Die „Bank der Begegnung“ und „Geh-spräche“ rund um den Pescher See: In der evangelischen Gemeinde Köln-Pesch gibt es zwei draußen stattfindende Angebote, die bei den Gemeindemitgliedern gut ankommen. Ein Gespräch mit Vikarin Melissa Schüller:
Wie sieht das Konzept der „Bank der Begegnung“ aus?
Die „Bank der Begegnung“ ist wie ein mobiler Seelsorgeraum. Einen festen Raum haben wir ja im Gemeindezentrum. Unsere Bank der Begegnung hat keine Rollen, aber sie ist tragbar und steht vor dem Gemeindezentrum – oder sie kann in den Kirchgarten getragen werden. Die Gespräche können so draußen geführt werden. Vorher hatten wir nicht so eine gemütliche Sitzgelegenheit. Die Bank hat in der Mitte einen kleinen Tisch, der hoch gefahren werden kann. Bisher hatten wir bei den Gesprächen immer die Masken an, aber bald gibt es – wenn weiterhin gelockert wird – hoffentlich Kaffee, den wir auf dem kleinen Tisch abstellen können.
Und die „Geh-spräche“?
Beim Pescher See ist man innerhalb von fünf Minuten zu Fuß. Der Treffpunkt ist oft bei der Kirche, eine Runde dauert zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Wir können mit oder ohne hündische Begleitung gehen: Meinen Golden Retriever kann ich mitbringen, wenn jemand das möchte. Man kann den sozusagen dazu buchen, wenn jemand allergie- und angstfrei ist. Bei Gesprächspausen ist das schön, dann können die Menschen einfach nur dem Hund zugucken. Durch Bewegung kann man vieles herauslassen. Man wird auch nicht abgelenkt durch die Frage, wo läuft man hin: Wir laufen einmal um den See herum. Nicht die Menschen gehen mit mir – ich gehe mit den Menschen. Die Strecke ist den Menschen bekannt, die liegt in Pesch vor der Haustür. Das ist sozusagen die Hausstrecke von jedem. Jeder weiß, wie weit die Strecke ist, sie ist total überschaubar. Es ist eine landschaftlich schöne Möglichkeit, spazieren zu gehen, die Aussicht ist toll. Man begegnet schon Menschen, aber es ist eher privat da. Und wenn man weiter auseinander nebeneinander her geht, kann man die Maske auch ausziehen, wenn man möchte.
Kann man jederzeit ein Gespräch führen oder muss man sich vorher anmelden?
Man kann anrufen und einen Termin vereinbaren. Mittwochs von 16 bis 18 Uhr ist die Kirche offen, das werden wir auch den ganzen Juni über so lassen. Dann trifft man jemanden im Rahmen der offenen Kirche und man merkt, jemand sucht das Gespräch in der Kirche. Die anderen Menschen beten, es gibt Musik und ein Gespräch würde die anderen Leute ablenken beziehungsweise man wird gut von anderen Menschen gehört. Und dann kann man gut spontan rausgehen auf die „Bank der Begegnung“. Man sitzt ja nicht so lange da, das kann Alltagsseelsorge sein, zwischen Tür und Angel. Wir besprechen auf der Bank aber, was auch immer an Themen mitgebracht wird – es muss ja nicht immer Seelsorge drauf stehen. In der offenen Kirche arbeiten auch Ehrenamtlich, die sich auf der Bank niederlassen und Gespräche führen.
Wie kommt das Angebot bisher an?
Die „Bank der Begegnung“ und auch die Spaziergänge wurden bisher gut angenommen. Der Mai war ja super verregnet, da haben wir die Bank, wenn es regnete, unter die kleine Überdachung vor der Kirchentür gut hinstellen können. Man kann die Bank mit zwei Menschen ganz entspannt an andere Orte bringen. Als es so viel geregnet hat, sind wir nicht so viel spazieren gegangen.
Wie sind Sie auf die Idee zu den Angeboten gekommen? Aufgrund der Pandemie?
Während Corona hat es eine größere Sicherheit geboten, die Gespräche nach draußen zu verlegen. Das Quartiersmanagement „Älter werden in Widdersdorf“ hat uns hierzu inspiriert. Die „Bank der Begegnung“ war eine Teamidee, wir sind zu dritt im Team. Gespräche und Bank, das passte zusammen. Ich kam auf die Idee mit den Spaziergängen, da ich mich gerne bewege. Die „Bank der Begegnung“ nutzen wir etwa seit April, die Geh-spräche gibt es ungefähr seit Februar.
Man kann unter den folgenden Telefonnummern buchen:
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-20210614-WA0005-e1623661112130.jpg7841392https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2021-06-16 22:00:412021-06-26 23:06:09Gemeinde Pesch bietet „Bank der Begegnung“ und „Geh-spräche“ an
Der Sommer ist da, die Inzidenz sinkt und immer mehr Veranstaltungen werden angeboten, auch bei uns in den Gemeinden in Köln und Region. Eine Wochenübersicht über Präsenz- und Online-Veranstaltungen haben wir hier zusammengestellt: vom Diskussionsabend „WiederSprechen“ über eine szenische Lesung, den spirituellen Wochenausklang „Beach and Heaven“, Open-Air-Konzerte, eine Orgelimprovisation bis zur Theaterrevue „Männer sind anders, Frauen aber auch“ – und noch einiges mehr:
17.06.2021, 19:30 Uhr, Melanchthon-Akademie Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln, „Abgesagt“ – Corona und die Kunst, Online-Diskussionsforum der Melanchthon-Akademie
Mit der Veranstaltungsreihe „WiederSprechen“ möchte die Melanchthon-Akademie für die unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen mit der Pandemie einen öffentlichen Raum schaffen und Betroffene mit Verantwortlichen in der Stadtgesellschaft ins Gespräch bringen. Das nächste Online-Diskussionsforum findet am Donnerstag, 17. Juni, 19.30 Uhr bis 21 Uhr, zum Thema „Corona und die Kunst“ statt. Wolf-Rüdiger Spieler, Programm- und Organisationsleiter der Trinitatiskirche Köln, Barbara Förster, Kulturamt der Stadt Köln, Pit Hupperten, Sänger und Gitarrist bei den Bläck Föös, sowie Kutlu Yurtseven, Rapper bei Microphone Mafia, Lehrer und Sozialarbeiter, sprechen mit den Teilnehmenden über ihre Erfahrungen mit den Folgen der Pandemie für die Kultur und die Kulturschaffenden. Moderiert wird das Gespräch wieder von Arnd Henze, Journalist und Autor. Eine Anmeldung zum Online-Diskussionsforum ist erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.
Am Donnerstag, 17 Juni, dem Gedenktag für den Volks-Aufstand in der DDR im Jahr 1953, lädt die Melanchthon-Akademie in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Köln und dem Verein „Bibliothek Germania Judaica Köln e.V.“ zu einem Zeitzeugengespräch mit Günther B. Ginzel ein. Die Online-Veranstaltung trägt den Titel „1700 Jahre Judentum in Deutschland. 32 Jahre nach dem Mauerfall – Juden und Christen in der DDR und in der BRD“. Von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Dr. Ursula Reuter moderiert das Gespräch. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.
17.06.2021, 20:00 Uhr, Evangelische Gemeinde Köln,„Wegen Renovierung geöffnet“, Szenische Lesung im Garten der Kartäuserkirche
Das Stück „Wegen Renovierung geöffnet“ von Ephraim Kishon führt das Ensemble des Theaters Köln Süd e.V. als szenische Lesung am Donnerstag, Freitag und Samstag, 17., 18. und 19. Juni, jeweils 20 Uhr, auf. Die Inszenierung zeigt einen entlarvenden und schonungslosen Blick auf und hinter das Theater und seine Protagonisten. Bedingt durch die geltenden Corona-Bedingungen konnten die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht so intensiv proben wie gewohnt. Aber es drängt sie auf die Bühne. Deshalb präsentieren sie das Stück als öffentliche Probe draußen auf der idyllischen Waldbühne Galiläa der Evangelischen Gemeinde Köln hinter der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, und freuen sich auf neugierige Zuschauende. Die Aufführungen dauern mit Pause jeweils etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine vorherige Anmeldung unter tickets@theaterkoelnsued.de und ein aktueller negativer Corona-Schnelltest sind erforderlich.
18.06.2021, 18:00 Uhr, Evangelisch Leben in Köln und Region,„Beach & Heaven – Body meets Soul“ zum Thema „Füße“, Spirituell und digital – für Körper und Seele
Zum Abschluss der Arbeitswoche dem Körper und der Seele etwas Gutes tun. Das bietet „Beach & Heaven – Body meets Soul“ und verbindet spirituelle Übungen mit körperlichen Elementen aus dem Yoga. Teilnehmen kann man bequem und kostenlos von Zuhause aus per Zoom. Am Freitag, 18. Juni, 18 Uhr, stehen die Füße im Mittelpunkt der Übungen. Das Angebot wird von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeitenden aus dem Evangelischen Kirchenkreis Köln-Mitte gestaltet und aus der Sandkapelle der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) in Lindenthal gesendet. Es richtet sich besonders an Berufstätige, die hier ihre „Seele baumeln“ lassen und dabei neue Kraft tanken können. Das Angebot wird von Livemusik begleitet. Wer teilnehmen möchte, meldet sich per E-Mail unter beachandheaven@kirche-koeln.de an und bekommt dann den Teilnahmelink zugeschickt. Eine Aufzeichnung kann später noch auf dem Youtube-Kanal „beachandheaven“ angeschaut werden.
