisches für Integration / Pfarrerin

Wir tragen Verantwortung für unser Miteinander, für unsere Gemeinschaft und so ist evangelische Kirche auch immer politisch – und zwar nicht im spaltenden oder parteipolitischen Sinne, sondern im Sinne der Gemeinschaft: #LeaveNoOneBehind – Miriam Haseleu, Sprecherin des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen / Pfarrerin

Text: APK
Foto(s): APK

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Amtseinführung von Pfarrer Samuel Dörr: Innerlich frei, doch mit Gott verbunden

Die Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Bensberg kennen ihren neuen Pfarrer mittlerweile schon recht gut. Samuel Dörr füllt seit Anfang Mai die 1. Pfarrstelle mit Leben und Ideen und wurde mit einem Openair-Gottesdienst am Herkenrather Gemeindehaus im Frühsommer willkommen geheißen.

Doch wie es gerade eben ist, wirbelte auch hier die Corona-Pandemie Zeit- und Ortspläne durcheinander, so dass der offizielle Festgottesdienst zur Einführung mit Superintendentin Andrea Vogel nun im September in der beeindruckenden Zeltkirche in Kippekausen stattfand.

Der Kirchenraum mit seiner luftigen Weite und ungewöhnlichen Architektur inspirierte die Superintendentin in ihrer Begrüßung zu einem Vergleich: „Wir sollten Räume wahrnehmen und öffnen. Das wünsche ich auch Pfarrer Dörr. Er soll gemeinsam mit den Menschen in seiner Gemeinde neue Räume gestalten, denn das ist eine riesige Chance.“ Die Gemeinde dürfe und solle darauf neugierig sein, wie der Theologe sein Amt nun gestalte, welche Ideen er entwickele. „Innerlich frei und mit Gott verbunden“, so der Kerngedanke der Superintendentin.

„Sei mutig und stark, Gott wird Kraft geben“

Der Spruch aus Josua 1,9, den Samuel Dörr sich ausgewünscht hatte, ergänzte diese Gedanken durch die Zusage „Sei mutig und stark, Gott wird Kraft geben“. Pfarrer Dörr ging in seiner Predigt auf diese Wahl des Bibelspruchs ein. „Josua sollte Mose nachfolgen. Er trat in beeindruckende Fußstapfen. Ein großes Gefühl, doch Gott ist bei ihm.“ So ähnlich sei es bei ihm. Er sei in die Fußstapfen seines Vorgängers, Pfarrer Wolfgang Graf, getreten und sei nun dabei, eigene Spuren zu hinterlassen. Wie gut und praktisch Gotthelfe, verdeutlichte Pfarrer Dörr an seinem Hobby, dem Wandern, gerne in Schweden oder Norwegen. „Man überprüft beim Wandern immer den Boden, um zu sehen, ob es ein guter Grund für das Zelt ist, ob die Stelle windgeschützt liegt.“ Gott sei der Fels, der vor den Stürmen des Lebens schützt, so der Pfarrer. Gott ist derjenige, der immer weiß, wo der Mensch gerade steht – hier zog der Theologe die Analogie zur Wanderkarte. Und schließlich der Regenschutz. Wer bei Gott ist, der hat immer jemanden, der auf ihn achtet und Geborgenheit gibt.

Geborgenheit, Kraft und den festen Grund im Glauben

Diese Geborgenheit, Kraft und den festen Grund im Glauben wünschten ihm auch die Gemeindeglieder nach dem Votum in ihren Segenswünschen. Das Willkommen in der Gemeinde wurde erneuert und ergänzt: „Wir freuen uns auf dich mit ganzem Herzen. Deine neuen Ideen durften wir schon erleben und spüren.“

Zu diesen Ideen gehört ein Jugendtreff, der ab jetzt immer am frühen Freitagabend stattfindet. Ergänzt wird dieser Treff, der der Freizeitgestaltung und dem Austausch der jungen Leute untereinander gilt, durch ein Filmstudio, das Samuel Dörr mit den Jugendlichen aufbauen und nutzen möchte. Auch eine Ferienfreizeit in Norwegen – mit einer Wanderung natürlich – ist für 2022 geplant. „Ich möchte heraushören, was die Jugendlichen möchten und darauf eingehen“, kündigt der Pfarrer an.