19.06.2021, 18:00 Uhr, Evangelische Kirchengemeinde Köln-Brück-Merheim,Kultur in der Johanneskirche „Lale – Colours of Eurasia“ – Ensemble Fisfüz
Das orientalische Jazz-Trio Ensemble Fisfüz gibt am Samstag, 19. Juni, 18 und 20 Uhr, zwei Open-Air-Konzerte im Atrium der Johanneskirche Brück, Am Schildchen 15. Annette Maye, (Klarinette, Bassklarinette), Andreas Heuser (Gitarre, Glissentar) und Jonas Völker (Rahmentrommeln, Percussion) präsentieren ihr Programm „Lale – Colours of Eurasia“, in dem sich pulsierende Rhythmen nomadischer Reitervölker mit orientalisch anmutenden Melodien und virtuosen Improvisationen und westlichen Harmonien verbinden. Die Musizierenden aus Köln, Freiburg und Dortmund begeben sich auf eine musikalische Reise auf den Spuren der Tulpe. Die Tulpe, auf Türkisch Lale, wuchs ursprünglich wild in den asiatischen Steppen, bevor sie nach Anatolien gebracht wurde und ihren Weg nach Europa fand. Es gelten die aktuellen Hygiene- und Abstandsregelungen mit begrenzter Teilnehmerzahl und zugeordneten Sitzplätzen. Eine Anmeldung mit Angabe von Namen, Adresse, Telefonnummer und der gewünschten Uhrzeit bis Freitag, 18. Juni, per E-Mail an jane.dunker@ekir.de ist erforderlich. Für den Einlass ist ein „3-g-Nachweis“ erforderlich (2x geimpft, genesen oder gestestet). Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
19.06.2021, 18:00 Uhr, Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln, Orgelvesper mit Pfarrerin Ulrike Gebhardt und Laura Loers, Spirituelle Atempause in der Trinitatiskirche
Ein Programm mit Werken von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Camille Saint-Saëns (1835-1921), Dietrich Buxtehude (1637-1707) sowie Charles-Marie Widor (1844-1937) bringt Laura Loes, Studentin der evangelischen Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und Kirchenmusikerin der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Ehrenfeld, am Samstag, 19. Juni, 18 Uhr bis 18.50 Uhr, zu Gehör. Pfarrerin Ulrike Gebhardt von der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal gestaltet die Liturgie der Orgelvesper in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
20.06.2021, 14:30 Uhr, Evangelische Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen, Altenberger Dom, Altenberg, 51519 Odenthal-Altenberg, Orgelimprovisationen zur Sommerzeit, Musikalische Vesper im Altenberger Dom
Wolf-Rüdiger Spieler, Programm- und Organisationsleiter der Trinitatiskirche Köln, improvisiert am Sonntag 20. Juni, 14.30 Uhr, an der Orgel im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, über Choräle zur Trinitatiszeit und spielt marianische Kirchenlieder. Das musikalische Programm ist Teil einer Vesper in der Reihe „Geistliche Musik mit Segensgebet“.
20.06.2021, 18:00 Uhr, Evangelische Gemeinde Köln Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt, Open-Air Hofkonzert mit „Kempes Feinest“, Nachholtermin im Atrium der Lutherkirche
Ihr erstes Konzert seit dem Lockdown gibt die Kölner Band „Kempest Feinest“ am Sonntag, 20. Juni, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr), unter freiem Himmel im Atrium der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 4. Ihre Liebe zur kölschen Sprache zeigt die Band in einem frechen Mix aus verschiedensten Musikstilen wie Ska-, Latin-, Rock- und Schunkler-Musik und Balladen. Der Kölner Band gehören Sängerin Nici Kempermann sowie Phil Schöpe (Gitarre), Victor González (Drums) Vince Themba (Bass) und Tomek Gwosdz (Keys) an. Informationen zu den Zugangsmodalitäten erhalten Interessierte über die Homepage. Auf dem gesamten Gelände gelten die Abstandsregeln und Maskenpflicht. Bei wieder steigenden Inzidenzzahlen behalten sich die Veranstalter eine Absage vor. Tickets gibt es im Vorverkauf für 25 Euro (Abendkasse 30 Euro) unter lutherkirche.ticket.io.
20.06.2021, 20:00 Uhr, Evangelische Gemeinde Köln, Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, 50678 Köln, „Männer sind anders, Frauen aber auch“, Theaterrevue in der Kartäuserkirche
Um Liebesgeflüster, Eifersucht und Streitigkeiten geht es bei der Theaterrevue „Männer sind anders, Frauen aber auch“ in der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7. Präsentiert von Brigitte Oessling und Uwe Melchert tragen John Kander und Richard Fall an den Sonntagen, 20. und 27. Juni, jeweils 20 Uhr, Textbeiträge von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Mascha Kaleko, eine Szene aus der Komödie „Barfuß im Park“ von Neil Simon sowie Chansons und Schlager von Emmerich Kalman, Theo Mackeben und Cole Porter vor. Der Eintritt kostet 18 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich.
20.06.2021, 10:30 Uhr, Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal, Reformationskirche, Mehlemer Straße 29/Ecke Goethestraße, 50968 Köln, Predigtgottesdienst mit Bachkantate „Jauchzet Gott in allen Landen“
Am Sonntag, 20. Juni, 10.30 Uhr, erklingt im Gottesdienst in der Reformationskirche, Mehlemer Straße 29, die Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ von Johann Sebastian Bach. Die bekannte Kantate ist eine der virtuosesten Bachs und einmalig in ihrer Besetzung für Sopran und Trompete solo sowie Streicher und Continuo. Es musizieren Anna Herbst (Sopran), Tobias Fehse (Barocktrompete), sowie ein Ensemble auf historischen Instrumenten unter Leitung des Organisten Felix Schönherr.
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2021/06/Wochentipps_201929-scaled.jpg14372560https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2021-06-15 22:00:182021-06-24 23:05:46Unsere Wochentipps: Diskussionsabend „WiederSprechen“ und „Beach and Heaven“
Wie wäre es, am Ende der Arbeitswoche Ihrem Körper und Ihrer Seele etwas Gutes zu tun? Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte lädt Sie ein, die Woche mit ihm ausklingen zu lassen: „Beach & Heaven – Body meets Soul“ verbindet spirituelle Impulse mit körperlichen Elementen aus dem Yoga und Livemusik. Teilnehmen können Sie bequem und kostenlos von Zuhause aus per Zoom.
Am Freitag, 18. Juni 2021, geht es um 18 Uhr los – diesmal wird es um die Füße gehen.
„Unser Team möchte den Teilnehmern Spiritualität – auch außerhalb von Kirche – näher bringen, indem sie sich auch über den Körper ausdrücken können“, sagt Bernd Franzen, Prädikant in der Evangelischen Kirche im Rheinland und Yogalehrer. „Yoga ist keine hinduistische oder buddhistische Methode, sondern kann von jedermann ausgeübt werden. Es geht auch darum, christliche Grundüberzeugungen über Yoga erfahrbar zu machen.“ Das Angebot wird von evangelischen Pfarrer*innen und dem Yogalehrer aus Köln-Mitte in Zusammenarbeit mit der Pressestelle gestaltet und aus der Sandkapelle der Evangelischen Studierendengemeinde gesendet.
Bernd Franzen berichtet: „Wir als Kirchengemeinde haben zum ersten Mal mit so etwas experimentiert. Und die Teilnehmer können per Zoom teilnehmen, wenn sie möchten, mit ausgeschalteter Kamera – wenn einen keiner sieht, kann man besser loslassen und im eigenen Intimitätsraum etwas Neues ausprobieren.“ Und das kommt gut an: Beim letzten Mal, als es um die „Nieren“ ging, hatten die Teilnehmer nach dem Wochenausklang viel Positives im Kopf: Die Worte „Erfüllt“, „Freiheit“, „Angekommen“, „Wärme“, „Loslossen“ und „Ruhe“ erschienen im Chat.
Im Jahr 2021 wird in besonderer Weise daran erinnert, dass seit 1700 Jahren Juden in Köln-Mülheim leben. Im Rahmen des Gedenkjahres bietet Dietrich Grütjen, Pfarrer i.R., Führungen auf dem Jüdischen Friedhof Mülheim an, sowie Führungen zu den „Stolpersteinen“ in Mülheim. Zudem gibt es einen Youtube-Kanal mit zahlreichen Beiträgen zu den verschiedensten Themen und eine ausführliche Broschüre.
„Wir haben uns vor drei Jahren, als die 80-jährige Wiederkehr der Reichsprogromnacht war, bei einer Gedenkveranstaltung mit der Geschichtswerkstatt Köln-Mülheim zusammen getan und wollten den Friedhof dokumentieren“, sagt Dietrich Grütjen. „Am Jahresanfang haben wir angefangen, unsere Broschüre zu drucken.“ Durch die langjährige Beschäftigung mit dem Thema seit 1976 wurden sehr viele Informationen zusammengetragen und nun gebündelt. So wurde im Jahr 1978, als Grütjen Pfarrer in Köln-Mülheim war, ein Rabbiner aus Toronto eingeladen. Daraus ist eine enge Zusammenarbeit entstanden.
In diesem Jahr ist noch vieles geplant: „Es gibt einige Veranstaltungen, wie Führungen, aber es soll auch noch weitere Veranstaltungen der Geschichtswerkstatt geben, wie zum Beispiel eine Fahrradtour. Mit einem Mülheimer Gymnasium soll es ein Theaterstück mit der Geschichtswerkstatt geben“, plant Grütjen.
„Die erste Führung ist im Juni bereits ausgebucht“, sagt Grütjen. „An dem Thema herrscht ein großes Interesse. Die Führungen dauern etwa anderthalb Stunden, bei den Stolpersteinen vielleicht etwas länger.“
Die Geschichte jüdischen Lebens ist sehr bewegt
Im Jahr 321 sandte der römische Kaiser Konstantin ein Schreiben nach Köln, in dem er die Erlaubnis erteilte, dass Juden in den Rat der Stadt berufen werden konnten. In diesem Jahr wird darum dieses Jubiläum gefeiert: „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.“ Nach den Pestpogromen in Köln mussten die Juden im Jahr 1424 Köln verlassen. Die vertriebenen Juden ließen sich in Deutz nieder, zogen ins Herzogtum Jülich-Berg und somit auch nach Mülheim. Die Vertreibung dauerte bis 1794, als die Franzosen die diskriminierenden Gesetze gegen die Juden aufhoben.
Die erste urkundliche Erwähnung eines Mülheimer Juden stammt aus dem Jahr 1656; es war der Arzt Salomon Hoyses. Einhundert Jahre später erhielten mehrere Deutzer Familien mit einem „Geleidbrief“ die Erlaubnis, in Mülheim zu wohnen. Von den 381 Häusern, die 1770 in einer Steuerliste Mülheims standen, hatten 8 Häuser jüdische Besitzer. Diese Familien errichteten den Jüdischen Friedhof mit dem ältesten Grab von 1753 für Jacob Abraham Katz.
Die Juden unterhielten ein kleines Bethaus in einem ihrer Häuser (Freiheit zwischen Stöckerstraße und Bachstraße). Die Eisflut von 1784 zerstörte diese Synagoge genauso wie die lutherische Kirche in der Kirchturmstraße. So wie die lutherische Kirche neu errichtet wurde (heute: Friedenskirche Wallstraße), bekam die jüdische Gemeinde eine neue Synagoge. Sie wurde als Hinterhaus in der Freiheit 78 errichtet.
Für die jüdischen Bürger Mülheims begann im 19. Jahrhundert ein wirtschaftlicher Aufstieg und eine zunehmende Integration in die Mehrheitsgesellschaft. Besonders sichtbar wird das an der Familie Cahen-Leudesdorff. Abraham Cahen-Leudesdorff begründete die ACLA, eine noch heute existierende Fabrik. Er war Mitglied des Mülheimer Stadtrates, wie auch drei weitere Mitglieder seiner Familie. Sein Grabstein ist zweisprachig, deutsch und hebräisch, während die älteren Steine nur eine hebräische Inschrift haben.
Die meisten Grabsteine ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts zeigen die Neigung zur Assimilation vieler Juden an die deutsche Gesellschaft. Das Hebräische tritt immer mehr zurück. Die Zugehörigkeit zur deutschen Identität wird betont (Militärdienst, Verdienstorden, etc.).
Mit dem Nationalsozialismus kam der Antisemitismus, der über Hunderte von Jahren das Leben der Juden bedrohte, auch in Mülheim auf seinen grausamen Höhepunkt. Die Synagoge in Mülheim wurde am 10.11.1938 zerstört. Auch auf dem Friedhof zeugen Gräber von den Opfern der Shoa. Die letzte Beerdigung auf dem Friedhof fand 1942 statt: Helene Speyer-Holstein war mit einem Herzversagen im Lager in Müngersdorf verstorben. Von den 19.500 Bürgern Kölns wurden etwa 11.000 Opfer der NS-Zeit, die anderen konnten emigrieren, wenige überlebten die KZs. Als der Krieg zu Ende war, lebten noch etwa 30-40 Juden in Köln.
Einige Juden kehrten nach Deutschland zurück. Unter ihnen auch Ernst Simons, Sohn des letzten Rabbiners von Deutz, dessen Mutter, eine geborene Mohl, aus Mülheim stammte. Ernst Simons gehörte zu den Begründern der „Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“, die 1958 begründet wurde. Ernst Simons war ein unermüdlicher Partner für Christen, die das Gespräch mit den Juden suchten. In der evangelischen Gemeinde Mülheim und in der katholischen Pfarrgemeinde Liebfrauen bildete sich 1978 ein Arbeitskreis. Anlass war ein ökumenischer Gottesdienst zur 40-jährigen Wiederkehr der „Reichspogromnacht“, an dem auch Ernst Simons teilnahm.
Der Arbeitskreis suchte in der Folgezeit nach Spuren der jüdischen Bürger Mülheims. So kam es zum Kontakt mit Rabbiner Erwin Schild, der seit 1982 über 30 Jahre lang immer wieder nach Mülheim kam, um hier und an vielen anderen Orten der Bundesrepublik Vorträge über das jüdische Leben und seine Familiengeschichte zu halten. Mit ihm gemeinsam wurde von den beiden Kirchengemeinden der große Gedenkstein errichtet, der als Erinnerung und Mahnung auf dem Jüdischen Friedhof Mülheim steht.
Beiträge auf Youtube
Im Internet finden sich Darstellungen zu besonderen Aspekten der Geschichte der Kirchengemeinde. Sie werden fortlaufend durch weitere Beiträge ergänzt. Es gibt unter anderem Youtube-Beiträge zu „Eine kleine Mülheimer Kirchen-Geschichte“, „Zeit der Not“, „Kaufleute und Fabrikanten, „Die Eisflut 1784, „Die Leppers. Eine Pfarrersfamilie im Westerwald“ und „Die Niederländischen Schiffer vor Köln. 1600-1800″:
Speziell zu dem jüdischen Friedhof in Köln-Mülheim gibt ein veröffentlichtes Video auf Youtube. Hieran haben Grütjen und Hartmut Schloemann zusammen gearbeitet:
Dietrich Grütjen, Pfarrer i.R., bietet Führungen auf dem Jüdischen Friedhof Mülheim an: am 13. Juni und 26. September 2021, 14.30 Uhr, Haltestelle Mülheim Berliner Straße, Linie 4. Bitte melden Sie sich an bei: Dietrich Grütjen, Tel.: 0221 – 843156; dietrich.gruetjen@gmx.de Männer bitte Kopfbedeckung mitbringen!
In Mülheim können wir über 45 „Stolpersteine“ ins Nachdenken kommen. Dietrich Grütjen, Pfarrer i. R., lädt ein zu einem Gang zu einigen Häusern Mülheims, in denen bis zu ihrer Deportation Juden gelebt haben. Ihre Geschichte haben wir in den letzten Jahrzehnten wieder entdeckt. Es gibt viel zu erzählen – auch zu jüdischem Leben von 321 bis heute. Treffpunkt Friedenskirche, Wallstraße, 19. September 2021. 14:30 Uhr, Führung durch Dietrich Grütjen, Pfarrer i. R.
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2021/06/1700-Jahre-juedisches-Leben-e1622279597969.jpg7651363https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2021-06-10 04:53:282021-06-24 08:06:09Führungen und Youtube-Kanal: 1700 Jahre jüdisches Leben in Köln-Mülheim
Es geht wieder los – die Gesellschaft öffnet sich vorsichtig und immer mehr Veranstaltungen werden angeboten, auch bei uns in den Gemeinden in Köln und Region. Eine Wochenübersicht über Präsenz- und Online-Veranstaltungen haben wir hier zusammengestellt: Es gibt eine literarische und theologische Annährung an jüdisches Leben in Osteuropa, einen Fenster-Trödelmarkt, Open-Air-Konzerte, Geistliche Musik mit Segensgebet im Altenberger Dom und einen Online-Kurs zum erfolgreichen Schulstart.