„Kennenlernen-to-go“

Mit Bewegung hat ebenfalls ein weiteres Angebot zu tun, das Pfarrer Dörr dabei half, seine Gemeinde auch während der Pandemie kennenzulernen. Das „Kennenlernen-to-go“, also Spaziergänge durch Bensberg und die nähere Umgebung mit einzelnen Gemeindegliedern, führte zu Möglichkeiten des intensiven Austauschens. „Aktuell wird diese Möglichkeit nicht mehr so intensiv genutzt, doch dieses Angebot wird es weiterhin geben“, sagt Samuel Dörr, der sich in seiner neuen Gemeinde schon vollkommen zuhause fühlt.

Text: Katja Pohl/APK
Foto(s): Matthias Pohl

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Unsere Wochentipps: Jüdische Stummfilmnacht, Lesung „Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer“ und Gebet der Religionen

Unsere Wochentipps gehen diesmal vom Jubiläumskonzert des MenschenSinfonieOrchesters über die Jüdische Stummfilmnacht mit Live-Musik bis hin zur „Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer“-Lesung mit der Herausgeberin Jutta Koslowski und der Stadtteilführung „Stolpersteine“ – und reichen über das Abschlusskonzert des Kölner Kirchenmusikfestivals hin zum Gebet der Religionen am Weltfriedenstag – die Tipps in der Übersicht:

16.09.2021, 20:00
Evangelische Gemeinde Köln
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt
20 Jahre MenschenSinfonieOrchester
Jubiläumskonzert in der Lutherkirche: Pfarrer Hans Mörtter moderiert am Donnerstag, 16. September, 20 Uhr, in der Lutherkirche Südstadt, Martin-Luther-Platz 2-4, das Jubiläumskonzert des MenschenSinfonieOrchesters. Seit 20 Jahren treten die Musikerinnen und Musiker verschiedener Herkunft unter der Leitung von Alessandro Palmitessa auf. Als besondere Gäste werden an diesem Abend auch die Musiker Richard Bargel und Klaus der Geiger zu hören sein. Der Eintritt ist frei. Platzreservierungen erfolgen per E-Mail an suedstadt.leben@koeln.de.

www.menschensinfonieorchester.info

17.09.2021, 20:00
Evangelische Gemeinde Köln
AntoniterCityKirche, Schildergasse 57, 50667 Köln
11. Kirchenmusikfestival Köln
Jüdische Stummfilmnacht mit Live-Musik: Am Freitag, 17. September, 20 Uhr, Antoniterkirche, Schildergasse 57. Gezeigt werden die Filme „Der Golem – Wie er in die Welt kam“ aus dem Jahr 1920 und „Das alte Gesetz“ jeweils mit Live-Musik und einer Einführung ins Thema. Lea Wohl von Haselberg: spricht über „Eine Frage der Perspektive. Der Golem und andere jüdische Figuren im Weimarer Kino“. Die Filmvorführung mit einer neuen Musikfassung von Regionalkantor Wilfried Kaets für Orgel (Samuel Dobernecker) und Liveelektronik (Joel Jaffe) beginnt um 20.30 Uhr. Der Stummfilm “Das alte Gesetz“ aus dem Jahr 1923 wird im Anschluss 22.30 Uhr, gezeigt. Er wird ebenfalls von Live-Musik in einer neuen Musikfassung für Orgel, Schlagwerk und Gesank von Wilfried Kaets begleitet. Ausführende sind Aron Proujanski (Gesang), Norbert Krämer (Schlagwerk) sowie Wilfried Kaets (Orgel). Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf online unter www.antonitercitykirche.de

https://festival2021.kirchenmusik-koeln.de/

19.09.2021, 14:30
Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein
Friedenskirche, Wallstraße 70, 51063 Köln
Stadtteilführung „Stolpersteine“
Erinnerung an jüdisches Leben in Mülheim von 321 bis heute: Die Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein lädt am Sonntag, 19. September, 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr, zu einer Stadtteilführung zu den „Stolpersteinen“ des Künstlers Gunther Demning ein. Im Kölner Stadtteil Mülheim sind über 45 der „Stolpersteine“ vor Häusern verlegt, in denen bis zu ihrer Deportation Juden gelebt haben. Pfarrer i.R. Dietrich Grütjen sucht einige von ihnen auf und erzählt über jüdisches Leben im Stadtteil vom Jahr 321 bis heute. Die Teilnehmenden treffen sich an der Friedenskirche, Wallstraße 70. Um Anmeldung per E-Mail an dietrich.gruetjen@gmx.de wird gebeten.