Die Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein freut sich, am Mittwoch, 9. Juni, 18 Uhr, endlich wieder zu einem Konzert einladen zu können: „Marion & Sobo“ spielen und singen im Kastaniengarten des Andreae-Hauses, Graf-Adolf-Straße 22, Gipsy- und Jazz-Musik sowie Chansons. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und gilt nur für nachweislich getestete, geimpfte oder genesene Personen. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. www.kirche-koeln-muelheim.de
„Wenn ich einmal reich wär´“, „Tewje, der Milchmann“ und die Kunst von Marc Chagall: Literarische und theologische Annäherung an jüdisches Leben in Osteuropa – zu einem Online-Abend mit Fotos, Musik und Gesprächen, der dem jüdischen Leben in Osteuropa von etwa 1890 bis zur Weimarer Zeit und dem Aufkommen des Nationalsozialismus gewidmet ist, lädt die Melanchthon-Akademie am Donnerstag, 10. Juni, 19 bis 21 Uhr, ein. Ausgehend von dem berühmten Roman von Scholem Alejchem „Tewje, der Milchmann“ (geschrieben zwischen 1895 und 1916) und der Kunst von Marc Chagall soll, am Beispiel einer weitverzweigten Familiengeschichte, der Focus auf jene Zeit zwischen Hoffnung, Selbstbewusstsein und Auflösung jüdischer Gemeinschaften, schließlich Auswanderung und Neuorientierung gerichtet werden. Die Teilnahme kostet 10 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.dewww.melanchthon-akademie.de
11. Juni 2021, 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr, Online-Fachtag: Rechtsextremismus und Antifeminismus
In Deutschland, Europa und vielen weiteren Teilen der Welt erstarkt der Rechtsextremismus. Antifeminismus ist dabei eine der zentralen Ideologien. Immer häufiger wird Hass auf Frauen auch zum Motiv für rechtsterroristische Attentate. Dennoch findet die Abwertung von Feminist:innen sowie die Ablehnung von Gender Themen wie z.B. geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der gesellschaftlichen Mitte teilweise wohlwollend Gehör – auch in christlichen Gemeinschaften. Wie mobilisieren rechtsextreme Akeur:innen über antifeministische Positionen? Wie versuchen sie Brücken in konservative und/oder christliche Kreise zu schlagen? Wo treffen sie auf Widerstand und wie kann die offene Gesellschaft wehrhafter werden? Der Fachtag schließt an den Online-Vortrag von Judith Rahner am 10. Juni 2021 an und vertieft diese Fragen. Expert:innen, darunter auch Pfarrerin Dorothee Schaper, Frauenreferentin im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, greifen einzelne Aspekte auf und diskutieren sie auch mit Blick auf das Rheinland. Nach jedem Beitrag bietet sich der Raum für Austausch und Diskussion. Anmeldung und weitere Informationen unter www.ev-akademie-rheinland.de
Während des Lockdowns haben viele Menschen die Zeit genutzt, um bei sich zuhause auszumisten. Koffer, Taschen, Blumenvasen, Haushaltswaren, Deko, Bücher und vieles mehr wurden bei der Evangelischen Begegnungsstätte, August-Kierspel-Straße 96, abgegeben. Sie werden nun bei einem kleinen Fenster-Trödelmarkt am Sonntag, 13. Juni, 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr, zum Verkauf angeboten. Der Erlös ist für das Bildungs-, Freizeit- und Begegnungsprogramm der Einrichtung bestimmt. www.heilig-geist-kirche.de
„Music for Winds“ ist der Titel des Musikprogramms im Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, 51519 Odenthal-Altenberg, am Sonntag 13. Juni, 14.30 Uhr. In der Reihe „Geistliche Musik mit Segensgebet“ spielt Ines Geck Werke von Eugène Bozza und Claude Debussy sowie Swing-Musik auf dem Saxophon. Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner begleitet sie dabei an der Orgel. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Eine Anmeldung unter www.kirche-im-dhuenntal.de ist erforderlich. www.altenberg-dom.de
In einem Online-Kurs der Evangelischen Familienbildungsstätte Köln am Dienstag, 15. Juni, 20 Uhr bis 22.15 Uhr, gibt Julia Tiedgen interessierten Eltern praktische Tipps für den Alltag mit Vorschulkindern und für die erste Zeit in der Schule. Dabei fasst sie das Wichtigste aus der Entwicklungs- und Lernpsychologie zusammen und spricht über die Themen Schulreife, Prävention, Fördern und Fordern sowie über Krisenvermeidung. Die Teilnahme kostet 15 Euro. Eine Anmeldung über die Homepage www.fbs-koeln.org ist erforderlich. www.fbs-koeln.org
16.06.2021, 19:00 Uhr, Evangelische Gemeinde Köln, Hof-Konzert Open-Air in der Lutherkirche
Die Musiker des Tamala Trios kommen aus dem Senegal und aus Belgien. In der Reihe Klangkosmos treten sie am Mittwoch, 16. Juni, 19 Uhr, im Atrium der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 4, auf. Die Musik von Mola Sylla (Gesang, Xalam), Bao Sissoko (Kora) und Wouter Vandenabeele (Violine) bewegt sich zwischen Tradition und Innovation. Über ihr musikalisches Verständnis hinaus teilen die Musiker auch ihre Werte: Gemeinsam unterstützen sie mit ihrer Arbeit eine Schule im Senegal, da Bildung einen wichtigen Beitrag für Frieden und für das Verständnis zwischen den Menschen leistet. Das Konzert findet unter freiem Himmel statt. Es wird empfohlen, einen Regenschirm mitzubringen. Zugang zum Konzert haben vollständig Geimpfte (Die 2. Impfung muss 14 Tage zurück liegen und darf nicht älter als 6 Monate alt sein), Getestete (Nachweis darf nicht älter als 48 Stunden sein) sowie Genesene (Die Genesung muss mit Nachweis mindestens 14 Tage her sein und darf nicht länger als 6 Monate zurück liegen). Auf dem gesamten Gelände gelten die Abstandsregeln und Maskenpflicht. Bei wieder steigenden Inzidenzzahlen behalten sich die Veranstalter eine Absage vor. Der Eintritt kostet 10 Euro im Vorverkauf unter lutherkirche.ticket.io und 15 Euro an der Abendkasse. www.lutherkirche-suedstadt.de
Dass es in der Kirche um die existenziellen Fragen des Lebens geht, ist Pfarrer Samuel Dörr wichtig. Auch das starke Gemeinschaftsgefühl schätzt der 33-Jährige sehr. Mit diesem Mai hat der Theologe seinen Dienst in der Pfarrstelle in Bensberg angetreten. Damit folgt er auf Pfarrer Wolfgang Graf, der, nach 30 Jahren in Bensberg, gerade von Superintendentin Andrea Vogel entpflichtet wurde.
Der Willkommensgottesdienst für Samuel Dörr fand an Christi Himmelfahrt auf dem Gelände des Gemeindezentrums Herkenrath statt – mit viel Musik und einer Predigt, die daran erinnerte, dass Gott sich den Menschen nähert, wenn sie offen für ihn sind. Dass auch das neuerliche Entschwinden Jesu am Himmelfahrtstag die Menschen nicht von Gott entfernt. Immerhin, so rief Pfarrer Samuel Dörr den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern in Erinnerung, offenbarte Gott seine Nähe ja schon Jakob im Buch Genesis – mit dem Traum von der Himmelsleiter, die die Distanz zu Gott überbrückt. Kontakte aufbauen und pflegen, Distanz gar nicht erst aufkommen lassen: Das sind Ziele, die auch Samuel Dörr für seine erste Zeit in der neuen Gemeinde definiert hat. „Ich biete den Mitgliedern der Gemeinde gerade Spaziergänge mit mir an. So lerne ich Bensberg kennen, und die Bensberger kommen mit mir ins Gespräch, können mir erzählen, wofür ihre Herzen schlagen.“
Aufgewachsen ist der Theologe in Andernach am Rhein. Er berichtet, dass er in einem christlich-freikirchlichen Kontext aufwuchs, sich dann aber, als der Berufswunsch Pfarrer feststand, der Landeskirche zuwandte. „Ich absolvierte Gemeindepraktika, und dann war schnell klar, wo ich meinen Platz sehe.“ Sein Studium führte ihn nach Heidelberg, Greifswald und Mainz, das Vikariat dann nach Emmelshausen-Pfalzberg. Ab Oktober 2018 unterstütze er die Pfarrer der Auferstehungsgemeinde in Duisburg Süd, Rainer Kaspers und Bodo Kaiser. In Duisburg legte der Theologe einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Jugendlichen. Er etablierte Formate wie „Pray and Play“, eine Verbindung von Spielen mit kurzen Andachten, bot Jugendgottesdienste als Live-Stream an und probierte Neues aus. „Auch das schätze ich an unserer Kirche so sehr. Ich bin in ihren Traditionen verwurzelt, vor allem die vertraute Liturgie gibt mir in ihrer Beständigkeit Halt, aber ich kann mich auch immer wieder neu ausprobieren.“
Genau das möchte er nun in Bensberg auch. „Ich habe tatsächlich schon so einige Pläne, um der Jugendarbeit Impulse zu geben.“ So könnte der 33-Jährige sich vorstellen, ein Filmstudio aufzubauen, um den jüngeren Mitgliedern der Gemeinde Gelegenheit zu geben, Podcasts oder Andachten aufzunehmen. Auch ein eigener Youtube-Kanal könnte demnächst die Bensberger Gemeindejugend mit der Welt verbinden. Außerdem könne man mit den neuen Formaten alle Generationen ansprechen. „In Duisburg habe ich beobachtet, dass viele ältere Menschen sehr froh über die digitalen Angebote, wie Zoom-Gottesdienste, waren. Wir haben in dieser Zeit mit all ihren Veränderungen eine Chance gesehen, neue Zielgruppen anzusprechen, Jung und Alt zusammenbringen, und es hat funktioniert.“
Im hügeligen Bergischen hofft Samuel Dörr nun, mit Ehefrau Anna und den beiden Töchtern ganz anzukommen. „Wir würden hier gerne heimisch werden. Die Umgebung ist wunderschön, das Willkommen der Gemeindeglieder hat uns sehr gefreut, und der weite Ausblick aus meinem Arbeitszimmer in Richtung Köln ist einfach spektakulär.“
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2021/06/Pfarrer-Samuel-Doerr_02-scaled-e1622821694750.jpg14402560https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2021-06-06 22:00:412021-06-21 23:06:05Pfarrer Samuel Dörr: Im Bergischen Wurzeln schlagen
Die Evangelische Kirche in Bergisch Gladbach hat den Frühlingsempfang coronabedingt abgesagt. Den Festvortrag zum Thema „Corona als Herausforderung unserer Solidarität” können sich Interessierte dennoch online anschauen – Michael Quante, Professor für Praktische Philosophie an der Wilhelms-Universität Münster, spricht unter anderem über die vielstimmige gesellschaftliche Debatte.
„Die Corona-Pandemie ist seit mehr als einem Jahr unser ständiger Begleiter“, sagt Quante. Häufig sei die gesellschaftliche Debatte von starken Gefühlen geprägt. „Fast immer sind die Diskussionsbeiträge ethisch aufgeladen. Dann wird im dem politischen Streit um Maßnahmen auf die möglichen Toten hingewiesen, die wir verursachen, wenn wir eine Maßnahme beschließen oder die wir verursachen, wenn wir eine Maßnahme nicht beschließen“.
Zivilcourage zeigen
Er ruft dazu auf, dass die Menschen Zivilcourage zeigen und „allen Stimmen klar und deutlich zu widersprechen, die nicht argumentieren, sondern polemisieren und spalten“. Hierbei geht er auf die Verbreitung falscher Behauptungen, Fake-News und kritischen Analysen durch vage Verschwörungstheorien ein.
Selbst mitbestimmen
„Wenn wir menschlich und als vernünftige Wesen miteinander umgehen wollen, müssen wir die einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kenntnis nehmen“, sagt Quante. „Entsteht eine Verengung auf bestimmte Aspekte oder die Verabsolutierung einzelner Werte“, sei es für die Demokratie schädlich. Daher appelliert er an alle, nicht nur die eigenen Ansprüche zu berücksichtigen, sondern berechtige Ansprüche aller Betroffenen der Corona-Pandemie wahrzunehmen. Er spricht zudem von einer Ungleichverteilung der Risiken und Maßnahmen – ethisch gesehen, gibt es dafür keine einheitliche Lösung, die alle Menschen zufriedenstellt. Daher gilt es, „dass wir selbst mitbestimmen, was geschehen soll“.
Corona-Pandemie als Dauerstress-Test
„Die Corona-Pandemie stellt einen Dauerstress-Test dar“ und „zeigt uns Risse, Spannungen und Ungerechtigkeiten auf allen Ebenen auf“. Umso wichtiger, so Quante, ist daher an das Pflichtbewusstsein der Menschen zu appellieren, auch „die Ansprüche derjenigen zu artikulieren, deren Stimme überhört“ und „deren Nöte übersehen werden“.
„Es geht hier selbstverständlich um unsere Solidarität, aber langfristig geht es darum, berechtigten Ansprüchen aller Menschen in ethisch angemessener Weise gerecht zu werden.“ Er differenziert im ethischen Sinne zwischen „Individuen, deren berechtigten Ansprüche von der Pandemie direkt oder indirekt betroffen sind“ und geht darauf ein, dass diese Ansprüche zu berücksichtigen sind.
Gegen die Ungerechtigkeit
Außerdem macht er seine Position bezüglich eines nationalen Wettbewerbs um die Impfstoffverteilung deutlich: „Wie der knappe Impfstoff gerecht verteilt wird, ist keine nationale Frage, sondern bezieht in der Pandemie die Menschen aller Länder mit ein. Impfstoff-Verteilung oder Impf-Geschwindigkeit sind kein geeigneter Gegenstand von nationalem Wettbewerb. Hier darf sich die Ungerechtigkeit unserer Weltordnung nicht einfach wiederholen.“
Zum Abschluss weist er darauf hin, was Jens Spahn zu Beginn der Pandemie gesagt hat, und zwar, „dass wir uns am Ende vieles zu verzeihen haben werden“ und fasst es mit Bertold Brecht zusammen: „Wir sollten den Nachgeborenen einige Gründe geben, unserer mit Nachsicht zu gedenken.“
Das vollständige Video finden Sie auf YouTube:
Der gesamte Text zum Nachlesen:
Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Corona-Pandemie ist seit mehr als einem Jahr unser ständiger Begleiter. Sie betrifft alle auf vielfache, aber auch sehr unterschiedliche Weise. Die gesellschaftliche Debatte ist entsprechend vielstimmig. Häufig ist sie von starken Gefühlen geprägt, fast immer sind die Diskussionsbeiträge ethisch aufgeladen. Ethische Einstellungen decken ein weites Spektrum ab. Sie reichen von emotionalen Reaktionen, zum Beispiel der Empörung über individuelles Fehlverhalten bis zur Bewertung einzelner Handlung oder der Kritik spezieller Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. In den diversen Diskussionen wird auf generelle ethische Prinzipien und Werte zurückgegriffen. Es geht in der Tat um viele hochrangige Güter vom, wie wir sagen nackten Überleben und der Gesundheit ist genauso die Rede, wie von den ökonomischen Existenzängsten oder der individuellen Freiheit.
Im politischen Streit, egal ob im privaten Kreis oder unter hauptberuflichen Politikern, kommen unterschiedliche Gewichtungen dieser Werte, Güter und Normen zum Ausdruck. Die Spannweite reicht vom Vorrang des Lebens Schutzes und der Gesundheit bis zum Vorrang der Sicherung individueller Grundrechte und Freiheiten. Es geht also nie nur um die Frage welche Maßnahmen wirksam sind oder wie schnell umgesetzt werden können. Es geht letzten Endes immer auch darum welche Ziele mit den Maßnahmen erreicht, welche Werte bewahrt und welche Normen respektiert werden sollen. Doch diese ethische Rahmung bleibt zumeist im Hintergrund. Gelegentlich bricht sie sich in ethischen Forderungen unmittelbar Bahn.
Dann wird im dem politischen Streit um Maßnahmen auf die möglichen Toten hingewiesen, die wir verursachen, wenn wir eine Maßnahme beschließen oder die wir verursachen, wenn wir eine Maßnahme nicht beschließen. Die pandemische Lage ist bis auf Weiteres unübersichtlich und widersprüchlich. Unsere gesellschaftliche Debatte fügt sich in dieses Gesamtbild nahtlos ein. In Deutschland haben wir die Möglichkeit uns als Bürgerinnen und Bürger an der gesellschaftlichen Debatte in demokratischen Prozessen frei zu beteiligen, das gilt nicht für alle Menschen auf der Welt gleichermaßen. Dieses ethische Grundrecht ist zugleich auch eine Verpflichtung. In einer Demokratie setzt es die Bereitschaft und die Fähigkeit voraus, eine komplexe ethische Debatte mit rationalen Mitteln zu führen.
Das erfordert ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Toleranz. Es braucht die Bereitschaft sich seriös zu informieren und den Argumenten der anderen, auch der Andersdenkenden, zuzuhören. Zugleich ist die Zivilcourage gefragt, allen Stimmen klar und deutlich zu widersprechen, die nicht argumentieren, sondern polemisieren und spalten. Die sich auf falsche Behauptungen stützen, Fake-News unkritisch weiterverbreiten oder kritische Analysen durch vage Verschwörungstheorien ersetzen.
Wenn wir menschlich, und das meint hier mit wechselseitigem Respekt, und als vernünftige Wesen miteinander umgehen wollen, müssen wir die einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kenntnis nehmen, wohlwissend dass sie nicht unfehlbar sind und auch nicht immer nur in eine eindeutige Richtung weisen. Außerdem müssen wir umsichtig alle relevanten Güter, Normen und Werte im Blick behalten.
Die Verengung auf bestimmte Aspekte oder die Verabsolutierung einzelner Werte ist für eine Demokratie so schädlich, wie eine einseitige Diät für jeden von uns. Außerdem kommt alles darauf an, dass wir niemanden vergessen, der von der Pandemie oder von unseren Maßnahmen betroffen ist. Dies ist ein Gebot der Menschlichkeit, der Gerechtigkeit und der Solidarität. Corona ist ein globales Geschehen und wird uns noch lange beschäftigen. Deshalb ist es klug und ethisch geboten unsere ethische Debatte nachhaltig auszurichten. Langfristige und globale Auswirkungen der Pandemie sind gegen kurzfristige und lokale Effekte abzuwägen. Welches Leid für die Wirkung die wir mit unseren Maßnahmen hervorrufen und für die Effekte, die wir durch unsere Unterlassungen nicht verhindern.
Wir sind aufgefordert die berechtigten Ansprüche aller Betroffenen zu berücksichtigen und nicht ausschließlich die Eigenen im Blick zu haben. Es ist menschlich, dass uns dies schwerfällt, je gravierender wir selbst betroffen sind. Es ist offensichtlich, dass es uns allen zunehmend schwerer fällt, je länger die Pandemie andauert. Dauerstress oder Frust sind keine guten Vorbedingungen sich auch die Perspektive der anderen vor Augen zu führen. Doch genau dies sollten wir uns selbst und allen anderen immer wieder abverlangen, sonst werden wir diese Herausforderung ethisch nicht bestehen können und unsere Demokratie wird ernsthaft Schaden nehmen. Angst oder Frustration haben noch nie zu klugen politischen Entscheidungen oder Wahl-Entscheidungen geführt.
Auch die Risiken von Corona und unseren Maßnahmen gleichermaßen müssen gerecht verteilt werden. Dies gelingt nur, wenn wir die einzelnen Kontexte konkret betrachten. Globale Urteile sind vielleicht geeignet im politischen Raum generelle Verurteilungen oder Schuldzuweisungen zu äußern, als ethisch angemessene Antworten taugen sie nicht. Es gibt keine einfachen Lösungen, eine allein richtige ethische Perspektive. Es ist auch nicht der Fall, dass sich nur eine einzige Position ethisch vertreten lässt. In einer demokratischen Gesellschaft leben wir mit einer Vielfalt von Perspektiven und Stimmen. Als Demokraten wollen wir dies auch, obwohl es die Lage und unser Handeln nicht einfacher macht. Zugleich wollen wir diese Freiheit ethisch verantwortlich gestalten. Deshalb brauchen wir einen Prozess der transparenten Abwägung und der partizipativen Aushandlung von Entscheidungen.
Einfach gesagt: Wir müssen selbst mitbestimmen, was geschehen soll. Es kommt auf jede und jeden von uns an. Nicht nur bei der Einhaltung der AHA-Regeln, sondern auch im gesellschaftlichen und politischen Miteinander. Wenn wir respektvoll miteinander umgehen wollen, müssen wir bereit sein unsere eigene ethische Position zu begründen. Wir müssen uns wechselseitig zuhören und mit Argumenten um gute Antworten streiten. Andersdenkende sind, soweit sie argumentieren und nicht polemisieren, nicht als böswillig, egoistisch oder einfach dumm abzuqualifizieren. Wir alle sind Mitstreiter bei der Suche nach ethisch verantwortbaren Maßnahmen, mit denen wir die Pandemie und ihre globalen Folgen ethisch angemessen bewältigen können.
Ohne diese Haltung wird ein demokratisches Zusammenleben auf Dauer nicht möglich. Sie sollten entschieden allen und jedem widerstehen, was oder wer nicht auf den Erhalt einer pluralen, die Freiheit der einzelnen respektierenden und absichern Gesellschaft, zielt. Nach mehr als einem Jahr ist unbestreitbar, die Covid-Pandemie lässt sich nicht auf ein rein medizinisches oder nur die Gesundheit betreffendes Geschehen reduzieren.
Offensichtlich ist sie ein weltweites Geschehen. Diese Pandemie stellt einen Dauerstress-Test dar. Für jeden von uns, für unseren sozialen Nahbereich, für unsere Gesellschaft, für die menschliche Weltgemeinschaft. Corona zeigt uns Risse, Spannungen und Ungerechtigkeiten auf allen Ebenen auf. Corona ist nicht nur selbst eine umspannende Krise, sie verschärft zugleich alle Krisen von denen wir im Grunde schon lange wissen. Flüchtlingsströme, militärische Auseinandersetzungen, ökonomische und ökologische Verwerfungen dramatischen Ausmaßes. Die Pandemie und unsere Gegenmaßnahmen werden durch die langfristigen Folgen die Lebenschancen zukünftiger Generationen betreffen. Corona ist auch zeitlich ein globales Geschehen. Wenn wir unserer Verantwortung gerecht werden wollen, dürfen wir die Menschen, die in Zukunft auf unserem Planeten leben werden, nicht vergessen.
Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Erst in der Zukunft existierende Menschen können ihre Stimme überhaupt nicht erheben. Die Möglichkeiten sich Gehör zu verschaffen sind zudem ungleich verteilt. Dies gilt im internationalen Kontext, denken wir an die Lebenschancen der Menschen in den unterentwickelten Ländern. Dies gilt auch in unserer eigenen Gesellschaft. Corona uns vor Augen geführt, dass wir die Pflicht haben, auch die Ansprüche derjenigen zu artikulieren, deren Stimme überhört, deren Nöte übersehen werden. Die Pandemie wütet weltweit, aber der Virus schlägt unterschiedlich hart zu.
Krankheit und Tod korrelieren weltweit, aber auch bei uns mit Bildung und Wohlstand. Es mag eine Versuchung sein, darin nur die mangelnde Verantwortungsbereitschaft der einzelnen Menschen zu sehen, doch dies greift in vielen Fällen zu kurz. Wenn wir gerecht sein wollen, müssen wir die Risiken und Chancen, die wir durch unser Handeln jetzt hervorrufen, angemessen verteilen. Aber wir müssen, dies sollte eine der nachhaltigen Lektionen sein, auch alle Menschen in die Lage versetzen solche Lebenskrisen bestehen zu können. Selbst in unserem reichen Land bleibt da noch viel zu tun.
Umso dramatischer sind die Auswirkungen im internationalen Kontext. Es geht hier selbstverständlich um unsere Solidarität, aber langfristig geht es darum berechtigten Ansprüchen aller Menschen in ethisch angemessener Weise gerecht zu werden. Angesichts knapper Ressourcen und der Unmöglichkeit alle Gefahren von allen Betroffenen abzuwenden, gibt es weder eine perfekte noch eine schnelle Lösung. Momentan geht es aus ethischer Sicht um die ethisch vertretbare Verteilung von Risiken. Wer aber ist und welche Risiken sind als relevant zu berücksichtigen? Im ethischen sinne gehören dazu alle Individuen deren berechtigte Ansprüche von der Pandemie beziehungsweise unseren Maßnahmen direkt oder indirekt betroffen sind. Dabei müssen wir unmittelbare Auswirkungen der Infektion und deren Effekte von langfristigen folgen sowie lokale von globalen Effekten unterscheiden.
Gelegentlich wird von primären und sekundären Opfern der Pandemie gesprochen. Auch die Redewendung, von im Zusammenhang mit Corona Verstorbenen, weist auf die Schwierigkeit hin, klare Grenzen zu ziehen. Gegen die Unterscheidung primär wer so sekundär spricht, dass mit ihr eine nicht begründbare ethische Gewichtung nahegelegt wird. Warum das versterben an dem Virus ethisch gravierender sein soll, als der Tod durch häusliche Gewalt, dessen Wahrscheinlichkeit durch diverse Maßnahmen steigt, ist nicht ersichtlich. Wir sollten besser von direkt und indirekt betroffenen Menschen sprechen. Durch aktuelle Entscheidungen würden wir zukünftigen Generationen Lasten auf. Die Ansprüche dieser indirekt betroffenen Gruppe sind zu berücksichtigen.
Gleiches gilt mit Blick auf die räumliche Dimension. Wenn wir Grenzen schließen oder Reise-Verbote aussprechen, sind wir als Bürgerinnen und Bürger direkt, Menschen die in ihren Ländern vom Tourismus leben indirekt betroffen. Für manche Staaten ergeben sich hieraus gesamtgesellschaftliche Probleme, deren Effekte von ökonomischen Krisen bis zur politischen Stabilisierung reichen können. In Gestalt von Flüchtlingsströmen werden uns die Effekte dieser Effekte in nicht allzu ferner Zukunft wieder erreichen. Und dann wird Europa dann werden wir alle beweisen müssen, ob wir zur globalen Menschlichkeit fähig und zur ungeteilten Solidarität mit allen Menschen bereit sind. Aus Sicht unserer Ethik, der sich die Wertegemeinschaft Europa verpflichtet, darf keine Gruppe von Betroffenen übersehen werden.
Wir stehen gerade bei denen am meisten in der Pflicht, denen unsere Maßnahmen die tiefsten Eingriffe oder die größten Risiken zumuten. Und dabei ist es irrelevant, ob es sich um räumlich oder zeitlich weiter entfernte Gruppen von Betroffenen handelt. Wie der knappe Impfstoff gerecht verteilt wird, ist keine nationale Frage, sondern bezieht in der Pandemie die Menschen aller Länder mit ein. Impfstoff-Verteilung oder Impf- Geschwindigkeit sind kein geeigneter Gegenstand von nationalem Wettbewerb. Hier darf sich die Ungerechtigkeit unserer Weltordnung nicht einfach wiederholen, indem sich das brutale Faustrecht des ökonomisch Stärkeren unwidersprochen durchsetzt. Über die unmittelbare Bewältigung der Pandemie hinaus, werden die ökonomischen Kosten unserer Maßnahmen die nächsten Generationen in ihren Gestaltungsspielräumen einschränken.
Dies gilt für unsere Gesellschaft, das trifft umso mehr auf die ärmeren Länder dieses Planeten zu. Wir sollten die Menschen, deren individuelle Lebenschancen wir durch unser Handeln und unser Unterlassen gravierend beeinflussen, bei unserem Ringen um gute und verantwortbare Maßnahmen nicht übersehen. Jens Spahn hat schon zu Beginn der Pandemie zu Recht gesagt, dass wir uns am Ende vieles zu verzeihen haben werden. Ich möchte darüber hinaus auch den zukünftigen Generationen mit gutem Gewissen gegenübertreten können. Wir sollten, so lässt sich dies mit Bertolt Brecht zusammenfassen, den Nachgeborenen einige Gründe geben, unserer mit Nachsicht zu gedenken. Ich danke Ihnen.
Text: APK Foto(s): Ev. Kirchengemeinde Bergisch Gladbach / Prof. Dr. Dres. h.c. Michael Quante
Es ist ein Paradoxon: Kinder und Jugendliche sind durch das Coronavirus am wenigsten gefährdet, dennoch leiden sie mit am meisten unter den Folgen der Pandemie. Denn soziale Kontakte sind in ihrer Lebensphase besonders wichtig. Die Kontaktverbote während und nach dem Lockdown haben für junge Menschen deshalb besonders gravierende Folgen. Manche haben darüber mit kaum jemandem sprechen können, andere tragen ihre Emotionen anonym in die Sozialen Netzwerke. Der Redebedarf ist riesig – die Möglichkeit dafür zu schaffen, ist das Ziel der Veranstaltungsreihe „WiederSprechen“. Mehr als 50 Gäste haben Ende Mai per Zoom an „Vergessene Jugend: Corona und die Generation Z“ teilgenommen und mitdiskutiert.
Moderator und Journalist Arnd Henze sagt: „Es ist wichtig, zuzuhören und hinzuhören, was in der Öffentlichkeit hinten runter gefallen ist.“ Egal, ob es sich um Wut, Unzufriedenheit, Wünsche oder Hoffnungen handelt. Die Veranstaltung will für die so unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen mit der Pandemie einen öffentlichen Raum schaffen – und diese Erfahrungen mit Verantwortlichen in der Stadtgesellschaft ins Gespräch bringen. Joachim Ziefle, stellvertretender Leiter der Melanchthon-Akademie, sagt zum Konzept der Reihe: „Wir haben alle notwendigen Hygienemaßnahmen getroffen, denn wir möchten unseren Experten hier in der Melanchthon-Akademie die größtmögliche Sicherheit bieten.“
Viele Jobs bei den Studierenden sind weggefallen
Jan Gärtner vom AStA der Universität Köln berichtet: „Mein Dienstag startet um 8 Uhr und endet um 22 Uhr, und ich sitze die ganze Zeit vor dem Computer. Ich habe einen Mitbewohner, und wir sehen uns quasi teilweise tagelang nicht, weil ich nicht mehr aus meinem Zimmer komme. Ich versuche pro Woche aber momentan zwei bis drei sehr gute Freunde zu sehen – was mittlerweile leichter ist.“ Finanziell habe sich ebenfalls sehr viel für Studierende verschlechtert, da sie kurze Kündigungsfristen hätten und viele 450-Euro-Jobs weggefallen seien. Viele Studierende, die keinen Anspruch auf Bafög haben, hätten ihre Eltern um Geld bitten müssen oder sogar teilweise wieder zurück nach Hause ziehen müssen. „Wir sind schon sehr heftig getroffen worden“, resümiert Jan Gärtner. „Wir würden auch gerne wieder zurück an die Uni, unter welchen Auflagen auch immer.“
Vereinssport hat es schwer getroffen
Vieles andere ist bei den jungen Menschen auf der Strecke geblieben: „Im Vereinssportbereich haben wir zwei Ebenen, die weggefallen sind: die körperliche Entwicklung und auch im Teamsportbereich den Kontakt untereinander“, sagt Martin Büchel, Geschäftsführer TuS Schildgen in Bergisch Gladbach. „Bei uns entstehen ja eigentlich Freundschaften fürs Leben. Es ist ein Treffpunkt bei uns. Das ist etwas, was man nur ganz, ganz schwer in den digitalen Bereich transportieren kann.“
„Schüler halten tapfer durch“
Anja Veith-Grimm, Schulleiterin Gymnasium Schauerte in Köln, fügt hinzu: „Alle Schüler halten tapfer durch, aber es fehlt ihnen ganz viel – Partys zu feiern, sich zu verlieben. Sie versuchen sich an die Coronaregeln zu halten – aber man muss deutlich sagen, dass sie ganz viel verpasst haben. Wir hatten ja auch Wechselunterricht – da sehen sich die Kinder wieder zwischendrin, aber nicht die ganze Klasse.“ Es sei sehr anstrengend, dass neue Regelungen wie Wechselunterricht so kurzfristig bekannt gegeben wurden und vieles spontan wieder neu geplant werden musste. Gab es nur Negatives, oder auch Positives? „Die Schüler haben aber auch gelernt, mit Unwägbarkeiten umzugehen“, sagt sie. Digital seien die Kinder mittlerweile sehr gut aufgestellt. Und: Die Kinder freuen sich, in die Schule zu gehen.