www.kirche-koeln-muelheim.de

19.09.2021, 17:00
Evangelische Kirchengemeinde Pulheim
Gnadenkirche, Gustav-Heinemann-Straße 28c, 50259 Pulheim
„Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer“
Lesung mit der Herausgeberin Jutta Koslowski: Mehr als siebzig Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Dietrich Bonhoeffer hat seine jüngste Schwester Susanne Dreß ihre Lebenserinnerungen aufgezeichnet: Von der Kindheit im Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg und die Räterepublik bis zum Nazi-Regime und die Zeit des Wiederaufbaus reicht ihre Biografie und spiegelt die enormen Wandlungen wider, welche sich in diesem Zeitraum vollzogen haben. Jutta Koslowski als Herausgeberin des Buches liest am Sonntag, 19. September, 17 bis 19 Uhr, in der Evangelischen Gnadenkirche Pulheim, Gustav-Heinemann-Straße 28, aus dem Buch vor und kommt mit den Teilnehmenden ins Gespräch. Pfarrerin Sabine Petzke aus Pulheim und Pfarrerin Siegrid Geiger aus Köln-Pesch moderieren die Veranstaltung. Eine Anmeldung per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich. Der Eintritt ist frei.

www.melanchthon-akademie.de

19.09.2021, 18:00
Trinitatiskirche
Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln
Abschlusskonzert des Kölner Kirchenmusikfestivals
„Laudes Organi“ – Chor- und Orgelmusik: Zum Abschluss des Kirchenmusikfestivals Köln laden die evangelische und die katholische Kirche in Köln zu einem Konzert in die Trinitatiskirche, Filzengraben 4, ein. Am Sonntag, 19. September, 18 Uhr bis 19.30 Uhr, erklingt unter dem Titel „Laudes Organi“ Chor- und Orgelmusik von Zoltán Kodály, Felix Mendelssohn, Louis Lewandowski, Petr Eben und Charles Villiers Standford zum Jahr der Orgel und zum Jubiläum 1700 Jahre jüdisches Leben in Köln. Ausführende sind der reger chor köln, Lorraine Pudelko (Sopran) sowie Iris Rieg und Wolf-Rüdiger Spieler (beide Orgel). Der Eintritt kostet 10 Euro.

www.trinitatiskirche-koeln.de

21.09.2021, 18:00
Evangelisch Leben in Köln und Region
Gebet der Religionen am Weltfriedenstag
„15 Jahre Kölner Friedensverpflichtung“: Zu Gebet, Gesprächen und Begegnung am Weltfriedenstag, Dienstag, 21. September, 18 Uhr, lädt der Kölner Rat der Religionen ein. Im Garten der Religionen, Stolzestraße 1a, gedenken Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften der Kölner Friedensverpflichtung, die vor 15 Jahren unterschrieben wurde. Darin heißt es: „Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen“. Die Synagogen Gemeinde, das Katholische Stadtdekanat, der Katholikenausschuss, der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, die Türkisch-islamische Union, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie der damalige Oberbürgermeister gehörten damals zu den Unterzeichnenden. Die Veranstaltung findet unter freiem Himmel statt. Es gilt die dann aktuelle Coronaschutz-Verordnung.

Text: APK
Foto(s): APK

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Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld weiht neues Gemeindezentrum ein

Die evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld hat mit dem Fliedestedenhaus und Benderstift ihr neues Gemeindezentrum eingeweiht. „Heute ist ein besonderer Tag, ein wirklicher Freudentag“, begrüßte Pfarrer Uwe Zimmermann im lichtdurchfluteten großen Saal des neuen Fliestedenhauses/Benderstiftes die Festgäste. „Es geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung“, so der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde. Schon im vorangegangenen Gottesdienst in der nahen Clarenbachkirche hatte die Gemeinde Gott gedankt. Nun vollzog sie bei angemessen sommerlichen Temperaturen und mit musikalischen Beiträgen feierlich, bisweilen entspannt-humorig die Einweihung ihres „gemeinsam mit dem gemeinnützigen Sozialwerk der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde“ errichteten Neubaus.

Dieser trägt den Namen Fliestedenhaus und Benderstift. Im Erdgeschoss befinden sich die modernen Gemeinderäume für verschiedene Nutzungen. Dort sind ein Treff- und Begegnungsort für Jung und Alt entstanden sowie das Gemeindebüro eingerichtet. In den drei Obergeschossen des Benderstifts liegen 17 seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen für betreutes Wohnen. Sie werden wie die zusätzlich neu angebotene Tagespflege im Erdgeschoss vom Sozialwerk verwaltet.

„Eine Bereicherung für den Stadtteil“

Bereits 2012 habe man mit dem Investor des Clarenbach-Platzes über ein neues Gemeindehaus und Seniorenheim nachgedacht, erinnerte Uwe Zimmermann. 2015 habe sich die Gemeinde entschieden, auf eigenem Grund ein neues Haus zu bauen, weil das alte Benderstift nicht mehr wirtschaftlich habe betrieben werden können. Die Umsetzung sei durch die Architekten Firma Maier + Hollenbeck erfolgt, „die als Generalplaner für die Gemeinde tätig waren“. Im Oktober 2019 startete der Rohbau. Auf das Richtfest habe man aufgrund der Pandemie verzichtet. Uwe Zimmermann dankte im Namen des Bauherrn allen, die sich für das Projekt eingesetzt haben. „Das Ergebnis all ihrer Bemühungen kann sich nicht nur sehen, sondern vorzeigen lassen.“ Das freundlich-helle Gebäude sei schön anzusehen, laute das Urteil von Nachbarn. „Tatsächlich ist es eine Bereicherung für den Stadtteil.“

„Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört“

„Die Kirchengemeinde hat endlich ein Gemeindehaus, das Raum für vielfältige Aktivitäten bietet.“ Es bietet Veranstaltungs- und Besprechungsräume, Räume für Kinder- und Jugendliche, Küchen und eine Kleiderkammer. „Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört“, formulierte Uwe Zimmermann. „Das Haus zu bauen haben wir geschafft. Dieses mit Leben zu füllen, wird eure Aufgabe sein“, wandte er sich an die Gemeindeglieder.

Die Einweihung sei für ihn ein ergreifender Moment, gestand Architekt Felix Rindt vom Generalplaner Maier + Hollenbeck. Nach Umbau und Sanierung des Clarenbachstifts habe man hier neu gebaut. Trotz Pandemie und unter teils schwierigen Witterungsbedingungen sei man knapp im Zeitplan geblieben. Fast eingehalten habe man auch den Kostenrahmen. Insgesamt belaufen sich die Projektkosten auf circa 7,3 Millionen Euro. Seinen besonderen Dank richtete Rindt an die Gemeinde und das Sozialwerk für die vertrauensvolle und immer zielführende Zusammenarbeit. Sein Dank ging ebenfalls an die nachsichtigen Anlieger, die Lärm und Staub hätten ertragen müssen. Der Neubau bedeute eine „Aufwertung für das gesamte Veedel“, so Rindt. Das bestätigten auch sehr positive Rückmeldungen aus der Nachbarschaft. Zur Feier brachte er zwei Dinge mit. Den Entwurf der Grundsteinplatte, die an der Saalwand die Nische mit der am Reformationstag 2019 befüllten Zeitkapsel schließt. Und zweitens den Gebäudeschlüssel. Dieser war ob seiner Größe leicht als symbolisch zu identifizieren. Ihn überreichte Rindt Pfarrer Uwe Zimmermann und Irina Helmert, Geschäftsführerin des Sozialwerks der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde.