Großes Interesse an Angeboten
Sabine Gresser-Ritter, Jugendleiterin der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg-Schildgen, bestätigt: „Einiges lief per Zoom, zum Beispiel der Konfirmandenunterricht. Ich erlebe Jugendliche, die sagen, es war in den Ferien zu langweilig. Ich habe aber auch sehr viele Jugendliche erlebt, so ab 17, 18 Jahren, die unglaublich engagiert sind, die Freizeiten planen und vieles mehr. Wir haben immer versucht, so gut es geht, vieles anzubieten. Und alles, was angeboten wird, ist voll – es ist ein großes Interesse dran.“ Sie schätzt, dass es schwierig sein wird, die Jugendarbeit wieder so aufzubauen, wie es vorher war. „Eine Gemeinschaft zu bilden, das war alles nicht möglich.“ Jetzt sei es an der Zeit, Angebote zu machen wie beispielsweise Pizzabacken. „Es wird spannend, wie es sich entwickeln wird – ich weiß es nicht.“
„Familiäre Situation ist eine Katastrophe“
Stephan Glaremin, Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln, sagt: „Kinderschutz lebt davon, dass Menschen aufmerksam sind – in Schule und Kita usw. Wenn so ein System fehlt, so dass gar keine Meldungen gemacht werden“, sei das sehr problematisch. „Die familiäre Situation ist in der Coronazeit eine Katastrophe. Man lebt auf engstem Raum zusammen. Home-Schooling ist total stressig, das muss man einfach so sagen. Und man kann nicht nur digital aufwachsen.“ Einen Ausgleich im familiären Raum zu schaffen, das sei die Herausforderung. „Man kann auch keinen Mitarbeiterbesuch per Kamera machen – es ging da auch um Mitarbeiterschutz“, an dem man ständig gearbeitet habe. Auch Alleinerziehende seien sehr stark getroffen worden. „Ich glaube, dass Kinder und Jugendliche sehr viel mitgemacht haben. Es ist ein schweres Ringen für alle.“
„Man fühlt sich einsam“
Eine Schülerin berichtet, dass der Workload für den Distanzunterricht zu hoch sei: „Wir können uns nicht mehr mit Freunden treffen, weil wir so viel zu tun haben, und dann fühlt man sich einsam. Wenn wir Präsenzunterricht haben, gehen wir nach Hause, und die Schule ist abgeschlossen. Wenn wir Unterricht zu Hause haben, ist der Schultag irgendwie nie abgeschlossen.“
Rege Diskussion im Chat
Eine Teilnehmerin schreibt in den Chat: „Ich würde mir von den Schulen wünschen, dass es bis zu den Sommerferien mehr um eine Bestandsaufnahme der psychischen und physischen Gesundheit und dem Wissenstand des tatsächlich Gelernten geht und weniger darum, noch ,schnell Leistungsnachweise einzuholen‘.“ Ein anderer Teilnehmer fügt hinzu: „Kinder und Jugendliche haben eine ziemlich konfuse Erwachsenenwelt erlebt. Frage in die Runde: Wie wollen wir Kindern und Jugendlichen für die kommenden Krisen ein zuversichtliches Zukunftsbild vermitteln, damit sie nicht mit einer grundsätzlichen Zukunftsskepsis groß werden.“ „Wir brauchen verstärkt außerschulische Angebote“, regt Büchel für die Zukunft an. In Sportvereinen, in Jugendzentren, im kirchlichen Bereich.
Weitere Termine:
Juni 2021, 19.30 Uhr- 21h
WiederSprechen: “Abgesagt“ – Corona und die Kunst
Gäste:
Barbara Förster, Kulturamt der Stadt Köln -angefragt
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2021/06/Corona-und-die-Jugend-e1622197581686.jpg8171453https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2021-06-03 04:31:412021-06-19 23:06:24„WiederSprechen“: Vergessene Jugend – Corona und die Generation Z
„Die Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche.“ Mit einem schlichten aber kraftvollen Satz beschrieb Krankenhausseelsorger Volkher Preis während der Andacht vor der Frühjahrssynode 2021 des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch die Basis seiner Arbeit. Preis und seine Kollegin Dr. Birgit Ventur hatten die Hiob-Geschichte als Thema gewählt. Ventur erzählte von einer Begebenheit im Krankenhaus: „Auf der Station lag ein alter Mann, in sich zusammengefallen, kraftlos und elend. Dieser Mann passte so gar nicht zu dem Bild, das sein Sohn zeichnete, als mich um Besuch bei seinem Vater bat. Er hatte ihn als kraftstrotzend, voller Tatkraft und sehr gläubig beschrieben. Dann kann man als Seelsorgerin nur da sein. Ein „Das wird schon wieder“ ist dann völlig fehl am Platz. Ich will glauben, dass ein „Vater unser“ dem Patienten Kraft gibt. Und man muss das Ausweglose aushalten.“ Die Freunde Hiobs antworteten auf dessen Klagen mit Ratschlägen, weil sie die Situation nicht aushielten. „Hiobs Herz erreicht das nicht. Hilfreich ist, was von Hiob selbst kommt: „Ich weiß, dass mein Tröster lebt.“ Damit verlässt Hiob die Sphäre von Sinnsuche und Erklärungen. Er hält sich fest daran, dass sein Schöpfer und sein Erlöser da sein und ihn am Ende sehen wird. Das gibt Hiob in seinem Unglück Halt. Manchmal ist das alles, was man als Krankenhausseelsorger tun kann. Das persönliche Zusammensein spiegelt die Nähe Gottes. „Dann trage ich das kleine Holzkreuz, das mich hält“. In Christus liegt der Glaube, dass wir durch seine Wiederauferstehung mit ihm leben werden. Ich glaube, dass Gott uns in schweren Situationen so viel Kraft gibt, wie wir brauchen.“
Wir dürfen uns nicht nur in Strukturfragen erschöpfen – Tatjana Laubach folgt auf Bernd Baucks
120 Synodale und Gäste begrüßte Superintendentin Andrea Vogel nach der Andacht zur Online-Synode. Erstmals dabei war Tatjana Laubach aus der Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie ist die Nachfolgerin von Bernd Baucks als Begleiterin der Synode und bedauerte, dass es zumindest bei dieser Synode nicht möglich sei, die Synodalen persönlich kennen zu lernen. Aber die sinkenden Pandemie-Zahlen machten Mut, auf Präsenzveranstaltungen in naher Zukunft hoffen zu können. Die Vertreterin der Landeskirche wies darauf hin, dass digitale Gottesdienstformate auch nach der Pandemie bestehen bleiben könnten. „Die Kirche muss Hoffnungsträgerin sein. Und manchmal muss sie einfach nur da sein.“ Die Pandemie habe Auswirkungen, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick wahrnehme. „Die Zahl der Taufen ist im vergangenen Jahr um 50 Prozent gesunken. Wie viele nachgeholt werden, ist noch nicht klar“, sagte Laubach. Sie warb dafür, Initiativen zur Mitgliederwerbung und -bindung zu stärken. Partizipation sei wichtig. „Wir wollen Impulsgeber für positive Begegnungen sein.“ Und: „Wir dürfen uns nicht nur in Strukturfragen erschöpfen. Halten wir uns viel mehr an das, was uns geistlich Hoffnung gibt.“
Bekenntnis zur unveräußerlichen Würde des Menschen Hauptthema der Synode war der „Antisemitismus“. Bei ihrer Herbsttagung 2019 hatte die Kreissynode den Beschluss gefasst, sich gegen Antisemitismus, Intoleranz und Hass in unserem Land zu stellen. In dem Wortlaut des Beschlusses heißt es: „Wir bekennen uns zur unveräußerlichen Würde des Menschen, zu Toleranz, Achtsamkeit und einem kritischen Dialog mit allen Menschen, egal woher sie kommen oder welche Religion sie im Herzen tragen.“ Synodalassessor Torsten Krall führte in das Thema ein. „Antisemitismus ist gerade wieder sehr aktuell. Er ist auch unser Thema als Kirche. Antisemitismus gehört zu unserer Geschichte.“ Pfarrer Dirk Vanhauer fuhr fort: „Mich macht es zornig, dass Menschen Anschläge auf Synagogen verüben und Hetze im Netz verbreiten. Antisemitismus ist eine Denkbewegung, an der die Kirche in ihrer Geschichte einen großen Anteil hat.“ „Sie sollen mein Volk sein, ich will ihr Gott sein. Ich will einen ewigen Bund eingehen mit ihnen“, zitierte er aus dem Buch Jeremia in Kapitel 32. Es sei ein gutes Ergebnis dieser Stunde, die die Synode dem Thema widmete, wenn danach alle sensibilisiert wären für die Begegnung mit dem Judentum und die Überwindung der Fremdheit gegenüber dem Judentum.