Pfarrer Markus Zimmermann nahm in zwei Funktionen an der Einweihung teil – als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord und Aufsichtsratsvorsitzender des Sozialwerks der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde. „Köln ist immer für eine Schlagzeile gut, auch bundesweit. Das hat auch mit Ihnen zu tun“, wandte der dankbar mitfeiernde und sich mitfreuende Superintendent an die Gemeinde. Die Erklärung kam prompt. Bei den heute alle drei bis vier Jahre in wechselnden Städten stattfindenden Evangelischen Kirchbautagen der EKD schauten die Teilnehmenden, „wie das geht in einer Stadt, dass Kirche lebendig ist“. Dass Kirche nicht nur lebe, sondern innovativ sei. Deshalb werde der Kirchbautag im nächsten Jahr in Köln ausgerichtet. Vom 8. bis 13. September 2022 laute das Motto „Mut baut Zukunft“. „Was sie errichtet haben, zeigt, dass sie mutig sind, ein Zeichen setzen wollen“, dankte er der Gemeinde und Architekten. „Wir reißen nicht nur ab, wir bauen auch neu!“ Und dieser transparente, einladende Bau, in den die Menschen hineinschauen könnten, zeige: „Kirche ist mitten in der Welt.“ Markus Zimmermann wünschte, „dass dieses Haus ein Segen ist. Dass Menschen einen positiven Eindruck von Kirche und Gemeinde bekommen.“

„Gott segne dieses Haus“

Herzlichen Glückwunsch sagte er auch als Aufsichtsratsvorsitzender. „Es ist das Fliestedenhaus und es ist das Benderhaus“, erinnerte Zimmermann daran, dass einst die zwei Schwestern Bender ihr Vermögen gestiftet haben, damit Wohnraum für ältere Menschen geschaffen werden kann. „Es ist jetzt das neue Benderhaus mit Wohn- und Lebensraum für ältere Menschen. Und es sei „ein wunderbares Gemeinschaftswerk. Was wollen wir mehr?!“ Im Gottesdienst hätten wir bereits gehört, dass wir alle lebendige Steine seien und versuchten die Botschaft Jesu weiterzutragen. „Wir sind diejenigen, die auch den Mut haben, Anstoß zu sein und Anstoß zu geben“, schloss Markus Zimmermann mit den Worten: „Gott segne dieses Haus.“

„Nach der umfangreichen Sanierung des Clarenbachstifts konnten wir hier nun neu bauen“, freute sich ebenfalls Irina Helmert, Geschäftsführerin des Sozialwerks. Sie schilderte, dass es wie immer auf den letzten Metern „ein bisschen brenzlig“ geworden sei, jedoch alles geklappt habe. Sie informierte, was für das Sozialwerk entstanden ist. „17 wunderschöne Wohnungen, gut geschnitten, zwischen 40 und 70 qm groß.“ Überraschend wie erfreulich sei es, dass „wir es geschafft haben, noch vor der Fertigstellung alle Wohnungen zu vermieten“. Der jüngste Bewohner zähle 81 Jahre, der älteste 95, das Durchschnittsalter betrage 87. In der nun zusätzlich angebotenen Tagespflege könnten 14 Gäste aufgenommen werden. „In Coronazeiten sind es maximal acht.“ Vermietet seien ebenso alle 16 Stellplätze in der Tiefgarage. „Alles in allem ist es ein wunderschönes Haus geworden“, so Helmert. Ihr Dank galt dem Aufsichtsrat des Sozialwerks für die Unterstützung und Beratung, das Vertrauen und den Mut, „dass wir die Investition tätigen konnten“. Weiter dankte sie der Clarenbach-Kirchengemeinde und den Architekten.

Bevor zu Imbiss und Umtrunk sowie zur Besichtigung der Gemeinderäume und Tagespflege eingeladen wurde, wandte sich Dr. Michael Weidemann an die Festgäste. Der Baukirchmeister überreichte ein gut verpacktes Geschenk an Uwe Zimmermann. Denn „aus seiner Idee ist das Projekt eigentlich gewachsen“, würdigte Weidemann. „Er hat uns intensiv begleitet, die Bauarbeiten intensiv vorangetrieben.“ Der Baukirchmeister verdeutlichte schließlich, wie stark das Gemeinde-Prinzip der Offenheit, Durchsichtigkeit und Transparenz sich am Gemeindehaus ablesen lasse. Man könne durch die gläserne Straßenfront hineinschauen, wie man auch durch das teilverglaste Portal in die Clarenbachkirche schauen könne.

Text: Engelbert Broich/APK
Foto(s): Engelbert Broich/APK

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„Köln zeigt Haltung“ – Aufnehmen, Hierbleiben, Solidarität

„Weg frei! Für eine sofortige Aufnahme Flüchtender“ – mit dieser Forderung an die politischen Parteien im Bundestagswahlkampf hat „Köln zeigt Haltung“ zu einem Konzert mit Kundgebung am Sonntag, 12. September, geladen.  Im Mittelpunkt steht die Aufforderung an den neuen Deutschen Bundestag, seine Flüchtlingspolitik zu überarbeiten und konkreter an Innenminister Horst Seehofer den sogenannten „Sicheren Häfen“ zu erlauben, mehr Geflüchtete aufzunehmen.

Hinter der Veranstaltung „Köln zeigt Haltung“ stehen der Kölner Flüchtlingsrat e.V., Kölner Runder Tisch für Integration, Katholikenausschuss Köln, Lutherkirche, Wir haben Platz und viele mehr.

Zusammen mit Çiler Fırtına, Verein El-De-Haus e.V. moderiert Südstadtpfarrer Hans Mörtter an der Südbrücke. Bei „Köln zeigt Haltung“ handelt es sich um ein stadtweites Bündnis. Seit 2019 ist Köln eine von 267 Städten, die sich als „Sichere Häfen“ erklärt haben. „Sie wollen aufnehmen, aber sie dürfen nicht aufnehmen“, erklärt Mörtter „und das muss sich ändern.“ Mörtter fordert einen Paradigmenwechsel, der mit der Bundestagswahl in zwei Wochen beginnen soll.

Kölner Flüchtlingsrat, ver.di und Kölner Willkommensinitiative

Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats

„Seit Jahren blockiert das Bundesinnenministerium solche Programme durch die Bundesländer Menschen in höchster Not aus Krisengebieten oder von den EU-Grenzen bei sich aufzunehmen und ihnen Schutz geben zu wollen. Die monatelange Blockade einer schnellen und umfassenden Aufnahme von Ortskräften und Schutzsuchenden aus Afghanistan dokumentiert eine von Abwehr und Angst geleitete Politik, die Menschenleben kostet“, kritisiert Claus Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats.

„Unsere bei der Deutschen Welle, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bundeswehr beschäftigten Mitglieder und ihre Personalräte fürchten um das Leben ihrer afghanischen Kolleginnen und Kollegen. Sie haben die Arbeit deutscher Institutionen und Medien erst möglich gemacht. Wir alle haben kein Verständnis für die Kälte und Menschenverachtung deutscher Sicherheitsbehörden, die diese Menschen im Stich lassen“, sagt Heidrun Abel, Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di im Bezirk Köln-Bonn-Leverkusen.

„Wir wollen alle, die Schutz brauchen, aufnehmen, denn es ist genug Platz da. Das gilt für die Flüchtenden auf den griechischen Inseln, an den Grenzen der EU in Bosnien und derjenigen, die aus Afrika kommen und dringend vor dem Ertrinken bewahrt werden müssen“, bekräftigt Marianne Arndt von den Kölner Willkommensinitiativen.

„Das Gebot der Nächstenliebe gilt immer und allen Umständen.“

Gregor Stiels und Bernhard Seiger fanden deutliche Worte

Auch Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen waren Teil der Kundgebung und hatten eine klare Botschaft. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wir stehen hier in ökumenischer Verbundenheit, weil wir in unseren Kirchen eine gemeinsame Haltung haben“, so Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, und weiter: „Die Würde jedes Menschen ist der Grundton unserer Lebenshaltung. Wir erleben eine verrückte Zeit, in der vieles unsicher geworden ist: Coronakrise, Flutkrise, Klimakrise, die menschliche Tragödie in Afghanistan. Das sind alles schwierige Themen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Aber in allem, was schwierig ist, muss unser Kompass stimmen. Als Christen schätzen wir das Gebot der Nächstenliebe. Es gilt immer und unter allen Umständen. Alles, was wir mit Verstand und Herz tun, muss sich an diesem Gebot messen lassen.“