Dr. Rainer Lemaire referierte im Anschluss zum Thema Antisemitismus. Zunächst definierte er den Begriff: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“ Für die Entstehung der abendländischen Judenfeindschaft habe der konflikthafte Ablösungsprozess der frühen Christen vom Judentum eine zentrale Bedeutung. Aus innerjüdischen Diskussionen innerhalb des Neuen Testaments sei Distanz, Trennung und Feindschaft dem Judentum gegenüber geworden. Stereotype wie Dämonisierung, Blutlegenden und Wucherjuden seien bis heute wirksam, so Lemaire. Als Beispiel nannte er mittelalterliche Darstellungen an verschiedenen Kirchenportalen. „Die Kirche ist das neue Gottesvolk und schaut auf das verworfene Gottesvolk, das Judentum herab. Die Kirche steht für den richtigen Weg, die Synagoge für den falschen.“ Aufgrund neuer biblischer und theologischer Einsichten (Synodalbeschluss der EKiR 1980) und aufgrund der Tatsache, dass Jesus zeitlebens als jüdischer Mensch gelebt und geglaubt hat, ist es unsere Aufgabe, das Verhältnis zum Judentum neu und positiv zu bestimmen. Nicht alleine mit Erklärungen, sondern konkret in der praktischen Arbeit in Gemeinde und Schule.
Nach der Einführung in das Thema trafen sich die Synodalen in digitalen Kleingruppen. Angeboten wurden: „Impulse für neue Perspektiven aus der jüdischen Theologie für die christliche Liturgie“ unter der Leitung von Michael Kaiser. „Das Alte Testament lesen unter Berücksichtigung des Verhältnisses zum Judentum“ unter der Leitung von Dr. Rainer Lemaire. „Landnahme, Landbesitz und politisch-theologische Selbstkritik in der Hebräischen Bibel“ unter der Leitung von Pfarrer Dr. Gerhard Wenzel. „Die Psalmen: Christlich-jüdische Gemeinsamkeiten und Unterschiede“ unter der Leitung von Martin Deeters. „Israel und Kirche bei Paulus – ein Blick auf Römer 9-11“ unter der Leitung von Pfarrer Dirk Vanhauer. Im Anschluss waren sich die Synodalen einig, dass sie sich gerne noch mehr Zeit für den Austausch genommen hätten. Alle Referenten haben daher angeboten, die Themen in Videokonferenzen in der nächsten Zeit gemeinsam mit Interessierten weiter zu vertiefen.
Leitung des Kirchenkreises bleibt Nebenamt Mitte 2022 wird Superintendentin Andrea Vogel in den Ruhestand gehen. Die Neubesetzung der Leitung des Kirchenkreises obliegt der Frühjahrssynode im kommenden Jahr. Die Synode hatte auf ihrer Sitzung am Freitagabend zu entscheiden, ob der Nachfolger, beziehungsweise die Nachfolgerin ein Superintendent oder eine Superintendentin im Haupt- oder Nebenamt sein solle. Als Gäste und Experten nahmen zwei Superintendenten an der digitalen Synode teil. Rolf Stahl, ist seit 2010 nebenamtlicher Superintendent im Kirchenkreis Koblenz und Gemeindepfarrer. „Kirchliches Leitungsamt braucht Bodenhaftung. In der Gemeinde erhole ich mich vom Kirchenkreis, im Kirchenkreis von der Gemeinde“, sagte er. Stahl wird durch eine Kollegin mit einem Stellenumfang von 75 Prozent entlastet. Eine Entlastungspfarrstelle anzutreten, könne attraktiv sein, wenn jemand beispielsweise wissenschaftlich engagiert sei oder sich um eine Familie kümmern wolle.
Bernd-Ekkehart Scholten ist seit fünf Monaten hauptamtlicher Superintendent im Kirchenkreis Leverkusen. Vorher war er 25 Jahre Gemeindepfarrer und sieben Jahre Assessor im Kreissynodalverstand. Er warb für das Hauptamt. „Abgehoben sein, ist keine Frage der Strukturen, sondern der Persönlichkeit. Ich beerdige weiter und feiere auch Gottesdienste“, berichtete er. Auf das Hauptamt können sich auch Kandidatinnen und Kandidaten bewerben, die nicht im Kirchenkreis arbeiten. „Oft hat man ja eine gemeinsame Geschichte mit den Leuten im Kirchenkreis. Dann ist es manchmal gut, wenn jemand von außen gewählt wird.“ Ein Drittel aller rheinischen Kirchenkreise hat einen Superintendenten oder eine Superintendentin im Hauptamt. Der Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch auf absehbare Zeit nicht: Nach einem intensiven Austausch entschieden 70 Prozent der Synodalen dafür, die Kirchenkreisleitung weiter in nebenamtliche Hände zu legen.
Antrag an Landessynode über vereinfachte Taufe
Eine von den vier Kölner Kirchenkreisen gebildete AG Taufe möchte eine Änderung des Lebensordnungsgesetzes durch die Landessynode im kommenden Jahr erreichen. Ziel ist es, das Taufangebot für Kinder, deren Eltern nicht Mitglieder der evangelischen Kirche sind, zu erleichtern und zu vereinfachen. Ein entsprechender Antrag wurde und wird allen Kreissynoden vorgelegt. Nach einer lebhaften Debatte entschieden die rechtsrheinischen Synodalen, den Antrag an die Landessynode über eine vereinfachte Taufe zur Kenntnis zu nehmen. Er soll zunächst in den Gemeinden diskutiert werden. Auf der Herbstsynode des Kirchenkreises soll dann der den Antrag an die Landessynode beraten und abgestimmt werden.
Weitere Beschlüsse
Rainer Gutmann aus der Kirchengemeinde Mülheim am Rhein und Claudia Heidkamp aus der Kirchengemeinde Bensberg wurden von der Synode als Stellvertreter der nichttheologischen Abgeordneten zur Landessynode gewählt. Es wurden auch einige Synodalbeauftragungen neu vergeben und Ausschüsse erweitert. Pfarrer Sebastian Baer-Henney ist Synodalbeauftragter für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste, Dr. Bernhard Hausberg gehört in Zukunft dem Finanzausschuss an, Bernd Flamming wurde als Vertreter des Kreissynodalvorstands in den Nominierungsausschuss berufen und Pfarrerin Kerstin Herrenbrück ist ab sofort Mitglied im Fachausschuss Mission und Ökumene. Außerdem beriet die Synode über Möglichkeiten neuer kirchlicher Strukturen in Köln und Region und beschloss, dass ergebnisoffene Gespräche unter bestimmten Voraussetzungen geführt werden. Darüber hinaus wurde ein kurzfristig eingebrachter Antrag für globale Impfgerechtigkeit beraten und beschlossen.
Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch
Dieser Kirchenkreis bildet mit 18 Kirchengemeinden im rechtsrheinischen Köln, in Altenberg, Bergisch Gladbach, Kürten, Lindlar und Rösrath den größten Zusammenschluss innerhalb des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. In seinen Gemeinden leben rund 90.000 Mitglieder, deren Interessen im „Parlament“ des Kirchenkreises, der Kreissynode, von 118 Synodalen vertreten werden.
https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2021/06/KReiuz-scaled-e1622533884752.jpg14402560https://www.kirche-rechtsrheinisch.de/wp-content/uploads/2020/02/logo2.png2021-06-01 07:51:462021-06-17 23:05:20Klares Bekenntnis gegen Antisemitismus – Nachrichten von der Frühjahrs-Synode des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch
„Es ist Pfingsten, wir feiern im Altenberger Dom. Die Musik von ,Fluch der Karibik‘ schwingt noch in unsereren Ohren nach. Als Predigttext haben wir den Turmbau zu Babel. Und nun die große Frage, wie hängt das alles zusammen? Eine Predigtjonglage mit vier Bällen“, so beginnt Präses Pfarrer Dr. Thorsten Latzel seine Predigt an Pfingstmontag im Altenberger Dom.
Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner hat an diesem Nachmittag Werke von Padre Davide de Bergamo, Gioachino Rossini, Jacques Offenbach, sowie Pop und Jazz auf der Altenberger Domorgel gespielt – unter anderem Musik von „Fluch der Karibik“. Präses Pfarrer Dr. Thorsten Latzel führt in seiner „Predigtjonglage“ aus: „Der Altenberger Dom ist so etwas wie die Black Pearl der Ökumene. In Anlehnung an Jack Sparrow: Ein Kirchenschiff bedeutet mehr als Säulen, Bänke und Kanzel. Ein Kirchenschiff bedeutet Freiheit.“ Das ist das, wofür der Altenberger Dom für ihn steht: „Ein Ort des geistlichen Aufbruchs von unten wie von oben. Ein Raum, um Grenzen zu überschreiten hinein in die Freiheit des Geistes Gottes.“
Er sagt: „Ich glaube, unsere Kirche braucht mehr geistliche Piraterie, Menschen, die losziehen, wie damals die Zistersienser, um in einem abgelegenen Tal ein Kloster, eine Kirche zu bauen. Sie ziehen los ohne Sicherheit auf Erfolg in einer Gemeinschaft von Glaubendem mit dem Mut zu Einfachheit und dem Vertrauen auf Christus.“
Über Konfessionsgrenzen hinaus
„Wir sitzen heute in dem gelebten Traum der Menschen von damals. Der Altenberger Dom ist ein Gegenentwurf zum Turm von Babel. Kein Ort, um sich selbst einen Namen zu machen. Kein Ort, wo die einen sich auf Kosten der anderen verwirklichen“, sagt Präses Pfarrer Dr. Thorsten Latzel. Sondern: „Ein Ort, um sich gemeinsam geistlich zu erheben, um als ChristInnen über Konfessionsgrenzen hinweg den anderen zu treffen und ihn zu verstehen.“ Ein Kirchenschiff ohne Türme. Er erläutert: „Darum geht es an Pfingsten: Im Vertrauen auf Gottes Geist loszugehen und dafür über Regeln und Grenzen hinwegzugehen.“
Die Predigt im Video:
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