Seiger begrüßt diese Kundgebung, weil sie „aufrüttelt und spüren lässt, welches Leid Menschen erleben, die sich zur Flucht entschließen und auf den Fluchtrouten nicht weiterkommen.“ Besorgt äußert er sich mit Blick auf die EU-Außengrenzen, die Lage in den Flüchtlingslagern und die Lebensgefahr auf hoher See. „Die Schaffung von humanitären Bedingungen in den Flüchtlingslagern und die Seenotrettung ist eine humanitäre Pflicht Europas und aller seiner Mitgliedsstaaten. Ob geflüchtete Menschen dann einen Asylstatus oder eine Duldung in einem europäischen Land erlangen oder nicht, muss in fairen Verfahren geklärt werden. Aber die Würde jedes Menschen ist unantastbar.“

Der Stadtsuperintendent freut sich über den Beschluss des Kölner Stadtrates von vor zwei Jahren, mit dem sich Köln zum „sicheren Hafen“ erklärt hat. „Ich lebe gerne in einer Stadt, der die Not von Menschen auf der Flucht nicht egal ist. Ich lebe gerne in einer Stadt, die zugleich realistisch ist und weiß, dass die Fluchtgründe nur global gelöst werden können. Die Aufnahme Geflüchteter ist eine europäische Aufgabe.“ Die evangelische Kirche trägt ihren Teil dazu bei und unterstützt geflüchtete Menschen. Hinter ihr stehen die Diakonie, viele Gemeinden, unsere Beratungsarbeit und Sprachkurse sowie zahlreiche Ehrenamtler.

Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholiken Ausschusses, fordert von der Politik, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, notfalls auch gegen den Willen von Sicherheitsbehörden für eine humanitäre Aufnahme zu sorgen: „Daran werden wir Ihre Wahlaussagen messen.“

Zahlreiche prominente Unterstützerinnen und Unterstützer

Zahlreiche Rednerinnen und Redner sowie Musikgruppen unterstützen die Aktion. Unter ihnen: Brings, Klüngelköpp, Planschemalöör, Fortuna Ehrenfeld, Michael Kokott und Chöre, Heidrun Abel von ver.di und Vero Däges von #WirHabenPlatz. Sie alle folgten der Einladung Pfarrer Mörtters und transportierten ihre Botschaft mit Sprache und/oder Musik.









Text: APK
Foto(s): APK

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„Leid kennt keine Konfession“ Präses Thorsten Latzel und Stadtsuperintendent Bernhard Seiger besuchten Blessem – Hilfe in vielfältiger Form zugesagt

Es liegt eine beklemmende Stille über Blessem an diesem frühen Samstagmorgen. Nur hin und wieder durchbrochen von dem durchdringenden Stakkato der Pressluft- und den Druckluft-Meißelhämmern. Es werden immer noch Putz und Estrich weggestemmt in dem von der Flut stark betroffenen Stadtteil von Erftstadt. Auf zahlreichen Fassaden sind rote Kreise mit Kreuzen aus Sprühkreide zu sehen. Statiker haben diese Häuser geprüft und entschieden: Die dürfen stehen bleiben.

Es ist neun Uhr und im Info-Point der Johanniter vor der katholischen Kirche St. Michael geht es noch beschaulich zu. Hier werden die Helfereinsätze koordiniert. Gegen Mittag wird es belebter werden. Dann geben die Helferinnen und Helfer innerhalb von drei Stunden 150 Essen heraus. Immer noch sind viele Haushalte ohne Strom und Gas. Es hat sich Besuch angekündigt.

Besuch des Präses

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Bernhard Seiger, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd, zu dem Erftstadt-Blessem gehört, wollen sich vor Ort knapp acht Wochen nach der Katastrophe ein Bild machen. Sie werden empfangen von den Lechenicher Pfarrerinnen Friederike Schädlich und Sabine Pankoke sowie Pfarrerin Andrea Dörer aus Liblar.  Ebenfalls im Empfangskomitee vertreten sind die Presbyterin Sabine Finster sowie Birgit Bartmann, katholische Gemeindereferentin aus Blessem.

Die Einwohnerinnen und Einwohner haben Übermenschliches geleistet, nachdem die Flut am 14. Juli den Ort überspült hat. Die Radmacherstraße und die Frauenthaler Straße sind vom Flutmüll gesäubert. Äußerlich wirkt alles fast wie immer. Wären da nicht die offenen Fenster, aus denen das Summen der Trocknungsautomaten zu hören ist. Ein Blick ins Innere der Häuser offenbart die Wahrheit. Nirgends mehr Putz an den Wänden, kein Estrich auf den Böden. Es riecht modrig. Reger Verkehr herrscht an der Hundeschule am Ende des Elisabethenwegs. Dort ist der zentrale Flutmüllplatz von Blessem. Meterhoch liegt da auf einer Strecke von 30 Metern alles, was die Flutopfer mal ihr Eigen nannten. Und noch immer kommen Leute und liefern Sperrmüll ab.

„Was brauchen Sie und wie können wir Sie unterstützen?“

Präses Latzel hat auch schon das Ahrtal besucht.  Ihn bewegen rund acht Wochen nach der Katastrophe zwei zentrale Fragen: „Was brauchen Sie? Wie können wir Sie unterstützen?“ Eigentlich habe die Pandemie als Plage schon genug Unheil angestiftet. Und jetzt auch noch das Wasser. „Viele haben in dieser Zeit den Glauben an die Menschheit zurückgewonnen“, verweist der Präses auf die positiven Seiten der Solidarität, die viele mit den Flutopfern geübt hätten.

„Geld ist momentan nicht unser größtes Problem. Es geht eher darum: Wie kriegen wir die Verteilung koordiniert?“ Vertreter der Landeskirche hätten sich von Experten aus Sachsen beraten lassen, die beim Elbhochwasser Erfahrungen gesammelt hätten. „Bis alles wieder so ist wie vorher, werden fünf bis sechs Jahre vergehen, sagen die.“ Es gebe große Dankbarkeit in der Bevölkerung für die professionellen Rettungskräfte und ihre ehrenamtlichen Helfer, sagte Pfarrerin Schädlich bei einem Rundgang durch den Ort.

Viele Blessemer sind bei Verwandten und Freunden untergekommen. Seiger wies auf einen weiteren Aspekt hin: „Vielen stellt sich jetzt die Frage, wo sie im Winter ein Dach über dem Kopf haben werden.“ Es fehlen Handwerkerinnen und Handwerker, die Hausanschlüsse für die Stromversorgung legen und Heizungen einbauen. Und die müssen bezahlt werden.

„Zuerst müssen die Versicherungen zahlen, dann der Bund und die Länder, und danach wir.“

Latzel benannte die Reihenfolge: „Zuerst müssen die Versicherungen zahlen, dann der Bund und die Länder, und danach wir.“ Es müsse unbedingt vermieden werden, dass die Menschen sich „nackt“ machen müssten, um Spendengelder zu erhalten. Allerdings: „Wir müssen den Spagat hinbekomme, die Spendengelder unbürokratisch und transparent zu verteilen.“

Seiger ergänzte: „Es ist ganz wichtig, dass wir das Vertrauen hochhalten.“ Latzel möchte das Wissen Mitarbeitender vor Ort nutzen. „Sie können natürlich keine Einzelprüfungen machen. Aber Sie kennen die Leute und können gut einschätzen, wo Hilfe gebraucht wird.“ Die Kirchenleitung unterstützt die Gründung von Diakonie-Teams, die in nächster Zeit für die Beratung der Flutopfer bereitstehen werden.

Stadtsuperintendent Seiger fragte den Präses, ob die Gemeinden vor Ort Unterstützung aus Düsseldorf bekommen könnten. „Die Gemeindearbeit geht in den Flutgebieten ja weiter. Die Unterstützung muss aber dauerhaft sein. Man könnte eine Pfarrerin oder ein Pfarrer für ein Jahr zur Entlastung nach Lechenich schicken. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Gemeinde das möchte.“

Latzel möchte nach Möglichkeiten suchen, Ehrenamtliche für die Hilfe bei Traumatisierungen zu qualifizieren. Gemeindereferentin Birgit Bartmann brachte einen weiteren Aspekt ein: „Wir müssen das alles  größer und ökumenischer denken. Den Leuten ist es letztlich egal, ob da jemand von der Diakonie oder der Caritas vor ihnen sitzt.“ Da war sich die Runde einig, und Latzel fasste zusammen: „Leid kennt keine Konfession. Überall, wo wir Partner finden, werden wir zusammenarbeiten.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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